Andacht 34 von 171

Ein Kind wird geboren

Ch.6: Of the Fall of Man, of Sin, and of the Punishment Thereof — Section 3 • 2026-06-07 • 37 min
Da sie die Wurzel der ganzen Menschheit sind, wurde die Schuld dieser Sünde allen ihren Nachkommen zugerechnet, und derselbe Tod in Sünden sowie die verdorbene Natur wurden auf alle ihre Nachkommen übertragen, die auf dem natürlichen Wege der Fortpflanzung von ihnen abstammen.
– Westminster Bekenntnis, Kapitel 6, Abschnitt 3

Einleitung

Ein Kind wird geboren. Die Hebamme legt es der Mutter in den Arm, der Vater beugt sich über das kleine Gesicht, die Grosseltern treten ans Bett und suchen nach Ähnlichkeiten. »Es hat deine Augen«, sagt die eine. »Es hat dein Kinn«, sagt der andere. Und alle lächeln, denn das Kind trägt die Züge seiner Eltern, ein leibhaftiger Beweis dafür, dass das Leben sich fortsetzt und dass, was der Mensch weitergibt, nicht aufhört, weitergegeben zu werden. Aber das Kind trägt noch etwas anderes in sich, das niemand auf den ersten Blick sieht. Etwas, das nicht in der Form der Nase und nicht in der Farbe der Augen liegt. Etwas, das älter ist als die Eltern und älter als die Grosseltern, so alt wie die Menschheit selbst. Der Bekenntnissatz, den wir heute betrachten, spricht von dem, was vom ersten Menschenpaar auf alle kommenden Geschlechter übergeht: Schuld und Verdorbenheit. Nicht eine schlechte Angewohnheit, die man sich abgewöhnen könnte. Nicht eine Krankheit, die mit der richtigen Erziehung ausheilen würde. Sondern der Zustand des Todes in Sünden und der verdorbenen Natur, den der erste Abschnitt als Ereignis und der zweite Abschnitt als Zustand der ersten Menschen beschrieb. Der dritte Abschnitt erklärt nun, wie dieser Zustand zu uns gelangte. Das ist eine folgenreiche Aussage des Bekenntnisses. Sie betrifft jeden Menschen, der je aus einer Mutter Schoss hervorgegangen ist. Sie erklärt, warum das Böse nicht nur eine Sache der Umgebung ist, warum auch das Kind frommer Eltern zur Sünde neigt, warum die Geschichte der Menschheit eine Kette von Kriegen und Verbrechen ist, die kein Fortschritt durchbrechen kann. Und sie zeigt, warum die Erlösung nicht in einer Verbesserung der Verhältnisse bestehen kann, sondern eine neue Geburt erfordert. Der Abschnitt ist kurz, nur ein Satz, aber in diesem Satz verdichten sich drei zentrale Begriffe der biblischen Theologie: Bundeshauptschaft, Zurechnung und Übertragung. Wer diese drei versteht, versteht, warum das Evangelium das ist, was es ist: eine fremde Gerechtigkeit, die einem zugerechnet wird, der keine eigene hat.

Die biblischen Grundlagen

Der Apostel Paulus entfaltet im fünften Kapitel des Römerbriefs den Zusammenhang, der dem dritten Abschnitt zugrunde liegt, mit bemerkenswerter Genauigkeit. Er schreibt: »Deshalb, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben.« Das griechische Wort, mit dem Paulus das Hindurchdringen des Todes beschreibt, lautet diēlthen. Es malt das Bild einer Welle, die von einem Punkt ausgeht und kein Ufer unberührt lässt. Der Tod kam nicht zu einigen, nicht zu den besonders Schlechten, nicht zu denen, die Adams Beispiel freiwillig folgten. Er kam zu allen. Und Paulus fügt einen Satz hinzu, der Ausleger seit Jahrhunderten beschäftigt: »weil sie alle gesündigt haben.« Hat Paulus die eigenen Taten jedes Einzelnen im Blick? Oder das Sündigen aller in Adam, dem Bundeshaupt? Der Zusammenhang spricht für das Zweite. Paulus argumentiert nicht, dass jeder Einzelne so gesündigt habe wie Adam, sondern dass alle in Adam gesündigt haben, als er sündigte. Die Tat des Einen wurde die Tat der Vielen, nicht weil die Vielen sie wiederholten, sondern weil der Eine sie vertrat. Diese Lesart bestätigt sich in den folgenden Versen, in denen Paulus den Vergleich zwischen Adam und Christus detailliert ausführt: »Denn wenn durch die Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, um wieviel mehr ist die Gnade Gottes und die Gabe in der Gnade des einen Menschen Jesus Christus den Vielen überreich zuteilgeworden.« Und weiter: »Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen als Sünder hingestellt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen als Gerechte hingestellt werden.