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Es gibt eine Frage, die nicht das theologische Seminar, sond

Kap.5: Von der Vorsehung — Abschnitt 3 ‱ 2026-05-31 ‱ 37 Min.

Das Bekenntnis

In seiner gewöhnlichen Vorsehung macht Gott Gebrauch von Mitteln; doch steht es ihm frei, ohne sie, ĂŒber sie hinaus und gegen sie zu wirken, nach seinem Wohlgefallen.
– Westminster Bekenntnis, Kapitel 5, Abschnitt 3

Einleitung

Es gibt eine Frage, die nicht das theologische Seminar, sondern der Acker dem Glauben stellt. Ein Bauer im Emmental hat gebetet. Jeden Morgen, bevor der Tag ĂŒber die HĂŒgelkĂ€mme stieg, hat er seinen Herrn um die Ernte angefleht, um Regen zur rechten Zeit, um Sonne, die das Korn bleicht, und um Bewahrung vor dem Hagel, der in diesen TĂ€lern manchen Sommer binnen einer Viertelstunde vernichtet, was ein Jahr Arbeit war. Er hat geglaubt. Er hat vertraut. Und dann hat er auf der Ofenbank gesessen und gewartet. GepflĂŒgt hat er nicht. GesĂ€t hat er nicht. Und als der Oktober kam und die Scheune leer blieb, fluchte er dem Himmel, der sein Gebet nicht erhört habe. Dieser Bauer ist kein Spottbild. Er ist eine Warnung, und die Warnung gilt uns allen. In jedem von uns wohnt eine stille Neigung, Gottes Verheissung und die verordneten Mittel auseinanderzureissen. Wir wollen das Ziel ohne den Weg, die Gabe ohne die Hand, die sie empfĂ€ngt, den Segen ohne den Gehorsam. Und ist diese Neigung nicht zutiefst begreiflich? Je grösser unser Vertrauen auf Gottes SouverĂ€nitĂ€t, desto nĂ€her liegt die Versuchung, das Unsere fahren zu lassen und zu warten, dass Gott es tue – als ob Glaube bedeutete, die HĂ€nde in den Schoss zu legen, statt sie an den Pflug zu legen. Der dritte Abschnitt des fĂŒnften Kapitels, einer der kĂŒrzesten des ganzen Bekenntnisses, spricht in diese Spannung hinein mit einer Klarheit, die so heilsam wie scharf ist. In einem einzigen Satz von kaum zwanzig Wörtern legt er die ganze Lehre von den Mitteln nieder: Gott gebraucht Mittel. Aber er ist nicht an sie gebunden. Er wirkt durch sie. Und er wirkt, wenn er will, ohne sie, ĂŒber sie hinaus und gegen sie. Vier Bestimmungen, die den Glauben aus zwei entgegengesetzten AbgrĂŒnden retten: aus dem Aberglauben, der die Mittel zu Götzen macht, und aus der SchwĂ€rmerei, die die Mittel verachtet. Du stehst jeden Tag vor dieser Spannung. Du betest um Gesundheit – gehst du auch zum Arzt? Du betest um Weisheit – öffnest du die Schrift? Du betest um das Heil deiner Kinder – sprichst du mit ihnen von Christus? Du betest um den Frieden deiner Gemeinde – ertrĂ€gst du den Bruder, der dich reizt? Die Frage der Mittel ist keine Frage fĂŒr Spezialisten. Sie ist die Frage des tĂ€glichen Glaubensgehorsams. Und der Westminster-Abschnitt, vor dem wir heute stehen, ist nicht geschrieben, um Examenskandidaten der Dogmatik zu prĂŒfen, sondern um Seelen durch die Niederungen des Alltags zu leiten, wo der Glaube entweder Wurzeln schlĂ€gt oder verdorrt.

