Andacht 93 von 171

Das Erlangen der Gewissheit: Fleiss in den Gnadenmitteln

Ch.18: Of the Assurance of Grace and Salvation — Abschnitt 3 • 2026-07-29 • 44 min
Diese unfehlbare Gewissheit gehört nicht so zum Wesen des Glaubens, dass ein wahrer Gläubiger nicht lange warten und mit vielen Schwierigkeiten kämpfen müsste, bevor er ihrer teilhaftig wird. Doch da er durch den Geist befähigt ist, die Dinge zu erkennen, die ihm von Gott geschenkt sind, kann er ohne ausserordentliche Offenbarung durch den rechten Gebrauch der gewöhnlichen Mittel dazu gelangen. Darum ist es die Pflicht eines jeden, allen Fleiss darauf zu verwenden, seine Berufung und Erwählung festzumachen, damit dadurch sein Herz erweitert werde in Frieden und Freude im Heiligen Geist, in Liebe und Dankbarkeit gegen Gott und in Kraft und Freudigkeit in den Pflichten des Gehorsams, die eigentlichen Früchte dieser Gewissheit sind. So weit ist sie davon entfernt, die Menschen zur Sorglosigkeit zu verleiten.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 18, Abschnitt 3

Einleitung

Eine Frau sitzt am Fenster und wartet auf die Morgendämmerung. Sie weiss, dass die Sonne aufgehen wird. Der Astronom hat ihr den Zeitpunkt genannt, die ganze Ordnung der Natur verbürgt ihn, und sie hat nie einen Tag erlebt, an dem die Nacht ewig währte. Dennoch ist es noch dunkel. Der Himmel zeigt nicht den leisesten Streifen Licht. Die Uhr sagt, der Morgen müsse längst begonnen haben, und doch scheint die Finsternis undurchdringlich, als hielte jemand die Hand über die Sonne. Sie wartet. Und während sie wartet, steigt eine Frage in ihr auf, die mit der Zeit lauter wird als das Ticken der Uhr: Was, wenn die Sonne heute nicht aufgeht? Was, wenn das Versprechen des Lichts für andere gilt, aber nicht für sie? Was, wenn sie dazu bestimmt ist, eine ewige Nacht zu ertragen, während irgendwo hinter dem Horizont andere bereits im Licht wandeln? Der dritte Abschnitt des achtzehnten Kapitels wendet sich einem Leiden zu, das in den Kirchenbänken selten benannt wird und doch mehr Seelen quält, als die meisten Pfarrer in ihrem Dienst sehen. Es ist das Leiden des wahren Gläubigen, der seinen eigenen Namen nicht in den Verheissungen lesen kann. Er glaubt an Christus — oder meint zu glauben —, aber er kann nicht mit dem Apostel sprechen: »Ich weiss, an wen ich glaube.« Er liebt das Volk Gottes, aber er fragt sich, ob seine Liebe mehr ist als natürliche Zuneigung im frommen Gewand. Er bemüht sich, in einem guten Gewissen zu wandeln, aber sein Gewissen vergrössert seine Niederlagen und verkleinert seine schwachen Siege. Er steht vor dem Kruzifix und blickt hinauf, aber er kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob das Blut, das dort floss, für ihn geflossen ist. Ein Gläubiger ohne Gewissheit — und die Kirche hat zu oft kein Wort für ihn ausser der stillschweigenden Unterstellung, sein Zustand sei ein Zeichen mangelnden Ernstes oder gar fehlender Wiedergeburt. Diesen Seelen hält das Bekenntnis den dritten Abschnitt hin. Hätte der zweite Abschnitt nur die Gründe der Heilsgewissheit dargelegt, so wäre der Leser in einer gefährlichen Lage. Er wüsste, worauf die Gewissheit ruht — die Verheissungen Gottes, die inneren Gnadenzeichen, das Zeugnis des Geistes —, aber er wüsste nicht, was er tun soll, wenn alle drei schweigen. Der zweite Abschnitt zeichnet den Bauplan der Heilsgewissheit. Der dritte Abschnitt fragt: Was geschieht mit dem Maurer, der den Plan studiert hat und dennoch nicht bauen kann, weil ihm die Steine unter den Händen zu Staub zerfallen? Er beantwortet die Frage, die jedem aufrichtigen Christen irgendwann das Herz zerreisst: Wenn die Heilsgewissheit möglich ist und die Kennzeichen der Gnade beschrieben sind — warum besitze ich sie dann nicht? Darf ich daraus schliessen, dass ich ein Heuchler bin? Ist mein Glaube ein Wahngebilde, weil er keine Gewissheit hervorbringt? Die Westminster-Väter antworten mit einer seelsorgerlichen Klugheit, die die Anfechtung weder übergeht noch der Verzweiflung das letzte Wort lässt. Sie lehren vier Dinge, und jedes ist ein Licht in einer anderen Ecke der Dunkelheit. Erstens: Die Heilsgewissheit gehört nicht zum Wesen des Glaubens. Ein Mensch kann wahren, rettenden Glauben besitzen und dennoch die Gewissheit entbehren, wie ein Säugling leben kann, ohne zu wissen, dass er lebt. Zweitens: Der Weg zur Gewissheit kann lang sein. Ein wahrer Gläubiger kann lange warten und mit vielen Schwierigkeiten kämpfen, ehe er ihrer teilhaftig wird. Die Verzögerung beweist nicht die Abwesenheit der Gnade. Drittens: Die Gewissheit wird im gewöhnlichen Weg durch die gewöhnlichen Mittel erlangt — das Wort, die Sakramente, das Gebet, die Gemeinschaft der Heiligen. Sie fällt nicht als ausserordentliche Offenbarung vom Himmel. Sie reift wie eine Frucht am Baum, und der Gärtner muss warten, bis die Sonne und der Regen ihr Werk getan haben. Viertens: Weil die Gewissheit durch diese Mittel zu erlangen ist, ist es die Pflicht eines jeden Gläubigen, sie mit allem Fleiss zu suchen. Sie ist kein Vorrecht der geistlichen Elite. Sie ist eine Frucht, die jedem Baum im Garten Gottes verheissen ist, und wer sie nicht sucht, versäumt eine Pflicht, nicht nur eine Wohltat.

