Andacht 137 von 171

Die Vollmacht der Kirche: Die Schlüssel des Himmelreichs

Ch.25: Of the Church — Abschnitt 5 • 2026-09-09 • 33 min
Die reinsten Kirchen unter dem Himmel sind der Vermischung und dem Irrtum unterworfen; und einige sind so entartet, dass sie keine Kirchen Christi mehr sind, sondern Synagogen des Satans. Dennoch wird es immer eine Kirche auf Erden geben, um Gott nach seinem Willen anzubeten.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 25, Abschnitt 5

Einleitung

Es gibt zwei Entdeckungen, die das Volk Gottes in jedem Zeitalter erschüttert haben, und die zweite verwundet tiefer als die erste. Die erste ist die Entdeckung, dass die Kirche auf Erden bei weitem nicht so rein ist, wie wir gehofft hatten. Wir treten in ihre Gemeinschaft ein und erwarten eine gesammelte Schar der Geheiligten, und statt dessen finden wir neben vielem echten Ernst auch Weltförmigkeit, Kälte, Streit und nicht wenig verborgenen Unglauben. Die zweite Entdeckung, die schwerer zu tragen ist, lautet, dass eine Kirche überhaupt ganz abfallen kann: dass ein Leib, der einst das Evangelium mit Kraft gepredigt und die Sakramente mit Ehrfurcht verwaltet hat, im Laufe von ein oder zwei Geschlechtern die Wahrheit preisgeben, den Gottesdienst verderben und als etwas enden kann, das noch immer den Namen Christi trägt, während es den Absichten seines Widersachers dient. Die erste Entdeckung erzeugt Ungeduld; die zweite erzeugt Verzweiflung. Beide werden in dem einen Satz des Bekenntnisses beantwortet, der vor uns liegt und der zugleich zu den nüchternsten und zu den tröstlichsten Aussagen gehört, welche die Westminster-Väter je niedergeschrieben haben. Der Satz hält drei Wahrheiten in einer Spannung, und gerade das Festhalten aller drei ist es, was ihn weise macht. Die erste ist die Nüchternheit: selbst die reinsten Kirchen auf Erden sind der Vermischung und dem Irrtum unterworfen. Die zweite ist die Strenge: einige Kirchen sind so entartet, dass sie aufgehört haben, überhaupt Kirchen Christi zu sein, und Synagogen des Satans geworden sind. Die dritte ist die Gewissheit: trotz alledem wird es immer eine Kirche auf Erden geben, um Gott nach seinem Willen anzubeten. Nehmt irgendeine dieser drei Wahrheiten für sich allein, und ihr werdet in die Irre geführt. Nüchternheit ohne Strenge wird zu jener Behaglichkeit, die den Abfall mit den Schultern zuckt, als sei er ohne Belang. Strenge ohne Nüchternheit wird zu jenem Separatismus, der jede unvollkommene Gemeinde in der endlosen Suche nach einer makellosen verlässt. Und beide zusammen, ohne die Gewissheit, sinken in die Verzweiflung hinab, die schliesst, die Sache der Kirche auf Erden sei verloren. Das Bekenntnis verweigert jede dieser Verzerrungen. Es lässt uns nicht naiv sein, es lässt uns nicht stolz sein, und es lässt uns nicht furchtsam sein. Der Anlass dieses Abschnitts ist zum Teil der grosse Streit des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts um die Kirche von Rom. Kann eine Kirche, die dem Evangelium so viel hinzugefügt und den Gottesdienst Gottes so schwer verdorben hat, noch eine Kirche Christi genannt werden? Und auf der anderen Seite standen die Separatisten und die Vollkommenheitsprediger, die folgerten: weil jede Kirche unvollkommen ist, kann keiner Kirche getraut werden, und die Frommen müssen sich zurückziehen und neu bauen. Die Väter antworten auf beide Irrtümer mit einer sorgfältigen Unterscheidung, die wir entfalten werden. Sie bestehen erstens darauf, dass Unvollkommenheit einen Leib nicht entkirchlicht; und sie bestehen zweitens darauf, dass der Abfall es tut. Das Kennzeichen einer wahren Kirche ist nicht die Sündlosigkeit, sondern das Vorhandensein der Wahrheit und der Ordnungen Christi; und wo diese gänzlich abgeworfen sind, gilt der Name Kirche nicht mehr, was auch immer das Gebäude über seiner Tür geschrieben tragen mag. Doch unter allem Auf und Ab der einzelnen Gemeinden hindurch läuft die ungebrochene Verheissung des Hauptes: seine Kirche soll von der Erde nicht vergehen. So machen wir uns nun daran, diesen Satz Glied um Glied zu verstehen, denn er ist ein Satz, der uns lehrt, eine Kirche zu lieben, die uns immer enttäuschen wird, und auf eine Kirche zu hoffen, die niemals zerstört werden wird.