Die biblischen Grundlagen

Die Heilige Schrift ist durchzogen von dem Grundsatz, den der dritte Abschnitt in eine knappe Formel fasst. Sie belehrt uns nicht mit einem dĂŒrren Lehrsatz, sondern malt uns das VerhĂ€ltnis von Gott und Mitteln in ErzĂ€hlungen vor Augen, die tiefer dringen als jede Abstraktion. Die Geschichte Naamans, des syrischen Feldhauptmanns, ist eine der grossen Unterweisungen der Bibel ĂŒber die Mittel, die Gott erwĂ€hlt – und ĂŒber den Stolz, der sich gegen sie strĂ€ubt. Naaman, ein mĂ€chtiger Mann und tapferer Held, war aussĂ€tzig. Auf den Rat einer israelitischen Gefangenen, eines MĂ€dchens, das in seinem eigenen Haus diente, zog er nach Samaria, beladen mit Silber und Gold und PrachtgewĂ€ndern, und stand schliesslich vor der TĂŒr des Propheten. Aber Elisa kam nicht heraus. Statt eines dramatischen Auftritts, statt eines zum Himmel erhobenen Stabs und eines Machtwortes, schickte er einen Boten mit einer Anweisung, die Naaman in Rage brachte: »Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan.« Der syrische Feldherr schĂ€umte. »Ich dachte, er wĂŒrde zu mir herauskommen und hinzutreten und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand ĂŒber der Stelle schwingen und so den Aussatz wegnehmen. Sind nicht die FlĂŒsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser Israels, dass ich mich in ihnen wĂŒsche und rein wĂŒrde?« Hier, in der Empörung eines heidnischen Offiziers, liegt das Herz der Frage. Naaman hatte eine Theologie. Er glaubte, dass Gott heilen könne. Aber er wollte die Heilung auf seine Weise: dramatisch, unmittelbar, spektakulĂ€r. Ein wellenschlagendes Prophetenwort, und der Aussatz verschwindet wie Nebel vor der Sonne. Stattdessen: ein schlammiger Fluss in einem besiegten Land. Die KrĂ€nkung lag nicht darin, dass Gott nicht heilen wollte. Sie lag darin, dass Gott durch ein Mittel heilen wollte, das Naaman zu gering erschien. Erst als seine Diener ihn mit schlichten Worten zurechtwiesen – »Mein Vater, wenn der Prophet etwas Grosses von dir gefordert hĂ€tte, wĂŒrdest du es nicht tun? Wie viel mehr, da er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!« –, ĂŒberwand er seinen Stolz, stieg in den Jordan hinab und kam geheilt herauf. Die Lektion ist durchscheinend klar, und doch vergessen wir sie sofort. Gott hĂ€tte Naaman mit einem blossen Gedanken heilen können. Er wĂ€hlte ein Mittel, das den Feldherrn demĂŒtigte und eben darin rettete. Glaube an Gottes Vorsehung ist kein Glaube, der die Mittel verachtet. Er ist ein Glaube, der sich den Mitteln unterwirft, die Gott verordnet hat – und seien sie so unscheinbar wie das Wasser eines trĂŒben Flusses. Doch die Schrift geht weiter. Sie zeigt uns auch, dass die Mittel nicht aus sich selbst wirken. Der Psalmist weiss darum und singt: »Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behĂŒtet, so wacht der WĂ€chter umsonst.« Das hebrĂ€ische Wort fĂŒr »umsonst« meint nicht nur das Vergebliche, sondern das Nichtige, das Leere, das in sich Zusammenfallende. Der Baumeister mag den Grundriss gezeichnet, die Steine behauen, die Balken gezimmert haben – und wenn der Herr das Haus nicht baut, ist das alles ein Haufen toten Materials, das nie zu einem lebendigen Zuhause wird. Der WĂ€chter mag die ganze Nacht auf dem Turm gestanden, die Augen angestrengt, jeden Schatten geprĂŒft haben – und wenn der Herr die Stadt nicht behĂŒtet, war sein Wachen eine Übung in Vergeblichkeit. So relativiert der Psalmist alle Mittel, doch er ruft nicht zum Nichtstun auf, sondern zum Vertrauen. Die Mittel sind nicht unwichtig. Sie sind unentbehrlich. Der Bauer, der sein Feld nicht bestellt, erntet nichts – das lehrt die Weisheit des Alltags und die Weisheit der Schrift in derselben Stimmlage. Aber die Mittel sind nicht die letzte Ursache. Sie sind KanĂ€le, nicht die Quelle. Das Gelingen kommt nicht aus der geschickten Hand des Maurers oder dem scharfen Auge des WĂ€chters. Es kommt von dem Herrn, der durch geschickte HĂ€nde und scharfe Augen wirkt. Wo der Glaube das vergisst, wird er zum Aberglauben, der das Geschöpf an Gottes Stelle setzt. Paulus hat denselben Gedanken in ein Bild gefasst, das seither durch die Jahrhunderte gewandert ist: »Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzt noch der da begiesst etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.