Die biblischen Grundlagen

Der Apostel Paulus legt den Grund für diesen Abschnitt in seinem ersten Brief an die Korinther, wo er die Quelle aller geistlichen Erkenntnis benennt: »Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.« Das griechische Wort für »wissen« ist eidōmen, derselbe Stamm, der in Johannes' grossem Text über die Heilsgewissheit steht. Es ist das Wissen um feststehende Tatsachen. Und was gewusst werden soll, sind nicht allgemeine Wahrheiten über Gott, nicht Lehrsätze, über die der Verstand abstimmen kann, während das Herz unberührt bleibt. Es sind ta charisthenta, die geschenkten Dinge — ein Aorist-Passivpartizip, das den einmaligen, unwiderruflichen Schenkungsakt bezeichnet. Die Dinge, die Gott geschenkt hat, sind geschenkt und bleiben geschenkt, unabhängig davon, ob der Empfänger sie im Augenblick mit Dankbarkeit betrachtet oder in der Finsternis nach ihnen tastet. Der Geist ist gegeben, damit wir diese Dinge erkennen. Aber Paulus sagt nicht, wann diese Erkenntnis eintritt oder mit welcher Klarheit sie jedem Gläubigen zuteilwird. Der Geist, der befähigt, ist derselbe Geist, der die Zeiten und Stunden seiner eigenen Wirksamkeit bestimmt. Das Psalmbuch bewahrt die Stimme des Gläubigen, der sich in einer Finsternis befindet, durch die kein Licht dringt. Der achtundachtzigste Psalm, Heman, dem Esrachiter, zugeschrieben, ist das dunkelste Lied im Psalter. »Meine Seele ist voller Leiden, und mein Leben ist nahe dem Totenreich. Du hast mich hinunter in die tiefste Grube gelegt, in die Finsternis, in die Tiefe. Herr, warum verstösst du meine Seele und verbirgst dein Antlitz vor mir?« Das sind nicht die Worte eines Spötters, der Gott den Rücken gekehrt hat. Es sind die Worte eines Leviten, eines zum Dienst am Heiligtum bestellten Sängers, eines Mannes, der Gott kannte und dennoch nichts von seiner Nähe spürte. Der Psalm endet nicht mit Lobpreis. Er endet mit der Feststellung: »Meine Freunde und Nächsten hast du mir entfremdet, und meine Vertrauten sind die Finsternis.« Keine Auflösung. Keine Wendung zur Hoffnung. Und dennoch steht dieser Psalm im Psalter. Er ist kanonisiertes Wehklagen. Der Heilige Geist, der die Sänger Israels inspirierte, hielt es für nötig, der Kirche ein Lied zu geben, das in der Finsternis endet. Warum? Weil die Finsternis, die nicht weicht, nicht die Abwesenheit Gottes beweist. Sie beweist nur, dass der Gläubige sich in einer Jahreszeit befindet, in der Gott sein Antlitz verbirgt — und dass selbst das Schreien nach dem verborgenen Gott ein Akt des Glaubens ist, den der Unglaube niemals vollbringt. Heman schrie, weil er glaubte, dass Gott hört. Hätte er nicht geglaubt, er hätte geschwiegen. Der Prophet Jesaja spricht dasselbe Thema von der Seite der Ermahnung her an, und seine Worte sind dem angefochtenen Gewissen wie Brot in der Wüste: »Wer unter euch fürchtet den Herrn und gehorcht der Stimme seines Knechtes? Wer im Finstern wandelt und kein Licht hat, der vertraue auf den Namen des Herrn und halte sich an seinen Gott.« Der Prophet beschreibt einen Menschen von unbestreitbarer Frömmigkeit: Er fürchtet den Herrn, er gehorcht der Stimme des Knechtes, er wandelt auf dem Weg des Gehorsams. Und dennoch — dennoch wandelt er im Finstern und hat kein Licht. Die Gottesfurcht und die Dunkelheit schliessen einander nicht aus; sie wohnen in derselben Seele, zur selben Stunde, und keine ist weniger wirklich als die andere. Der Befehl, den Jesaja an diesen Menschen richtet, lautet nicht: Prüfe dich strenger! Suche den verborgenen Funken! Gib die Hoffnung auf, denn du bist offenbar ein Heuchler! Der Befehl lautet: Vertraue und halte dich fest — zwei Verben, die den Vorgang beschreiben, sein ganzes Gewicht auf etwas zu legen, was ausserhalb seiner selbst liegt. Der Glaube kann echt, wirksam und rettend sein, auch wenn er keinen empfundenen Trost hervorbringt, weil der Gegenstand des Glaubens sich nicht ändert, wenn die Wahrnehmung des Glaubenden schwankt. Der Mann, der in der Nacht auf einer Brücke steht und den Fluss unter sich rauschen hört, die Brücke aber nicht sieht, steht nicht weniger fest auf ihr als der Mann, der sie am hellen Tag überquert. Die Brücke trägt beide, und das Vertrauen des ersten ist um nichts weniger echt als das des zweiten, mag es auch von Angst begleitet sein. Der Apostel Petrus macht die Suche nach der Heilsgewissheit zu einer Pflicht und wählt dafür das stärkste Verb, das ihm zur Verfügung steht: »Darum, liebe Brüder, bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr niemals straucheln, und so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus.« Das griechische spoudasate ist ein Aorist-Imperativ, der die Dringlichkeit und die ganze Hingabe an eine Sache ausdrückt. Die Bestätigung der Berufung und Erwählung ist keine freiwillige Zugabe, kein Luxus für geistlich Fortgeschrittene. Sie ist eine Pflicht. Der Ausdruck bebaian poieisthai, »festmachen«, entstammt der Rechtssprache und bezeichnet die Beglaubigung einer Urkunde. Petrus befiehlt seinen Lesern nicht, ihre Erwählung vor Gott festzumachen — die steht von Ewigkeit her fest —, sondern vor ihrem eigenen Gewissen, zur eigenen Beruhigung. Die Mittel, mit denen dies geschieht, hat er unmittelbar zuvor aufgezählt: der Erwerb der Tugenden, die der Geist hervorbringt, Glaube, Tugend, Erkenntnis, Mässigkeit, Geduld, Frömmigkeit, brüderliche Liebe und Liebe zu allen Menschen. Die Heilsgewissheit ist nicht der Lohn für diese Tugenden, als verdiente der Mensch sie durch seine Anstrengung. Aber sie wächst auf dem Boden dieser Tugenden wie die Ähre auf dem Halm. Wo der Geist diese Frucht wirkt, da schenkt er im gewöhnlichen Weg auch das Bewusstsein, dass die Wurzel gesund ist. Der Prophet Micha spricht dem Gläubigen, der in der Finsternis sitzt, eine Hoffnung zu, die dem natürlichen Auge widersinnig erscheint: »Wenn ich auch sitze in der Finsternis, so ist doch der Herr mein Licht.« Das hebräische joschew, »sitzen«, malt das Bild eines Menschen, der sich hingesetzt hat, weil er nicht mehr weitergehen kann, eines Wanderers, dem die Kräfte ausgegangen sind und der am Wegrand auf den Tod wartet. Und dennoch bekennt er: Der Herr ist mein Licht. Nicht: Der Herr war mein Licht, als ich noch gehen konnte. Nicht: Der Herr wird mein Licht sein, wenn ich wieder aufstehe. Sondern: Jetzt, in dieser Finsternis, in dieser Erschöpfung, in diesem scheinbaren Ende aller Hoffnung — jetzt ist der Herr mein Licht. Der Glaube, der so spricht, sieht nicht. Er vertraut. Er hat keinen Beweis in der Hand. Er hat nur die Verheissung im Ohr. Und das genügt. Der Schreiber des Hebräerbriefes fasst den Ertrag dieser mühsamen, langwierigen Suche in eine Ermahnung, die den ganzen dritten Abschnitt des Bekenntnisses wie eine Überschrift krönt: »Werft euer Vertrauen nicht weg, das eine grosse Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheissene empfangt.« Die Heilsgewissheit ist das Verheissene, das am Ende des geduldigen Ausharrens empfangen wird. Sie kommt nicht zu denen, die das Vertrauen wegwerfen, wenn die Nacht zu lang wird. Sie kommt zu denen, die ausharren, festhalten, warten — nicht in tatenloser Passivität, sondern im fleissigen Gebrauch der Mittel, die Gott gegeben hat. Das Vertrauen ist der Same, die Geduld ist der Regen, und die Heilsgewissheit ist die Frucht, die zur festgesetzten Zeit geerntet wird. Der Bauer, der jeden Morgen aufs Feld geht und den Halm mustert, der noch keine Ähre trägt, verzweifelt nicht. Er weiss, dass die Ernte ihre Zeit braucht, und er giesst und jätet und wartet. So wartet der Gläubige auf die Gewissheit: Er gebraucht die Mittel, er hält sich an die Verheissungen, er gehorcht den Geboten, und er vertraut darauf, dass der Herr der Ernte die Frucht zur rechten Zeit reifen lässt.

Was die Westminster-Väter meinten

Der erste Satz dieses Abschnitts gehört zu den seelsorgerlich wichtigsten Sätzen des Bekenntnisses. Er löst eine Verknotung, die manche Seele in die Verzweiflung getrieben hat. »Diese unfehlbare Gewissheit gehört nicht so zum Wesen des Glaubens, dass ein wahrer Gläubiger nicht lange warten und mit vielen Schwierigkeiten kämpfen müsste, bevor er ihrer teilhaftig wird.« Der Ausdruck »Wesen des Glaubens« greift eine scholastische Unterscheidung auf, die den Theologen in Westminster geläufig war: die Unterscheidung zwischen dem esse und dem bene esse einer Sache, ihrem Sein und ihrem Wohlergehen. Der Glaube ist in seinem Wesen — in dem, was ihn zu Glauben macht — der Akt, Christus so zu empfangen und auf ihm zu ruhen, wie er im Evangelium angeboten wird. Wo dieser Akt vorhanden ist, da ist rettender Glaube vorhanden, wie schwach, wie angefochten, wie von Zweifeln verdunkelt er auch sein mag. Die Heilsgewissheit gehört nicht zum Wesen des Glaubens, sondern zu seinem Wohlergehen. Ein Mensch kann wahrhaft glauben und dennoch nicht wissen, dass er glaubt. Der Säugling atmet, ohne zu wissen, was Atmung ist. Er lebt, ohne den Begriff des Lebens zu kennen. Sein Nichtwissen hebt das Leben nicht auf. So hebt das Nichtwissen des Gläubigen um seinen eigenen Glauben den Glauben nicht auf, sofern der Glaube sich tatsächlich an Christus klammert, und sei es mit Fingern, die vor Schwäche zittern. Die Väter meiden mit dieser Unterscheidung zwei Abgründe, die gleich weit von der Wahrheit entfernt sind und gleich viele Seelen verschlungen haben. Der eine Abgrund ist der Irrtum derjenigen, die die Heilsgewissheit so eng mit dem Glauben verbinden, dass ein zweifelnder Gläubiger kein wahrer Christ mehr sein kann. Dieser Irrtum flüstert dem angefochtenen Gewissen zu: Dein Zweifel beweist, dass du nie geglaubt hast. Deine Finsternis ist die Finsternis der Unbekehrten. Gib die Hoffnung auf. Der andere Abgrund ist der Irrtum derjenigen, die die Heilsgewissheit so sehr vom Glauben trennen, dass ihre Abwesenheit gleichgültig wäre. Dieser Irrtum flüstert dem trägen Bekenner zu: Du brauchst keine Gewissheit. Es genügt, dass du getauft bist und gelegentlich zum Tisch des Herrn gehst. Strebe nicht nach dem, was du nicht hast. Die Väter stehen zwischen diesen Abgründen auf einem schmalen Grat, und ihre Formulierung ist so präzise, dass kein aufrichtiger Leser in den einen oder den anderen stürzen muss. Die Heilsgewissheit ist für das Sein des Glaubens nicht notwendig, und darum darf der Zweifelnde nicht