Die biblischen Grundlagen

Der dritte Gliedsatz des Bekenntnisses ruht auf einer Verheissung, die so unmittelbar ist, dass kein ehrlicher Leser sie übersehen kann. Unser Herr sprach zu Petrus: »Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.« Es lohnt, bei dem letzten Wort zu verweilen, denn die Kraft der Verheissung lebt in einem einzigen Verbum. Das griechische Wort meint, gegen etwas stark zu sein, es zu überwältigen und niederzudrücken, bis es nachgibt. Die Pforten des Totenreiches, die ganze furchtbare Versammlung des Todes und der Mächte, die ihm dienen, werden sich gegen die Kirche stellen, und sie werden nicht stark genug sein. Das ist keine Verheissung, dass die Kirche niemals geschmälert, niemals in die Wüste getrieben, niemals an irgendeinem Ort auf eine Handvoll zurückgebracht werde. Es ist die Verheissung, dass sie niemals gestürzt werde. Die Kirche ist auf einen Felsen gebaut, und ein Bau, der auf diesen Felsen gegründet ist, mag bestürmt, geschlagen und gezeichnet werden, aber er kann nicht niedergerissen werden. Welche einzelnen Gemeinden auch steigen und fallen, die Kirche Christi als lebendiges Ganzes wird stehen, bis der Herr kommt. Dieses Wort ist der Anker des dritten Gliedsatzes unseres Abschnitts, und wir tun gut daran, jeden anderen Text über die Gebrechlichkeit der Kirche in seinem Licht zu lesen. Die Wendung, die das Bekenntnis für seinen zweiten Gliedsatz entlehnt, stammt aus dem Mund des auferstandenen Christus selbst in den Briefen an die sieben Gemeinden. An die Gemeinde in Smyrna schreibt er: »Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut, du bist aber reich; und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern sind die Synagoge des Satans.« Und an Philadelphia: »Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füssen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.« Hier meint das Wort in seiner ersten Anwendung jene, die behaupteten, durch Abstammung Gottes Bundesvolk zu sein, während sie Christus widerstanden und seine Herde verfolgten. Das griechische Wort für Synagoge bedeutet eine Zusammenführung, ein Versammeln. Die Ironie ist scharf und gewollt. Die Kirche ist eine herausgerufene Schar, eine Versammlung, die durch die Stimme Gottes aus der Welt gerufen wurde; eine Synagoge ist lediglich eine Schar, die zusammengeführt ist. Ein Leib, der einst von Christus herausgerufen war, kann durch den Abfall zu einem Leib werden, der noch immer sich versammelt und noch immer den alten Namen trägt, nun aber unter einem ganz anderen Herrn versammelt ist. Das äussere Zusammenkommen bleibt; die innere Wesensart ist verkehrt. Genau dies ist das Grauen, das das Bekenntnis benennt: eine Kirche, die zur Synagoge des Satans entartet ist, versammelt sich noch immer, trägt noch immer die Zeichen und Geräte der Religion, spricht noch immer ihre Gebete und hält ihre Formen, und ist doch, im Urteil Christi selbst, ein Werkzeug eben des Feindes geworden, zu dessen Abwehr sie aufgerichtet war. Für die Lehre von der Vermischung, dem Beisammensein des Falschen mit dem Wahren auch in den reinsten Kirchen, liefert der Apostel Paulus ein Bild, das die Wurzel unserer Verwunderung trifft. An Timotheus schreibt er: »In einem grossen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefässe, sondern auch hölzerne und irdene, und etliche zu ehrenvollem, etliche zu unehrenvollem Gebrauch. Wenn nun jemand sich reinigt von solchen, der wird ein Gefäss zu ehrenvollem Gebrauch sein, geheiligt, dem Hausherrn nützlich und zu allem guten Werk bereitet.