« Das Pflanzen war wirklich. Paulus hatte wirklich gepredigt, hatte wirklich geworben, hatte wirklich den Samen des Wortes in korinthische Erde gelegt. Das Begiessen war wirklich. Apollos hatte wirklich gelehrt, wirklich ermahnt, wirklich die zarten PflĂ€nzchen des Glaubens mit seiner Beredsamkeit getrĂ€nkt. Und doch: Beide sind nichts. Das griechische Wort, das Luther mit »nichts« ĂŒbersetzt, ist hart und schliesst jeden Kompromiss aus. Der Pflanzer und der Begiesser sind nicht beinahe nichts. Sie sind nichts. Die ganze Wirklichkeit ihres Tuns verdankt sich dem, der allein das Gedeihen geben kann. Ohne ihn ist die Predigt des Paulus ein leerer Schall und die Lehre des Apollos ein tönendes Erz. Die Balance, die der Apostel hĂ€lt, ist fein. Er sagt nicht: Weil Gott das Gedeihen gibt, darum brauchen wir weder zu pflanzen noch zu begiessen. Er sagt nicht: Weil wir pflanzen und begiessen, darum ist Gott entbehrlich. Er hĂ€lt beides im selben Satz, in derselben ungeteilten Wirklichkeit: Mittel und Ursache, Kanal und Quelle, Arbeit und Gabe. Und der Glaube, der Paulus gelesen hat, weiss, dass er pflanzen muss, als gĂ€be es keinen Gott, der das Gedeihen gibt – und zugleich beten muss, als gĂ€be es kein Pflanzen und kein Begiessen, aus dem das Leben von selbst aufstiege. Aber nun tut die Schrift noch einen weiteren, einen umstĂŒrzenden Schritt. Sie zeigt, dass der Herr der Mittel auch der Herr ĂŒber die Mittel ist. Er wirkt nicht nur durch sie; er wirkt, wenn er will, gegen sie. Schlag das zweite Buch Mose auf und lies, was geschah, als Israel am Schilfmeer stand. Vor ihnen das Wasser, eine unĂŒberwindliche Mauer aus Tiefe und Tod. Hinter ihnen die Ă€gyptische Streitmacht, die beste Kavallerie der antiken Welt. Jedes natĂŒrliche Mittel sprach gegen sie. Wasser ertrĂ€nkt. Pferde ĂŒberrennen. Das ist die Natur des Wassers. Das ist die Art der Pferde. Und Mose streckte seine Hand ĂŒber das Meer, und der Herr trieb das Meer durch einen starken Ostwind die ganze Nacht hindurch hinweg und machte das Meer zu trockenem Land, und die Wasser teilten sich. Hier wirkt Gott gegen die Mittel. Er setzt das Gesetz ausser Kraft, das er selbst dem Wasser gegeben hat. Er macht den Grund der Tiefe zur Strasse. Er verwandelt das Element des Todes in einen Wall der Rettung. Das Wasser, das seiner Natur nach ertrĂ€nkt, wird zur Mauer, die Israel schĂŒtzt – und dann, als Gott die Hand zurĂŒckzieht, wieder zu der Flut, die Ägypten verschlingt. Dies ist die Freiheit, von der der Westminster-Abschnitt spricht. Gott ist kein konstitutioneller Monarch, der an die Gesetze gebunden ist, die er erlassen hat. Die Naturgesetze sind seine bestĂ€ndigen Handlungsweisen, aber sie sind nicht sein GefĂ€ngnis. Er kann sie ĂŒbersteigen, wenn es ihm gefĂ€llt. Und der Glaube, der durch das geteilte Meer geschritten ist, weiss: Es gibt keine Lage, in der Gott keine Wege mehr hat. Wenn jedes Mittel erschöpft ist, wenn das Wasser unĂŒberwindlich scheint und die Reiterei schon den Horizont verdunkelt – dann ist Gott nicht am Ende seiner Kunst. Er beginnt sie erst recht zu zeigen. Die Geschichte Elias fĂŒgt diesem Bild eine weitere Farbe hinzu. Gott hatte den Propheten an den Bach Krith gesandt, und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch, und er trank aus dem Bach. Ein wunderbares Mittel. Aber dann heisst es: »Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande.« Das Mittel versagte. Nicht weil Gott versagte, sondern weil Gottes Weg ein anderer wurde. Das Versiegen des Baches war nicht das Ende der Vorsehung; es war der Anfang einer neuen FĂŒhrung. Elias musste nach Zarpat ziehen, zu einer Witwe, deren Mehltopf nicht leer wurde und deren Ölkrug nicht versiegte. Der vertrocknete Bach war der Befehl zum Aufbruch. Und die Lektion fĂŒr den Glaubenden liegt auf der Hand: Wenn die Mittel versagen, die du gewohnt bist, verlass dich nicht auf die Mittel – verlass dich auf den Gott, der sie gab und der sie nahm und der einen anderen Weg bereitet hat, den du noch nicht siehst. Ein letztes Bild aus der Apostelgeschichte. Paulus auf dem Schiff, mitten im Orkan, der das Mittelmeer aufwĂŒhlt. Ein Engel ist ihm erschienen und hat ihm verheissen, dass alle Seelen an Bord gerettet werden. Eine bedingungslose Zusage des Himmels. Aber dann, als die Matrosen in der Nacht das Beiboot hinunterlassen wollen, fĂ€hrt Paulus auf: »Wenn diese nicht auf dem Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden.« Die Matrosen waren ein Mittel. Der Engel hatte sie nicht erwĂ€hnt. Paulus aber wusste, dass die Verheissung die Mittel nicht ĂŒberflĂŒssig macht. Sie macht sie unentbehrlich. Derselbe Gott, der das Ziel verordnet, verordnet den Weg. Die Matrosen mussten auf dem Schiff bleiben – nicht als ob Gottes Verheissung an ihrer Mitarbeit hinge, sondern weil ihre Mitarbeit das verordnete Mittel war, durch das die Verheissung sich erfĂŒllen sollte. Dies ist das Geheimnis, das der Glaube nie ganz durchdringt, aber immer praktiziert: Gott will das Ziel, und er will den Weg, und du bist Teil des Weges.