an seiner Gotteskindschaft verzweifeln. Aber sie ist für das Wohlergehen des Glaubens notwendig, und darum soll jeder Gläubige sie mit allem Fleiss suchen. Was folgt, ist ein Wort von hart erarbeitetem seelsorgerlichem Realismus: Ein wahrer Gläubiger kann »lange warten« und mit »vielen Schwierigkeiten kämpfen« müssen. Das Warten, von dem die Väter sprechen, ist nicht das tatenlose Abwarten dessen, der die Hände in den Schoss legt und darauf hofft, dass die Gewissheit eines Tages vom Himmel fällt. Es ist das aktive, zuweilen verzweifelte Warten des Wächters, der die ganze Nacht auf den Morgen hofft und jede Stunde, die ohne Licht vergeht, als eine Last empfindet, die schwerer wiegt als die vorige. Die »vielen Schwierigkeiten« sind der Kampf mit dem eigenen Gewissen, das unaufhörlich anklagt; der Kampf mit dem Feind, der dem angefochtenen Herzen einflüstert, es sei verworfen; der Kampf mit der verbliebenen Verdorbenheit, die den geistlichen Blick trübt und die Zeichen der Gnade verdeckt, die bei klarer Sicht erkennbar wären. Die Väter erkennen an, dass die Wege Gottes mit den Seinen verschieden sind, auch in dieser Sache. Manchen schenkt er die Heilsgewissheit früh, vielleicht im Augenblick der Bekehrung, wenn der Geist mit ungewöhnlicher Klarheit auf das geöffnete Auge des Glaubens scheint. Andere warten Jahre, Jahrzehnte und kosten den Trost erst gegen Ende ihrer Pilgerschaft. Wieder andere empfangen sie und verlieren sie wieder — durch Nachlässigkeit im Gebrauch der Gnadenmittel, durch eine schwere Sünde, die den Geist betrübt, durch eine Trübsal, die den Blick von Christus abzieht — und müssen durch erneuerte Busse und erneuerten Fleiss um ihre Wiederherstellung ringen. In allen diesen Fällen gilt: Die Abwesenheit der Heilsgewissheit beweist nicht die Abwesenheit der Gnade. Sie beweist nur, dass der Gott, der die Gewissheit schenkt, sie zu seiner Zeit und durch seine Mittel schenkt und dass seine Zeit oft eine Erziehungsschule ist, in der er seine Kinder lehrt, ihm im Dunkeln zu vertrauen, bevor er sie ins Licht führt. Der zweite Teil des Abschnitts wendet sich den Mitteln zu, durch die die Heilsgewissheit im gewöhnlichen Weg erlangt wird. »Ohne ausserordentliche Offenbarung, durch den rechten Gebrauch der gewöhnlichen Mittel.« Der Ausdruck »ohne ausserordentliche Offenbarung« zielt mitten ins Herz der schwärmerischen Bewegungen, die im England des siebzehnten Jahrhunderts allerorten aufblühten. Die Quäker und andere Enthusiasten lehrten, der Geist teile die Heilsgewissheit durch unmittelbare, unvermittelte Eingebungen mit: eine innere Stimme, ein plötzlicher Eindruck, ein aus dem Zusammenhang gerissenes Bibelwort, das als persönliche Botschaft aufgefasst wurde. Die Väter verwerfen diese Lehre mit Stumpf und Stiel. Der Geist wirkt im gewöhnlichen Weg nicht abseits der Mittel, die er selbst eingesetzt hat. Er wirkt durch sie: die Predigt des Wortes, das Lesen der Schrift, die Verwaltung der Sakramente, das Gebet, die Gemeinschaft der Heiligen, die Meditation, das Fasten, den Gesang der Psalmen. Der Begriff »gewöhnliche Mittel« will beim Wort genommen werden. Es sind gewöhnliche Mittel. Sie sind nicht spektakulär. Sie taugen nicht für fesselnde Bekehrungsberichte. Niemand verfasst einen Bestseller über die Jahre, in denen er jeden Morgen dieselben Schriftabschnitte las und nichts Spektakuläres darin fand. Und dennoch sind diese Jahre im Haushalt der Gnade oft das Mittel, durch das der Geist jene tiefe, stetige, unerschütterliche Gewissheit aufbaut, die spektakuläre Erlebnisse nur selten hervorbringen. Der Bauer, der seine Felder Tag für Tag bei unauffälligem Wetter bestellt, erntet eine Ernte, die der Mann, der auf einen wundersamen Regen wartet, niemals sieht. Das Fallen des Regens ist unscheinbar; die Ähre, die sich daraus erhebt, ist das Wunder. So ist es mit der Heilsgewissheit. Sie wächst aus der täglichen, unscheinbaren, unermüdlichen Pflege der Gnadenmittel, und wenn sie endlich erscheint, wissen die Engel, dass ein Wunder geschehen ist, auch wenn die Welt nichts Aussergewöhnliches bemerkt hat. Weil die Gewissheit durch gewöhnliche Mittel zu erlangen ist, ziehen die Väter den unausweichlichen Schluss: »Darum ist es die Pflicht eines jeden, allen Fleiss darauf zu verwenden, seine Berufung und Erwählung festzumachen.« Der Befehl ist allgemein — »eines jeden« — und das Mass des Fleisses ist umfassend: »allen Fleiss«. Der Gläubige soll nicht untätig darauf warten, dass die Gewissheit eines Tages wie eine Taube vom Himmel schwebt. Er soll sie suchen, ihr nachjagen, sich den Gnadenmitteln mit der ganzen gesammelten Kraft eines Menschen widmen, der einen vergrabenen Schatz hebt. Das ist kein Legalismus, denn der Fleiss wird nicht aufgewandt, um das Heil zu verdienen, sondern um es zu bestätigen. Er dient nicht dem Erwerb, sondern der Lektüre der Urkunde. Dennoch ist es Anstrengung — wirkliche, anhaltende, zuweilen ermüdende Anstrengung —, und die Väter bitten nicht um Entschuldigung dafür, dass sie dem Gläubigen diese Mühe auferlegen. Der letzte Satz des Abschnitts entfaltet, was dieser Fleiss, vom Geist gesegnet, im Herzen des Gläubigen bewirkt. Das