Andacht 95 von 171

Das Sittengesetz: Eine vollkommene Regel der Gerechtigkeit

Ch.19: Of the Law of God — Abschnitt 1 • 2026-07-31 • 35 min
Gott gab Adam ein Gesetz als einen Bund der Werke, durch den er ihn und alle seine Nachkommen zu persönlichem, vollständigem, genauem und immerwährendem Gehorsam verpflichtete; er verhiess Leben bei dessen Erfüllung und drohte Tod bei dessen Übertretung an; und stattete ihn mit Kraft und Fähigkeit aus, es zu halten.
– Westminster Bekenntnis, Kapitel 19, Abschnitt 1

Einleitung

Mit Kapitel 19 wenden sich die Westminster-Väter einem neuen Thema zu, und der Ort, an dem sie es tun, ist kein Zufall. Achtzehn Kapitel lang haben sie den ganzen Bogen der Erlösung entfaltet: die Schrift als höchste Autorität, den dreieinigen Gott, seine ewigen Ratschlüsse, die Schöpfung und die Vorsehung, den Sündenfall und seine Folgen, den Gnadenbund, Christus den Mittler, den freien Willen, die wirksame Berufung, die Rechtfertigung, die Annahme an Kindes Statt, die Heiligung, den rettenden Glauben, die Busse, die guten Werke, das Ausharren der Heiligen und die Heilsgewissheit. Der Leser, der diesen Weg gegangen ist, hat die Herrlichkeit des göttlichen Handelns von Ewigkeit zu Ewigkeit vor Augen geführt bekommen. Und nun, am Ende dieser gewaltigen Entfaltung, kehren die Väter an den Anfang zurück. Nicht zum Sinai, wo das Gesetz unter Donner und Blitz gegeben wurde. Sondern nach Eden, wo das Gesetz dem Menschen in der Stille des Gartens gegeben wurde, ehe ein einziger Schatten zwischen den Schöpfer und sein Geschöpf gefallen war. Diese Kapitelanordnung ist seelsorgerlich durchdacht. Der Leser, der von der Heilsgewissheit gehört hat, von der unfehlbaren Zuversicht, die der Geist dem Gläubigen schenkt, könnte versucht sein, sich auf dieser Gewissheit auszuruhen, ohne ihren Grund ganz zu verstehen. Die Gewissheit des Heils ist köstlich, aber sie muss auf etwas Tieferem ruhen als auf der gegenwärtigen Wärme des Herzens. Sie muss auf einem Verständnis dessen ruhen, was das Heil eigentlich wiederherstellt, und was es wiederherstellt, lässt sich nicht begreifen, ehe man begriffen hat, was der Fall zerstörte. Der Bund der Werke ist der notwendige Hintergrund, vor dem der Gnadenbund in seinen wahren Ausmassen erscheint. Wer nie das zermalmende Gewicht der Forderung des Gesetzes gespürt hat, persönlich, vollständig, genau, immerwährend, wird nie die volle Süsse der Vorkehrung des Evangeliums schmecken. Er wird ein oberflächlicher Christ bleiben, der einem Christus vertraut, den er nie wirklich gebraucht hat, und sich einer Erlösung rühmt, deren Tiefe er nie ermessen hat. Der Abschnitt, vor dem wir stehen, ist ein einziger Satz, und dieser Satz ist von grosser Dichte. In weniger als siebzig Worten legt er die bundesgemässe Hauptschaft Adams fest, den bundesgemässen Charakter der ursprünglichen Beziehung Gottes zum Menschen, die umfassende Art des geforderten Gehorsams, die doppelte Bestätigung von Leben und Tod und die ursprüngliche Gerechtigkeit, mit der Adam ausgestattet war. Jeder spätere Abschnitt des Kapitels, die Fortdauer des Sittengesetzes, die bleibende Autorität des Dekalogs, die Aufhebung des Zeremonialgesetzes, das Erlöschen des Judizialgesetzes, ruht auf dem Fundament, das hier gelegt wird. Und jede Predigt über die Gnade, die nicht zuerst die Forderung des Gesetzes vorträgt, baut auf Sand.

