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Der siebte Abschnitt des fünften Kapitels ist der kürzeste

Kap.5: Von der Vorsehung — Abschnitt 7 • 2026-06-04 • 35 Min.

Das Bekenntnis

Wie die Vorsehung Gottes sich im Allgemeinen auf alle Geschöpfe erstreckt, so sorgt sie auf ganz besondere Weise für seine Kirche und lenkt alle Dinge zu ihrem Besten.
– Westminster Bekenntnis, Kapitel 5, Abschnitt 7

Einleitung

Der siebte Abschnitt des fünften Kapitels ist der kürzeste. Zwei Sätze, in der englischen Urfassung nicht länger als ein einziger Atemzug. Und doch enthält dieser kleine Abschnitt, was man den archimedischen Punkt der gesamten Vorsehungslehre nennen könnte. Hier läuft alles zusammen, was die sechs vorangehenden Abschnitte entfaltet haben: Dass Gott alle Dinge erhält, dass er durch Zweitursachen wirkt, dass er Mittel gebraucht und dennoch frei über ihnen steht, dass er selbst die Sünde lenkt, ohne ihr Urheber zu sein, dass er seine Kinder durch Anfechtung demütigt, dass er die Gottlosen als gerechter Richter verstockt — all diese Wahrheiten haben ein Zentrum, einen Brennpunkt, auf den sie zulaufen. Dieser Brennpunkt ist die Kirche Jesu Christi. Die Vorsehung Gottes, das sagt der siebte Abschnitt, hat eine besondere Zuwendung. Sie ist nicht wie der Regen, der unterschiedslos auf Gerechte und Ungerechte fällt, obwohl sie auch das ist. Sie hat eine Mitte, ein Herzstück, ein besonderes Anliegen. Gottes Auge ruht auf der ganzen Schöpfung, aber sein Herz schlägt für seine Braut. Er lenkt die Geschicke der Reiche und die Bahnen der Gestirne, aber der tiefste Grund, warum er dies alles tut, ist das Wohl seiner Gemeinde. Die Weltgeschichte ist, von aussen betrachtet, ein verwirrendes Durcheinander von Kriegen und Friedensschlüssen, von aufsteigenden und zerfallenden Imperien, von Seuchen und Entdeckungen. Von innen aber, vom Standpunkt des Glaubens, ist sie ein einziger, zielgerichteter Strom, der auf die Vollendung der Kirche zutreibt. Diese Wahrheit ist nicht neu. Sie ist so alt wie der Bund, den Gott mit Abraham schloss, und so gewiss wie die Verheissung, die der Auferstandene seinen Jüngern gab: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.« Die ganze Heilsgeschichte ist eine einzige Entfaltung dieser besonderen Vorsehung. Gott erwählte sich ein Volk, nicht weil es grösser oder besser war als andere Völker, sondern weil er es liebte. Er führte es durch die Wüste, er gab ihm Richter und Könige, er züchtigte es durch die Propheten, er liess es ins Exil führen und brachte es wieder zurück — und in all dem verfolgte er einen einzigen Plan: den Samen der Frau zu bewahren, aus dem der Erlöser kommen sollte. Als die Zeit erfüllt war, sandte er seinen Sohn, und seit Pfingsten sammelt er sich eine Gemeinde aus allen Völkern, die er mit derselben besonderen Vorsehung umgibt, mit der er einst Israel umgab, ja mit einer noch grösseren, denn nun ist das Geheimnis offenbar geworden, das in den früheren Zeitaltern verborgen war: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Wer diesen Abschnitt versteht, versteht den roten Faden der Bibel. Wer ihn nicht versteht, liest die Schrift wie ein Geschichtsbuch, das von einem Volk handelt, das irgendwie immer wieder überlebt, und von einer Kirche, die irgendwie durch die Jahrhunderte kommt. Aber die Schrift ist nicht die Geschichte vom Überleben der Kirche. Sie ist die Geschichte davon, wie der dreieinige Gott sich eine Braut erkauft, sie durch die Wüste der Zeiten trägt und keinen Augenblick aus den Augen verliert.