Herz wird »erweitert« — ein Bild von räumlicher Weite, das an eine Seele denken lässt, die lange von der Enge des Zweifels zusammengepresst war und nun in die geräumige Freiheit des Evangeliums hinaustritt. Die einzelnen Dimensionen dieser Erweiterung werden aufgereiht wie Perlen an einer Schnur: Friede und Freude im Heiligen Geist, Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, Kraft und Freudigkeit in den Pflichten des Gehorsams. Keines dieser Dinge ist die Ursache der Heilsgewissheit. Sie sind die Früchte. Der Gläubige, der seiner Errettung gewiss ist, gehorcht nicht, um gewiss zu werden. Er gehorcht, weil er gewiss ist, und das Wissen, dass er Gott gehört, erfüllt seinen Gehorsam mit einer neuen Beschaffenheit: nicht der mürrische Gehorsam des Sklaven und nicht das ängstliche Streben des Tagelöhners, sondern der frohe, freie, willige Dienst eines Sohnes, der das Herz seines Vaters kennt. Dann, im letzten Nebensatz, führen die Väter den entscheidenden Schlag gegen den Einwand, der die reformierte Lehre von der Heilsgewissheit seit ihren Anfängen verfolgt hat: »So weit ist sie davon entfernt, die Menschen zur Sorglosigkeit zu verleiten.« Die römischen Streittheologen hatten ein Jahrhundert lang eingewandt, wenn die Menschen lehrten, sie könnten ihrer Errettung gewiss sein, würden sie sich die Freiheit zur Sünde nehmen. Die Väter antworten nicht mit einer theoretischen Widerlegung, sondern mit einer Beschreibung dessen, was die Heilsgewissheit tatsächlich hervorbringt. Sie bringt nicht Sorglosigkeit hervor, sondern Liebe. Sie bringt nicht Nachlässigkeit hervor, sondern Kraft, Freudigkeit und Dankbarkeit im Gehorsam. Der Mensch, der weiss, dass er ein Kind Gottes ist, schliesst nicht: Also darf ich leben, wie ich will. Er schliesst: Also will ich leben, wie mein Vater will — und ich tue es nicht mit dem mürrischen Herzen des Knechtes, sondern mit dem frohen Herzen des Kindes. Der Einwand verwechselt die Heilsgewissheit mit der Anmassung, und die beiden gleichen einander so wenig wie ein lebendiges Kind und ein gemaltes Bildnis.

Theologische Tiefe

Calvin widmet der angefochtenen Heilsgewissheit in der Institutio eine Aufmerksamkeit, die erkennen lässt, dass er die Sache nicht vom Schreibtisch her kannte. Er weiss, dass der Glaube der Gläubigen häufig von Zweifeln bestürmt wird, und er tut nicht so, als wäre die Gewissheit, von der die Schrift spricht, zu jeder Stunde mit gleicher Kraft erfahrbar. Der Gläubige, schreibt er, befindet sich in einem unablässigen Kampf mit seinem eigenen Unglauben, und weit davon entfernt, seinen Glauben in ungestörter Ruhe zu besitzen, ist er in einen nie endenden Streit verwickelt, in dem sein Glaube oft erschüttert wird und zuweilen am Rand des Abgrunds zu taumeln scheint. Dennoch besteht Calvin darauf, dass der Glaube seinem Wesen nach eine feste und gewisse Erkenntnis des Wohlwollens Gottes gegen uns ist, gegründet auf die in Christus geschenkte Verheissung. Wo diese Gewissheit gänzlich fehlt, da fehlt der Glaube selbst. Wie reimt sich das mit der Erfahrung des Gläubigen, der in der Finsternis sitzt und kein Licht hat? Calvin antwortet mit einer Unterscheidung, die im Kern auf dasselbe hinausläuft wie das, was die Väter von Westminster in diesem Abschnitt lehren: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Samen des Glaubens und dem ausgewachsenen Baum, zwischen dem Säugling, der Leben besitzt, und dem Erwachsenen, der das Bewusstsein dieses Lebens in seiner ganzen Kraft besitzt. Der Glaube, der sich in der Dunkelheit an Christus klammert und mit dem Vater des besessenen Knaben schreit: »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!«, ist echter Glaube — angefochten, verzweifelt, kaum der Sprache mächtig —, aber dennoch Glaube. Der Säugling, der noch nicht Papa sagen kann, ist um nichts weniger ein Kind, weil ihm die Sprache fehlt. Calvins seelsorgerlicher Rat an solche Seelen lautet, die Hoffnung nicht aufzugeben, sondern sich mit umso grösserer Dringlichkeit in die Verheissungen zu drängen. Der blosse Akt, auf Christus zu blicken, wie zitternd der Blick auch sein mag, ist ein Akt des Glaubens. Und der Christus, auf den der Blick fällt, ist kein unwilliger Heiland, sondern ein williger, der das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht. Owen hat seine Gedanken zur geistlichen Finsternis und ihren Ursachen über mehrere Abhandlungen verstreut, und sein seelsorgerlicher Scharfsinn zeigt sich nirgends deutlicher als in der Analyse der Frage, warum wahre Gläubige die Heilsgewissheit entbehren. Er unterscheidet mehrere Ursachen, die teils bei Gott, teils beim Gläubigen liegen. Gott entzieht den Trost der Heilsgewissheit zuweilen aus Gründen, die in seiner unerforschlichen Weisheit verborgen sind. Er will den Gläubigen lehren, was im Licht nicht gelernt werden kann: das Vertrauen auf das blosse Wort ohne die Stütze des Gefühls, die Geduld im Warten, das Ausharren im Gehorsam, wenn jeder Schritt schmerzt und kein Lohn in Sicht ist. Zu anderen Zeiten liegt die Ursache beim Gläubigen selbst. Er hat die Gnadenmittel vernachlässigt, durch die der Geist die Gewissheit zu nähren pflegt. Er