Die biblischen Grundlagen

Die Lehre vom Bund der Werke ist aus den ersten Kapiteln der Genesis geschöpft, besonders aus dem Gebot, das Gott Adam im Garten auferlegte. Die Sprache des zweiten Kapitels trägt alle Kennzeichen einer bundesgemässen Anordnung, auch wenn das Wort »Bund« im hebräischen Text erst später in der heiligen Erzählung erscheint: »Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.« Hier sind die wesentlichen Bestandteile eines jeden Bundes: zwei Parteien, eine Bestimmung, eine im Essen von jedem anderen Baum stillschweigend enthaltene Verheissung und eine angedrohte Strafe für die Übertretung. Die hebräische Wendung »musst du des Todes sterben«, moth tamuth, verwendet die Konstruktion des absoluten Infinitivs, die stärkste Form sprachlicher Verstärkung, die das biblische Hebräisch kennt. Es ist nicht die blosse Vorhersage der Sterblichkeit, sondern eine richterliche Erklärung: sterbend wirst du sterben. Der angedrohte Tod ist umfassend: leiblich, geistlich und ewig, die Trennung des Geschöpfes vom Schöpfer, in dem allein es das Leben hatte. Der Apostel Paulus liefert in jenem Abschnitt des Römerbriefes, in dem er den Ungehorsam des ersten Adam dem Gehorsam des zweiten gegenüberstellt, die massgebliche apostolische Auslegung des bundesgemässen Prinzips: »Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.« Die Logik des Verses ist nicht nachahmend, sondern stellvertretend. Paulus sagt nicht, dass alle Menschen sterben, weil jeder, dem Beispiel Adams folgend, seine eigenen Sünden begeht, obwohl das auch wahr ist. Er sagt, dass der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil alle in und durch den einen Menschen gesündigt haben. Die griechische Wendung eph' hō hat Jahrhunderte exegetischer Auseinandersetzung ausgelöst, aber der ganze Zusammenhang des Abschnitts, bestätigt durch die Parallele, die Paulus in den folgenden Versen zieht, verlangt eine bundesgemässe Deutung: »Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten.« Die Parallele ist so präzise, wie Sprache es überhaupt sein kann. Wenn die Gerechtigkeit Christi denen zugerechnet wird, die er vertritt, und das ist das Herz der reformierten Rechtfertigungslehre, dann muss die Schuld Adams denen zugerechnet werden, die er vertrat. Die beiden Bundeshäupter stehen an den beiden Polen der Heilsgeschichte, jedes handelnd für ein Volk, jedes den Rechtsstand der mit ihm Verbundenen bestimmend. Der Apostel kehrt im ersten Brief an die Korinther zu dieser bundesgemässen Logik zurück und zieht den Gegensatz zwischen den beiden Adams mit noch grösserer Deutlichkeit aus: »Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.« Und wenige Verse später erreicht die paulinische Typologie ihren Höhepunkt: »Der erste Mensch, Adam, wurde zu einem lebendigen Wesen, und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. Aber das Geistliche ist nicht das Erste, sondern das Natürliche; danach das Geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel.« Der Gegensatz besteht nicht zwischen zwei Privatpersonen, sondern zwischen zwei Stellvertretern, jedes das Haupt einer Menschheit. Alle, die in Adam sind, teilen seine Natur, seine Schuld und sein Schicksal. Alle, die in Christus sind, teilen seine Natur, seine Gerechtigkeit und sein Schicksal. Der Bund der Werke ist der rechtliche Rahmen, innerhalb dessen die erste Hauptschaft wirkt; der Gnadenbund ist der rechtliche Rahmen, innerhalb dessen die zweite Hauptschaft wirkt. Diesen paulinischen Abschnitten muss das Argument des Apostels im Galaterbrief hinzugefügt werden, wo er das Prinzip des Gesetzes und das Prinzip des Glaubens in scharfen Gegensatz stellt: »Denn die aus des Gesetzes Werken leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er es tue! Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn der Gerechte wird aus Glauben leben. Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben; sondern: der Mensch, der es tut, wird dadurch leben. Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns.« Das Zitat aus dem dritten Buch Mose, »der Mensch, der es tut, wird dadurch leben«, legt das Funktionsprinzip des Bundes der Werke fest: Das Leben wird angeboten unter der Bedingung vollkommenen, persönlichen, immerwährenden Gehorsams. Kein gefallener Sohn Adams kann diese Bedingung erfüllen, und darum steht jeder Mensch, der auf dem Boden seiner eigenen Leistung vor Gott steht, unter dem Fluch. Der einzige Ausweg aus diesem Fluch ist der stellvertretende Tod Christi, der »zum Fluch wurde für uns« und in seiner eigenen Person die Strafe trug, die der Bund der Werke jedem Übertreter auferlegt. Der Prophet Hosea liefert die unmittelbarste alttestamentliche Bestätigung dafür, dass Adams ursprüngliches Verhältnis zu Gott tatsächlich bundesgemäss war: »Aber sie übertreten den Bund wie Adam; darin handeln sie treulos an mir.« Die Lutherübersetzung hat »wie Adam«, und das ist die genauere Wiedergabe des hebräischen ke'adam. Israels Bundesbruch am Sinai, so sagt Hosea, ist eine Wiederholung von Adams Bundesbruch in Eden. Die Sünde des Gartens war nicht die blosse Übertretung einer willkürlichen Regel; sie war der Bruch eines Bundes, einer verbindlichen Vereinbarung zwischen Gott und Mensch mit festgesetzten Bedingungen und angedrohten Strafen. Und jede spätere menschliche Übertretung ist in ihrem Wesen eine Wiederholung dieses ursprünglichen Bruches.