« Paulus verwendet in diesen Versen eine juristische Sprache. Das griechische katestathēsan, das Luther mit »hingestellt worden sind« übersetzt, bedeutet wörtlich: Sie wurden in einen bestimmten rechtlichen Stand eingesetzt. Es geht nicht um eine moralische Veränderung, die sich langsam vollzieht, sondern um eine gerichtliche Feststellung. Durch Adams Ungehorsam wurden die Vielen nicht allmählich zu Sündern, weil sie seinem Beispiel folgten, sondern sie wurden als Sünder hingestellt, als das Urteil gesprochen wurde. Und durch Christi Gehorsam werden die Vielen als Gerechte hingestellt, nicht weil sie allmählich besser würden, sondern weil das Urteil über sie gefällt ist. Das ist der Tausch, den das Evangelium verkündet: Adams Schuld wird den Seinen zugerechnet, und Christi Gerechtigkeit wird den Seinen zugerechnet. Ohne die erste Zurechnung gibt es keine zweite. Wer die Erbsünde leugnet, zerschneidet den Faden, an dem die Erblösung hängt. Derselbe Gedanke kehrt im Ersten Korintherbrief wieder, in knapperer, aber ebenso klarer Form: »Denn weil durch einen Menschen der Tod kam, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.« Das »in Adam« ist der Schlüssel. Paulus denkt nicht an eine lockere Verbindung, nicht an ein blosses Vorbild, dem man folgt. Er denkt an eine reale, organische Einheit. Was Adam tat, taten alle, die in ihm waren. Was Adam wurde, wurden alle, die aus ihm hervorgingen. Die Menschheit war in Adam, wie die Nachkommen Levis, sagt der Hebräerbrief, in Abraham waren, als dieser dem Melchisedek den Zehnten gab. Was das Haupt tut, wird den Gliedern zugerechnet, und was die Wurzel ist, das werden die Zweige. Das Bild der Wurzel, das auch das Bekenntnis aufgreift, stammt nicht von Paulus, aber es fasst seine Lehre in ein einziges, dem Bauern und Gärtner verständliches Wort. Die Wurzel nährt den Baum. Ist die Wurzel gesund, trägt der Baum gute Frucht. Ist die Wurzel krank, welkt der Baum, auch wenn man die Blätter mit Wasser besprengt. Adam ist die Wurzel, und die Menschheit ist der Baum. Was immer an Zweigen seitdem gewachsen ist, Söhne und Töchter, Völker und Reiche, es ist aus einer kranken Wurzel hervorgegangen und trägt die Krankheit in sich. Es gibt kein Blatt an diesem Baum, das von der Wurzel unberührt wäre. David spricht dieselbe Wahrheit aus der Perspektive des eigenen Herzens aus. Im einundfünfzigsten Psalm, nachdem der Prophet Nathan ihm seine Sünde vorgehalten hat, blickt David nicht auf Bathseba und nicht auf die Umstände jener Nacht. Er blickt weiter zurück, zu seinem eigenen Ursprung: »Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.« Das hebräische Wort für »Schuld« ist hier awon, das auch »Verkehrtheit« oder »Verdrehtheit« bedeuten kann. David sagt nicht nur, dass er von Geburt an schuldig ist, sondern dass sein ganzes Wesen von Anfang an verdreht war. Die Sünde, die er als König beging, war nicht der erste Riss in einem reinen Gefäss. Sie war der Bruch eines Gefässes, das bereits gesprungen aus dem Ofen kam. Hiob stellt dieselbe Frage, nur von der anderen Seite her: »Wer will einen Reinen finden bei Unreinen? Niemand!« Ein Mensch kann keinen Reinen aus Unreinem zeugen, so wenig wie ein unreiner Brunnen reines Wasser geben kann. Das Gesetz der Fortpflanzung, das Gott in die Schöpfung gelegt hat, ist ein Gesetz der Gleichartigkeit. Der Löwe zeugt Löwen, der Adler zeugt Adler, und der Sünder zeugt Sünder. Nicht weil Gott das so gewollt hätte, dass die Seele bei der Zeugung befleckt würde, sondern weil die menschliche Natur nach dem Fall nur noch eine gefallene Natur ist, die sich selbst nur als gefallene weitergeben kann. Das erste Buch Mose unterstreicht diesen Zusammenhang mit einer Wendung, die man leicht überliest. In den ersten Kapiteln des ersten Buches Mose heisst es von Adam: »Und Adam war hundertdreissig Jahre alt und zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war, und nannte ihn Set.« Der Ausdruck »seinem Bild ähnlich« greift bewusst auf die Schöpfungsformel zurück: »Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.« Aber nun zeugt Adam nicht mehr einen Sohn, der Gottes Bild trägt, sondern einen, der Adams Bild trägt. Das Bild Gottes im Menschen ist nicht ausgelöscht, Adam ist immer noch Mensch und nicht Tier. Aber es ist überschattet, verzerrt, gebrochen. Der Sohn gleicht dem Vater, und der Vater gleicht nicht mehr dem himmlischen Vater. Der Apostel Paulus fasst im Epheserbrief den Zustand aller natürlichen Adamskinder mit einem Satz zusammen, der keinen Ausweg lässt: »Und wir waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen.« Das griechische Wort physei, »von Natur«, meint den angeborenen Zustand, nicht die erworbene Gewohnheit. Paulus spricht von sich selbst, dem frommen Juden, dem Pharisäer, dem untadeligen Gesetzeseiferer. Selbst er, mit all seiner Moral und seinem Eifer, war von Natur ein Kind des Zorns. Nicht weil er besonders böse gewesen wäre, sondern weil er als Nachkomme Adams unter demselben Urteil stand wie alle anderen. Der Zorn Gottes, von dem Paulus spricht, ist nicht die willkürliche Laune eines zornigen Gottes, sondern die notwendige Reaktion der göttlichen Heiligkeit auf die Sünde. Und da die Sünde durch die Geburt vermittelt wird, stehen alle Geborenen unter demselben Zorn, bis sie durch die neue Geburt in Christus versetzt werden.