« Die sichtbare Kirche in dieser Welt ist ein grosses Haus, in dem Gefässe von sehr verschiedenem Stoff auf demselben Brett nebeneinanderstehen. Gold und Silber dienen der Tafel des Herrn; Holz und Ton dienen geringeren Zwecken. Beide sind im Haus; beide tragen den Namen des Hauses; aber nur die eine Art ist dem Gebrauch des Herrn genehm. Der Sinn ist nicht, dass wir uns verwundern sollen, die gemischten Gefässe dort zu finden, denn der Apostel setzt es als selbstverständlich voraus, sondern dass ein jeder sich seines eigenen Stoffes vergewissere. Die Gegenwart der hölzernen Gefässe macht das Haus nicht weniger zum Haus des Herrn; und die Gegenwart der goldenen Gefässe hindert ein hölzernes nicht, unter ihnen zu liegen. Die Vermischung ist der bleibende Zustand der sichtbaren Kirche auf Erden, und so wird es sein, bis der Herr selbst am Ende die Gefässe sondert. Schliesslich steht der Verfall eines bekennenden Volkes gross über dem Alten Testament geschrieben, und die Väter lasen diese Geschichte als ein Vorbild dessen, was jeder Kirche widerfahren kann. Als Israel seinen Gott verliess, gebot der Herr dem Propheten, einen Namen zu nehmen, der selbst ein Urteil war: »Und er sprach: Nenne ihn Lo-Ammi; denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein.« Das hebräische Wort bedeutet »nicht mein Volk«, und es steht in düsterer Entsprechung zu dem früheren Namen Lo-Ruhama, »kein Erbarmen«. Das waren die Namen, die Gott den Kindern der zerbrochenen Ehe des Propheten gab, und durch sie erklärte der Herr, dass ein Volk, das seinen Namen getragen hatte, die Wirklichkeit des Bundes einbüssen kann, während es noch das Land und den Tempel innehat. Eine Kirche mag den Titel »Volk Gottes« lange tragen, nachdem Gott seine Bundesgnade zurückgezogen hat; der Name an der Tür mag die Gegenwart im Innern überleben. Paulus hält den Heidengemeinden dieselbe Lehre als Warnung vor: »Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich doch wohl auch nicht verschonen.« Der Ölbaum des Bundes ist lebendig, und Zweige, die aufhören, aus der Wurzel Leben zu ziehen, werden ausgebrochen, seien es die natürlichen Zweige Israels oder die wilden, aus den Völkern eingepfropften. Der Verfall ist keine bloss erdachte Gefahr, sondern eine wiederholte Tatsache der heiligen Geschichte, und keine Kirche, wie rein sie heute auch sei, ist von der Möglichkeit ausgenommen, morgen ausgebrochen zu werden.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Väter schrieben keine Spekulation; sie gaben einer seelsorgerlichen und streitbaren Notwendigkeit Genauigkeit. Der Satz hat drei Bewegungen, und jede Bewegung weist einen eigenen Irrtum zurecht. Der erste Gliedsatz, dass die reinsten Kirchen der Vermischung und dem Irrtum unterworfen sind, zielt geradeaus auf den Vollkommenheitsprediger und den Separatisten. Die Väter räumen so viel ein, wie Sprache nur einräumen kann: die reinsten Kirchen, nicht etwa nur die mittelmässigen, nicht etwa nur die schlechtesten, sind der Vermischung und dem Irrtum unterworfen. Man beachte die beiden Worte, denn sie benennen zwei verschiedene Mängel. Die Vermischung ist ein Mangel der Gliedschaft: in auch die treueste Gemeinde treten solche ein und bleiben darin, die niemals wahrhaft bekehrt worden sind, deren Bekenntnis nur äusserlich ist und die unter den Heiligen sitzen, während ihr Herz fern von Gott ist. Der Irrtum ist ein Mangel des Verstehens: die Lehre und das Bekenntnis auch einer gesunden Kirche können unvollkommen, teilweise und in manchen Stücken irrig sein und sind es immer gewesen, weil die Menschen, die lehren und bekennen, fehlbar sind. Keine Kirche diesseits der Herrlichkeit ist sündlos, und keine Kirche ist unfehlbar. Eine Kirche ohne Vermischung oder ohne Irrtum zu fordern heisst etwas zu fordern, das Gott