Andacht 107 von 171

Die Elemente des Gottesdienstes: Gebet, Lesen, Predigen, Singen

Ch.21: Of Religious Worship and the Sabbath Day — Abschnitt 2 • 2026-08-12 • 34 min
Die religiöse Anbetung soll Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, dargebracht werden — und ihm allein; nicht Engeln, Heiligen oder irgendeinem anderen Geschöpf. Und seit dem Sündenfall geschieht dies nicht ohne einen Mittler, noch durch die Mittlerschaft von irgendjemand anderem als von Christus allein.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 21, Abschnitt 2

Einleitung

Auf dem Berg Karmel hatte Elia das Volk versammelt. Vierhundertfünfzig Propheten Baals standen auf der einen Seite, ein einzelner Mann Gottes auf der anderen. Die Frage, die Elia dem Volk entgegenschleuderte, war nicht ob sie anbeten sollten, sondern wen: »Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach; ist's aber Baal, so wandelt ihm nach.« Das Volk schwieg. Es wollte beides. Es wollte den Herrn behalten und Baal nicht verlieren. Es wollte die Sicherheit der Tradition und den Reiz des Neuen, die Anbetung des Schöpfers und die Anbetung der Geschöpfe, die Heiligkeit des einen und die Bequemlichkeit des anderen. Das Schweigen auf dem Karmel ist das Schweigen des menschlichen Herzens zu jeder Zeit und an jedem Ort. Wir wollen Gott anbeten, aber wir wollen die Nebengötter nicht loslassen, die uns schmeicheln und keine Heiligkeit fordern. Der zweite Abschnitt des Gottesdienst-Kapitels reisst dieses Schweigen auf und stellt die Frage, die Elia stellte, mit der Schärfe des apostolischen Wortes: Wem gehört die Anbetung, und durch wen geschieht sie? Der erste Abschnitt hat das Fundament gelegt. Er hat gelehrt, dass das Licht der Natur zeigt, dass Gott angebetet werden muss, aber nur die Schrift zeigt, wie er angebetet werden will. Das war die Lehre von der Form des Gottesdienstes. Nun fragt der zweite Abschnitt nach dem Empfänger und dem Mittler. Die Antwort ist so kurz, dass man sie in einem einzigen Atemzug sprechen kann, und so umfassend, dass sie jeden Altar zertrümmert, den die Menschheit je gebaut hat, ausser dem einen, der auf Golgatha steht. Anbetung gebührt Gott allein, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Sie gebührt keinem Engel, keinem Heiligen, keinem Geschöpf, und sei es noch so erhaben. Und seit der Mensch aus dem Garten vertrieben wurde und das flammende Schwert den Weg zum Baum des Lebens versperrt, gibt es keinen Zugang zum Thron der Gnade ohne einen Mittler. Der Mittler aber, den Gott selbst bestellt hat und dessen Blut allein die Schuld tilgt, ist einer: Jesus Christus. Jeder andere Mittler ist ein selbstgemachter Götzendienst, jede andere Vermittlung eine Beleidigung des Sohnes, der mit seinem eigenen Blut in das himmlische Heiligtum eingegangen ist und dort eine ewige Erlösung erworben hat. Das sind zwei Sätze, die in ihrer Knappheit fast unscheinbar wirken. Aber in ihnen ist die gesamte Reformation des Gottesdienstes zusammengefasst, die Zwingli in Zürich begann, die Calvins Genf vollendete und die Bullinger in den helvetischen Bekenntnissen festhielt: die Wiederentdeckung der apostolischen Wahrheit, dass der Gottesdienst der Christen nicht dem Geschöpf gilt, sondern dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit.