Die biblischen Grundlagen

Der Apostel Paulus schreibt im achten Kapitel des Römerbriefs einen Satz, den viele Christen auswendig kennen und den noch mehr als persönliche Verheissung in Anspruch nehmen: »Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.« Dieser Vers ist das Herzstück des siebten Abschnitts, aber er wird oft zu eng verstanden. Paulus spricht nicht von einem privaten Glücksversprechen, das jedem einzelnen Gläubigen ein angenehmes Leben garantiert. Er spricht von der Gewissheit, dass Gott alle Fäden der Geschichte so in der Hand hält, dass sie am Ende ein Gewebe ergeben, in dem die Herrlichkeit seiner Erwählten aufleuchtet. Das »alle Dinge« in diesem Vers ist so umfassend wie das »alle Geschöpfe« im ersten Abschnitt des Bekenntnisses. Es umfasst die Freuden und die Leiden, die Erfolge und die Niederlagen, die Treue und die Sünden der Gläubigen, das Wüten der Feinde und die Gleichgültigkeit der Freunde — kurz alles, was in den sechs vorangehenden Abschnitten entfaltet wurde. Und das »zum Besten« zielt nicht auf irdisches Wohlergehen, sondern auf die Gleichförmigkeit mit Christus, die der Apostel im selben Zusammenhang als das eigentliche Ziel der Vorsehung nennt: »Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleich zu werden.« Damit aber niemand denke, diese Zusage gelte nur den einzelnen Gläubigen und nicht der Kirche als ganzer, schreibt derselbe Paulus im ersten Korintherbrief einen noch umfassenderen Satz, der die besondere Vorsehung über die Gemeinde auf den Begriff bringt: »Alles ist euer, es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges — alles ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.« Hier steht nicht ein persönliches, sondern ein gemeinschaftliches »euer«. Der ganzen Gemeinde in Korinth, und mit ihr der ganzen Kirche aller Zeiten, wird zugesprochen, dass die gesamte Wirklichkeit — Menschen, Welt, Leben, Tod, Zeit — ihr gehört. Nicht im Sinne eines Besitzrechts, sondern im Sinne der göttlichen Verfügung: Alles muss der Kirche dienen, weil Christus, dem alles untertan ist, das Haupt der Kirche ist. Der Tod selbst, der letzte Feind, ist nicht mehr Schrecken, sondern Diener; er ist der Türhüter, der die Gläubigen in die Gegenwart ihres Herrn geleitet. Diese Wahrheit leuchtet nirgends heller als am Anfang der Apostelgeschichte. Die junge Gemeinde in Jerusalem erlebt, was jedem oberflächlichen Betrachter als reine Katastrophe erscheinen muss: Stephanus wird gesteinigt, eine grosse Verfolgung bricht los, und »alle wurden in die Länder Judäa und Samaria zerstreut, ausser den Aposteln.« Die Gläubigen fliehen, sie verlieren ihre Häuser, ihre Arbeit, ihre Sicherheit. Und doch steht unmittelbar danach der Satz, der den verborgenen Sinn dieses Geschehens enthüllt: »Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort.« Die Verfolgung, das Werk des Feindes, wird zum Werkzeug der Ausbreitung des Evangeliums. Was der Satan zur Zerstörung der Gemeinde gedacht hatte, musste zu ihrer Auferbauung dienen. Lukas schreibt das nicht als theologische Deutung an den Rand, er stellt es als schlichte Tatsache in den Bericht. Die Zerstreuung war die Vorsehung, die die Apostel selbst noch nicht verstanden, als Jesus ihnen befohlen hatte, von Jerusalem bis an die Enden der Erde zu zeugen. Der Sturm, der die Gemeinde auseinanderwehte, trug den Samen des Wortes in alle Winde. Der zweite Psalm gehört zu den meistzitierten alttestamentlichen Texten im Neuen Testament, und er ist nichts anderes als ein Lied auf die besondere Vorsehung Gottes über seinen Gesalbten und sein Volk. Der Psalm beginnt mit dem Aufruhr der Völker: »Warum toben die Heiden und reden die Völker so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten.« Die gesamte politische und militärische Macht der Welt steht gegen Gott und seinen Christus. Die Lage scheint hoffnungslos. Und dann folgt die göttliche Antwort. Gott lacht. Nicht zynisch, nicht gleichgültig, sondern mit der Souveränität dessen, der weiss, dass all dieses Toben nicht einmal ein Kräuseln auf der Oberfläche seines Plans verursacht: »Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihrer.« Und dann spricht er, und sein Wort allein genügt: »Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.