in diesem Leben nirgends zu geben verheissen hat. Die Väter ziehen hier mit Absicht eine Grenze: die Verderbnis einer Kirche ist eine Sache des Grades, und erst jenseits eines gewissen Punktes berührt sie das Wesen der Sache. Diese Grenze wird durch den zweiten Gliedsatz gezogen: dass einige so entartet sind, dass sie keine Kirchen Christi mehr sind, sondern Synagogen des Satans. Das entscheidende Wort ist das Wörtchen »so«: so entartet, in solchem Grade, dass sie von der Verderbnis in den Abfall hinübergeglitten sind. Nicht jeder Irrtum, nicht jede Vermischung entkirchlicht ein Volk; aber eine Kirche, die das Fundament des Evangeliums abgeworfen, die wesentlichen Wahrheiten Christi geleugnet und den Gottesdienst Gottes zur Abgötterei verdorben hat, hat aufgehört, eine Kirche Christi zu sein. Die Väter hatten vor allem die Kirche von Rom im Blick, von der sie urteilten, dass sie das Evangelium mit solchen Zusätzen überdeckt und den Gottesdienst Gottes mit solchen Erfindungen verdorben habe, dass sie in keinem wahren Sinn mehr eine Kirche Christi genannt werden könne. Die Wendung von den Synagogen des Satans ist ihre bedachte Übernahme der Sprache des auferstandenen Herrn aus der Offenbarung, und sie lehrt eine Wahrheit, die wir nur ungern offen aussprechen: eine Versammlung kann fortfahren sich zu versammeln, fortfahren zu predigen, fortfahren ihre Riten zu verwalten, und doch vor Gott nicht eine Kirche sein, sondern eine Sammlung des Feindes. Das Zeichen kann bleiben, nachdem die Wirklichkeit gewichen ist. Israel behielt den Tempel, lange nachdem die Herrlichkeit von ihm gewichen war; und die Väter warnen uns, dass dasselbe im Zeitalter des Neuen Bundes geschehen kann. Dann stellt der dritte Gliedsatz das Gleichgewicht wieder her: dass es dennoch immer eine Kirche auf Erden geben wird, um Gott nach seinem Willen anzubeten. Das ist die Lehre von der Unvergänglichkeit der Kirche, ihrem Unvermögen, gänzlich zu scheitern. Wie viele einzelne Kirchen auch abfallen, wie weit der Abfall in dem einen Land oder dem einen Jahrhundert auch um sich greifen mag, die allgemeine Kirche wird von der Erde niemals vergehen. Es wird immer, irgendwo, eine Schar von Männern und Frauen geben, die Gott nach seinem Willen anbeten, im Geist und in der Wahrheit, am Evangelium festhaltend und die Ordnungen bewahrend, wie Christus sie übergeben hat. Die Väter gründen diese Zuversicht nicht auf die Treue der Menschen, sondern auf die Verheissung und die Macht des Hauptes der Kirche, der erklärt hat, die Pforten der Hölle sollten seine Gemeinde nicht überwältigen. Der Grund der Gewissheit ist derselbe Grund wie der der Demut: weil die Bewahrung der Kirche an Christus hängt und nicht an uns, dürfen wir gewiss sein, dass sie niemals scheitern wird, und werden zugleich gewarnt, dass unsere eigene Gemeinde scheitern könnte, während die Kirche ohne uns weitergeht. Das Geniale des Satzes liegt darin, wie er diese drei Gliedsätze in einem einzigen Atemzug zusammenhält, sodass kein Leser den einen ohne die anderen nehmen kann. Er verbietet die Behaglichkeit, die über den Abfall die Achseln zuckt, weil eine Kirche tatsächlich aufhören kann, Kirche zu sein. Er verbietet die Verzweiflung, die die Kirche aufgibt, weil die Kirche niemals gänzlich scheitern kann. Und er verbietet den Stolz, der eine unvollkommene Kirche verlassen will, weil die Unvollkommenheit der verordnete Zustand jeder Kirche unter dem Himmel ist. Nüchternheit, Strenge und Gewissheit sind hier miteinander verbunden, und die Seele, die lernen wird, in dieser dreifachen Schnur zu leben, hat die reife Haltung eines Gliedes am Leibe Christi in einer gefallenen Welt gelernt.