Was die Westminster-Väter meinten

Als die Versammlung von Westminster diesen dritten Abschnitt verfasste, hatte sie bestimmte theologische Gegner im Blick. Es ging nicht um eine allgemeine Beteuerung, dass der Mensch irgendwie von Adam beeinflusst sei. Es ging um die klare Abgrenzung gegen drei Irrtümer, die das biblische Zeugnis verdunkelten. Der erste Irrtum war der Pelagianismus. Pelagius, ein britischer Mönch des fünften Jahrhunderts, hatte gelehrt, dass Adams Sünde nur ihm selbst schade und dass jeder Mensch in demselben Zustand der Freiheit und Unschuld geboren werde wie Adam vor dem Fall. Die Sünde sei eine Sache der Nachahmung, nicht der Natur. Das neugeborene Kind sei eine tabula rasa, ein unbeschriebenes Blatt, fähig, sich nach der einen oder der anderen Seite zu entscheiden. Die Westminster-Väter verwarfen diese Lehre. Sie sahen, dass Pelagius die Tiefe des menschlichen Elends nicht erkannte und damit auch die Grösse der göttlichen Gnade verkleinerte. Wer den Fall zur Privatangelegenheit Adams macht, macht die Erlösung zur Privatangelegenheit Christi. Wer die Zurechnung der Sünde leugnet, leugnet folgerichtig auch die Zurechnung der Gerechtigkeit. Der zweite Irrtum war der Sozinianismus. Die Sozinianer, Anhänger des Italieners Fausto Sozzini, leugneten nicht nur die Erbsünde, sondern auch die stellvertretende Genugtuung Christi. Für sie war Christus ein Lehrer und Vorbild, nicht ein Opfer für die Sünden. Der dritte Abschnitt des Bekenntnisses schlägt eine Bresche in dieses Gedankengebäude. Wenn die Sünde Adams durch Zurechnung auf seine Nachkommen übergeht, dann kann auch die Gerechtigkeit Christi durch Zurechnung auf die Gläubigen übergehen. Der eine Gedanke trägt den anderen. Die Väter wussten, dass die Leugnung der Erbsünde das Evangelium an seiner Wurzel trifft. Der dritte Irrtum war eine Strömung innerhalb des Protestantismus selbst, die man als Hypercalvinismus bezeichnen könnte. Einige wollten die Erbsünde so radikal fassen, dass der Mensch nicht nur in allen Teilen befleckt, sondern auch seiner natürlichen Fähigkeiten völlig beraubt sei. Der Mensch sei kein Mensch mehr, sondern ein Teufel. Die Westminster-Väter gingen diesen Weg nicht. Sie sagten, dass die Schuld zugerechnet und die verdorbene Natur übertragen werde. Sie sagten nicht, dass der Mensch aufhörte, Mensch zu sein. Seine Vernunft, sein Wille, sein Gewissen sind befleckt, aber nicht ausgelöscht. Das unterschied die reformierte Lehre von der manichäischen Verirrung, die das Böse zu einer eigenständigen Substanz machte. Die Formulierung des Abschnitts ist von einer fast mathematischen Präzision. Drei Aussagen werden in einem Satz verknüpft. Erstens: Adam und Eva sind die Wurzel der ganzen Menschheit. Zweitens: Die Schuld ihrer Sünde wird allen Nachkommen zugerechnet. Drittens: Die verdorbene Natur wird auf alle Nachkommen übertragen. Die erste Aussage begründet die zweite und dritte. Weil sie die Wurzel sind, darum geht ihre Schuld auf ihre Nachkommen über. Und weil sie die Wurzel sind, darum wächst aus dieser Wurzel ein verdorbener Baum. Die Väter unterschieden sorgfältig zwischen Zurechnung und Übertragung. Die Zurechnung der Schuld ist ein rechtlicher, forensischer Akt. So wie ein Vater Schulden machen kann, die seine Kinder erben, so hat Adam eine Schuld vor Gott gemacht, die seinen Kindern zugerechnet wird. Die Übertragung der verdorbenen Natur hingegen ist ein natürlicher, organischer Vorgang. So wie eine Krankheit von der Mutter auf das Kind übergeht, so geht die Sünde als Verderbnis der Natur von Adam auf alle über, die von ihm abstammen. Das eine ist ein Akt des göttlichen Gerichts, das andere ein Vorgang der natürlichen Fortpflanzung. Beide zusammen erklären den Zustand des Menschen vor Gott: schuldig und verdorben, der Vergebung und der Erneuerung bedürftig. Ein einziges Wort in diesem Abschnitt öffnet die Tür zum Evangelium, und es ist das letzte: »die auf dem natürlichen Wege der Fortpflanzung von ihnen abstammen«. Die englische Vorlage spricht von »ordinary generation«, gewöhnlicher