Was die Westminster-Väter meinten

Als die Westminster-Väter erklärten, Gott habe Adam ein Gesetz »als einen Bund der Werke« gegeben, taten sie weit mehr, als eine historische Feststellung über den Garten zu machen. Sie legten die rechtliche Grundlage für das ganze Gebäude der Gnade und antworteten auf eine Reihe von Irrtümern, die die Kirche seit ihren frühesten Jahrhunderten bedrängt hatten. Die Bezeichnung »Bund der Werke«, foedus operum in der lateinischen Begrifflichkeit, die die reformierte Orthodoxie von der Reformation erbte, unterscheidet diese ursprüngliche Ordnung vom »Gnadenbund«, durch den Sünder errettet werden. Im Bund der Werke ist die Bedingung zum Erlangen des Lebens vollkommener Gehorsam, der vom Bundespartner selbst zu leisten ist. Im Gnadenbund ist die Bedingung zum Erlangen des Lebens der Glaube an einen Anderen, der den Gehorsam geleistet hat, den der erste Bund verlangte. Die beiden Bünde sind nicht verschiedene, einander ergänzende Wege zu demselben Ziel; sie sind einander ausschliessende Prinzipien der Beziehung zu Gott. Der eine sagt: Tue dies, so wirst du leben. Der andere sagt: Glaube, so wirst du gerettet werden. Der eine verlangt Gerechtigkeit vom Menschen; der andere schenkt dem Menschen Gerechtigkeit durch einen Stellvertreter. Die Väter stellen diese Unterscheidung an den Anfang ihrer Behandlung des Gesetzes, weil jede spätere Aussage über den fortdauernden Gebrauch des Gesetzes, sein dreifaches Amt und sein Verhältnis zum Gläubigen sie voraussetzt. Die vier Eigenschaftswörter, mit denen die Väter den geforderten Gehorsam beschreiben, persönlich, vollständig, genau, immerwährend, sind mit Bedacht gewählt, und jedes schliesst einen bestimmten Irrtum oder eine bestimmte Ausflucht aus. Der Gehorsam muss persönlich sein. Adam konnte den Bund nicht durch einen Stellvertreter erfüllen. Kein Mittler stand zwischen ihm und seinem Schöpfer im Garten. Er selbst, in seiner eigenen Person, musste den Gehorsam leisten, den der Bund verlangte. Das schliesst jede Vorstellung aus, das überfliessende Verdienst eines Heiligen könne den Mangel eines Sünders ausgleichen. Der Gehorsam muss vollständig sein. Er muss den ganzen Bereich des geoffenbarten Willens Gottes umfassen, das ausdrückliche Verbot des Baumes ebenso wie das ins Herz geschriebene Sittengesetz. Teilgehorsam ist unter dem Bund der Werke kein Gehorsam, denn das Gesetz ist ein unteilbares Ganzes: wer in einem Punkt strauchelt, hat den ganzen Bund gebrochen. Der Gehorsam muss genau sein. Er muss in jeder Hinsicht dem göttlichen Massstab entsprechen, ohne Fehler im Beweggrund, in der Art oder im Mass. Ein äusseres Befolgen, das einen inneren Widerwillen verbirgt, ist nicht der Gehorsam, den der Bund verlangt, denn der Bund beansprucht den ganzen Menschen. Und der Gehorsam muss immerwährend sein. Er muss ohne Unterbrechung während der gesamten Dauer der Bewährungszeit aufrechterhalten werden. Ein einziges Versagen zu irgendeinem Zeitpunkt, ein einziger Akt des Ungehorsams, ein einziger Augenblick des Abfalls, bricht den Bund und löst seinen Fluch aus. Der Bund der Werke enthält keine Vorkehrung für Busse, keine Einrichtung zur Wiederherstellung, nachdem seine Bedingungen einmal verletzt worden sind. Die vier Worte zusammen beschreiben eine Forderung, die so umfassend und so unerbittlich ist, dass kein gefallener Sohn Adams sie eine einzige Stunde seines Lebens lang erfüllen könnte. Die Bestätigungsklausel ist in vollkommenem Gegensatz formuliert: Leben für Gehorsam, Tod für Ungehorsam. Das verheissene Leben war nicht die blosse Fortsetzung der biologischen Existenz Adams im Garten; die besass er bereits kraft der Schöpfung. Es war ein bestätigter und unwiderruflicher Zustand der Seligkeit, ein Übergang von der Möglichkeit zu fallen zur Unmöglichkeit zu fallen, von einem Zustand der Bewährung zu einem bleibenden Erbe. Die reformierte Orthodoxie beschrieb Adams Zustand vor dem Fall als posse peccare, posse non peccare, fähig zu sündigen, fähig nicht zu sündigen. Hätte er die Bewährungszeit bestanden, wäre er in den Zustand des non posse peccare eingetreten, unfähig zu sündigen, in der Gerechtigkeit bestätigt und in der Gemeinschaft mit Gott für immer gesichert. Der angedrohte Tod war entsprechend umfassend: geistlicher Tod, das Zerschneiden der Gemeinschaft mit dem Schöpfer; leiblicher Tod, die Auflösung des Leibes und seine Rückkehr zum Staub; und ewiger Tod, der zweite Tod, aus dem es keine Auferstehung zum Leben gibt. An