Theologische Tiefe

Die Väter standen in einer langen Überlieferung des Nachdenkens über die Verderbnis und das Bleiben der Kirche, und die grossen Lehrer der reformierten Kirchen hatten eben die Unterscheidungen bereits ausgearbeitet, die dieser Abschnitt in einen Satz zusammenpresst. Calvin hatte sich derselben doppelten Frage im Streit mit Rom und mit den radikalen Separatisten seiner eigenen Tage zu stellen, und seine Antwort in der Institutio fügt sich unmittelbar an unseren Text. Er lehrte auf der einen Seite, dass wir eine wahre Kirche nicht um jeder Unvollkommenheit willen verlassen dürfen. Eine Kirche, in der das Evangelium noch gepredigt und die Sakramente noch verwaltet werden, wie viele Mängel ihrem Leben auch anhaften mögen, ist noch eine Kirche Christi; von ihr zu weichen, weil sie nicht rein ist, heisst gegen Christus zu sündigen, der sie nicht verworfen hat. Auf der anderen Seite bestand Calvin ebenso fest darauf, dass die Kennzeichen, an denen eine Kirche erkannt wird, so sehr ausgelöscht werden können, dass der Leib aufhört, den Namen zu verdienen. Wo das Wort Gottes nicht mehr wahrhaft gepredigt wird und die Sakramente entweder vorenthalten oder zu etwas verdorben werden, das der Herr niemals eingesetzt hat, da mag die äussere Schale bleiben, aber die Wirklichkeit der Kirche ist gewichen. Was Calvin erkannte und was unser Bekenntnis bewahrt, ist dies: die Frage, ob hier eine Kirche sei, wird niemals dadurch beantwortet, dass man fragt, ob die Menschen heilig sind, sondern dadurch, dass man fragt, ob die Wahrheit und die Ordnungen Christi gegenwärtig sind. Heiligkeit mag mit viel Unheiligkeit vermischt sein, und die Kirche bleibt eine Kirche; das Evangelium und die Sakramente, einmal gänzlich abgeworfen, entkirchlichen einen Leib vollständig. Turretin trieb dieselbe Logik zu ihrer systematischen Folgerung, indem er zwei Dinge unterschied, die wir zu verwechseln geneigt sind. Die allgemeine Kirche ist unvergänglich: sie kann nicht scheitern. Die einzelne Kirche ist fehlbar: sie kann es. Die Verheissung der Dauer, dass es immer eine Kirche auf Erden geben wird, gehört der Kirche als Ganzem, dem einen Leib Christi durch alle Zeitalter und Länder hindurch, und niemals dieser oder jener Gemeinde, Konfession oder Nation. Wenn wir in der Schrift lesen, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen sollen, dürfen wir diese Verheissung nicht auf die Gemeinde zu Ephesus übertragen oder auf die zu Rom oder auf unsere eigene Versammlung, als sei irgendeine von ihnen ihres Bleibens versichert. Ephesus wurde gewarnt, dass sein Leuchter weggestossen werden könne; Rom, das das Evangelium abgeworfen hatte, wurde als eine Kirche beurteilt, die ihn bereits weggestossen hat; und dieselbe Möglichkeit hängt über jeder einzelnen Kirche, die nicht festhalten will. Die Unvergänglichkeit des Ganzen und die Fehlbarkeit der Teile gehören zusammen: gerade weil keine einzelne Kirche ihrer sicher ist, muss die Verheissung auf dem Ganzen ruhen, das Christus selbst bewahrt, indem er neue Kirchen erweckt, auch wenn alte fallen. Diese Unterscheidung ist das theologische Rückgrat unseres Abschnitts, und sie befreit uns mit einem Schlag von der Anmassung, die meint, unsere Kirche könne nicht sterben, und von der Verzweiflung, die meint, wenn eine stirbt, sei die Sache Gottes mit ihr gestorben. Watson behandelt dieselbe Wahrheit mit seiner gewohnten seelsorgerlichen Wärme von der Seite des Herzens des Gläubigen her. Er nimmt den Einwand auf, die Vermischung der Kirche mit Heuchlern entehre sie, und beantwortet ihn mit der Geduld eines Mannes, der lange wirkliche Gemeinden geweidet hat. Die Spreu, so bemerkt er, liegt mit dem Weizen vermengt, bis zur Worfelung; die Gegenwart des Falschen beweist nicht, dass die ganze Münze falsch sei. Es wird Heuchler in der Kirche geben, bis die Engel das Scheiden besorgen, und ihre Gegenwart ist kein Einwand gegen die Wirklichkeit der Kirche, so wenig wie das Unkraut auf einem Feld ein Einwand dagegen ist, dass das Feld mit gutem Samen besät wurde. Und was