Die biblischen Grundlagen

Die erste und grundlegende Wahrheit des Abschnitts ist, dass Anbetung Gott allein gebührt. Sie steht im ersten Gebot: »Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.« Sie steht im Bekenntnis, das Israel jeden Morgen und jeden Abend sprach, dem Schma Jisrael: »Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.« Und sie steht in der Antwort, mit der der Herr Jesus dem Versucher im entscheidenden Augenblick seiner Sendung entgegentrat. Satan hatte ihn auf einen hohen Berg geführt, hatte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit gezeigt und einen einzigen Akt der Anbetung gefordert. Der Preis war die Welt. Der Lohn des Gehorsams war das Kreuz. Und Christus antwortete mit einem Wort der Schrift, das wie ein Keulenschlag auf den Anspruch des Widersachers niedersaust: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Das griechische Wort für anbeten, proskyneō, bedeutet niederfallen, sich zu Boden werfen in der Anerkennung völliger Abhängigkeit. Es ist die Haltung des Geschöpfes vor dem Schöpfer, die wortlose Sprache dessen, der weiss, dass er aus dem Nichts gerufen wurde und jeden Atemzug dem verdankt, vor dem er kniet. Und das Wörtchen, das alles entscheidet, heisst monō: allein. Nicht zuerst. Nicht vorrangig. Nicht unter anderem. Allein. Der Sohn Gottes, der versucht wurde wie wir, doch ohne Sünde, hat in der Stunde der höchsten Versuchung einen Kreis um einen einzigen Namen gezogen. Alles ausserhalb dieses Kreises gehört dem Versucher. Der Apostel Johannes hat dieselbe Lektion gelernt, und er hat sie zweimal lernen müssen, was die Tiefe der Verirrung zeigt, in die selbst ein Apostel fallen kann. In der Offenbarung, überwältigt von der Herrlichkeit dessen, was er geschaut hatte, fiel Johannes zu Füssen des Engels nieder, um ihn anzubeten. Die Antwort des Engels war unmissverständlich: »Tue es nicht! Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an!« Einige Kapitel später geschieht es wieder: Johannes fällt nieder, und der Engel weist ihn abermals zurecht: »Bete Gott an!« Zweimal der geliebte Jünger, der beim letzten Abendmahl an der Brust des Herrn gelegen hatte. Zweimal der Fussfall vor einem Geschöpf. Zweimal die Zurechtweisung: Bete Gott an. Der Engel sagte nicht: Bete Gott zuerst an, und dann die Engel. Er sagte nicht: Bete Gott vorrangig an, und die Heiligen nachgeordnet. Er sagte: Bete Gott an. Wenn ein Engel, der eben aus der Gegenwart Gottes kommt, die Anbetung verweigert, welche Rechtfertigung bleibt dann für den, der vor einem Bild niederkniet, einen Heiligen anruft oder einem Menschen die Ehre gibt, die allein dem Schöpfer zusteht? Die zweite Wahrheit des Abschnitts ist, dass seit dem Sündenfall kein Gottesdienst Gott wohlgefällig ist ohne einen Mittler, und dass dieser Mittler Christus allein ist. Das apostolische Fundament steht im ersten Brief an Timotheus: »Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.« Paulus denkt in Parallelen, die den Charakter von Axiomen tragen. So wie es nur einen Gott gibt, das Urbekenntnis Israels, so gibt es auch nur einen Mittler. Das Wort mesitēs bezeichnet jemanden, der zwischen zwei Parteien steht, um sie zu versöhnen, einen Bürgen, der für beide einsteht und Frieden stiftet. Paulus sagt mit der Wucht einer unumstösslichen Tatsache: Es gibt genau einen solchen im Heilsplan Gottes. Der Sohn Gottes hat Fleisch angenommen, um dieses Amt zu bekleiden, und der Preis, den er zahlte, war sein eigenes Leben. Wer andere Mittler vorschlägt, sei es ein mitfühlender Heiliger, ein fürbittender Engel oder ein menschlicher Priester, der erklärt damit die Mittlerschaft Christi für unzureichend. Und dieser Angriff trifft nicht nur das Werk des Sohnes; er trifft die Weisheit des Vaters, der ihn gesandt hat. Der Hebräerbrief vertieft diese Lehre mit einer Gegenüberstellung von Altem und Neuem Bund. Christus ist »der Mittler eines besseren Bundes, der auf bessere Verheissungen gegründet ist«. Die levitischen Priester waren viele, denn der Tod hinderte sie am Bleiben. Ihre Opfer mussten wiederholt werden, denn Tierblut kann keine Sünden wegnehmen. Christus aber hat ein für alle Mal geopfert und sich gesetzt zur Rechten Gottes. »Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheissene ewige Erbe empfangen.