« Was die Völker auch tun mögen — der König ist bereits eingesetzt. Die Schlacht ist bereits entschieden. Die Vorsehung Gottes über seine Gemeinde ist nicht ein verzweifeltes Reagieren auf die Anschläge der Feinde, sie ist die ruhige, unerschütterliche Regierung dessen, der seinen Sohn bereits auf den Thron gesetzt hat. Der Prophet Jesaja empfing einen Zuspruch, der wie eine direkte Vorwegnahme unseres Bekenntnissatzes klingt. Gott spricht zu seinem Volk, das sich verlassen und vergessen fühlt: »Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergässe, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.« Das Bild ist von einer fast unerträglichen Zärtlichkeit. Eine Mutter kann ihr Kind vergessen — es kommt vor, in den Abgründen menschlicher Verlassenheit. Aber Gott kann seine Gemeinde nicht vergessen, nicht weil er ein besseres Gedächtnis hätte als eine Mutter, sondern weil er sie in seine Hände gezeichnet hat. Die Narben des Gekreuzigten sind das unauslöschliche Zeichen, dass die Kirche für immer in Gottes Gedächtnis eingeschrieben ist. Solange die Wunden Christi sichtbar sind vor dem Thron des Vaters, solange ist die Kirche unvergesslich. Auch der Prophet Sacharja bringt diese besondere Zuwendung Gottes in ein Bild, das an Kühnheit kaum zu überbieten ist. Er schreibt: »Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an.« Der Augapfel ist der empfindlichste, der schutzbedürftigste Teil des menschlichen Leibes. Das Auge hat einen eingebauten Schutzreflex, das Lid, das sich blitzschnell schliesst, noch ehe das Bewusstsein die Gefahr überhaupt wahrnimmt. So wacht Gott über seiner Kirche. Er schläft nicht, und seine Wachsamkeit ist nicht erst dann aktiv, wenn der Schaden schon geschehen ist. Im selben Bild des Augapfels schwingt eine zweite Bedeutung mit: Der Augapfel ist das Organ, durch das Gott sieht, durch das seine Aufmerksamkeit unablässig auf seine Gemeinde gerichtet ist. Die Kirche ist nicht nur beschützt, sie ist beobachtet, sie steht im Zentrum des göttlichen Blicks. Schliesslich steht das Wort Christi selbst über diesem Abschnitt. Als Petrus seinen Herrn als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, bekannt hat, antwortet Jesus mit der ersten ausdrücklichen Verheissung über die Kirche im Neuen Testament: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.« Das Wort, das Luther mit »Gemeinde« übersetzt, ist das griechische ekklēsia, die Herausgerufene, die Versammlung. Und das Entscheidende an dieser Verheissung ist das Wörtchen »meine«. Christus sagt nicht: Eine Gemeinde wird gebaut werden, irgendwie, durch menschliche Anstrengung, wenn es gut geht. Er sagt: Ich baue meine Gemeinde. Der Bauherr ist der Sohn Gottes selbst. Er hat den Bauplan, er wählt die Steine, er bestimmt das Tempo, er trägt die Kosten — und er hat bereits am Kreuz mit seinem eigenen Blut den Grundstein gelegt. Kein Sturm, keine Überschwemmung, keine Belagerung durch die Pforten der Hölle kann diesen Bau zerstören, weil der Baumeister allmächtig ist und der Grund unerschütterlich.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Versammlung der Westminster-Theologen stand bei der Abfassung dieses Abschnitts vor einer doppelten Aufgabe. Einerseits musste der siebte Abschnitt die Vorsehungslehre des ganzen Kapitels zu einem krönenden Abschluss bringen. Andererseits musste er die Tür zu den folgenden Kapiteln öffnen, die von der Kirche, den Sakramenten und der Kirchenzucht handeln. Der Abschnitt ist bewusst kurz gehalten, aber jedes Wort ist mit Bedacht gewählt. Das erste Wort nach dem Vergleich — »sorgt sie« — ist im englischen Original »it taketh care«. Es ist dasselbe Wort, das im achten Abschnitt des ersten Kapitels für die besondere Fürsorge und Vorsehung gebraucht wird, durch die Gott die Schrift rein erhalten hat. Die Väter von Westminster verwendeten hier ein Wort, das im Alltagsenglisch ihrer Zeit die zärtliche Fürsorge einer Mutter bezeichnete, die ihr Kind umsorgt. Es ist kein kaltes Verwalten, kein blosses Administrieren der Weltgeschichte, was Gott für seine Kirche tut. Es ist die liebende, aufmerksame, unermüdliche Fürsorge eines Vaters, der die Zahl der Haare auf dem Haupt seiner Kinder kennt, weil er sie zählt — nicht aus buchhalterischer Genauigkeit, sondern aus Liebe. Das zweite entscheidende Wort ist »lenkt alle Dinge zu ihrem Besten«. Das englische »disposeth« ist ein juristischer Begriff und bedeutet: anordnen, verfügen, in eine bestimmte Ordnung bringen. Gott lenkt nicht nur, er verfügt. Nicht wie ein