das Bleiben der Kirche betrifft, so ist Watsons Zuversicht die Zuversicht des dritten Gliedsatzes unseres Abschnitts: die Kirche mag in jedem Zeitalter auf einen Rest zurückgebracht werden, auf jene wenigen, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben, aber sie kann niemals auf nichts zurückgebracht werden. Ihr Licht mag niedrig brennen, aber es wird niemals ausgelöscht. Der Herr hat immer einen Samen bewahrt und wird immer einen Samen bewahren, der ihm dient, sodass die Verheissung an Abraham feststeht und das Lob Gottes von der Erde niemals ganz verstummt. Hodge liefert in seinem Kommentar zum Bekenntnis das analytische Rückgrat, indem er den Satz in seine drei Aussagen zerlegt und jede bis an ihre praktische Grenze treibt. Die erste Aussage, Vermischung und Irrtum in den reinsten Kirchen, liest er als eine schlichte Verneinung des Vollkommenheitsstrebens und als eine Warnung vor den beiden entgegengesetzten Klippen, von der Kirche zu viel zu erwarten und von ihr gar nichts zu erwarten. Die zweite, die Entartung zu Synagogen des Satans, wendet er mit ungeschonter Klarheit auf Rom an, während er darauf besteht, dass die Prüfung eine lehrhafte und gegenständliche ist und keine sittliche und gefühlsmässige: eine Kirche wird danach beurteilt, ob sie das Evangelium festhält, nicht nach dem Wandel ihrer Glieder. Und die dritte, die bleibende Kirche, gründet er in der Verheissung Christi und in der Natur des Bundes selbst, sodass die Frage des Überlebens der Kirche niemals der menschlichen Treue überlassen bleibt, sondern durch die Treue ihres Hauptes gesichert ist. Warfield fügt die tiefste Bemerkung von allen hinzu, indem er auf die Unterscheidung zwischen der Kirche als Organismus und der Kirche als Organisation dringt. Der Organismus, der lebendige Leib der Erwählten, vom Geist belebt, kann niemals sterben, denn er ist an das Leben des auferstandenen Christus selbst gebunden. Die Organisation, die äussere, verfasste Gestalt, die der Organismus in irgendeinem Zeitalter annimmt, kann und wird verfallen, abfallen und vergehen. Unser Abschnitt, in diesem Licht gelesen, ist die Anwendung dieser Unterscheidung auf den Lauf der Geschichte: die sichtbaren Organisationen steigen und fallen, aber der Organismus lebt weiter und wird sich immer von neuem in irgendeine sichtbare Schar wahrer Anbeter kleiden, sodass es immer eine Kirche auf Erden gibt, um Gott nach seinem Willen anzubeten. Was alle diese Lehrer eint, ist die Weigerung, die Verderbnis der Kirche entweder zu einer Entschuldigung zu machen, sie zu verlassen, oder zu einem Grund, an ihr zu verzweifeln. Die Verderbnis ist wirklich und muss benannt werden; das Bleiben ist wirklich und muss geglaubt werden. Ein reifer Glaube hält beides in einer Hand, trauert über das eine und ruht in dem anderen, und zu dieser Haltung der Seele wenden wir uns nun.

Anwendung für das reformierte Leben

Erstens: Verlasse eine wahre Kirche nicht um ihrer Unvollkommenheiten willen. Es ist ein Zeichen geistlicher Unreife, sich an der Vermischung und dem Irrtum, die du in der besten Gemeinde der Erde finden wirst, immer wieder zu ärgern. Wenn du entdeckt hast, dass deine Kirche Heuchler in sich trägt, so hast du entdeckt, was der Apostel als den bleibenden Zustand bezeichnete und was der Herr selbst bis zur Ernte zu dulden beschlossen hat. Wenn du entdeckt hast, dass deine Kirche in Lehre oder Praxis unvollkommen ist, so hast du entdeckt, dass deine Kirche aus Menschen besteht. Die Frage, die du stellen sollst, ist nicht, ob die Kirche rein ist, sondern ob das Evangelium gepredigt und die Sakramente verwaltet werden und ob Christus sie offenkundig nicht verworfen hat. Wo diese Kennzeichen bleiben, da ist deine Berufung, zu bleiben, zu beten und an ihrer Besserung zu arbeiten, nicht zu fliehen zu irgendeiner erträumten Schar der Makellosen, die es diesseits der Herrlichkeit nicht gibt. Wer eine wahre Kirche verlässt, weil sie unvollkommen ist, verlässt den Leib Christi, weil er noch nicht verherrlicht ist, und er wird die Kirche, die er sucht, vergebens