dem Tag, da Adam ass, begann der Prozess des Sterbens in allen drei Dimensionen, und alle seine Nachkommen traten unter dasselbe umfassende Urteil in die Welt ein. Die letzte Klausel, »und stattete ihn mit Kraft und Fähigkeit aus, es zu halten«, ist eine entscheidende Bestätigung der Gerechtigkeit des Bundes. Adam wurde nicht befohlen zu leisten, was er nicht zu leisten vermochte. Er wurde aufrichtig geschaffen, in ursprünglicher Gerechtigkeit, mit wahrer Erkenntnis, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Seine Fähigkeiten waren gesund; sein Wille war frei im wahrsten Sinne: frei von jeder inneren Neigung zum Bösen, frei, Gott von ganzem Herzen zu lieben, frei, dem Gebot zu gehorchen, das ihm gegeben worden war. Sein Fall war nicht die Folge irgendeines Mangels seiner Beschaffenheit, sondern der geheimnisvollen Freiheit eines endlichen Willens, der, obgleich gut geschaffen, fähig war, sich vom Guten abzuwenden. Der Bund war gerecht in seinen Bedingungen, und Adams Bruch war unentschuldbar. Gott schuldete ihm nichts über das hinaus, was er ihm in der Schöpfung bereits gegeben hatte, und was er verlangte, war nichts über das hinaus, was Adam zu leisten ausgestattet war. Die Väter waren sich, als sie diese Worte verfassten, der Irrtümer bewusst, die sie ausschlossen. Gegen die Sozinianer, die leugneten, dass Adams Sünde seinen Nachkommen zugerechnet wurde, und die schon den Gedanken an einen Bund der Werke verwarfen, besteht das Bekenntnis darauf, dass das Gesetz »als ein Bund« gegeben wurde und dass es Adam und »alle seine Nachkommen« band. Gegen die Pelagianer, die lehrten, Adams Fall habe nur ihn selbst betroffen und Kleinkinder kämen im selben Zustand sittlicher Neutralität zur Welt wie Adam vor dem Fall, lehrt das Bekenntnis, dass der Bund Adam stellvertretend band und dass seine Handlung Folgen für alle hatte, die er vertrat. Gegen jene, die später die Unterscheidung zwischen dem Gesetz als Bund und dem Gesetz als Richtschnur auflösen sollten, legen die Väter den Grund für den dreifachen Gebrauch des Gesetzes, den die folgenden Abschnitte entfalten werden. Das Gesetz schreckt ab, hält zurück und leitet, aber nur für diejenigen, die durch den Mittler in einem neuen Verhältnis zu ihm stehen.

Theologische Tiefe

Witsius, dessen »Ökonomie der Bünde« die umfassendste Behandlung der Föderaltheologie in der reformierten Tradition geblieben ist, eröffnet seine Erörterung des Bundes der Werke mit einer Beobachtung, die die ganze Lehre in ihr rechtes Licht rückt. Der Bund war nicht eine willkürliche Ordnung, die dem Menschen von aussen auferlegt wurde. Er war eine Herablassung, ein freiwilliger Akt des Schöpfers, durch den er sich selbst verpflichtete, den Gehorsam des Geschöpfes zu belohnen. Gott hätte Adams Gehorsam einfach als geschöpfliche Pflicht verlangen können, ohne eine weitere Verheissung an seine Leistung zu knüpfen. Dass er stattdessen ein Bundesverhältnis mit festgesetzten Segnungen und angedrohten Strafen einging, war ein Akt souveräner Güte. Die Form des Bundes selbst, ein Gesetz mit einer Verheissung, ist eine Vorausdeutung, wie schwach auch immer, auf den gnädigen Charakter, der später den Gnadenbund bestimmen sollte. Der Gott, der sich herablässt, in Eden durch einen Bund mit dem Menschen zu handeln, ist derselbe Gott, der sich herablässt, in Christus durch einen Bund mit Sündern zu handeln. Witsius geht auch der Frage nach, die manches zarte Gewissen beunruhigt hat: Wie kann es gerecht sein, dass Adams Sünde seinen Nachkommen zugerechnet wird, die an der Tat selbst keinen Anteil hatten? Die Antwort liegt in der Natur der bundesgemässen Stellvertretung. Adam handelte nicht als Privatperson, als er die verbotene Frucht nahm. Er handelte als Haupt des Menschengeschlechts, als der Stellvertreter, in dem alle seine natürlichen Nachkommen bundesgemäss eingeschlossen waren. Dasselbe Prinzip, umgekehrt, wirkt im Gnadenbund: Christus handelte nicht als Privatperson, als er das Gesetz erfüllte und seinen Fluch trug. Er handelte als Haupt der Erwählten, als der Stellvertreter, in dem alle seine geistlichen Nachkommen bundesgemäss eingeschlossen waren. Wenn die zweite Zurechnung gerecht ist, und jeder Gläubige setzt seine ewige Hoffnung auf sie, dann muss die erste Zurechnung, wie geheimnisvoll auch immer, ebenfalls gerecht sein. Die beiden Zurechnungen stehen oder fallen zusammen. Die Leugnung der Erbsünde, so bemerkt Witsius mit stiller Ironie, wird über kurz oder lang immer von