« Christi Mittlerschaft gründet in seinem Tod. Kein anderer Mittler ist für Sünden gestorben, von den Toten auferstanden und zur Rechten der Majestät in der Höhe aufgefahren. Jeder andere Mittler ist eine Brücke, die das jenseitige Ufer nicht erreicht. Und der Herr selbst, in der Nacht, da er verraten ward, sprach das Wort, das jede Tür verschliesst und jeden Umweg versperrt: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.« Die Sprache duldet keinen Kompromiss. Nicht ein Weg. Nicht ein Weg unter vielen. Nicht der beste Weg für eine bestimmte Kultur oder Epoche. Der Weg. Der bestimmte Artikel steht als Wächter am Tor und weist jeden Pilger, der von einer anderen Strasse kommt, zurück in die eine Gasse, die zum Leben führt. Und als Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, vor demselben Rat stand, der seinen Herrn zum Tod verurteilt hatte, rief er aus: »Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.« Kein anderer Name. Nicht Maria, nicht Petrus selbst, nicht die Schar der Märtyrer, deren Blut die Saat der Kirche war. Ein Name, ein Mittler, ein Weg zum Vater. Jede Annäherung, die diesen Namen umgeht oder ergänzt, ist eine Annäherung an einen Thron, der für den, der falsch kommt, nicht ein Thron der Gnade, sondern ein Thron des Gerichts geworden ist. Es gibt noch eine Stimme, die Paulus im Kolosserbrief erhebt. Er warnt vor denen, die »sich gefallen in falscher Demut und Verehrung der Engel«. In Kolossä hatte sich eine Lehre eingeschlichen, die eine Leiter von Mittlerwesen zwischen dem Menschen und Gott aufstellte: Wer sich nicht würdig fühle, solle sich an die Engel wenden, und sie würden seine Anliegen Stufe um Stufe nach oben tragen. Paulus sagt nicht, die Engelverehrung sei ein wenig übertrieben. Er sagt, sie beraube die Gemeinde des Kampfpreises. Wer sich an Engel wendet, wendet sich von Christus ab. Und noch ein alttestamentlicher Zeuge tritt hinzu, den die Väter in Westminster stillschweigend voraussetzten, als sie das »ihm allein« niederschrieben. Jesaja überliefert das Wort des Herrn, das wie ein Fels in der Brandung aller Religionsvermischung steht: »Ich bin der Herr, das ist mein Name; ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen.« Die Ehre Gottes, kābôd im Hebräischen, das Gewicht, die Herrlichkeit, ist kein Gut, das verteilt werden kann wie Brot unter den hungernden Völkern. Sie ist unteilbar. Wer einem Geschöpf die Ehre gibt, die dem Schöpfer zusteht, begeht nicht einen Irrtum im Adressbuch; er begeht Diebstahl am Heiligtum.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Väter schrieben diesen Abschnitt mit einer dreifachen Front vor Augen. Die erste und offensichtlichste war Rom. Das Konzil von Trient, kaum ein Jahrhundert vor der Westminster-Synode abgeschlossen, hatte die protestantische Lehre von der ausschliesslichen Mittlerschaft Christi verflucht und die Anrufung der Heiligen, die Verehrung der Reliquien und die Bilderverehrung erneut bekräftigt. Rom leugnete nicht, dass Christus der höchste Mittler sei. Die Frage war, ob er der einzige sei. Die Väter antworteten mit einem einzigen Wort, zweimal gesetzt: »allein«, »und ihm allein«, »von Christus allein«. Dieses Wörtchen ist die Wasserscheide zwischen reformiertem und römischem Gottesdienst. Die Unterscheidung zwischen latria und dulia, zwischen Anbetung, die nur Gott gebührt, und Verehrung, die den Heiligen zusteht, wurde von den Reformatoren und den Vätern als ein Wortspiel durchschaut. Der einfache Gläubige kniete vor dem Bild und betete. Er unterschied nicht zwischen höchster und nachgeordneter Verehrung. Er flehte den Heiligen um Hilfe an mit derselben Inbrunst, mit der er zu Gott rief, wenn nicht mit grösserer; denn der Heilige war fassbarer, menschlicher, näher. Die Väter zogen die Konsequenz: keine Engel, keine Heiligen, kein Geschöpf. Der Satz ist kurz, aber er reisst ein ganzes Universum religiöser Erfindungen nieder. Die zweite Front war subtiler, aber nicht weniger gefährlich: der Sozinianismus. Die Sozinianer leugneten die volle Gottheit Christi und des Heiligen Geistes. Sie beteten einen Gott an, der nicht der dreieinige Gott der Schrift war. Ihnen setzten die Väter die trinitarische Formel entgegen: »Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist«. Das Bekenntnis zum dreieinigen Gott war keine fromme Ausschmückung. Es war die Grenze, die das christliche Gottesbild von jeder Form des Ein-Gott-Glaubens trennt, der die Personen leugnet oder zu Erscheinungsweisen herabstuft. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist: unterschieden, aber nicht getrennt; eins, aber nicht vermischt. Wer den Sohn nicht anbetet, betet den Vater nicht an, denn der Vater will, dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Geist nicht anbetet, betet den Vater und den Sohn nicht an, denn der Geist ist der Herr und macht lebendig, und er wird mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und geehrt. Die dritte Front war nur angedeutet, aber in jedem Satz gegenwärtig: die Schwärmerei, die sich über die Mittlerschaft Christi hinwegsetzte und den unmittelbaren Zugang zum Vater ohne den Sohn beanspruchte. Die Väter setzten mit Nachdruck hinzu: »seit dem Sündenfall nicht ohne einen Mittler«. Das war gegen jeden gerichtet, der meinte, er könne aus eigener Kraft, durch innere Erleuchtung oder durch mystische Versenkung, den Abgrund überspringen, den die Sünde zwischen dem Menschen und Gott aufgerissen hat. Der Mensch im Paradies brauchte keinen Mittler. Er wandelte mit Gott in der Kühle des Abends. Aber das flammende Schwert, das den Weg zum Baum des Lebens versperrte, steht dort als sichtbares Zeichen einer Trennung, die nur ein Mittler überbrücken kann, und dieser Mittler muss von Gott selbst bestimmt sein. Kein menschlicher Vorschlag zählt. Kein religiöser Eifer ersetzt das Blut des Bundes. Der Ausdruck »seit dem Sündenfall« ist mehr als ein chronologischer Vermerk. Er ist eine theologische These: Was im Paradies möglich war, die unmittelbare Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch, ist seit dem Fall unmöglich geworden, nicht durch Willkür Gottes, sondern durch die Wirklichkeit der Sünde. Gott ist derselbe geblieben. Der Mensch hat sich verändert, und solange die Sünde nicht getilgt ist, führt der Weg zu Gott nur über den, der sie getilgt hat. In der Ewigkeit, wenn der Mittler das Reich dem Vater übergibt und Gott alles in allem sein wird, wird die Mittlerschaft aufhören, weil das Glauben zum Schauen geworden ist. Aber solange wir im Leibe wallen, ist Christus der Weg, und es gibt keinen anderen.

Theologische Tiefe

Die reformierte Theologie hat das »allein« des zweiten Abschnitts in verschiedene Richtungen entfaltet, und keine ist für den Gottesdienst der Kirche folgenreicher als die Lehre von der ausschliesslichen Mittlerschaft Christi. Sie steht in einem strengen, notwendigen Zusammenhang mit dem, was der erste Abschnitt über die Schrift als die alleinige Richtschnur des Gottesdienstes gelehrt hat. Wenn die Schrift allein bestimmt, wie Gott angebetet werden will, dann bestimmt sie auch, durch wen die Anbetung geschehen muss. Das Medium der Anbetung ist so wenig der menschlichen Wahl überlassen wie die Form der Anbetung. Calvin hat diesen Zusammenhang mit einer Klarheit entfaltet, die keine Umwege duldet. Im dritten Buch der Institutio schreibt er, dass die Mittlerschaft Christi der einzige Grund ist, warum das Gebet eines Sünders in den Himmel dringt. Nicht die Inbrunst des Betenden öffnet die Tür, nicht die Würdigkeit des Anliegens, nicht die Reinheit der Form. Christus allein. Calvin gebraucht das Bild des Hohepriesters, der das Blut der Versöhnung in das Allerheiligste trägt. Der alttestamentliche Hohepriester durfte nur einmal im Jahr eintreten, und hinter ihm schloss sich der Vorhang. Der himmlische Hohepriester ist ein für alle Mal eingetreten, und der Vorhang ist zerrissen, aber der Weg führt nicht an ihm vorbei; der Weg führt durch ihn. Wer ohne den Hohepriester in das Heiligtum eintreten will, wird nicht als Beter empfangen, sondern als Eindringling gerichtet. Zwingli in Zürich hatte diesen Kampf schon vor Calvin gefochten, und er