Flusslotse, der das Schiff durch die Strömung navigiert, sondern wie ein König, der durch einen Erlass bestimmt, wohin jede einzelne Münze aus der Staatskasse fliesst. Jedes Ereignis der Geschichte, jeder Regierungswechsel, jede Entdeckung, jede Erfindung, jede Krise und jede Blütezeit ist eine Verfügung Gottes, die auf das Wohl seiner Kirche abzielt. Dabei wäre es ein Missverständnis, zu meinen, die Väter hätten gelehrt, dass die Kirche immer in irdischem Wohlstand und sichtbarem Erfolg leben müsse. Die Geschichte der Kirche, angefangen vom Kreuz Christi über die Märtyrer der ersten Jahrhunderte bis zu den Verfolgungen ihrer eigenen Zeit — der Dreissigjährige Krieg tobte noch, als die Westminster-Versammlung tagte —, belehrte sie eines Besseren. »Zum Besten« bedeutete für sie nicht irdische Bequemlichkeit, sondern geistliches Wachstum, Bewahrung im Glauben und die endliche Vollendung in der Herrlichkeit. Die Kirche kann bluten, sie kann schrumpfen, sie kann in Katakomben getrieben werden — und dennoch lenkt Gott alle Dinge zu ihrem Besten. Denn das Beste der Kirche ist nicht ihr Überleben in der Welt, sondern ihre Heiligung in der Wahrheit. Die Westminster-Väter schrieben diesen Abschnitt auch gegen eine bestimmte Front. Unter den englischen Puritanern gab es eine Strömung, die in der Verfolgung durch die anglikanische Staatskirche zu dem Schluss gekommen war, Gott habe seine Kirche verlassen. Die »Seekers« und andere radikale Gruppen meinten, die wahre Kirche existiere nicht mehr auf Erden, die Apostasie sei vollständig, und man müsse auf eine neue Ausgiessung des Geistes warten, die die Kirche wiederherstellen würde. Gegen diesen kirchlichen Defätismus setzten die Westminster-Väter die klare Bekenntnisaussage: Gott hat seine Kirche nie verlassen, er lenkt alle Dinge zu ihrem Besten, und kein noch so dunkles Tal der Kirchengeschichte ist ein Beweis für das Gegenteil. Die wahre Kirche mag bis zur Unsichtbarkeit verborgen sein — wie in den Tagen Elias, als der Prophet meinte, er sei allein übrig geblieben, während Gott doch siebentausend in Israel bewahrt hatte, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt hatten —, aber sie ist niemals untergegangen und wird es niemals. Schliesslich bewahrte die Formulierung »zu ihrem Besten« die Spannung, die das ganze Kapitel durchzieht, zwischen dem, was wir sehen, und dem, was Gott wirkt. Nicht alles, was der Kirche widerfährt, ist in sich gut. Verfolgung ist nicht gut; Verrat durch falsche Brüder ist nicht gut; Spaltungen und Irrlehren sind nicht gut. Aber Gott, der selbst das Böse zu seinen heiligen Zwecken lenkt, ohne sein Urheber zu sein, vermag auch das, was in sich böse ist, so in den Dienst der Kirche zu stellen, dass es am Ende zu ihrem Besten dient. Das Kreuz Christi ist der endgültige Beweis dieser Wahrheit: Der schlimmste Justizmord der Geschichte wurde zum Heil der Welt.

Theologische Tiefe

Die besondere Vorsehung Gottes über seine Kirche ist kein Randthema der reformierten Theologie. Sie gehört zu ihrem Mark und Bein. Schon die Reformatoren des sechzehnten Jahrhunderts erkannten, dass die Lehre von der Kirche nicht getrennt werden kann von der Lehre von der Vorsehung. Denn die Kirche ist nicht eine menschliche Organisation, die unter der allgemeinen Aufsicht Gottes steht wie alle anderen menschlichen Organisationen auch. Sie ist das Eigentum Christi, erkauft mit seinem Blut, Gegenstand seiner unablässigen Fürbitte und Tempel seines Geistes. Johannes Calvin widmete dem Verhältnis von Vorsehung und Kirche in seiner Institutio einen eigenen Abschnitt. Er schrieb: »Sooft wir die Kirche in Bedrängnis sehen, sollen wir uns daran erinnern, dass Gott allen Dingen ein Ziel gesetzt hat, damit sie der Erbauung der Kirche dienen.