der Leugnung der zugerechneten Gerechtigkeit begleitet. Turretin, in seinen »Institutionen der elenktischen Theologie«, liefert die strengste Verteidigung des Bundes der Werke gegen seine theologischen Gegner. Er unterscheidet sorgfältig zwischen der Substanz des Bundes, der Verpflichtung zum Gehorsam, die im Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf wurzelt und daher natürlich und immerwährend ist, und der Form des Bundes, der Verheissung des Lebens unter der Bedingung vollkommenen Gehorsams, die eine positive Hinzufügung ist und dem Zustand Adams vor dem Fall eigentümlich war. Die Substanz bleibt; die Form ist überholt. Das Sittengesetz verpflichtet alle Menschen weiterhin, weil es den unwandelbaren Charakter Gottes und die unwandelbaren Pflichten des Geschöpfes widerspiegelt. Aber die Bundesform, die Verheissung des Lebens unter der Bedingung vollkommenen persönlichen Gehorsams, gilt für den gefallenen Menschen nicht mehr, denn der gefallene Mensch kann die Bedingung nicht erfüllen. Turretins Unterscheidung verhindert zwei Irrtümer: den antinomistischen Irrtum, dass das Gesetz keinen fortdauernden Anspruch auf den Gläubigen habe, und den gesetzlichen Irrtum, dass der Stand des Gläubigen vor Gott von seinem eigenen Gehorsam abhänge. Das Gesetz bindet als Richtschnur, aber nicht als Bund; es leitet, aber verurteilt nicht; es führt den gerechtfertigten Sünder auf dem Weg der Dankbarkeit, ohne ihm mit dem Fluch zu drohen, von dem Christus ihn erlöst hat. Bullinger, dessen Bundestheologie die Zürcher Reformation tief geprägt hat, hatte schon ein Jahrhundert vor Westminster die zentrale Bedeutung des Bundes für das Verständnis der ganzen Heilsgeschichte erkannt. In seinen »Dekaden«, die über ganz Europa verbreitet wurden und in Elisabeths I. England zur Pflichtlektüre für den Klerus erhoben wurden, entfaltet Bullinger die eine göttliche Bundesökonomie, die sich von der Schöpfung bis zur Vollendung erstreckt. Der Bund mit Adam im Garten war für Bullinger nicht ein anderer Bund als der mit Abraham und seinen Nachkommen; es war derselbe Bund in unterschiedlicher Gestalt, dieselbe gnädige Zuwendung Gottes, die den Menschen unter immer neuen Bedingungen die Gemeinschaft mit ihm anbot. Die Zürcher Theologie betonte dabei stärker als manche andere reformierte Tradition die Einheit des Bundes und die Kontinuität der göttlichen Absicht. Der Gott, der Adam im Garten das Gesetz gab, ist derselbe Gott, der Israel das Gesetz am Sinai gab und der dem neuen Israel das Gesetz ins Herz schreibt, nicht weil das Gesetz sich geändert hätte, sondern weil der Geist den Menschen ändert, der es empfängt. Bullingers Erbe mahnt uns, den Bund der Werke nicht als einen gescheiterten ersten Versuch Gottes zu betrachten, dem der Gnadenbund als Plan B folgte. Der eine ewige Ratschluss umfasst beide, und der Bund der Werke diente von Anfang an dem Ziel, die Herrlichkeit des Gnadenbundes umso heller strahlen zu lassen. Boston, dessen »Vierfacher Zustand des Menschen« Generationen schottischer Christen genährt hat, zieht die seelsorgerlichen Folgerungen der bundesgemässen Hauptschaft Adams mit einer Eindringlichkeit, die dem erschütterten Gewissen den Weg zum Kreuz weist. Der natürliche Mensch, so Boston, empört sich gegen die Lehre, dass er in Adam gesündigt habe und unter dessen Verdammnis stehe. Er besteht auf seiner Eigenständigkeit und will nur für seine eigenen Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Aber dieselbe Logik, die ihn von der Sünde Adams freisprechen will, würde ihn von der Gerechtigkeit Christi ausschliessen. Wer nicht in Adam fallen will, kann nicht in Christus auferstehen. Der Bund der Werke ist nicht eine ferne theologische Kategorie; er ist die Erklärung der tiefsten inneren Not des Menschen. Die Rastlosigkeit des Herzens, der Zug zur Sünde, den er nicht gewählt hat und dem er nicht entkommen kann, das Leid, das jede irdische Freude begleitet, das sind nicht Zufälle seiner besonderen Veranlagung. Es sind die richterlichen Folgen des Falles, in den er als Kind Adams bundesgemäss verwickelt war. Und das Heilmittel liegt nicht in der Selbstverbesserung, sondern im Wechsel des Bundeshauptes. Der zweite Adam hat gehorcht, wo der erste ungehorsam war. Der zweite Adam hat die Forderung des Gesetzes erfüllt, wo der erste an ihr scheiterte. Die Vereinigung mit Adam erklärt das Verderben; die Vereinigung mit Christus erklärt die Wiederherstellung. Das eine ist die Diagnose, das andere die Heilung.