suchen. Zweitens: Sei klar über die andere Grenze, denn eine Kirche, die das Evangelium abgeworfen hat, ist keine Kirche Christi, und du darfst nicht bleiben, wo das Fundament geleugnet wird. Derselbe Abschnitt, der den Separatismus um kleiner Mängel willen verbietet, gebietet die Trennung, wenn das Evangelium selbst preisgegeben ist. Wenn das Wort Gottes nicht mehr gepredigt, sondern ein anderes Evangelium an seine Stelle gesetzt wird, wenn der Gottesdienst Gottes zur Abgötterei verdorben und die Sakramente zu etwas gemacht werden, das Christus niemals eingesetzt hat, dann ist der Leib über den Punkt der Wiederherstellung hinaus entartet, und in ihm unter dem Vorwand der Liebe zu bleiben ist nicht Treue, sondern Mitwissen. Die Väter zögerten nicht, einen solchen Leib eine Synagoge des Satans zu nennen, und auch wir sollten nicht zögern, was auch immer seine Geschichte oder sein Name sei. Die Unterscheidung ist hier eine Sache von ewiger Tragweite, und sie verlangt von uns, den Unterschied zu kennen zwischen einer Kirche, die schwach ist, und einer Kirche, die tot ist, zwischen einer Kirche, die in manchen Stücken irrt, und einer Kirche, die eben die Dinge leugnet, die sie zur Kirche machen. Drittens: Wende die Lehre von der Vermischung zuerst nach innen, ehe du sie nach aussen wendest. Es ist leicht und schrecklich natürlich, die hölzernen und irdenen Gefässe als eine Beschreibung aller anderen zu lesen; der Apostel aber lässt auf das Bild sogleich ein Gebot folgen, das persönlich ist: wenn jemand sich von solchen reinigt, wird er ein Gefäss zu ehrenvollem Gebrauch sein. Die erste Frage, die dieser Abschnitt in dir wecken sollte, ist nicht, wer die Heuchler in meiner Kirche sind, sondern, ob ich einer von ihnen bin. Prüfe dich. Ist dein Bekenntnis nur äusserlich? Ist da ein verborgener Unglaube, eine gehegte Sünde, eine Kälte des Herzens gegen Christus, die du unter den Formen der Frömmigkeit zu verbergen gelernt hast? Die Vermischung in der sichtbaren Kirche ist eine Warnung, die zuerst an dich gerichtet ist. Tröste dich nicht damit, dass die Kirche voll falscher Bekenner ist, und entschuldige dadurch die Falschheit deines eigenen Bekenntnisses. Reinige dich und mache deine Berufung und Erwählung fest, denn das goldene und das irdene Gefäss stehen auf demselben Brett, und der Herr allein kennt die Seinen. Viertens: Setze deine Hoffnung nicht auf irgendeine einzelne Kirche, sondern auf die Verheissung des Hauptes der Kirche. Es liegt ein tiefer, praktischer Trost in der Lehre von der Unvergänglichkeit, und er ist dieser: die Sache Christi auf Erden hängt am Ende nicht an irgendeiner Gemeinde, irgendeiner Konfession oder irgendeinem Volk. Deine eigene Kirche mag abnehmen; deine eigene Konfession mag abfallen; die Kirche in deinem Land mag auf einen Rest zurückgebracht werden, und doch wird die Kirche Christi stehen, weil sie auf den Felsen gebaut ist und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen. Diese Gewissheit schenkt dir Demut und Mut zugleich. Demut, weil du von der Anmassung befreit wirst, die das Überleben der eigenen Einrichtung mit dem Überleben des Reiches verwechselt. Mut, weil du von der Furcht befreit wirst, das Scheitern irgendeiner Einrichtung, wie lieb sie auch sei, sei das Scheitern der Sache Gottes. Arbeite mit aller Kraft an der Treue deiner eigenen Kirche, und ergreife zugleich die Verheissung, dass die Kirche als Ganzes niemals scheitern wird. Das eine ohne das andere ist entweder Vermessenheit oder Verzweiflung. Fünftens: Fürchte und bete gegen den langsamen Verfall, der so viele zu Fall gebracht hat. Paulus' Warnung steht über jeder Kirche, die sie liest: Sei nicht stolz, sondern fürchte dich; denn hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich doch wohl auch nicht verschonen. Der Abfall kommt selten als ein einziger jäher Sturz; er kommt als ein langsames Abtreiben, eine Wahrheit hier erweicht, eine Übung dort gelockert, ein Gottesdienst allmählich dem Geist der Zeit angeglichen, ein Irrtum zuerst bei einem Lehrer geduldet und dann