Zeugung. Warum dieser Zusatz? Weil es eine Ausnahme gibt. Einer ist aus einer Frau geboren, aber nicht durch gewöhnliche Zeugung. Einer kam ins Fleisch, aber nicht unter der Schuld Adams, denn er hatte keinen irdischen Vater. Jesus Christus, empfangen vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, trat in die Menschheit ein, ohne das Band zu Adam, das alle anderen Menschen bindet. Er war wahrer Mensch, aber er war nicht in Adam. Darum konnte er der zweite Adam sein, das Haupt eines neuen Bundes, die Wurzel eines neuen Baumes. Die Väter dachten bei der Abfassung dieses Satzes an die Inkarnation, und sie lächelten vielleicht, als sie das Wort »gewöhnlich« einfügten. Denn die einzige ungewöhnliche Geburt der Geschichte ist der einzige Grund, warum aus dem verdorbenen Baum der Menschheit ein neuer Zweig wachsen konnte, in den alle eingepfropft werden, die glauben. Robert Shaw, der schottische Ausleger des Bekenntnisses, schrieb in seinem Kommentar aus dem Jahr 1845, dass dieser Abschnitt die Grundlage für das ganze folgende Kapitel über den Bund mit dem Menschen lege. Ohne die Zurechnung der Schuld Adams gäbe es keinen Bund der Werke, den Adam brach. Ohne die Übertragung der verdorbenen Natur gäbe es keinen Bund der Gnade, der den gefallenen Menschen wiederherstellt. Der dritte Abschnitt sei das Scharnier zwischen dem Fall und der Erlösung.

Theologische Tiefe

Die reformierte Theologie hat diesem Thema viel Aufmerksamkeit gewidmet. Warum so viele Seiten über den ersten Adam, wo doch der zweite Adam der eigentliche Gegenstand des Glaubens ist? Die Antwort liegt in der Architektur des biblischen Denkens. Das Neue Testament stellt Adam und Christus einander gegenüber, nicht als zwei gleichberechtigte Prinzipien, sondern als den Typus und den Antitypus, den Schatten und das Licht. Aber einen Schatten muss man kennen, um das Licht zu schätzen. Und die Grösse des Lichtes misst sich an der Tiefe des Schattens, den es vertreibt. Johannes Calvin widmet dem Problem der Übertragung der Sünde mehrere Kapitel im zweiten Buch seiner Institutio. Er ringt mit der Frage, die jeder denkende Leser dieses Bekenntnissatzes stellt: Wie kann es gerecht sein, dass Gott den Nachkommen Adams eine Schuld zurechnet, die sie nicht selbst begangen haben? Calvin antwortet nicht mit einer logischen Ableitung, die jeden Zweifel ausräumt. Er verweist auf das Geheimnis des göttlichen Ratschlusses und auf die Analogie des Glaubens. Wenn es Adams Nachkommen empört, dass sie für seine Sünde haften sollen, warum empört es sie nicht, dass Christus für ihre Sünden haftet? Die eine Zurechnung ist so wenig verdient wie die andere. Aber beide entspringen demselben Prinzip: Gott handelt mit der Menschheit durch ein Haupt. Unter dem ersten Bund war Adam das Haupt, und sein Ungehorsam brachte den Tod. Unter dem zweiten Bund ist Christus das Haupt, und sein Gehorsam bringt das Leben. Wer gegen die Gerechtigkeit der Zurechnung von Adams Sünde protestiert, müsste folgerichtig auch gegen die Gnade der Zurechnung von Christi Gerechtigkeit protestieren. Calvin schreibt: »Wenn es jemand ungerecht erscheint, dass Adams Sünde den Seinen zugerechnet wird, dann bedenke er, dass nach derselben Regel Christi Gerechtigkeit den Seinen zugerechnet wird. Keiner von uns hat das Gesetz erfüllt, und doch werden wir in Christus für gerecht gehalten, als hätten wir es erfüllt. So wenig wir diese Gnade verdienen, so wenig haben wir jene Schuld persönlich verdient. Aber in beiden Fällen handelt Gott mit uns durch einen anderen, der für uns steht.