« Für Calvin war dies nicht nur ein dogmatischer Lehrsatz, sondern eine seelsorgerliche Notwendigkeit. Die Gemeinde in Genf, die er diente, war beständig von katholischen Mächten bedroht. Calvins Briefe an verfolgte Hugenotten in Frankreich sind durchdrungen von dieser einen Gewissheit: Eure Verfolger sind Werkzeuge in Gottes Hand; sie können euch das Leben nehmen, aber sie können den Bau der Kirche nicht aufhalten. Im Gegenteil, sie beschleunigen ihn, denn das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche. Heinrich Bullinger, der über vier Jahrzehnte als Antistes der Zürcher Kirche diente und durch seine Dekaden zu einem der einflussreichsten Theologen der Reformation wurde, entfaltete in der fünften Dekade denselben Gedanken. Er schrieb, Gott regiere die Welt wie ein Hausvater sein Haus. Ein Hausvater sorgt für alle Dinge in seinem Haus, aber für seine Kinder sorgt er mit besonderer Liebe. So trage Gott durch seine allgemeine Vorsehung Sorge für alle Geschöpfe, aber für seine Kirche sorge er mit der besonderen Liebe eines Vaters. Bullinger fügte hinzu, dass selbst die Plagen, die über die Welt kommen — Kriege, Seuchen, Hungersnöte —, von Gott so gelenkt werden, dass sie der Kirche zum Besten gereichen. Wenn die Welt gezüchtigt wird, wird die Kirche geläutert; wenn die Gottlosen fallen, wird die Gemeinde bewahrt. Die Geschichte, so Bullinger, sei das Schulzimmer der Kirche, in dem sie durch Gottes väterliche Zucht zur himmlischen Herrlichkeit erzogen wird. Thomas Watson widmete in seinem »Body of Divinity« ein ergreifendes Kapitel der Frage, wie alle Dinge den Gläubigen zum Besten dienen. Er unterschied mehrere Weisen, auf die Gott selbst das Widrige in Segen verwandelt. Das Böse, das uns widerfährt, dient dazu, uns von der Welt zu lösen, uns zur Busse zu treiben, uns Christus kostbarer zu machen und uns für den Himmel reif werden zu lassen. Aber Watson ging noch einen Schritt weiter und zeigte, dass dies nicht nur für den einzelnen Gläubigen gilt, sondern für die ganze Kirche. Die Verfolgungen der ersten Jahrhunderte trieben die Christen aus Jerusalem hinaus in die Welt; die Stürme der Völkerwanderung brachten das Evangelium zu den germanischen Stämmen; die Entdeckung Amerikas fiel zusammen mit der Reformation und öffnete der Kirche Türen, die nie zuvor offen gestanden hatten. Watson sah in der Weltgeschichte, was er in der persönlichen Lebensgeschichte sah: einen verborgenen Plan, der sich erst im Rückblick erschliesst, der aber von Ewigkeit her feststeht. Der puritanische Prediger John Flavel hat in seinem Buch »Das Geheimnis der Vorsehung« die umfassendste Darstellung dieser Wahrheit gegeben. Flavel verglich die besondere Vorsehung über die Kirche mit einem Vater, der sein Kind durch einen dunklen Wald führt. Das Kind sieht nichts als die Finsternis ringsum, es hört das Knacken der Äste, es fürchtet die Schatten, die der Wind bewegt. Es klammert sich an die Hand des Vaters und weint. Der Vater aber sieht über die Wipfel hinaus den Weg, der zum Licht führt, und er weiss, dass in einer Stunde das Dunkel hinter ihnen liegen wird. »So«, schrieb Flavel, »führt Gott seine Kirche durch die Wälder der Geschichte. Sie zittert, sie weint, sie versteht nicht, wohin der Weg sie führt. Aber der Vater hält ihre Hand, und er weiss, dass jenseits des Waldes eine Stadt liegt, deren Baumeister er selbst ist.« Der Heidelberger Theologe Zacharias Ursinus, der Mitverfasser des Heidelberger Katechismus, verband die besondere Vorsehung über die Kirche mit der Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen. In seinem Kommentar zum Katechismus schrieb er, die Kirche sei die Versammlung derer, die Gott aus dem ganzen Menschengeschlecht zum ewigen Leben erwählt hat, und diese Versammlung könne niemals untergehen, weil Gott selbst sie erhalte. Jedes einzelne Glied der Kirche werde von der Vorsehung umfasst; aber die Kirche als ganze sei der Leib Christi, und darum könne sie ebenso wenig vergehen wie Christus selbst. Ursinus zog daraus einen praktischen Schluss: Die Gewissheit des einzelnen Gläubigen ruht nicht auf seiner eigenen Standhaftigkeit, sondern auf der Treue Gottes zu seiner Kirche. Weil Gott seine Kirche nicht fallen lässt, lässt er auch ihre einzelnen Glieder nicht fallen. Diese theologischen Stimmen vereinen sich zu einem Chor, der bezeugt, dass die besondere Vorsehung über die Kirche kein netter Zusatz zur allgemeinen Vorsehungslehre ist, sondern ihr Herzstück. Gott regiert die Welt, aber er regiert sie um der Kirche willen. Der Apostel Paulus hat diesen Gedanken im Epheserbrief auf den kürzesten Nenner gebracht: Gott hat Christus »zum Haupt der Gemeinde über alles gesetzt, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.« Christus sitzt zur Rechten des Vaters, nicht nur um zu ruhen, sondern um zu regieren — und zwar zu regieren zum Wohl seines Leibes, der Gemeinde. Jede Macht im Himmel und auf Erden ist ihm untertan, und keine dieser Mächte kann etwas tun, das nicht zuletzt der Auferbauung der Kirche dient.