hat eine Sünde geduldet, die den Geist betrübt und sein Zeugnis zum Schweigen gebracht hat. Er hat die Selbstprüfung durch die Selbstbeobachtung ersetzt und ist so sehr damit beschäftigt, die Bewegungen seines eigenen Herzens zu zergliedern, dass er aufhört, auf den Heiland zu blicken, dessen Schönheit allein das Herz zum Singen bringt. Owen besteht darauf, dass diese zweite Art von Ursachen nicht durch tatenloses Abwarten behoben wird, sondern durch tätige Busse und erneuerten Fleiss. Der Gläubige soll nicht nur fragen: Warum hat Gott mir die Gewissheit entzogen? Er soll auch fragen: Habe ich sie auf dem Weg gesucht, den er mir gewiesen hat? Habe ich sein Wort geliebt oder vernachlässigt? Habe ich gebetet oder das Gebet auf die Sonntage beschränkt? Habe ich die Gemeinschaft der Heiligen gepflegt oder mich in die Einsamkeit zurückgezogen, wo der Feind ungestört seine Lügen flüstern kann? Die Antworten auf diese Fragen sind oft schmerzhaft, aber sie sind der Anfang der Heilung. Der Arzt muss die Wunde kennen, bevor er den Verband anlegt. Watson hat die Anfechtung der göttlichen Verlassenheit mit einer Eindringlichkeit beschrieben, die den Leser auch nach Jahrhunderten noch im Herzen trifft. Er unterscheidet zwischen der göttlichen Traurigkeit, die zur Busse führt, und der göttlichen Verlassenheit, in der Gott sein Antlitz verbirgt. Die erste ist das Werk des Geistes, der die Sünde aufdeckt und das Herz über sie trauern lässt. Sie ist schmerzhaft, aber sie ist ein Zeichen des Lebens. Die zweite ist die zeitweilige Entziehung des empfundenen Trostes, und auch sie kann in der Hand Gottes ein Mittel der Erziehung sein. Watson nennt verschiedene Zwecke, denen diese Verlassenheit dient. Sie lehrt den Gläubigen, was er ohne die stützende Gnade Gottes ist: ein Halm, der beim leisesten Windhauch knickt. Sie macht ihm den Wert der Gnadenmittel bewusst, die er in den Tagen des Lichts vielleicht geringgeschätzt hat. Sie treibt ihn tiefer in die Verheissungen hinein, so wie der Ertrinkende sich mit doppelter Kraft an den Rettungsring klammert. Und sie bereitet ihn darauf vor, die Rückkehr des Lichts mit einer Dankbarkeit zu empfangen, die er nicht gekannt hätte, wenn das Licht ihm nie genommen worden wäre. Watson warnt den Gläubigen, der die Verlassenheit erfährt, vor zwei Fehlern. Der erste ist, die Verlassenheit für einen Beweis der Verwerfung zu halten. Der zweite ist, sich mit der Verlassenheit abzufinden, als sei sie der Normalzustand des Christen. Beide Fehler entspringen derselben Wurzel: dem Vergessen der Verheissungen. Gott hat versprochen, die Seinen nicht zu verlassen noch zu versäumen. Wenn er sein Antlitz verbirgt, so verbirgt er es für eine Zeit, nicht für die Ewigkeit. Der Gläubige, der in der Finsternis sitzt, soll sich an diese Verheissung klammern wie ein Ertrinkender an ein Brett, und er soll nicht loslassen, bis das Licht zurückkehrt. Es wird zurückkehren, denn der Gott, der die Verheissung gab, kann nicht lügen. à Brakel hat in seinem Werk über den geistlichen Trost eine Unterscheidung entfaltet, die das Herz des angefochtenen Christen weitet. Er unterscheidet zwischen der Gnade selbst und dem Trost der Gnade, zwischen dem Besitz der Gotteskindschaft und dem erfreulichen Empfinden dieser Gotteskindschaft. Ein Gläubiger kann die Gnade besitzen und dennoch den Trost der Gnade entbehren, wie ein Mensch ein Grundstück besitzen kann, ohne die Früchte zu geniessen, die es trägt, weil ein Nebel über dem Land liegt und er die Bäume nicht sieht. Der Trost kann entzogen sein, während die Gnade bleibt. Und à Brakel fügt einen Zusatz hinzu, der dem erschöpften Pilger Wasser in der Wüste ist: Die Abwesenheit des Trostes kann gerade ein Zeichen der echten Gnade sein. Der Heuchler empfindet den Mangel an Trost nicht als Schmerz. Er hat seinen Trost anderswo und braucht den Trost des Geistes nicht. Der wahre Gläubige aber trauert über die Abwesenheit des Trostes, und diese Trauer ist selbst ein Werk des Geistes, ein Zeichen, dass die neue Natur sich nach dem sehnt, was ihr fehlt, wie das Neugeborene nach der Milch der Mutter schreit. à Brakel ermahnt den Christen, der die Zeichen der Gnade in sich nicht finden kann, nicht zu verzweifeln, denn oft sind die Gnadenzeichen nicht abwesend, sondern nur verborgen. Das Feuer unter der Asche brennt noch, auch wenn die Flamme nicht zu sehen ist. Der Glaube, der sich in nichts anderem äussert als in dem Seufzen: »Herr, ich kann nicht glauben; hilf mir, dass ich glauben kann«, ist Glaube, denn der natürliche Mensch seufzt nicht so. Die Liebe zu Gott, die sich nur als Trauer darüber zeigt, dass man Gott nicht liebt, ist Liebe, denn der natürliche Mensch trauert nicht über seinen Mangel an Liebe zu Gott. Das Verlangen nach Heiligkeit, das nie über das blosse Verlangen hinauskommt, ist ein Werk des Geistes, denn das Fleisch verlangt nicht nach Reinheit. Der Gläubige, der nichts in sich findet als leere Hände und ein schreiendes Herz, soll wissen, dass auch leere Hände, die sich Christus entgegenstrecken, Kennzeichen des Glaubens sind und dass ein schreiendes Herz, das nach Gott ruft, ein Tempel des Heiligen Geistes ist.