« Franz Turretin, der grosse Genfer Theologe des siebzehnten Jahrhunderts, brachte in seiner Institutio Theologiae Elencticae die Lehre in eine systematische Form, die bis heute massgeblich ist. Turretin unterschied zwischen dem peccatum originale originans, der Ursünde Adams, die der erste Abschnitt beschreibt, und dem peccatum originale originatum, der aus dieser Ursünde fliessenden Erbsünde, die der dritte Abschnitt beschreibt. Die Erbsünde selbst, so Turretin, besteht aus zwei Teilen: der Zurechnung der Schuld (imputatio peccati Adamitici) und der Vererbung der Verdorbenheit (corruptio haereditaria). Die Zurechnung macht den Menschen vor Gott schuldig, auch ehe er eine eigene Tat begangen hat. Die Vererbung macht ihn unfähig, das Gute zu tun, auch ehe er sich bewusst dagegen entschieden hat. Beides zusammen erklärt, warum der Mensch nicht nur eine Vergebung, sondern auch eine Erneuerung braucht. Wäre er nur schuldig, aber nicht verdorben, genügte die Vergebung. Wäre er nur verdorben, aber nicht schuldig, genügte die Heilung. Aber er ist beides, und darum muss das Evangelium beides sein: Vergebung der Schuld und Heilung der Natur. Turretin ging noch einen Schritt weiter. Er fragte, auf welche Weise die Seele, die nicht durch leibliche Zeugung entsteht, mit der Erbsünde befleckt werde. Seine Antwort war vorsichtig, aber klar: Die Seele wird nicht materiell weitergegeben, aber sie wird in einen Zustand der Trennung von Gott hinein erschaffen, weil der Bund, unter dem Adam stand, gebrochen ist. So wie ein Edelmann, der des Hochverrats überführt wird, nicht nur sein Leben, sondern auch seine Titel und Güter verliert, die eigentlich seinen Kindern zustünden, so hat Adam die ursprüngliche Gerechtigkeit, die er für sich und seine Nachkommen besass, durch seinen Ungehorsam verwirkt. Gott ist nicht ungerecht, wenn er den Nachkommen vorenthält, was sie durch das Haupt, das für sie handelte, verloren haben. Er wäre ungerecht, wenn er ihnen vorenthielte, was sie aus eigener Gerechtigkeit verdient hätten. Aber das hat keiner. Alle stehen sie unter dem gebrochenen Bund des ersten Adam, und nur die Gnade des zweiten Adam kann sie aus diesem Bund herausretten. Herman Bavinck stellt in seiner Reformierten Dogmatik die Lehre von der Erbsünde in den grösseren heilsgeschichtlichen Zusammenhang. Er zeigt, dass die Sünde nicht nur ein individuelles Versagen ist, sondern eine Macht, die die ganze Menschheit in ihren Bann schlägt. Bavinck gebraucht das Bild des Organismus. Die Menschheit ist nicht eine Ansammlung von Einzelwesen, die zufällig denselben Namen tragen. Sie ist ein Organismus, ein Leib, dessen Glieder untereinander und mit dem Haupt verbunden sind. Was dem Haupt widerfährt, widerfährt dem ganzen Leib. Als Adam fiel, fiel die Menschheit. Als Christus auferstand, stand die Menschheit auf, nämlich die, die in ihm ist. Bavinck betont, dass diese organische Sicht der Sünde die einzige ist, die dem biblischen Zeugnis gerecht wird. Der Individualismus der Aufklärung, der den Menschen als losgelöstes Einzelwesen betrachtet, das nur für seine eigenen Taten verantwortlich ist, ist dem biblischen Denken fremd. In der Bibel steht der Mensch immer in Beziehungen: zu Gott, zu seinen Mitmenschen, zu Adam, zu Christus. Er ist nie nur er selbst. Herman Witsius, der holländische Föderaltheologe, entfaltete die Bundesbeziehung zwischen Adam und der Menschheit mit einer Klarheit, die besonders für das Verständnis des dritten Abschnitts hilfreich ist. Adam stand, so Witsius, als Haupt des Bundes der Werke vor Gott. Der Bund enthielt eine Bedingung: vollkommenen Gehorsam. Er enthielt eine Verheissung: das Leben. Und er enthielt eine Strafe für den Ungehorsam: den Tod. Als Adam fiel, fiel der ganze Bund, und alle, die in diesem Bund standen, fielen mit ihm. Witsius vergleicht Adam mit einem König, der für sein ganzes Volk den Krieg erklärt. Das Volk hat nicht mitgestimmt, es wurde nicht gefragt, aber es steht dennoch im Krieg. So ist die Menschheit durch Adams Fall in den Krieg mit Gott geraten, ohne dass sie gefragt wurde. Aber, so fährt Witsius fort, in Christus ist ein neuer König aufgestanden, der Frieden schliesst für alle, die ihm die Treue schwören. Und diesen Frieden empfangen sie nicht durch eigene Leistung, sondern durch die Zurechnung seines Verdienstes, so wie sie den Krieg durch die Zurechnung von Adams Schuld empfingen. Thomas Watson, dessen Body of Divinity zu den erbaulichsten Werken der puritanischen Literatur zählt, malt das Bild von der Wurzel und den Zweigen in seelsorgerlichen Farben aus. »Beweine«, schreibt er, »dass du als Kind des Zorns geboren wurdest. Als ein weiser Sohn die Schulden seines Vaters beweint, so beweine du die Schuld deines ersten Vaters. Aber verweile nicht zu lange bei Adam, als gäbe es keinen Christus. Die erste Geburt macht dich zum Kind des Zorns; die zweite Geburt macht dich zum Kind Gottes. Schau nicht so sehr auf die Schlange, die dich biss, als auf die eherne Schlange, die dich heilt. Adam hat dich aus dem Paradies vertrieben; Christus führt dich in ein besseres Paradies, aus dem du nie mehr vertrieben wirst.«