Was die Westminster-VĂ€ter meinten

Als die Westminster-VĂ€ter im Winter 1643 in der Jerusalem Chamber der Westminster Abbey diesen einen Satz formulierten, hatten sie nicht nur theologische IrrtĂŒmer im Blick, sondern Seelen. Sie wussten, dass die Frage nach den Mitteln keine Frage des Hörsaals ist, sondern eine Frage des Lebens, an der Glaube und Gehorsam sich scheiden. Drei Fronten lassen sich in diesem Satz erkennen, und jede von ihnen ist heute so brennend wie vor bald vierhundert Jahren. Die erste Front war der Enthusiasmus, die SchwĂ€rmerei jener, die meinten, der Geist wirke unmittelbar auf die Seele und mache alle Ă€usseren Mittel ĂŒberflĂŒssig. Der SchwĂ€rmer spricht: Ich habe den Geist, ich brauche die Predigt nicht. Ich bin von Gott gelehrt, ich brauche die Schrift nicht. Mein Gebet ist geistlich, ich brauche die Gemeinde nicht. Die VĂ€ter von Westminster antworten mit dem ersten Teil ihres Satzes: »In seiner gewöhnlichen Vorsehung macht Gott Gebrauch von Mitteln.« Das Wort »gewöhnlich« ist der SchlĂŒssel. Es bezeichnet die bestĂ€ndige, von Gott gestiftete Ordnung, nach der er in der normalen FĂŒhrung unseres Lebens und seiner Kirche handelt. Der Geist wirkt gewöhnlich durch das Wort. Die Gnade strömt gewöhnlich durch die Sakramente. Das Wachstum geschieht gewöhnlich in der Gemeinschaft der Heiligen. Wer die Mittel verachtet, verachtet den Gott, der sie eingesetzt hat. Als Gott seinem Volk das Manna in der WĂŒste gab, schaffte er die Landwirtschaft nicht ab. Als er durch ein blosses Wort heilte, hob er die Medizin nicht auf. Die ausserordentlichen Werke der Heilsgeschichte setzen die ordentlichen Wege des Alltags nicht ausser Kraft. Die zweite Front war der Deismus, der in jenen Jahrzehnten in England aufzukeimen begann. Der Deist sprach: Gott hat die Welt mit ihren Gesetzen und Zweitursachen geschaffen und sich dann zurĂŒckgezogen. Die Welt lĂ€uft von selbst, wie eine Uhr, die der Uhrmacher aufgezogen hat und die nun ablĂ€uft, ohne dass er noch eingreift. Die VĂ€ter antworten mit dem zweiten Teil ihres Satzes: Gott »steht es frei, ohne sie, ĂŒber sie hinaus und gegen sie zu wirken, nach seinem Wohlgefallen.« Die Mittel sind kein selbsttĂ€tiger Mechanismus, der unabhĂ€ngig von Gott funktioniert. Er ist in jedem Glied der Kette gegenwĂ€rtig, erhĂ€lt es, lenkt es, regiert es. Und seine Freiheit bedeutet, dass er nie in dem System eingeschlossen ist, das er trĂ€gt. Der Uhrmacher ist nicht abwesend. Er ist anwesend – und er kann jeden Augenblick auf eine Weise eingreifen, die den gewöhnlichen Lauf ĂŒbersteigt. Jede Gebetserhörung ist ein Zeugnis gegen den Deismus: eine ErklĂ€rung, dass der lebendige Gott nicht ein ferner erster Beweger ist, sondern ein allgegenwĂ€rtiger Herr. Die dritte Front war ein subtiler Rationalismus, der Gott zum Gefangenen der menschlichen Vernunft macht. Der Rationalist spricht: Wenn Gott gewöhnlich durch Mittel wirkt, dann muss er immer durch Mittel wirken. Ich kann einen Gott verstehen, der durch Zweitursachen handelt, aber ein Gott, der Wunder wirkt, beleidigt meine Vernunft. Die VĂ€ter antworten, indem sie Gottes Freiheit in vier Richtungen entfalten. Gott wirkt ohne Mittel – er erschafft, erhĂ€lt, bekehrt und heiligt durch sein blosses Wort, wenn es ihm gefĂ€llt. Gott wirkt ĂŒber die Mittel hinaus – er befĂ€higt die Mittel, das zu bewirken, was sie aus eigener Kraft niemals vermöchten, so wie die Predigt des Evangeliums eine Kraft Gottes zur Rettung wird. Gott wirkt gegen die Mittel – er setzt die natĂŒrlichen Eigenschaften der Dinge ausser Kraft, um seine Heilsabsichten durchzusetzen. Das Meer teilt sich. Der Tote steht auf. Das Wasser wird Wein. Jedes Wunder der Schrift ist ein Zeugnis, dass die Mittel Gott dienen und nicht Gott den Mitteln. Der schottische Theologe William Cunningham bemerkte einmal, dass die VĂ€ter von Westminster mit diesen paar Worten eine geistliche Gefahr beseitigten, die kaum ein Christ ganz zu vermeiden weiss: die Neigung, entweder die Mittel zu Götzen zu machen oder sie so zu verachten, dass der Glaube zur blossen Einbildung wird. Die seelsorgerliche Weisheit dieses Satzes liegt in seiner Ausgewogenheit. Weder vergöttert er die Mittel, noch verachtet er sie. Er weist ihnen den Ort zu, den Gottes Weisheit ihnen zugedacht hat: Diener des göttlichen Willens, nicht Herren; KanĂ€le der Gnade, nicht ihre Quelle.