Anwendung für das reformierte Leben

Erstens: Lass den vollkommenen Gehorsam, den der Bund der Werke verlangte, in deiner Betrachtung zum Massstab werden, an dem du lernst, an dir selbst zu verzweifeln. Das ist kein Rat zur Schwermut, sondern der erste Schritt zu echtem Trost. Der natürliche Mensch nimmt an, bis der Geist ihn eines Besseren belehrt, dass seine Mängel geringfügig und seine Tugenden erheblich seien. Er bildet sich ein, Gott werde, da er barmherzig sei, die einen übersehen und die anderen annehmen. Der Bund der Werke zerschmettert diese Anmassung mit der Wucht eines Donnerschlags. Er fragt nicht, ob du besser bist als dein Nachbar, besser als du früher warst oder besser als der Durchschnitt der Menschheit. Er fragt, ob dein Gehorsam persönlich, vollständig, genau und immerwährend gewesen ist. Er fragt, ob du Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit aller deiner Kraft geliebt hast für jeden Augenblick deines Daseins. Das ehrliche Herz kann, wenn es diesen Massstab hört, nur sein Haupt beugen und bekennen: Ich habe ihn keine einzige Stunde gehalten. Und dieses Bekenntnis, so schmerzlich es ist, ist die Tür, durch die jeder Sünder hindurch muss, um zum Kreuz zu gelangen. Ehe du nicht gelernt hast, an deiner eigenen Gerechtigkeit zu verzweifeln, wirst du nie zur Gerechtigkeit Christi fliehen. Ehe das Gesetz dich nicht getötet hat, kann das Evangelium dich nicht lebendig machen. Zweitens: Begreife deine Vereinigung mit dem ersten Adam nicht als eine ferne theologische Kategorie, sondern als die Erklärung deiner tiefsten inneren Not. Die Unruhe deines Herzens, der Sog zur Sünde, der stärker ist als alle deine Vorsätze, die Traurigkeit, die unter deinen hellsten Freuden lauert, das sind keine Betriebsunfälle einer im Grunde heilen Natur. Es sind die rechtlichen Folgen des Falles, in den du, als Kind Adams, bundesgemäss verwickelt warst und bist. Du wurdest in einen Rechtszustand der Schuld hineingeboren, ehe du eine einzige eigene Tat begangen hattest, und du wurdest mit einer verderbten Natur geboren, die dafür sorgt, dass du tausend Taten begehen wirst. Das entschuldigt deine Sünde nicht; du hast Adams Auflehnung mit unzähligen eigenen bekräftigt, und deine Schuld ist wirklich. Aber es zeigt dir, dass das Problem viel tiefer liegt als schlechte Gewohnheiten oder falsche Entscheidungen. Was du brauchst, ist keine Besserung. Du brauchst ein neues Bundeshaupt. Und genau das bietet das Evangelium an. Der zweite Adam hat gehorcht, wo der erste ungehorsam war. Der zweite Adam hat die Forderung des Gesetzes erfüllt, wo der erste ihr nichts entgegenzubringen hatte. Der zweite Adam ist durch den Tod ins Auferstehungsleben hindurchgegangen und hat alle, die mit ihm vereinigt sind, in dasselbe Leben hineingenommen. Deine Vereinigung mit Adam erklärt deinen Ruin; deine Vereinigung mit Christus erklärt deine Wiederherstellung. Das eine nennt die Krankheit, das andere die Heilung. Drittens: Unterscheide sorgfältig zwischen dem Gesetz als Bund der Werke und dem Gesetz als Richtschnur des Lebens, denn das Versäumnis dieser Unterscheidung liegt an der Wurzel zweier der hartnäckigsten Irrtümer, die die Kirche bedrängen: Gesetzlichkeit und Antinomismus. Der Gläubige steht nicht unter dem Gesetz als Bund. Christus hat seine Bedingungen erfüllt, seinen Fluch erschöpft und seine Forderung befriedigt. Das Gesetz kann dich so wenig mit Verdammnis bedrohen, wie es Christus mit Verdammnis bedrohen kann, denn du bist in Christus, und sein Verhältnis zum Gesetz ist dein Verhältnis geworden. Aber der Gläubige steht unter dem Gesetz als Richtschnur, nicht als Leiter, auf der er zur Annahme emporsteigt, sondern als Weg, auf dem der angenommene Sohn in dankbarer Freiheit wandelt. Dieselben Zehn Gebote, die dich verdammen würden, wenn du unter dem Bund der Werke stündest, leiten dich nun als geliebtes Kind, das das ganze Erbe bereits besitzt. Die Unterscheidung ist keine Erlaubnis zur Sünde; sie ist der einzige Boden, auf dem Gehorsam ohne knechtische Furcht erwiesen werden kann. Ein Sklave gehorcht, weil er die Peitsche fürchtet. Ein Sohn gehorcht, weil er den Vater liebt und an seinem Willen Gefallen hat. Der Gnadenbund verwandelt das Gesetz von einem drohenden Tyrannen in einen freundlichen Führer, und der Gläubige, der das versteht, wird die Gebote nicht als Last, sondern als Wonne