Anwendung für das reformierte Leben

Erstens: Verstehe, dass die Sünde tiefer sitzt als deine einzelnen Taten, und suche Hilfe bei dem, der allein die Wurzel heilen kann. Der dritte Abschnitt zeigt dir, dass du nicht durch deine Sünden zum Sünder wirst, sondern dass du als Sünder Sünden tust. Der Apfel fällt nicht darum vom Baum, weil der Sturm ihn schüttelt, sondern weil er reif ist. Deine Sünden sind die Früchte eines Baumes, der seit Adam krank ist. Das erklärt, warum du gegen Vorsätze, die du am Morgen fasst, am Abend verstösst. Warum du Sünden bereust und doch wieder in sie fällst. Warum du das Gute, das du tun willst, unterlässt und das Böse, das du nicht tun willst, dennoch tust. Du kämpfst nicht nur gegen einzelne Taten, sondern gegen eine Natur. Diese Erkenntnis bewahrt dich vor zwei Irrtümern. Der erste Irrtum ist die Meinung, du könntest durch deine Anstrengung heilig werden, wenn du nur fest genug wolltest. Du kannst dich nicht selbst heiligen, so wenig wie ein Leopard seine Flecken ändern kann. Du brauchst jemanden, der dich von Grund auf neu macht. Der zweite Irrtum ist die Verzweiflung: weil du immer wieder fällst, meinst du, du seist kein Christ. Aber der Christ fällt nicht aus dem Stand der Gnade, wenn er fällt; er lernt, dass seine Heiligung nicht in seiner Kraft liegt, sondern in dem, der in ihm wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen. Zweitens: Halte fest an der stellvertretenden Zurechnung als dem Herzstück des Evangeliums. Man hat die Lehre von der Zurechnung der Sünde Adams eine grausame Lehre genannt. Wie kann Gott einem ungeborenen Kind eine Schuld anrechnen, die es nie begangen hat? Aber dieselbe Frage kehrt sich um: Wie kann Gott einem Sünder eine Gerechtigkeit anrechnen, die er nie erworben hat? Die Antwort ist in beiden Fällen dieselbe: durch die Einsetzung eines Hauptes, das für die Seinen handelt. So wenig du Adams Tat begangen hast, so wenig hast du Christi Gehorsam geleistet. Aber du empfängst beides, das eine zum Gericht, das andere zum Leben. Wer das eine ablehnt, lehnt folgerichtig auch das andere ab. Denn es ist derselbe Grundsatz. Lass dir diese Lehre nicht rauben. Sie ist das Fundament, auf dem die Rechtfertigung aus Glauben allein ruht. Wenn deine Gerechtigkeit vor Gott nur dann Bestand hat, wenn du sie selbst erwirbst, dann hast du keine. Du zitterst, und mit Recht. Aber wenn sie dir zugerechnet wird, weil ein anderer sie für dich erworben hat, dann hast du Frieden. Und dieser Frieden wird nicht dadurch erschüttert, dass du auch morgen noch ein Sünder bist, der hinter dem zurückbleibt, was er sein sollte. Deine Gerechtigkeit hängt nicht an deiner Heiligung. Sie hängt an Christus. Das ist die reformatorische Entdeckung, die Martin Luther aus der Hölle der Selbstgerechtigkeit befreite und die der dritte Abschnitt wie eine Brücke über den Abgrund von Adam zu Christus schlägt. Drittens: Sieh in jedem neugeborenen Kind ein Geschöpf, das einen Erlöser braucht, und handle entsprechend. Das Kind im Arm der Mutter, von dem die Einleitung sprach, ist nicht unschuldig. Es mag noch keine bewusste Sünde getan haben. Aber es steht unter der Schuld Adams, und es trägt die verdorbene Natur in sich. Das ist eine harte Wahrheit. Aber sie ist die einzige Grundlage, auf der du für dieses Kind verantwortlich handeln kannst. Wenn das Kind von Natur unschuldig wäre, dann könntest du warten, bis es alt genug ist, sich selbst zu entscheiden. Dann wäre