Anwendung für das reformierte Leben

Erstens: Befreie dich von dem falschen Schluss, der schon manche Seele in die Verzweiflung getrieben hat. Der Schluss lautet: Wahre Gläubige besitzen Heilsgewissheit; ich besitze keine Heilsgewissheit; also bin ich kein wahrer Gläubiger. Das Bekenntnis zerschlägt den Obersatz. Wahre Gläubige können Heilsgewissheit besitzen, sollen sie im gewöhnlichen Weg suchen und werden sie in Gottes Zeit erlangen — aber ihr Glaube besteht nicht in der Gewissheit. Er besteht darin, Christus allein zu empfangen und auf ihm zu ruhen. Wenn du auf Christus blickst, und sei es durch einen Nebel — wenn du dich an ihn klammerst, und seien deine Finger noch so schwach —, dann übst du rettenden Glauben aus, selbst wenn du mit dem Vater des besessenen Knaben noch rufst: »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« Das zurückblickende Wissen um diesen Glauben mag dir noch nicht geschenkt sein, aber der Glaube selbst ist da. Reiss die Wurzel nicht aus dem Boden, um zu prüfen, ob sie noch lebt. Begiesse sie mit den Mitteln der Gnade, und zu seiner Zeit werden die Blätter zeugen von dem Leben, das unter der Erde verborgen war. Zweitens: Lerne, im Gebrauch der gewöhnlichen Mittel auf Gott zu warten, auch wenn diese Mittel dir trocken und unergiebig erscheinen. Die Versuchung des zweifelnden Gläubigen ist es, die Mittel aus Verzweiflung fahren zu lassen. Wenn das Lesen der Schrift keinen Trost bringt — warum noch lesen? Wenn das Gebet die Gegenwart Gottes nicht spürbar macht — warum noch beten? Aber die Logik steht auf dem Kopf. Die Mittel werden durch die Abwesenheit des gefühlten Trostes nicht nutzlos. Sie werden dadurch umso notwendiger. Der Bauer verlässt den Pflug nicht, weil die Ernte noch unsichtbar ist. Er pflügt in Hoffnung, sät in Hoffnung, wartet in Hoffnung, und die Ernte kommt zu ihrer Zeit. So ist es mit der Heilsgewissheit. Das Wort, gelesen in der Dürre, ist noch immer Gottes Wort, und der Geist, der es eingegeben hat, kann in einem Augenblick einen einzigen Vers mit dem Licht persönlicher Zueignung entflammen. Das Gebet, gesprochen in der Leere, wird noch immer vom Vater gehört, der das unaussprechliche Seufzen des Geistes versteht, wenn der Beter keine Worte mehr hat. Die Predigt, gehört ohne Regung, kann dennoch der Same sein, der Wochen oder Jahre später aufgeht. Warte auf Gott in den Mitteln. Schreibe ihm nicht den Zeitpunkt seines Erscheinens vor. Der Wächter harrt auf den Morgen, und der Morgen kommt — er kommt immer —, keinen Augenblick vor der festgesetzten Zeit und keinen Augenblick danach. Drittens: Nimm die Pflicht ernst, allen Fleiss darauf zu verwenden, deine Berufung und Erwählung festzumachen. Der Befehl richtet sich nicht an eine geistliche Elite. Er richtet sich an jeden Gläubigen. Gib dich dem Wort hin: nicht der flüchtigen Lektüre eines täglichen Kapitels, sondern dem betrachtenden, betenden, verweilenden Studium der Schrift, in dem du den Geist bittest, dir Christus auf jeder Seite zu zeigen und die Verheissungen deiner eigenen Seele zuzueignen. Gib dich dem Gebet hin: nicht dem blossen Hersagen von Bitten, sondern dem Ringen Jakobs, der den Engel nicht losliess, bis er den Segen empfangen hatte. Gib dich dem Tisch des Herrn hin: wo Christus dargestellt wird, nicht als ferne Gestalt, sondern als gegenwärtiger Gastgeber, und wo die Elemente den Sinnen sagen, was das Wort dem Verstand sagt — dass Christi Leib gebrochen und sein Blut für Sünder vergossen wurde und dass der Sünder, der ihn im Glauben empfängt, alles empfängt, was er ist und getan hat. Gib dich der Gemeinschaft der Heiligen hin: wo der entmutigte Gläubige aus dem Mund eines Bruders das Wort hören mag, das sein eigenes Herz braucht, und wo der gegenseitige Austausch bestätigt, dass er mit seinem Kampf nicht allein ist. Die Heilsgewissheit ist kein passiver Besitz. Sie ist eine Ernte, und die Ernte verlangt Arbeit. Arbeite für sie, und der Herr der Ernte wird dich nicht leer wegschicken. Viertens: Lass die Aufzählung der Früchte der Heilsgewissheit ein Spiegel sein, in den du deine eigene Seele prüfst, nicht um zu verzweifeln, sondern um zu erkennen, was dir noch fehlt. Das Bekenntnis listet diese Früchte mit auffallender Genauigkeit auf, und jede kann in eine Frage an das eigene Herz verwandelt werden. Ist dein Herz erweitert in Frieden, oder wird es regelmässig von Angst und Furcht zusammengepresst? Dieser Friede hängt nicht von den Umständen ab — Paulus sang um Mitternacht im Kerker zu Philippi —, sondern von der festen Überzeugung, dass Gott in Christus für dich ist. Kennst du Freude im Heiligen Geist — eine Freude, die nicht der Schaum des natürlichen Temperaments ist und nicht die Aufregung des Neuen, sondern die tiefe, nüchterne Fröhlichkeit einer Seele, die den König in seiner Schönheit gesehen hat? Ist deine Gottesverehrung von Liebe und Dankbarkeit geprägt, oder leistest du deinen Dienst aus Pflicht ohne Freude? Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Gehorsam eines Sohnes, der seinen Vater liebt, und dem Gehorsam eines Knechtes, der seinen Herrn fürchtet. Sind Kraft und Freudigkeit in deinen Pflichten des Gehorsams gegenwärtig, oder schleppst du dich durch die Gebote wie ein Mann, der durch tiefen Schlamm stapft? Der seiner Errettung gewisse Gläubige läuft den Weg der Gebote Gottes, nicht weil der Weg leicht geworden wäre, sondern weil sein Herz weit geworden ist. Diese Fragen sollen nicht verdammen. Sie sollen zeigen, wo der Mangel liegt. Und wenn die Antworten dich der fehlenden Gewissheit überführen, dann lass die Überführung dich nicht in die Verzweiflung treiben, sondern in den Fleiss — zu den Mitteln, die Gott verordnet hat, in der Zuversicht, dass der Geist, der in dir ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird. Fünftens: Hüte dich vor den beiden Abgründen, die den schmalen Weg dieser Lehre säumen. Zur Linken der Abgrund der Verzweiflung: der Schluss, dass die Gewissheit nie kommen wird, weil sie bis jetzt nicht gekommen ist, und dass die Dunkelheit die Verwerfung beweist. Diese Verzweiflung ist nicht Demut, sondern verkleideter Hochmut. Sie massst sich an zu wissen, was nur Gott weiss, und zu entscheiden, was nur Gott entscheiden kann. Die demütige Antwort auf den Mangel an Heilsgewissheit ist nicht, das Urteil über die eigene Seele zu sprechen, sondern auf den Richter zu warten, der allein den Freispruch der Rechtfertigung aussprechen kann — und der in seinem Wort versprochen hat, dass er den, der zu Christus kommt, niemals hinausstossen wird. Zur Rechten der Abgrund der Anmassung: die Zuversicht, die nicht auf den Verheissungen Gottes ruht, bestätigt durch die Gnadenzeichen und versiegelt durch den Geist, sondern auf einem vergangenen Erlebnis, einem Vergleich mit anderen, die schlechter sind als man selbst, oder einer rechtgläubigen Lehre, die Christus nie ergriffen hat. Diese Zuversicht ist die Fälschung, vor der der erste Abschnitt warnt, und ihr Ende ist das Verderben. Geh den schmalen Weg zwischen beiden Abgründen. Lass dich vom Mangel an Gewissheit nicht in die Verzweiflung treiben, und lass keine falsche Zuversicht an die Stelle der echten treten. Der Weg ist schmal, aber er ist gut bezeichnet, und der Geist, der in dir wohnt, ist ein treuer Führer. Sechstens: Blicke vorwärts — die Heilsgewissheit betrifft nicht nur den gegenwärtigen Zustand deiner Seele, sondern das künftige Erbe, das Christus erworben hat und das der Geist verbürgt. Wenn die Gewissheit kommt, bringt sie Frieden und Freude und Liebe und Dankbarkeit und Kraft und Freudigkeit mit sich — einen Vorgeschmack des Himmels selbst, das Angeld des Geistes, das den Gläubigen nach dem vollen Besitz verlangen lässt. Und wenn der Vorgeschmack so süss ist, wie wird dann das Mahl sein? Wenn die Erstlingsfrucht der Gewissheit so stärkt, wie wird dann die volle Ernte der Herrlichkeit sein, wenn der Glaube dem Schauen weicht, die Hoffnung dem Besitz und das Angeld dem Erbe selbst? Lass die Hoffnung auf diesen Tag dich im Warten tragen. Die Nacht ist vorgerückt; der Tag naht herbei. Und der Gott, der versprochen hat, dich zu diesem Tag zu bringen, wird dich durch diese Nacht nicht fallen lassen.

Gebet

Herr, der du im unzugänglichen Licht wohnst und dich dennoch herabneigst, bei dem zu wohnen, der zerschlagenen und demütigen Geistes ist, wir preisen dich für die Zärtlichkeit, mit der dein Wort die Seelen behandelt, die im Finstern sitzen und kein Licht haben. Wir danken dir, dass unser Glaube, so schwach und zitternd er oft ist, dennoch echter Glaube ist, wenn er auf deinem Sohn ruht, und dass du das geknickte Rohr nicht zerbrichst und den glimmenden Docht nicht auslöschst. Wir danken dir, dass die Heilsgewissheit nicht Aposteln und Märtyrern vorbehalten ist, sondern jedem Gläubigen angeboten wird durch den rechten Gebrauch der Mittel, die du verordnet hast, und dass keine ausserordentliche Offenbarung vonnöten ist, sondern nur die gewöhnliche Gnade, die du durch Wort und Sakrament und Gebet zu schenken pflegst. Wir bekennen, Herr, dass wir im Warten oft müde geworden sind. Wir haben an deiner Güte gezweifelt, als das Licht sich zurückzog und die Verheissungen wie Worte auf einem Blatt erschienen, nicht wie lebendige Worte aus dem Mund des lebendigen Gottes. Wir haben die Mittel vernachlässigt, durch die du den Trost zu spenden pflegst, und haben dann über den Mangel an Trost geklagt, als trügest du die Schuld. Vergib uns, so bitten wir, jeden voreiligen Schluss, jede Hingabe an die Verzweiflung, jede Stunde, die wir mit fruchtloser Selbstbeobachtung vergeudet haben, statt auf Christus zu blicken. Gib uns die Freude deines Heils zurück und stütze uns mit deinem freudigen Geist. Gewähre uns die Gnade, allen Fleiss darauf zu verwenden, unsere Berufung und Erwählung festzumachen. Treibe uns zum Wort mit einem Hunger, den flüchtige Lektüre nicht stillt. Lehre uns beten mit der Eindringlichkeit, die dich nicht loslässt, bis du uns segnest. Ziehe uns an deinen Tisch, wo Christus dargestellt wird als das Brot des Lebens und wo die Elemente zu unseren Sinnen von einer Liebe sprechen, die alle Erkenntnis übersteigt. Füge uns in die Gemeinschaft deiner Heiligen, dass wir einer des anderen Last tragen und dem müden Herzen ein Wort zur rechten Zeit sagen. Und wenn es dir in deiner Güte gefällt, den Frieden und die Freude und die Liebe und die Dankbarkeit, die die Früchte der Gewissheit sind, in unsere Herzen auszugiessen, dann lass uns nicht stolz werden, als hätten wir verdient, was du geschenkt hast. Lass uns nicht sorglos werden, als wäre der Kampf vorüber, wenn nur ein einziges Gefecht gewonnen ist. Lass uns dir vielmehr dienen mit dem frohen Herzen eines Sohnes, der die Liebe seines Vaters kennt, deine Gebote halten mit Kraft und Freudigkeit und uns sehnen nach dem Tag, an dem der Glaube dem Schauen weicht und wir dich sehen, wie du bist. Bis zu jenem Tag bewahre uns in deiner Hut. Lass den Anker halten. Lass das Siegel bleiben. Lass das Angeld des Geistes das tägliche Unterpfand sein, dass das volle Erbe kommt, und lass den Vorgeschmack uns hungrig machen auf das Mahl. Durch Jesus Christus, unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, ein Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
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