bei vielen, bis die Kirche zuletzt so weit entartet ist, dass sie überhaupt nicht mehr Kirche genannt werden kann. Das Wort der falschen Lehre, so sagt Paulus an anderer Stelle, frisst um sich wie der Krebs und breitet sich still und sicher durch den Leib aus. Darum wache. Bete für deine Hirten, dass sie das bewährte Wort festhalten. Bete für deine Ältesten, dass sie die Lehre bewachen. Bete darum, dass deine eigene Gemeinde ernstlich für den einst den Heiligen übergebenen Glauben streite und treu erfunden werde, wenn der Herr kommt. Und halte dich nicht für sicher, dass deine Kirche, weil sie heute rein ist, es auch morgen sei; das einzige sichere Bewahrungsmittel gegen den Verfall ist die fortwährende Gnade des Hauptes, täglich auf den Knien gesucht. Sechstens: Und wenn du selbst in der Anfechtung stehst, weil die Gemeinde, in der du anbetest, so vermischt und so schwach erscheint, dann richte dein Auge auf den, der die Herzen allein kennt. Es gehört zu den schwersten Anfechtungen des Gläubigen, dass er in der sichtbaren Kirche so viel Totes, so viel Heuchelei und so viel Unkraut sieht und daraus den Schluss zieht, es sei mit der Kirche Gottes selbst aus. Gegen diese Anfechtung setzt das Bekenntnis die ruhige Gewissheit, dass die Vermischung bis zur Ernte dauern wird und dass dennoch eine Kirche bleibt. Du brauchst die verborgene Schar der Erwählten nicht zu zählen, denn du kannst es nicht, und du brauchst das Unkraut nicht auszureissen, denn du darfst es nicht. Du sollst an deinem Ort tun, was dir befohlen ist: die Wahrheit ergreifen, die Ordnungen ehren, den Gottesdienst rein halten und dem Herrn der Ernte das Gericht überlassen. Er, der die sieben Sterne hält, weiss, welche Gemeinden leben und welche tot sind, und er wird am Ende alles offenbar machen. Bis dahin traue seiner Verheissung, dass seine Kirche von der Erde nicht vergehen wird, und lass diese Gewissheit dein Herz ruhig machen, wenn alles um dich her zu wanken scheint.

Gebet

Allmächtiger und ewiger Gott, der du deine Erwählten mit einer ewigen Liebe geliebt und sie zu einer Kirche gesammelt hast, die die Pforten der Hölle niemals überwältigen werden, wir preisen dich, dass diese Kirche, obwohl sie der Vermischung und dem Irrtum unterworfen ist und obwohl einzelne Gemeinden abfallen, dennoch niemals von der Erde vergeht und immer eine Schar bleiben wird, die dich nach deinem Willen anbetet. Vergib uns unsere Ungeduld mit ihren Unvollkommenheiten, unsere kalte Zufriedenheit mit ihren Flecken und unser hochmütiges Messen am äusseren Schein statt an den Kennzeichen deines Evangeliums. Herr Jesus Christus, der du unter den Leuchtern wandelst und die sieben Sterne in deiner Rechten hältst, bewahre deine Kirche vor dem Verfall, den du erkennst und richtest. Wo das Evangelium gelehrt, aber nicht ergriffen wird, schenke Herzen, die es aufnehmen; wo die Ordnungen verwaltet werden, schenke Ehrfurcht und Glauben; und wo der öffentliche Gottesdienst dargebracht wird, lass ihn im Geist und in der Wahrheit zu dir aufsteigen. Stosse unseren Leuchter nicht von seiner Stätte, sondern putze die Lampe und erneuere das Öl, damit das Licht hell und rein vor dir brenne. Herr, der du als ein Schmelzer und Reiniger des Silbers sitzest, räume unsere Schlacken weg und lass dein Bild in uns leuchten, bis wir dem Ebenbild deines Sohnes gleichgestaltet sind. Reinige uns, dass wir Gefässe zu ehrenvollem Gebrauch seien, geheiligt und dem Hausherrn nützlich. Und wenn einzelne Kirchen um uns her abnehmen und fallen, schenke uns den Mut, der dir allein vertraut, und die Hoffnung, die weiss, dass deine Sache niemals untergehen kann. Erwecke in jedem Geschlecht einen treuen Samen, und bringe uns zuletzt in jene Kirche droben, wo es keine Vermischung, keinen Irrtum und kein Abfallen mehr gibt, sondern die reine Versammlung der Erstgeborenen, versammelt vor deinem Thron in Ewigkeit. Wir bitten es im Namen und um deswillen Jesu Christi, unseres einzigen Hauptes und unseres kommenden Bräutigams. Amen.
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