hatte ihn mit einer Radikalität der praktischen Konsequenz durchgezogen. Als der Zürcher Rat 1524 die Heiligenbilder aus den Kirchen entfernte, geschah das nicht in einem Ausbruch zerstörerischer Wut, sondern nach sorgfältiger öffentlicher Disputation und auf der Grundlage des ersten Gebotes. Das Argument war einfach: Anbetung gebührt Gott allein. Die Heiligenbilder in den Kirchen empfangen Anbetung, ob man es will oder nicht. Also müssen sie weichen. Zwinglis Gegner wandten ein, die Bilder seien nur Bücher der Armen. Zwingli antwortete, der Arme habe ein besseres Buch: die Schrift, und wenn er sie nicht lesen könne, dann solle die Kirche sie ihm lesen, bis er sie versteht. Ein Bild, das das erste Gebot bricht, ist kein Hilfsmittel, sondern ein Fallstrick. Die Entfernung der Bilder war die sichtbare Konsequenz der ausschliesslichen Anbetung Gottes. Wilhelmus à Brakel, der niederländische Theologe, dessen Redelijke Godsdienst zu den umfassendsten Darstellungen reformierter Frömmigkeit gehört, widmet der Anbetung allein Gottes breiten Raum und verbindet die Lehre mit einer pastoralen Dringlichkeit, die für die niederländische Nadere Reformatie kennzeichnend ist. Er fragt: Warum ist der Mensch so erfinderisch im Vervielfachen von Mittlern? Die Antwort findet er in der gefallenen Natur: Der Mensch will nicht unmittelbar von Gott abhängig sein. Ein Mittlerwesen, das er selbst anrufen und gnädig stimmen kann, ein Heiliger, der seine besondere Not versteht, eine Maria, die mütterlicher ist als der strenge Richter — das alles sind Versuche, die Abhängigkeit von Gott erträglicher zu machen, indem man sie durch Zwischenstufen mildert. Aber genau das, sagt à Brakel, ist die Sünde, die Gott am meisten beleidigt: dass der Mensch dem unmittelbaren Zugang zu ihm misstraut und sich selbst einen bequemeren Weg sucht. Die Mittlerschaft Christi ist nicht der harte Weg, zu dem der weichere Weg über die Heiligen eine Alternative böte. Sie ist der einzige Weg, und sie ist zugleich der gnädigste Weg, den Gott sich ausdenken konnte: der Sohn selbst als Bürge, der Bruder als Hohepriester, der Versöhner als Fürsprecher. John Owen hat in seiner Abhandlung über die Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott einen Aspekt entfaltet, den die Väter in ihrer knappen Formel nur andeuten: dass die Anbetung, die Gott allein gebührt, mit einer Unterscheidung der Personen vollzogen wird, die der Heilsökonomie entspricht. Wir beten den Vater an als den Ursprung und Quell aller Gnade. Wir beten den Sohn an als den Erwerber und Mittler der Gnade. Wir beten den Geist an als den Zueigner und Vollstrecker der Gnade. Owen besteht darauf, dass diese personale Unterscheidung keine theologische Spitzfindigkeit ist, sondern die Erfahrung jedes wiedergeborenen Herzens. Wer von der erwählenden Liebe des Vaters geschmeckt hat, wer von dem Blut des Sohnes losgekauft wurde, wer vom Geist aus der Finsternis ins Licht gerufen worden ist, der kann den dreieinigen Gott nicht mit einem ununterschiedenen Monotheismus verwechseln. Die Anbetung des Christen ist trinitarisch, weil die Erlösung trinitarisch ist, und wer den dreieinigen Gott nicht anbetet, betet in Wahrheit einen Gott an, den es nicht gibt. B. B. Warfield hat denselben Punkt von der anderen Seite her aufgegriffen: von der Notwendigkeit, Christus anzubeten. Wenn Christus Gott ist, gleichen Wesens mit dem Vater, dann muss er angebetet werden. Ihm die Anbetung zu verweigern, wäre Götzendienst durch Unterlassung. Wenn Christus aber ein Geschöpf ist, dann ist die Anbetung, die ihm dargebracht wird, Götzendienst durch Übertretung. Die frühe Kirche betete Jesus als Gott an, von Anfang an, nicht als spätere Entwicklung hellenisierter Theologie, sondern als unmittelbare Antwort der Jünger, die den Auferstandenen gesehen hatten. Und dieselbe Kirche bekannte den Heiligen Geist als Herrn, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und geehrt wird. Die trinitarische Formel des Bekenntnisses ist nicht Verzierung; sie ist die erste und letzte Verteidigungslinie gegen jeden Gottesdienst, der den Namen Gottes gebraucht, aber den Gott der Schrift verfehlt.