Anwendung für das reformierte Leben

Erstens: Ruhe in der Gewissheit, dass die Kirche nicht untergehen kann. Es gibt Tage, an denen der Blick auf die Kirche nur Trauer auslösen kann. Spaltungen, die durch kein gutes Argument zu rechtfertigen sind. Skandale, die den Namen Christi vor der Welt in den Schmutz ziehen. Irrlehren, die jahrhundertealte Wahrheiten dem Zeitgeist opfern. Leere Kirchen in Europa, während die Welt ihrem Vergnügen nachjagt. Und dann kommen die Fragen, die wie Stiche ins Herz sind: Hat Gott seine Kirche verlassen? War die Reformation umsonst? Ist das Christentum eine Religion, die ihre beste Zeit hinter sich hat? Der siebte Abschnitt antwortet auf diese Fragen mit einem schlichten Nein. Die Kirche kann in der Schweiz schrumpfen, sie kann in Deutschland zur Minderheit werden, sie kann in England ihre Gotteshäuser schliessen — aber sie kann nicht untergehen. Christus hat gesagt: »Ich will meine Gemeinde bauen.« Er hat nicht gesagt: »Ich hoffe, dass sie bestehen bleibt, wenn die Umstände günstig sind.« Sein Wille geschieht. Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen, nicht weil die Kirche so stark wäre, sondern weil ihr Haupt stärker ist als alle Pforten der Hölle zusammen. Diese Gewissheit befreit dich von der Panik, die manche Christen befällt, wenn sie die Nachrichten lesen. Die Kirche braucht dich nicht zu retten. Du brauchst nicht zu verzweifeln, als hinge das Schicksal des Reiches Gottes von deiner Aktivität ab. Christus baut. Er hat gebaut, als du noch nicht geboren warst; er hat gebaut, als die Apostel noch nicht geboren waren; er wird bauen, wenn du längst bei ihm bist. Deine Aufgabe ist Treue im Kleinen, nicht Welterhaltung im Grossen. Zweitens: Leide mit der verfolgten Kirche im Wissen, dass Gott auch dieses Leiden zu ihrem Besten lenkt. Es gibt Christen, die heute, während du dies hörst, in Gefängnissen sitzen, weil sie den Namen Jesu bekennen. Es gibt Gemeinden, die sich im Verborgenen treffen, weil der Staat ihre Versammlungen verbietet. Es gibt Gläubige, deren Kinder von ihnen weggerissen werden, deren Männer zum Islam gezwungen werden, deren Frauen vergewaltigt werden, weil sie Christus nicht verleugnen wollen. Das ist die Wirklichkeit der leidenden Kirche, und sie ist kein Randthema der Vorsehungslehre, sondern ihr Ernstfall. Der siebte Abschnitt hat für diese Geschwister keinen billigen Trost. Er sagt nicht: »Es wird schon wieder gut.« Er sagt etwas viel Grösseres: »Es dient bereits jetzt zu eurem Besten.« Das ist eine Wahrheit, die nur der Glaube fassen kann. Der blosse Augenschein sieht nur das Unrecht, den Schmerz, die scheinbare Sinnlosigkeit. Der Glaube sieht den verborgenen Faden, den Gott durch das Gewebe der Verfolgung zieht. Die Kirche in China, die unter Mao nahezu ausgelöscht schien, ist heute grösser als je zuvor. Die Märtyrer von Uganda, die 1885 auf dem Scheiterhaufen starben, sangen Loblieder, während die Flammen sie verzehrten — und ihr Blut wurde zur Saat einer Kirche, die heute zu den lebendigsten Afrikas zählt. Das Leiden der Kirche ist nie umsonst, weil Gott es lenkt. Bete für die verfolgte Kirche. Aber bete nicht, als müsstest du Gott erst auf ihre Not aufmerksam machen. Er hat sie in seine Hände gezeichnet. Bete, weil dich das Gebet mit dem Leib Christi verbindet und weil Gott beschlossen hat, seine Vorsehung auch durch die Fürbitte seiner Heiligen auszuführen. Drittens: Betrachte die Weltgeschichte mit den Augen des Glaubens. In der Schule lernten wir die Weltgeschichte als eine Abfolge von Kriegen und Friedensschlüssen, von Königen und Revolutionen, von Entdeckungen und Erfindungen. Das war nicht falsch, aber es war unvollständig. Denn unterhalb dieser sichtbaren Oberfläche fliesst ein tieferer Strom: die Geschichte der Kirche. Die Entscheidung des Kaisers Augustus, eine Volkszählung anzuordnen, damit Josef und Maria nach Bethlehem reisen mussten, war ein Verwaltungsakt des römischen Reiches. Sie war zugleich die Erfüllung der Weissagung Michas, dass der Messias in Bethlehem geboren werden sollte. Die Zerstörung Jerusalems durch Titus im Jahr 70 war ein militärisches