empfinden. Viertens: Wenn du den Dekalog liest oder ausgelegt hörst, wie das Bekenntnis es in den folgenden Abschnitten tun wird, dann lass die erste Regung deiner Seele nicht ein Vorsatz zur Besserung sein, sondern ein Eingeständnis des Versagens. Das Gesetz wurde am Sinai unter Donner und Blitz und Posaunenschall gegeben, eine Entfaltung göttlicher Majestät, die so furchterregend war, dass das Volk darum bat, das Wort möge nicht weiter zu ihnen gesprochen werden. Dieser Schrecken war pädagogisch. Er sollte Israel lehren, und dich, dass es unmöglich ist, sich einem heiligen Gott auf der Grundlage des eigenen Gehorsams zu nahen. Wenn du liest: »Du sollst keine anderen Götter neben mir haben«, dann frage nicht, wie deine Leistung im Vergleich mit der deines Nachbarn ausfällt. Frage, ob du jemals, auch nur für einen einzigen Augenblick, Gott mit der Reinheit und Kraft geliebt hast, die das Gebot verlangt. Die ehrliche Antwort wird dich wieder zum Kreuz treiben, wo derjenige, der den Vater vollkommen liebte, den Fluch deiner mangelhaften Liebe getragen hat. Das Gesetz ist ein Zuchtmeister auf Christus hin. Lass es sein Amt täglich ausüben, nicht einmal bei der Bekehrung, sondern jeden Morgen, damit du jeden Morgen neu am Fuss des Kreuzes beginnen kannst. Fünftens: Lass den Bund der Werke deine Anbetung des Gnadenbundes vertiefen, und lass diese Anbetung sich in einem Leben frohen und willigen Gehorsams ausdrücken. Wir schätzen nicht, was wir nicht verstanden haben, und wir verstehen die Gnade nicht, ehe wir die Alternative verstanden haben. Der erste Bund verlangte alles und bot dem Übertreter nichts. Der zweite Bund verlangt nichts, denn Christus hat die Forderung erfüllt, und bietet dem Sünder alles. Der erste Bund verhiess dem Gehorsamen Leben; der zweite Bund schenkt dem Ungehorsamen Leben, der auf den Gehorsamen vertraut. Der erste Bund hatte keinen Mittler, denn keiner war nötig, als die Parteien im Frieden waren. Der zweite Bund hat einen Mittler, der Gott und Mensch ist, der seine Hand auf beide legte und sie um den Preis seines eigenen Blutes versöhnte. Wenn du die beiden Bünde nebeneinander stellst, die Forderung und die Gabe, den Fluch und den Segen, den Schrecken und den Trost, die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit, dann beginnst du zu ahnen, warum die Engel begehren, in diese Dinge hineinzuschauen, und warum die Erlösten die Ewigkeit damit zubringen werden, das Lamm zu preisen, das geschlachtet wurde. Der Bund der Werke ist der unbeugsame Rahmen, innerhalb dessen das Bild der Gnade gemalt wird, und je dunkler der Rahmen, desto heller strahlt das Bild. Sechstens: Bewundere in der ursprünglichen Gerechtigkeit, mit der Adam ausgestattet war, das Bild dessen, was du in Christus wiedererlangst, und lass diese Bewunderung deine Hoffnung auf die Vollendung nähren. Adam war fähig, nicht zu sündigen, und er fiel. Christus, der letzte Adam, war nicht fähig zu sündigen, und er stand, für sich und für die Seinen. Der Gläubige, der in diesem Leben mit der bleibenden Verdorbenheit ringt und täglich erfährt, wie weit sein Gehorsam hinter dem zurückbleibt, was das Gesetz verlangt, darf auf den Tag blicken, an dem er dem Bilde Christi gleichgestaltet sein wird. An jenem Tag wird der Gläubige in den Zustand des non posse peccare eintreten, nicht mehr fähig zu sündigen, in der Gerechtigkeit bestätigt und in der Gemeinschaft mit Gott für immer gesichert. Was Adam durch seinen Ungehorsam verlor, hat Christus durch seinen Gehorsam wiedergewonnen, und der enge und beschwerliche Weg, den der Gläubige jetzt geht, endet in derselben Herrlichkeit, die Adam verspielt hat. Die Tür zum Paradies, die der Cherub mit dem flammenden Schwert bewachte, ist durch das Blut des Lammes wieder geöffnet worden. Der Baum des Lebens, dessen Frucht dem gefallenen Menschen verwehrt war, steht nun allen offen, die ihre Kleider im Blut des Lammes gewaschen haben. Der Bund der Werke, in Adam gebrochen, ist in Christus erfüllt, und die Erfüllung ist herrlicher als der ursprüngliche Entwurf es je hätte sein können. Denn die Gnade baut nicht nur wieder auf, was die Sünde zerstörte; sie erhöht das wiederhergestellte Geschöpf zu einer Würde, die das ungefallene nie besessen hätte, zur Würde der Kindschaft, zur Gemeinschaft mit Christus, zum Miterbe-Sein mit dem, der das Erbe durch seinen Gehorsam erwarb.