Theologische Tiefe

Thomas Watson hat in seinem Body of Divinity einen Satz geprĂ€gt, der den ganzen Abschnitt in ein Bild fasst: »Die Mittel, die wir gebrauchen, sind nicht die Ursache des Erfolgs. Das ChamĂ€leon lebt von der Luft – können wir von den Mitteln leben? Nein, der Segen Gottes ist es, der das Gedeihen gibt.« Watson drĂ€ngt auf den Punkt: Wir dĂŒrfen aus den Mitteln keine Götzen machen. Derselbe Arzt, dieselbe Arznei, dieselbe DiĂ€t – der eine Patient gesundet, der andere stirbt. Warum? Weil die Mittel nicht die Ursache sind. Sie sind KanĂ€le, und der Kanal ist trocken, wenn die Quelle nicht fliesst. Watson will uns lehren, durch die Mittel hindurch auf den Gott zu blicken, der hinter ihnen steht, und dem Geber mehr zu vertrauen als der Gabe. Die Mittel gleichen den Segeln eines Schiffes: Sie fangen den Wind, aber sie können ihn nicht erschaffen. Ohne den Wind sind die feinsten Segel nichts als schlaffe Leinwand, die nutzlos im toten Hauch hĂ€ngt. Doch Watson wahrt mit gleicher Kraft die andere Seite: Die VernachlĂ€ssigung der Mittel ist nicht Glaube, sondern Vermessenheit. Er schreibt: »Obwohl wir die Mittel nicht vergöttern sollen, dĂŒrfen wir sie doch nicht vernachlĂ€ssigen. Wer seinen Acker nicht besĂ€t, wird Dornen ernten. Christus hĂ€tte Paulus ohne Speise am Leben erhalten können – und doch ass Paulus.« Der Christ, der die Arznei verweigert und es Glauben nennt, der seinen Beruf vernachlĂ€ssigt und es Vertrauen nennt, der die ordentlichen KanĂ€le der Gnade verachtet und es Geistlichkeit nennt – das ist nicht der Glaube der Schrift. Es ist die Vermessenheit, die unser Herr zurĂŒckwies, als der Satan ihn versuchte, sich von der Zinne des Tempels hinabzustĂŒrzen. Christus verweigerte das Ausserordentliche, weil er Gott nicht versuchen wĂŒrde – nĂ€mlich dann ein Wunder zu fordern, wenn die Treppe, die vom Tempel hinunterfĂŒhrte, ebenso sehr ein Mittel der Vorsehung war, wie es die HĂ€nde der Engel gewesen wĂ€ren. Der hollĂ€ndische Theologe Herman Bavinck hat in seiner Reformierten Dogmatik die Lehre von den Mitteln im Schöpfungsglauben verankert. Gott, so Bavinck, schuf eine Welt echter Zweitursachen – wirklicher KrĂ€fte mit wirklichen Eigenschaften und wirklichen Wirkungen. Die Sonne wĂ€rmt wirklich. Der Regen nĂ€hrt wirklich. Der Same keimt wirklich nach seiner Art. Dies sind keine Einbildungen oder blosse Gelegenheiten fĂŒr ein göttliches Handeln, wie die Okkasionalisten lehrten. Gottes Regierung ist so vollkommen, dass er seine unfehlbaren Ziele durch das freiwillige, bedingte und freie Handeln seiner Geschöpfe erreicht – ohne ihren Naturen Gewalt anzutun. Bavinck zeigt, dass die dreifache Freiheit Gottes ĂŒber die Mittel – ohne, ĂŒber, gegen – der dreifachen Not des gefallenen Menschen entspricht. Wir brauchen Gott, der ohne die Mittel wirkt, weil unsere SĂŒnde die natĂŒrliche Ordnung so verdorben hat, dass die Schöpfung allein uns nicht retten kann. Wir brauchen Gott, der ĂŒber die Mittel hinaus wirkt, weil selbst die verordneten Mittel ohne seinen ĂŒbernatĂŒrlichen Segen unzureichend sind. Und wir brauchen Gott, der gegen die Mittel wirkt, weil der Lauf dieser gefallenen Welt, sich selbst ĂŒberlassen, auf Tod und Gericht zusteuert und nur Gottes umkehrende Macht ihn zum Leben wenden kann. Die Auferstehung Christi ist der höchste Fall, in dem Gott gegen die Mittel wirkt: gegen den unumkehrbaren Zerfall des Todes, gegen jedes Naturgesetz, das die EndgĂŒltigkeit des Grabes verordnet. In dieser Auferstehung findet jeder GlĂ€ubige das Muster und die Verheissung der göttlichen Freiheit ĂŒber jedes Mittel, das zum GefĂ€ngnis zu werden droht. Thomas Boston, der schottische Pfarrer, dessen Schriften Generationen von GlĂ€ubigen begleitet haben, zeichnete die seelsorgerliche Spur dieser Lehre mit feinem Strich. Wenn die Mittel versagen – wenn der Arzt den Kopf schĂŒttelt, wenn das Konto leer ist, wenn das verlorene Kind jede Bitte abweist –, dann wird der Glaubende zu eben diesem Bekenntnis getrieben: Gott steht es frei, ohne Mittel zu wirken. Boston kannte das nicht nur als Lehre, sondern als Rettungsseil. Seine Frau litt an langwieriger Krankheit; seine eigene Gesundheit war brĂŒchig; seine Gemeinde lebte unter dem Schatten der Armut. Er lernte, dass das Versiegen der Mittel oft der verordnete Weg ist, auf dem wir entdecken, dass Gott allein genĂŒgt. »Wenn die Kreatur versagt, wird der Schöpfer offenbar«, schrieb er. »Der Bach vertrocknet, damit wir lernen, aus der Quelle zu trinken.« Boston will uns verstehen lehren, dass die Erschöpfung der Mittel kein Zeichen der Verlassenheit Gottes ist, sondern die RĂ€umung der BĂŒhne fĂŒr ein unmittelbareres Zeigen seiner Macht. Wenn jede menschliche StĂŒtze weggeschlagen ist, lernt die Seele, sich allein auf Gott zu lehnen – und findet, dass er völlig genĂŒgt. Der amerikanische Theologe B. B. Warfield nahm in Princeton zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Frage nach Wunder und Mittel auf. In seinen Abhandlungen ĂŒber das ÜbernatĂŒrliche legte er dar, was ein Wunder von der gewöhnlichen Vorsehung unterscheidet. Nicht dass Gott im Wunder handelt und in der gewöhnlichen Vorsehung abwesend wĂ€re – denn Gott ist in beiden gleich gegenwĂ€rtig und wirksam. Sondern die Weise seines Handelns unterscheidet sich. In der gewöhnlichen Vorsehung wirkt Gott durch die Zweitursachen, ihren Naturen gemĂ€ss. Im Wunder wirkt er ohne sie, ĂŒber sie hinaus oder gegen sie – das heisst, er bringt eine Wirkung hervor, die die Zweitursachen, auf ihre eigene Kraft gestellt, nicht hervorbringen könnten. Die Speisung der FĂŒnftausend war nicht die Verletzung eines Naturgesetzes, sondern die königliche AusĂŒbung des Vorrechts des Schöpfers, mit seiner Schöpfung nach seinem Willen zu handeln. Dieselben HĂ€nde, die die Brote mehrten, sind die HĂ€nde, die jeden FrĂŒhling den Samen im Acker mehren. Der Unterschied liegt nicht darin, ob Gott gegenwĂ€rtig ist, sondern im Takt und Muster seines Wirkens. Auf dem Acker braucht Gott Monate, um aus Samen Brot zu machen; auf dem galilĂ€ischen HĂŒgel brauchte er Augenblicke. Aber derselbe Gott speiste sein Volk in beiden FĂ€llen, und keine der beiden Speisungen wĂ€re ohne sein tĂ€tiges Vermögen geschehen. Louis Berkhof fasste in seiner Systematischen Theologie zusammen, wie sich die Mittel zur Vorsehung verhalten. Mittel, so Berkhof, sind keine BrĂŒcken, die Gott braucht, um von seinem Willen zur Wirklichkeit der Welt zu gelangen. Sie sind das regelmĂ€ssige Muster seines Handelns, das seine Weisheit zu unserem Besten gestiftet hat. Der Bauer, der begriffen hat, dass Gott das Korn wachsen lĂ€sst, wird dadurch nicht vom PflĂŒgen und SĂ€en entbunden. Er pflĂŒgt und sĂ€t, weil er weiss, dass Gott durch eben dieses PflĂŒgen und SĂ€en wirkt. Der Glaube macht den Fleiss nicht ĂŒberflĂŒssig; er heiligt ihn. Der Christ, der wirklich auf Gottes Vorsehung vertraut, wird der fleissigste im Gebrauch der Mittel sein, weil er weiss: Dies sind die KanĂ€le, die Gott bestimmt hat. Und derselbe Christ wird der friedvollste sein, wenn die Mittel versagen, weil er weiss: Der Gott, der die KanĂ€le eingesetzt hat, ist nicht an sie gebunden.