Ereignis. Sie war zugleich das Gericht Gottes über ein Volk, das seinen Messias verworfen hatte, und der Anstoss, der die junge Kirche endgültig aus dem Schatten des Judentums in die heidnische Welt hinaustrieb. Was damals galt, gilt heute. Der Fall der Berliner Mauer, der Aufstieg des Internets, die gegenwärtigen politischen Umwälzungen — nichts davon geschieht ausserhalb der Vorsehung Gottes, und nichts davon geschieht ohne Bezug auf seine Kirche. Die Weltgeschichte ist nicht die Geschichte der Welt, sondern die Geschichte der Kirche, um derentwillen die Welt noch besteht. Lerne, die Nachrichten mit den Augen des Glaubens zu lesen. Frage nicht nur, was ein Ereignis politisch oder wirtschaftlich bedeutet, sondern frage, was es für die Kirche bedeutet, und wie Gott es zu ihrem Besten lenken könnte. Viertens: Liebe die Kirche als den Augapfel Gottes. Es gibt unter reformierten Christen eine Versuchung, die Kirche gering zu schätzen. Man hat ja die reine Lehre, die richtige Liturgie, die schriftgemässe Gemeindezucht — und verachtet diejenigen, die diese Dinge nicht haben. Man zieht sich zurück in die kleine Gruppe der Gleichgesinnten und betrachtet die grosse, sichtbare Kirche mit derselben Herablassung, mit der Elia auf das abtrünnige Israel blickte. Aber Elia wurde korrigiert. Gott hatte siebentausend bewahrt, die Elia nicht kannte. Und Gott liebte auch das abtrünnige Israel mit einer Liebe, die Elia nicht verstand. Der siebte Abschnitt lehrt dich, die Kirche mit Gottes Augen zu sehen. Sie ist der Augapfel, auf den sein Blick unablässig gerichtet ist. Sie ist die Braut, für die Christus gestorben ist. Sie mag voller Flecken und Runzeln sein, sie mag in vielen ihrer sichtbaren Erscheinungsformen entstellt sein durch Irrtum und Sünde — aber sie bleibt die, die Christus liebt und für die er sich selbst dahingegeben hat, um sie zu heiligen. Wer die Kirche hasst, hasst, was Gott liebt. Wer die Kirche gleichgültig betrachtet, betrachtet gleichgültig, wofür Christus geblutet hat. Liebe die Kirche. Liebe sie konkret, nicht abstrakt. Die abstrakte Kirche — »alle wahren Gläubigen aller Zeiten und Orte« — ist leicht zu lieben, weil sie keine Ansprüche an dich stellt. Die konkrete Kirche — die Gemeinde, in der du Sonntag für Sonntag sitzt, mit ihren schwierigen Charakteren, ihren langweiligen Predigten, ihren enttäuschenden Geschwistern —, diese konkrete Kirche zu lieben, kostet dich etwas. Aber genau diese konkrete Kirche meint der siebte Abschnitt. Gott lenkt alle Dinge zum Besten der wirklichen, sichtbaren, fehlerhaften, kämpfenden Kirche, und du bist berufen, in diese Liebe einzustimmen. Fünftens: Vertraue deine Kinder der Vorsehung Gottes über der Kirche an. Calvin schrieb einmal an einen Vater, der um das geistliche Wohl seiner Kinder bangte: »Gott ist nicht nur dein Gott, sondern auch der Gott deiner Kinder. Der Bund, den er mit dir geschlossen hat, schliesst deinen Samen ein.« Das ist die Logik des siebten Abschnitts, angewandt auf die Familie. Die besondere Vorsehung Gottes über die Kirche erstreckt sich auch auf die Kinder der Gläubigen. Sie sind nicht draussen, bis sie sich eines Tages für den Glauben entscheiden; sie sind drinnen, im Wirkungsbereich der besonderen Vorsehung, umgeben von den Gebeten der Gemeinde, getragen von den Verheissungen des Bundes. Das befreit dich von der krampfhaften Sorge, die manche christliche Eltern umtreibt. Du musst deine Kinder nicht zum Glauben zwingen. Du musst sie nicht mit moralischem Druck ersticken. Du musst nicht verzweifeln, wenn sie Phasen der Rebellion durchlaufen. Du darfst sie lehren, beten, ermahnen — und dann dem anvertrauen, der sie mehr liebt als du und der seine Vorsehung über ihrer Seele wachen lässt. Die Kirche ist grösser als deine Familie, und sie umfängt deine Familie mit einer Fürsorge, die tiefer reicht als deine eigene. Sechstens: Lebe im Frieden, den nur die Gewissheit der göttlichen Vorsehung schenkt. Es gibt einen Frieden, den die Welt nicht kennt und nicht geben kann. Es ist der Friede dessen, der weiss, dass er nicht der Mittelpunkt des Universums ist, sondern ein Glied am Leib Christi, für den der Herr der Geschichte alle Dinge zu seinem Besten lenkt. Du musst die Welt nicht verstehen, um in ihr ruhen zu können. Du musst nicht wissen, warum dieses geschieht und jenes unterbleibt. Du musst nur wissen, wem du gehörst und wer die Zügel der Geschichte in den Händen hält. Dieser Friede ist kein Fatalismus. Der Fatalist spricht: »Es ist alles vorherbestimmt, also kann ich ebenso gut die Hände in den Schoss legen.