Anwendung für das reformierte Leben

Erstens: Prüfe dein Herz auf verborgene Mittler, und wo du sie findest, kehre um mit dem Ernst eines Menschen, der einen Riss im Fundament seines Hauses entdeckt hat. Der römische Katholik, der Maria oder die Heiligen anruft, tut es offen; der Irrtum ist sichtbar. Aber die evangelische Sünde der Ratenzahlungs-Mittlerschaft ist umso gefährlicher, je verborgener sie bleibt. Betest du manchmal, als sei Christi Fürbitte für die grossen Dinge zuständig, während du die kleinen mit eigener Inbrunst bewältigst? Vertraust du auf die Stimme eines bestimmten Predigers oder Autors, als vermittle sie dir den Zugang zu Gott? Näherst du dich dem Gottesdienst, als müsse zuerst die Musik deine Gefühle in die richtige Stimmung bringen — und machst du damit die Band zu deinem Mittler? Jedes dieser Dinge verunehrt den Christus, der mit seinem eigenen Blut einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang seines Fleisches eröffnet hat. Du brauchst keine Worship-Band, um in Gottes Gegenwart zu kommen. Du brauchst keinen besonders begabten Prediger. Du hast Christus, und in ihm hast du alles. Der Zugang, den du durch ihn hast, ist unmittelbar, persönlich und vollständig. Wenn du dich in Zeiten der Trockenheit an das Geschöpf geklammert hast, weil du den Schöpfer nicht mehr spürtest, dann bekenne es als das, was es ist: Abgötterei. Und kehre zurück zu der Einfachheit des Kommens zu Gott durch Christus allein. Zweitens: Die Ausschliesslichkeit des Gegenstands der Anbetung ist ein Anker in einer Zeit, die religiösen Pluralismus für eine Tugend hält. Lass dich nicht ins Schwimmen bringen. Die Kultur, in der du lebst, feiert die religiöse Vielfalt als moralisches Gut. Jeder soll seinen eigenen Weg zu Gott finden, und die Behauptung, dass dein Gott der einzige und dein Mittler der einzige Weg ist, gilt nicht als Glaubenszeugnis, sondern als Anmassung. Der Nachbar, der deinen Glauben als für dich gültig akzeptiert, wird zurückweichen, sobald du sagst, dass er auch für ihn gültig ist und dass seine Ablehnung ihn unter den Zorn Gottes stellt. Die Versuchung ist gross, die Kanten abzuschleifen, von Christus als einem Weg unter vielen zu sprechen, das »allein« des Bekenntnisses zu einem freundlichen »auch« abzuschwächen. Der zweite Abschnitt duldet das nicht, und die Schrift, auf der er ruht, duldet es ebenso wenig. Es gibt einen Gott. Es gibt einen Mittler. Es gibt einen Namen unter dem Himmel, durch den wir selig werden müssen. Deine Aufgabe im Gespräch mit Andersgläubigen ist es nicht, diese Wahrheit zu verstecken, sondern sie in Demut und mit Tränen der Liebe zu sagen. Was der Welt als Enge erscheint, ist in Wahrheit die Weite der göttlichen Barmherzigkeit. Der eine Mittler genügt für alle, die durch ihn zu Gott kommen, aus jedem Volk, jedem Stamm, jeder Sprache. Die Ausschliesslichkeit des Weges ist das Gegenstück zur Universalität der Einladung: Wer will, der komme. Halte an dieser Wahrheit fest, wenn sie etwas kostet. Die Alternative ist, dich des Evangeliums zu schämen, und der Menschensohn wird sich dessen schämen, der sich seiner und seiner Worte schämt in diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht. Drittens: Pflege die Gewohnheit, in der persönlichen Andacht die Personen der Gottheit ausdrücklich zu unterscheiden, so dass die trinitarische Struktur des Bekenntnisses zur Form deines eigenen Gebetslebens wird. Der Vater hat dich vor Grundlegung der Welt erwählt; danke ihm. Der Sohn hat dich mit seinem kostbaren Blut erlöst; bete ihn an. Der Geist hat dich aus der Finsternis ins Licht gerufen; vertraue dich ihm täglich neu an. Allzu viel evangelische Frömmigkeit ist praktisch unitarisch: Alles Gebet richtet sich an »Gott« oder »Herr«, ohne die Personen je zu unterscheiden, als sei der dreieinige Name nur eine Formel, die man im Glaubensbekenntnis mitspricht, und nicht die lebendige Wirklichkeit, in die jeder Gläubige hineingetauft ist. Owen hat recht: Wer geschmeckt hat, dass der Herr freundlich ist, sollte die Gemeinschaft mit dem Vater in der Liebe, mit dem Sohn in der Gnade und mit dem Geist im Trost suchen. Die Versäumnis auch nur einer Person in der Anbetung ist ein messbarer Verlust für die Seele. Bete zum Vater, durch den Sohn, im Geist. Danke dem Vater für seine erwählende Liebe, dem Sohn für sein erlösendes Blut, dem Geist für seine heiligende Gegenwart. Bekenne deine Sünden als Sünden gegen den Vater, der dich schuf, gegen den Sohn, der für dich starb, und gegen den Geist, der in dir