Anwendung fĂŒr das reformierte Leben

Erstens: Gebrauche die Mittel mit ganzem Fleiss, denn Gott hat das Ziel und den Weg miteinander verbunden. Wenn der Bauer um die Ernte betet, faltet er nicht die HĂ€nde und wartet, bis die Garben vom Himmel fallen. Er steht vor der DĂ€mmerung auf, schirrt den Ochsen an und bricht den harten Grund. Warum? Weil derselbe Gott, der das Brot verheisst, den Pflug befiehlt. Der Christ, der um Heiligkeit betet, muss sich an das Lesen der Schrift setzen. Der Christ, der um die Bekehrung seiner Kinder betet, muss mit ihnen von Christus reden und sie unter die Predigt des Wortes fĂŒhren. Der Christ, der um Versorgung betet, muss treu in seinem Beruf arbeiten. Gott lĂ€sst sich nicht spotten. Das Ziel erflehen und das Mittel verachten – das ist nicht Glaube, das ist die SĂŒnde des faulen Knechts, der sein Talent in der Erde vergrub. Das Gebet ersetzt die Arbeit nicht; es begleitet sie, durchdringt sie und weiht sie. Hast du heute gebetet, dass Gott deinen Tag segne? Gut. Und hast du dann den Tag mit beidem HĂ€nden ergriffen und getan, was dir vor die HĂ€nde kam, als wĂ€re alles von dir abhĂ€ngig? Noch besser. Das eine ohne das andere ist eine halbe Frömmigkeit, und halbe Frömmigkeit ist gar keine. Zweitens: Vertraue nicht auf die Mittel, sondern auf den Gott der Mittel. Hier liegt die feine Scheidelinie, die allein die Gnade zu ziehen vermag. Dieselbe Handlung des PflĂŒgens, die befohlen ist, darf nicht zum Gegenstand unseres Vertrauens werden. Wehe dem Bauern, der sich auf seinen starken Arm und sein fruchtbares Feld verlĂ€sst. Wehe dem Prediger, der auf seine Beredsamkeit baut. Wehe dem Vater, der meint, seine gute Erziehung werde die Kinder schon zurechtbringen. Die Mittel, vom Segen Gottes getrennt, sind ein trockener Kanal und ein rissiger Brunnen. Bist du treu in deinem Beruf gewesen und hast doch wenig Frucht gesehen? Hast du deine Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn erzogen, und sie wandeln dennoch in Auflehnung? Hast du lange und ernstlich gebetet, und der Himmel scheint aus Erz? Dann höre dies: Die Mittel sind nicht die Ursache. Gott ist die Ursache. Und er ist frei – frei, den Segen zu seiner Zeit zu gewĂ€hren, frei, ihn um GrĂŒnde zurĂŒckzuhalten, die wir nicht ergrĂŒnden, frei, durch andere Mittel oder durch gar keine zu wirken. Die Seele, die dies gelernt hat, kann arbeiten ohne Angst und warten ohne Verzweiflung. Drittens: Verzweifle nicht, wenn die Mittel versagen – Gottes Freiheit ist deine Hoffnung. Jedes Kind Gottes kommt frĂŒher oder spĂ€ter an das Ende aller sichtbaren Mittel. Der Arzt sagt, er könne nichts mehr tun. Die Bank sagt, das Geld sei aufgebraucht. Der Berater sagt, die Ehe sei nicht zu retten. Das Grab schliesst sich ĂŒber dem Geliebten. In dieser Stunde flĂŒstert der Versucher: Gott hat dich verlassen. Aber der Glaube, der im Dunkeln standhĂ€lt, antwortet: Nein – Gott hat nur die Mittel entfernt, um sich selbst mir zu zeigen. Er ist frei, ohne Mittel zu wirken. Als der Bach vertrocknete, war Elia nicht verlassen; er wurde nach Zarpat gefĂŒhrt, wo der Mehltopf einer Witwe ihn eine tiefere AbhĂ€ngigkeit lehrte, als die Raben es je vermocht hĂ€tten. Als das Schilfmeer den Ausweg versperrte, war Gott nicht ĂŒberrascht; er bereitete sich, gegen die Mittel zu wirken – eine Strasse durch die Tiefe zu bahnen, den Meeresgrund in trockenes Land zu verwandeln. Als Saras Schoss erstorben war, war Gott nicht zu spĂ€t; er wartete, bis jede natĂŒrliche Möglichkeit erschöpft war, damit das Kind der Verheissung unverkennbar das Kind des Wunders sei. Deine erschöpften Mittel sind nicht die Grenze der Macht Gottes. Sie sind der Schauplatz seiner Freiheit. Viertens: Bete an, wenn Gott gegen die Mittel wirkt – und erkenne die Wunder der Gnade in deinem eigenen Leben. Die Wunder der Schrift sind nicht nur Beweise der göttlichen Macht, sondern Einladungen zur Anbetung. Als Jesus ĂŒber das Meer