« Der Gläubige spricht: »Es ist alles in Gottes Händen, darum kann ich mit ganzem Ernst meine Aufgabe tun, ohne vom Ausgang zermalmt zu werden.« Der Fatalismus lähmt, der Glaube beflügelt. Der Fatalismus ist die Philosophie der Resignation, der Glaube ist die Haltung der Hoffnung. Und die Hoffnung wird nicht zuschanden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Der Friede dieser Gewissheit hat einen Grund, der ausserhalb deiner selbst liegt. Er ruht nicht auf deiner Glaubensstärke, nicht auf deiner Heiligung, nicht auf deiner Treue. Er ruht auf der Treue Gottes zu seiner Kirche. Weil Gott seine Gemeinde nicht verlassen kann, kann er auch dich nicht verlassen, sofern du ein lebendiges Glied an diesem Leib bist. Christus hat die Kirche geliebt und sich selbst für sie dahingegeben. Er wird nicht zulassen, dass auch nur eines seiner Schafe verloren geht, denn er hat sie in seiner Hand, und niemand kann sie aus seiner Hand reissen.

Gebet

Herr Jesus Christus, du Haupt der Kirche und König der Welt, wir kommen zu dir in der Stille dieses Augenblicks. Wir haben gehört, dass deine Vorsehung uns auf besondere Weise umfängt, dass du alle Dinge zu unserem Besten lenkst, dass kein Haar von unserem Haupt fällt ohne den Willen unseres Vaters im Himmel. Wir haben es gehört, und wir wollen es glauben. Aber du kennst unser schwaches Herz. Du weisst, wie schnell wir erschrecken, wenn der Sturm aufkommt. Du weisst, wie leicht wir an deiner Fürsorge zweifeln, wenn der Weg durchs Dunkel führt. Hilf unserem Unglauben. Wir bitten dich für deine Kirche in der ganzen Welt. Für die Gemeinde hier, an diesem Ort, in der wir Sonntag für Sonntag dein Wort hören und dein Mahl empfangen. Bewahre sie vor Spaltung und Irrlehre. Gib deinem Knecht, der die Kanzel besteigt, das richtige Wort zur richtigen Zeit. Schenke uns Liebe untereinander, die die Geduld aufbringt, einander zu ertragen, und die Demut, einander zu dienen. Wir bitten dich für die leidende Kirche. Für unsere Brüder und Schwestern, deren Namen wir nicht kennen, aber deren Tränen du zählst. Für die, die heute um deines Namens willen gehasst, verfolgt, eingesperrt und getötet werden. Stärke sie mit deinem Geist. Gib ihnen Lieder in der Nacht. Lass sie spüren, dass der Leib Christi auf der ganzen Erde mit ihnen leidet und für sie betet. Wir bitten dich für die irregeleitete Kirche. Für die Gemeinschaften, die dein Wort verlassen haben und menschlichen Meinungen folgen. Für die Hirten, die die Herde nicht weiden, sondern scheren. Für die Kanzeln, von denen Steine statt Brot gegeben werden. Erbarme dich, Herr, und rufe sie zur Busse. Entzünde neu das Licht deines Evangeliums, wo es unter den Scheffel der Menschenweisheit gestellt worden ist. Und nun bitten wir dich für uns selbst. Lehre uns, in der Gewissheit deiner besonderen Vorsehung zu leben. Bewahre uns vor der Sünde der Sorge, die meint, wir müssten unser Leben selbst im Griff haben. Bewahre uns vor dem Hochmut, der meint, die Kirche stehe und falle mit unserem Einsatz. Schenke uns den Frieden, der von dem Wissen kommt, dass du deine Gemeinde baust und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Lass uns am Abend unseres Lebens auf eine Geschichte zurückblicken, in der wir deine Vorsehung auf Schritt und Tritt erkennen, und lass uns dann eingehen in die Ruhe, die dem Volk Gottes bereitet ist, wo der Glaube zum Schauen wird und die Hoffnung zur Erfüllung. Dir, dem König der Könige und dem Herrn der Herren, dir, der du alles in allen erfüllst und deine Gemeinde bis ans Ende liebst, dir sei Ehre und Lob und Anbetung in Zeit und Ewigkeit. Amen.
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