wohnt. Sünde ist immer gegen den dreieinigen Gott, und die Anbetung, die die Seele wiederherstellt, muss trinitarische Anbetung sein. Viertens: Freue dich über den unverstellten Zugang zum Thron, den allein Christus dir eröffnet hat. Die grosse pastorale Gefahr auf dieser Seite der Reformation ist nicht, dass wir ausdrücklich die Heiligen anrufen, sondern dass wir uns auf die eigene Würdigkeit verlassen, ohne es zu merken. Wir verwechseln unsere Heiligung mit unserer Rechtfertigung und messen den Zugang zu Gott am Zustand unserer Gefühle, nicht am vollendeten Werk unseres Mittlers. Wenn du schwer gesündigt hast und der Ankläger dir zuflüstert, ein solcher Sünder wie du könne sich einem solchen Gott wie diesem nicht nahen — dann ist deine Antwort nicht, die Sünde zu leugnen. Sie ist real und schlimmer, als du weisst. Deine Antwort ist, auf den Mittler zu zeigen: »Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und er ist die Versöhnung für unsere Sünden.« Der Fürsprecher verteidigt nicht deine Unschuld. Er verteidigt seine eigene Genugtuung, sein eigenes Blut, seine eigene Gerechtigkeit. Und der Vater, der ihn zum Mittler bestellt hat, ist derselbe Vater, der seine Fürbitte mit unendlichem Wohlgefallen annimmt. Dein Zugang zu Gott steigt und fällt nicht mit deiner Andachtsleistung. Er ruht auf dem unveränderlichen Priestertum Christi, und weil sein Priestertum ewig ist, ist dein Zugang sicher. Wenn du schwach betest, tritt Christus vollkommen für dich ein. Wenn du abschweifst, bleibt Christus treu. Wenn du verstummst, spricht Christus für dich. Das ist der Trost des alleinigen Mittlers, und wer ihn begriffen hat, hat das Herz des Evangeliums begriffen. Fünftens: Trage diese trinitarische und christuszentrierte Anbetung in die versammelte Gemeinde, und achte darauf, dass der Gottesdienst deiner Gemeinde die Prioritäten des zweiten Abschnitts widerspiegelt und nicht die Vorlieben des religiösen Marktes. Eine Gemeinde, die für ihre Kultur relevant sein will, steht unter ständigem Druck, ihren Gottesdienst an einen Gott zu richten, den jeder akzeptieren kann — einen undefinierten Monotheismus, der die Dreieinigkeit zur Fussnote macht und die ausschliessliche Mittlerschaft Christi in ein leises »auch für uns« abschwächt. Die Elemente des Gottesdienstes, die Gott verordnet hat, erscheinen zu schlicht, zu alt, zu anstössig. Also ergänzt man sie um Dinge, die anziehend wirken, aber die Schrift nie gebot. Sechstens: Bedenke, dass die Reformation des Gottesdienstes kein abgeschlossenes Ereignis des sechzehnten Jahrhunderts ist, sondern eine täglich zu vollziehende Entscheidung. Die Väter in Westminster haben die Fronten ihrer Zeit klar benannt: Rom, die Sozinianer, die Schwärmer. Aber die Versuchungen, die hinter diesen Fronten stehen, sind zeitlos. Das menschliche Herz will einen fassbaren Gott, einen Gott, den es sehen und anfassen und mit Sinnen wahrnehmen kann. Das menschliche Herz will einen Gott, zu dem es auf eigenen Füssen kommt, ohne den Umweg über das Kreuz. Und das menschliche Herz will, dass seine eigene religiöse Kreativität vor Gott etwas gilt. Diese drei Begierden haben die Geschichte des Gottesdienstes durch alle Jahrhunderte bestimmt, und sie bestimmen sie heute. Die Reformation hat die Bilder aus den Kirchen entfernt, aber das Herz malt sich seine eigenen. Die Reformation hat die Heiligen vom Thron gestossen, aber das Herz erhebt neue. Die Reformation hat die Messe abgeschafft, aber das Herz erfindet täglich neue Opfer, die es Gott bringen will, als wäre das Opfer von Golgatha nicht genug. Die Entscheidung für das »allein« des Bekenntnisses fällst du nicht ein Mal und dann nie wieder. Du fällst sie jeden Morgen neu, wenn du dich zum Gebet niederkniest und entweder auf deine Sammlung vertraust oder auf deinen Mittler. Und du fällst sie jeden Sonntag neu, wenn du mit der Gemeinde vor Gott trittst und entweder die Ehre allein dem dreieinigen Gott gibst oder heimlich davon abzweigst für die Musik, den Prediger, die Atmosphäre, das eigene fromme Gefühl. Halte Wache an den Toren deiner Anbetung. Es gibt nur einen, der angebetet werden darf, und nur einen, durch den die Anbetung zum Vater gelangt. Was Zwingli in Zürich mit Disputation und Reformation durchgesetzt hat, was Calvin in Genf mit Lehre und Kirchenzucht gehärtet und die Väter in Westminster auf eine knappe Formel gebracht haben — das musst du in der Stille deiner Kammer und im Gesang der Gemeinde jeden Tag und jeden Sonntag aufs Neue bejahen: Gott allein, durch Christus allein.