die Taufe ein leerer Ritus, und das Gebet um Wiedergeburt eine Übertreibung. Aber das Kind ist nicht unschuldig. Es braucht die Verheissung des Bundes, die ihm in der Taufe versiegelt wird. Es braucht dein Gebet, dass der Heilige Geist es lebendig mache. Es braucht die Unterweisung im Wort Gottes von den ersten Tagen an. Und es braucht das Vorbild eines Lebens, das aus der Gnade lebt, nicht aus der eigenen Kraft. Wer sein Kind für unschuldig hält, wird es vernachlässigen. Wer weiss, dass es unter demselben Fluch steht wie er selbst, wird es zum Kreuz tragen, so wie die Mütter einst ihre Kinder zu Jesus brachten, damit er sie segne. Viertens: Betrachte Christus als den zweiten Adam, der mehr wiederbringt, als der erste Adam verlor. Der dritte Abschnitt spricht nur von Adam. Aber in dem Wort »auf dem natürlichen Wege der Fortpflanzung« leuchtet Christus bereits auf. Denn es gab einen, der nicht auf dem natürlichen Wege gezeugt wurde. Einen, der nicht in Adam war und darum nicht unter seiner Schuld stand. Einen, der die verdorbene Natur nicht erbte und darum die menschliche Natur heilen konnte. Was Adam verdarb, hat Christus wiederhergestellt. Adam brachte den Tod; Christus brachte das Leben. Adam brachte die Verdammnis; Christus brachte die Rechtfertigung. Adam pflanzte einen Baum des Todes; Christus pflanzte einen Baum des Lebens. Und das Wunder der Gnade ist, dass du, der du von Natur ein Zweig des ersten Baumes bist, in den zweiten Baum eingepfropft werden kannst. Du musst nicht aus eigener Kraft ein neuer Baum werden. Du musst nur mit dem Stamm verbunden werden, aus dem das Leben fliesst. Das geschieht durch den Glauben, der selbst eine Gabe dieses Stammes ist. So wird aus dem Kind des ersten Adam ein Kind des zweiten Adam. Aus dem Zweig, der zum Feuer bestimmt war, ein Zweig, der Frucht bringt für die Ewigkeit. Fünftens: Blicke mit Demut auf die verlorene Welt, in der du einst selbst verloren warst. Der dritte Abschnitt lässt keinen Raum für Hochmut. Du bist nicht aus einer besseren Wurzel als dein gottloser Nachbar. Der Unterschied zwischen dir und ihm ist nicht, dass du einen besseren Adam hättest. Der Unterschied ist allein die Gnade, die dich aus dem alten Stamm herausgeschnitten und in Christus eingepfropft hat. Das ist eine Demut, die nicht unterwürfig macht, sondern barmherzig. Wenn du verstehst, dass jeder Mensch, der dir begegnet, unter derselben Schuld und in derselben verdorbenen Natur geboren wurde wie du, dann wirst du nicht mehr die Nase rümpfen über die Sünden anderer. Du wirst nicht mehr ungläubig den Kopf schütteln, wenn ein Mensch fällt, von dem du es nicht erwartet hättest. Du weisst: Dort, aber für Gottes Gnade, stehe ich. Und diese Erkenntnis wird dich zum Gebet treiben, nicht zum Urteil. Sie wird dich zu einem Boten des Evangeliums machen, der den Menschen nicht sagt: »Ihr seid schlechter als ich«, sondern: »Ich war, was ihr seid. Kommt, lasst euch versöhnen mit Gott.« Sechstens: Lebe jeden Tag aus der Kraft der neuen Geburt, nicht aus der Kraft der ersten. Der dritte Abschnitt sagt dir, wer du von Natur bist: ein Kind des ersten Adam, schuldig und verdorben, dem Tode verfallen. Aber der Glaube sagt dir, wer du in Christus bist: ein Kind des zweiten Adam, gerecht gesprochen und erneuert, zum Leben bestimmt. Und nun kommt es darauf an, dass du nicht aus dem lebst, was du warst, sondern aus dem, was du bist. Das ist der tägliche Kampf des Glaubens. Der alte Adam in dir will dich zurückholen in die alten Muster, die alten Ängste, die alten Begierden. Er flüstert dir zu, dass du doch nur ein Sünder seist und es auch bleiben werdest. Er will, dass du auf dich selbst blickst und verzweifelst. Aber der Glaube blickt nicht auf den alten Adam, der gekreuzigt ist. Er blickt auf Christus, der lebt. Und weil Christus lebt, lebst auch du. Nicht mehr du selbst, wie Paulus sagt, sondern Christus lebt in dir. Und das Leben, das du jetzt im Fleisch lebst, das lebst du im Glauben an den Sohn Gottes, der dich geliebt und sich selbst für dich dahingegeben hat.