Gebet

Ewiger und allgerechter Gott, der du den Menschen aufrecht geschaffen und in Eden einen Bund mit ihm eingegangen bist, wir beugen uns vor dir in der Anerkennung deiner vollkommenen Gerechtigkeit und unerforschlichen Weisheit. Du gabst Adam, unserem Vater, ein Gesetz als einen Bund der Werke, der ihn und alle seine Nachkommen in ihm zu persönlichem, vollständigem, genauem und immerwährendem Gehorsam verpflichtete. Du verhiessest Leben bei seiner Erfüllung und drohtest Tod bei seiner Übertretung an, und du stattetest ihn mit Kraft und Fähigkeit aus, ihn zu halten. Der Bund war heilig, gerecht und gut, und seine Bedingungen waren Ausdruck deines heiligen Wesens und deines rechtmässigen Anspruchs auf das Geschöpf, das du gemacht hattest. Wir bekennen, Herr, dass Adam den Bund durch einen freien und unentschuldbaren Akt seines Willens gebrochen hat und damit den Tod über sich und alle seine Nachkommen in ihm gebracht hat. Wir bekennen weiter, dass wir seinen Aufruhr mit unzähligen eigenen Aufruhren bekräftigt haben, in Gedanken, Worten und Werken. Das Gesetz, das Vollkommenheit verlangte, haben wir an jedem Punkt gebrochen, und unter seinem Bund stehen wir gerechterweise verdammt. Wir preisen dich, Gott aller Gnade, dass du, wo der erste Bund dem Übertreter kein Heilmittel bot, einen zweiten bereitet hast: einen Gnadenbund, versiegelt mit dem Blut deines eigenen lieben Sohnes, in dem der Gehorsam, den wir nicht leisten konnten, für uns geleistet und der Tod, den wir verdienten, an unserer Statt gestorben wurde. Wir rühmen den letzten Adam, den Herrn vom Himmel, dessen Gerechtigkeit unsere Sünde übertrifft wie das Meer einen einzelnen Tropfen und dessen Fürsprache für uns eintritt, wenn unsere eigenen Lippen stumm und unsere eigenen Herzen uns verdammen. Gewähre uns, so bitten wir demütig, ein rechtes Verständnis des Gesetzes in allen seinen Beziehungen. Lass den Bund der Werke sein überführendes Werk an unserem Gewissen tun, jede Spur von Selbstgerechtigkeit von uns streifen und uns immer neu zum Kreuz treiben, wo Barmherzigkeit und Wahrheit sich begegneten. Und lass das Gesetz als Richtschnur des Lebens, durch deinen Geist in unsere Herzen geschrieben, unsere Schritte auf dem Pfad des heiligen Gehorsams leiten, nicht damit wir angenommen werden, denn wir sind bereits angenommen in dem Geliebten, sondern damit wir würdig wandeln der Berufung, zu der wir berufen sind. Bewahre uns vor den beiden Irrtümern, die von beiden Seiten auf uns eindringen. Bewahre uns vor Gesetzlichkeit, damit wir nicht auf unseren eigenen Gehorsam vertrauen und aus der Gnade fallen. Bewahre uns vor Antinomismus, damit wir nicht deine Gnade in Zügellosigkeit verkehren und den Sohn Gottes aufs Neue kreuzigen. Gewähre, dass unser Gehorsam immer die frohe und freie Antwort von Söhnen sei, die das Herz ihres Vaters kennen, und nicht das ängstliche Mühen von Knechten, die die Rute ihres Herrn fürchten. Und zuletzt, Herr, bringe uns in jene Stadt, deren Baumeister und Schöpfer du bist, wo der Baum des Lebens auf beiden Seiten des Stromes steht und der Bund nicht mehr auf steinerne Tafeln geschrieben ist, sondern in der ungebrochenen Gemeinschaft der Erlösten mit ihrem Erlöser voll und für immer verwirklicht wird. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel herabgekommen ist, dem Gesetz untertan wurde und die, die unter dem Gesetz waren, erlöst hat, damit wir die Kindschaft empfingen. Amen.
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