Gebet

Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, wir beugen uns vor dir in der Ehrfurcht der Geschöpfe, die wissen, dass du allein Gott bist und keiner sonst. Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, und dir allein gebührt die Anbetung, die Ehre und der Lobpreis. Wir danken dir, Vater, dass du dich in deinem Sohn geoffenbart hast, dem Abglanz deiner Herrlichkeit und dem Ebenbild deines Wesens, und dass wir, die wir ferne waren, durch sein Blut nahe gebracht worden sind. Wir danken dir, Herr Jesus Christus, dass du es nicht für einen Raub gehalten hast, Gott gleich zu sein, sondern dich selbst entäussert und Knechtsgestalt angenommen hast und gehorsam geworden bist bis zum Tod am Kreuz, auf dass du der eine Mittler seist zwischen Gott und den Menschen. Und wir danken dir, du heiliger Geist, dass du die Dinge Christi genommen und unseren Seelen gezeigt hast, dass du unsere blinden Augen aufgetan und unsere tauben Ohren geöffnet hast, dass du in uns wohnst als das Siegel und das Unterpfand des Erbes bis zum Tag der Erlösung. Vergib uns, wir bitten dich, jede Abschweifung unseres Herzens zum Geschöpf hin, jeden Augenblick, in dem wir von Menschen oder Engeln oder Heiligen oder unseren eigenen Werken erwartet haben, was Christus allein tun kann. Wir bekennen, dass wir die Genugsamkeit unseres Mittlers oft dadurch beleidigt haben, dass wir sein Werk durch unser eigenes ergänzen wollten, dass wir unseren Gebeten mehr vertraut haben als seiner Fürbitte, dass wir unseren Zugang zu dir an unseren Gefühlen gemessen haben und nicht an seinem vollendeten Opfer. Reinige unseren Gottesdienst von jeder Spur von Abgötterei, von jedem Vertrauen auf das Fleisch, von jedem Versuch, einen kürzeren Weg zu deiner Gegenwart zu finden als den, der über das Kreuz führt. Lehre uns, mit Freimütigkeit zum Gnadenthron zu treten, nicht weil wir in uns selbst kühn wären, sondern weil das Blut Jesu besser redet als das Blut Abels und der Fürsprecher, den wir bei dir haben, dein geliebter Sohn ist, an dem du Wohlgefallen hast. Gib uns den Mut, dich allein anzubeten in einer Welt, die die Götter und Mittler vervielfacht, und die Liebe, die Wahrheit deiner Ausschliesslichkeit mit den Tränen derer zu sagen, die wissen, dass die Völker ohne diese Wahrheit verlorengehen. Schenke uns Herzen, die die Verlorenen lieben, aber ihre Abgötterei nicht lieben, Zungen, die den Namen Jesu bekennen ohne Verlegenheit und ohne Entschuldigung, und ein Leben, das dem Evangelium des einen Mittlers mit der Schönheit der Heiligung entspricht. Wenn wir dich endlich von Angesicht zu Angesicht sehen, wenn der Glaube dem Schauen weicht und der Mittler dem Vater das Reich übergibt, dann wird unsere Anbetung vollkommen und unsere Freude vollendet sein, und wir werden vor dem Thron niederfallen mit den Lebewesen und den Ältesten und der unzählbaren Schar und rufen: »Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.« Durch Jesus Christus, unseren Herrn, den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und regiert, ein Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
← Start · Übersicht ·