Gebet

Herr, unser Gott und Vater, du hast den ersten Adam aus Staub geformt und ihm den Odem des Lebens in die Nase geblasen. Er war dein Bild, in Gerechtigkeit und Heiligkeit vor dir stehend, das Haupt eines Geschlechts, das dir dienen sollte in alle Ewigkeit. Und er fiel. Er traute der Schlange mehr als dir. Er griff nach der Frucht, die du ihm verwehrt hattest. Und mit ihm fielen wir alle, die wir in ihm waren. Seine Schuld wurde uns zugerechnet. Seine verdorbene Natur wurde uns übertragen. Von Geburt an sind wir Kinder des Zorns, verloren, ehe wir den ersten Atemzug taten. Herr, wir preisen dich, dass du uns in diesem Zustand nicht gelassen hast. Du hast den zweiten Adam gesandt, deinen Sohn, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen eines Mannes, sondern aus dir geboren. Er trat in unsere Menschheit ein, ohne unsere Sünde. Er stand unter dem Gesetz, das wir gebrochen haben, und erfüllte es bis zum letzten Buchstaben. Er trug die Schuld, die uns zugerechnet war, und bezahlte sie mit seinem Blut. Er starb den Tod, der uns bestimmt war, und stand aus dem Grab auf, das uns verschlungen hätte. Und nun sitzt er zu deiner Rechten, das Haupt eines neuen Geschlechts, in dem die alte Schuld getilgt und die alte Natur gekreuzigt ist. Herr Jesus Christus, du neue Wurzel, du Weinstock, in den wir eingepfropft sind: Lass uns in dir bleiben. Der alte Adam regt sich noch in uns. Die alte Natur will uns täglich zurückziehen in die Finsternis, aus der du uns errettet hast. Aber du bist stärker. Dein Geist, der in uns wohnt, ist stärker als die Sünde, die noch in uns wohnt. Gib uns den Glauben, der nicht auf das Sichtbare blickt, nicht auf unsere Fortschritte und nicht auf unsere Rückschläge, sondern allein auf dich. Du bist unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligung, unsere Erlösung. Was wir nicht haben, hast du. Was wir nicht können, hast du getan. Und was wir nicht sind, das bist du für uns, in Ewigkeit. Heiliger Geist, du Tröster und Lehrer: Wirke in uns die Gewissheit, dass wir nicht mehr in Adam sind, sondern in Christus. Wenn der Zweifel uns anficht, bezeuge du uns, dass wir Gottes Kinder sind. Wenn die Sünde uns anklagt, zeige du uns den, der für uns eintritt. Wenn der Tod uns schreckt, erinnere du uns an den, der den Tod besiegt hat. Und wenn wir fallen, so lass uns nicht liegen bleiben, sondern treibe uns zu dem, der die gefallenen Sünder nicht zerbricht, sondern aufrichtet. Vater, wir bitten dich für unsere Kinder. Sie sind aus uns geboren und tragen unser Bild, wie Set das Bild Adams trug. Aber wir wollen nicht, dass sie nur unser Bild tragen. Wir wollen, dass sie dein Bild tragen, erneuert in Christus. Wir bringen sie vor deinen Thron, so wie die Mütter einst ihre Kinder zu Jesus brachten. Segne du sie, noch ehe sie dich erkennen können. Nimm sie an um deines Bundes willen, den du mit uns und unseren Kindern aufgerichtet hast. Lass sie nicht erst fallen und dann rufen, sondern rufe du sie, ehe sie fallen. Und wenn sie fallen, so fange du sie auf. Herr, wir bitten dich für die vielen, die noch nichts von dem zweiten Adam wissen. Sie leben unter dem Fluch des ersten Adam und ahnen es nicht. Sie meinen, der Baum, an dem sie hängen, sei gesund. Sie schmücken seine Zweige und wundern sich, dass er keine Frucht bringt. Öffne ihre Augen für die Wurzel, die sie trägt. Lass sie ihr Elend erkennen, damit sie den Erlöser suchen. Und wenn sie ihn suchen, lass sie ihn finden, denn du hast versprochen: Wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan. Am Ende, Herr, wenn die Zeit erfüllt ist und der letzte Feind besiegt wird, dann lass uns vor deinem Thron stehen, nicht als Kinder Adams, die du aus Barmherzigkeit verschont hast, sondern als Kinder Christi, die du in Ewigkeit liebst. Dann wird der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Adam für immer offenbar sein: Was der erste verdarb, das hat der zweite für immer heil gemacht. Und wir werden kein Ende mehr fürchten und keinen Feind mehr fliehen, sondern in deinem Garten wohnen, vom Baum des Lebens essen und dich sehen, wie du bist, von Angesicht zu Angesicht. Dir, dem Vater, und dem Sohn und dem Heiligen Geist, sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
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