ging, fielen die JĂŒnger vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn. Als er den Lazarus am vierten Tag auferweckte, als der Leib schon roch, wurde die Herrlichkeit Gottes auf eine Weise gezeigt, die die gewöhnliche Vorsehung nie hĂ€tte offenbaren können. Und doch – meine nicht, das Zeitalter der Wunder sei das einzige Zeitalter der Anbetung. Jede Bekehrung ist ein Gnadenwunder, ein Werk gegen die Mittel eines harten Herzens und eines widerspenstigen Willens. Jedes Mal, wenn ein SĂŒnder sich von der Finsternis zum Licht wendet, hat Gott gegen den natĂŒrlichen Lauf der gefallenen Seele gewirkt – gegen die Strömung der Welt, des Fleisches und des Teufels. Jedes Mal, wenn ein Verlorener heimkehrt, ist es, weil der Vater lief – und das Laufen des Vaters ist ein Gnadenwunder, das jeder natĂŒrlichen Erwartung dessen widerspricht, was ein gekrĂ€nkter Patriarch tun sollte. Lass jede Erinnerung an Gottes ausserordentliche Werke – in der Schrift, in der Geschichte der Kirche, in deinem eigenen Leben – dich in die Knie zwingen. Die Anbetung ist die einzig angemessene Haltung vor einem Gott, der an keine Mittel gebunden ist. FĂŒnftens: Binde Gott nicht an die Mittel, die du bevorzugst – unterwirf dich seiner Weisheit in der Wahl der Mittel. Naaman wollte die grosse Geste des Propheten; Gott gab ihm den schlammigen Jordan. Wir wollen die mĂ€chtige Predigt; Gott gibt uns das stille FlĂŒstern. Wir wollen die plötzliche Befreiung; Gott gibt uns die tĂ€gliche Zucht. Wir wollen auf AdlersflĂŒgeln zum Himmel getragen werden; Gott heisst uns den schmalen Weg Schritt fĂŒr stockenden Schritt gehen. Die Mittel, die Gott wĂ€hlt, sind oft demĂŒtigend – und das ist genau der Punkt. Das stolze Herz möchte selbst die göttliche Hilfe zum Anlass nehmen, sich zu brĂŒsten. Aber wenn Gott durch die Torheit der Predigt rettet, wenn er durch die Schlichtheit von Brot und Wein nĂ€hrt, wenn er durch die Gewöhnlichkeit des Leidens lĂ€utert – dann macht er allem menschlichen RĂŒhmen ein Ende. Beuge dich seiner Weisheit. Die Mittel, die er gewĂ€hlt hat, so unscheinbar sie erscheinen mögen, sind die genauen Werkzeuge, die seine Liebe und Weisheit als das Beste fĂŒr deine Seele bestimmt haben. Am Ende erhöht die Niedrigkeit der Mittel die Herrlichkeit des Gottes, der durch sie wirkt. Ein schlammiger Fluss und ein syrischer AussĂ€tziger – und der Name des Gottes Israels wurde unter den Völkern verkĂŒndet. Ein Holzkreuz und ein sterbender Verbrecher – und die Erlösung der Welt ward vollbracht. Sechstens: Erkenne in Jesus Christus das höchste Mittel und zugleich den, der alle Mittel ĂŒbersteigt. Der Sohn Gottes ist das Mittel aller Mittel. Durch ihn hat der Vater die Welten geschaffen. Durch ihn trĂ€gt er alle Dinge mit seinem krĂ€ftigen Wort. Durch ihn hat er die Erlösung gewirkt, und durch ihn wendet er die Erlösung den ErwĂ€hlten zu. Der Glaube an Christus ist das von Gott verordnete Mittel, durch das SĂŒnder gerechtfertigt werden. Er ist das Brot des Lebens, das Wasser des Lebens, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer ihn hat, der hat das Mittel, das niemals versagt. Und doch – selbst Christus ist dem Vater als Mittel untergeordnet. Er kam nicht, um seinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der ihn gesandt hat. Er betete in Gethsemane: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Und als er am Kreuz hing, rief er nicht die zwölf Legionen Engel herbei, die ihm zu Gebote standen – nicht weil sie kein Mittel gewesen wĂ€ren, sondern weil der Vater ein anderes Mittel verordnet hatte: den Tod des Sohnes zur Versöhnung der Welt. Lerne von Christus, die Mittel zu gebrauchen und dich zugleich dem Vater zu unterstellen, der ĂŒber alle Mittel gebietet. In der Schule Jesu lernst du, mit beiden HĂ€nden zu arbeiten und mit ganzem Herzen zu vertrauen, die verordneten Wege zu gehen und doch dein Auge allein auf den zu richten, der Wege bahnt, wo keine sind.

Gebet

Herr, allmĂ€chtiger Gott, der du in deiner gewöhnlichen Vorsehung Mittel gebrauchst und doch frei bist, ohne sie, ĂŒber sie hinaus und gegen sie zu wirken nach deinem Wohlgefallen – wir beugen uns vor dir in Anbetung deiner unerforschlichen Weisheit. Du hast uns den Acker gegeben und den Samen und den Regen und die Kraft unserer HĂ€nde. Du hast uns dein Wort gegeben und die Predigt und die Sakramente und die Gemeinschaft der Heiligen. Lehre uns, diese Mittel niemals zu verachten, als wĂ€ren wir zu vornehm fĂŒr die schlichten Wege, die du gestiftet hast. Lehre uns, sie niemals zu vernachlĂ€ssigen unter dem frommen Vorwand, wir vertrauten auf dich. Lass uns pflanzen und begiessen mit allem Ernst, den du von deinen Knechten forderst. Denn wir wissen, dass du durch diese schlichten, alltĂ€glichen Handlungen deine ewigen RatschlĂŒsse ausfĂŒhrst. Aber bewahre uns, o Herr, davor, aus den Mitteln Götzen zu machen und dem Kanal mehr zu vertrauen als der Quelle. Wenn du uns Erfolg schenkst, lass uns nicht in unserem Herzen sprechen: Meine Kraft und die StĂ€rke meiner HĂ€nde hat mir dies erworben. Und wenn du den Segen zurĂŒckhĂ€ltst, lass uns nicht verzweifeln wie Menschen, die keinen Gott haben, sondern uns erinnern, dass du frei bist – frei, durch andere Mittel zu wirken oder durch gar keine. Die Mittel sind deine Diener, nicht deine Herren. Du bist an keinen Kanal gebunden. Wir preisen dich fĂŒr jedes Wunder, das dein Wort bezeugt, fĂŒr jedes Mal, da du deinen heiligen Arm entblösst und dich als den lebendigen Gott erwiesen hast. Aber wir preisen dich nicht weniger fĂŒr die stillen Werke der gewöhnlichen Vorsehung – fĂŒr das tĂ€gliche Brot, fĂŒr den steten Regen, fĂŒr das langsame Wachstum der Gnade in der Seele. Beides bezeugt deine Herrlichkeit, und beides hĂ€ngt an deinem souverĂ€nen Willen. Wenn unsere Mittel erschöpft sind und unsere Kraft am Ende ist, sei du unser Teil. Wenn der Arzt kein Heilmittel mehr weiss, wenn der Vorrat zur Neige geht, wenn das Grab seinen Mund geschlossen hat – sei du unsere Auferstehung und unser Leben. Du bist der Gott, der Wasser aus dem Felsen schlĂ€gt und Ströme in der WĂŒste. Du bist der Gott, der Tote lebendig macht und dem, was nicht ist, ruft, dass es sei. An dir allein hĂ€ngt unsere Hoffnung, und sie hĂ€ngt an nichts anderem. Wir bitten dies im Namen Jesu Christi, der das Mittel aller Mittel ist und der Weg, die Wahrheit und das Leben, und der doch seinen Willen ganz dem Vater ĂŒbergab und durch den Tod zum Leben fĂŒhrte. Ihm, der ohne SĂŒnde war und unsere SĂŒnden trug, der die MĂ€chte ĂŒberwand und den Tod zunichte machte – ihm sei mit dir, Vater, und dem Heiligen Geist alle Herrlichkeit, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
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