Andacht 145 von 171

Die Diener der Sakramente: Nur ordinierte Amtsträger

Ch.27: Of the Sacraments — Abschnitt 4 • 2026-09-17 • 34 min
Es gibt nur zwei Sakramente, die Christus, unser Herr, im Evangelium eingesetzt hat: nämlich die Taufe und das Abendmahl des Herrn. Keines von beiden darf von irgendjemandem verwaltet werden als allein von einem ordnungsgemäss ordinierten Diener des Wortes.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 27, Abschnitt 4

Einleitung

Ein Kind wird in einen Haushalt hineingeboren, und das geschieht nur einmal. Die Familie versammelt sich, der Name wird ausgesprochen, das Bundesvolk nimmt den Kleinen in seine Mitte auf, und von dieser einen Stunde an gehört er zu ihnen auf eine Weise, die kein späterer Tag wiederholen kann. Und doch wird dasselbe Kind Tag für Tag und Jahr um Jahr an den Tisch seines Vaters gerufen, ein ganzes Leben lang, und niemand kommt je auf den Gedanken, die eine Geburt habe die vielen Mahlzeiten unnötig gemacht oder die vielen Mahlzeiten könnten an die Stelle der einen Geburt treten. Geburt und Brot: das sind die zwei grossen Notwendigkeiten jedes Lebens, und die eine lässt sich nicht gegen die andere eintauschen. Die Kirche Jesu Christi ist ein Haushalt, und ihr Herr hat ihr Leben nach derselben schlichten Weisheit geordnet. Er hat seinem Volk zwei Sakramente gegeben, und nur zwei: das eine für den Eintritt in die Familie, das andere für die Nahrung in ihr. Die Taufe ist die Geburt des Bundes, einmal vollzogen und niemals wiederholt, weil ein Mensch nicht zum zweiten Mal in dasselbe Haus geboren wird. Das Abendmahl des Herrn ist der Tisch des Bundes, wieder und wieder gedeckt, weil ein Mensch alle Tage genährt werden muss oder verhungert. Geburt und Brot: das ist die ganze Gestalt des sakramentalen Lebens, und sie ist erstaunlich in ihrer Kürze. Und dann steht am Ende des Abschnitts noch ein zweites Wort, ein stilles, das allzu oft überhört wird. Das Bekenntnis sagt uns, es gebe zwei Sakramente, und fügt dann hinzu, keines von beiden dürfe von irgendeiner Hand verwaltet werden als von der eines ordnungsgemäss ordinierten Dieners des Wortes. Heute hält sich fast jeder für fähig, jedes heilige Ding zu tun, und der Gedanke eines berufenen Amtes kommt dem demokratischen Empfinden beinahe wie eine Beleidigung vor. In dieser Lage kommt dieses Wort als eine nötige Zurechtweisung und zugleich als eine grosse Barmherzigkeit. Denn ein König, der einen Herold aussendet, gibt diesem Herold einen Auftrag und ein Siegel; und ein Privatmann, so ernst und so beredt er auch sei, hat kein Recht, im Namen des Königs zu sprechen. Die beiden Ordnungen Christi sind keine privaten Andachten, die jeder verwalten darf, der sich dazu bewegt fühlt; sie sind Handlungen der Kirche, anvertraut den Amtsträgern, die der Herr der Kirche selbst bestellt hat. Der Herold ist die genaue Gestalt. In der alten Welt übergab ein König, der einen Erlass kundtun wollte, ihn nicht dem ersten Vorübergehenden, damit er ihn laut vorlese; er vertraute ihn einem Herold an, der sein Beglaubigungsschreiben trug, und die ganze Vollmacht dieses Herolds lag allein darin, dass er gesandt war. So verhält es sich im Reich Christi. Der Herr hat seine Sakramente nicht über die Welt verstreut, damit jeder sie aufraffe; er hat sie in die Hände von Männern gelegt, die er berufen, geprüft und feierlich durch die Kirche beauftragt hat. Das ist keine Sache geistlichen Hochmuts, denn der Diener, der tauft, hat nichts Eigenes auszuteilen: das Wasser ist Christi, die Gnade ist des Geistes, und der Mensch, der das Wasser ausgiesst, ist nur ein Knecht, der mit einer Botschaft gesandt ist. Es ist vielmehr eine Sache der Ordnung und der eigentlichen Güte Gottes, der die Gewissheit seines Volkes nicht auf den unberufenen Eifer dessen gründen will, der gerade zur Hand ist, sondern auf ein Amt, das er eingesetzt, und auf einen Ruf, den er deutlich gemacht hat. Dieser kurze Abschnitt zieht also zwei Grenzen um die Sakramente, und diese Grenzen sind in Wahrheit zwei Gaben. Er sagt uns, wie wenige die Sakramente sind, und er sagt uns, wessen Hände sie verwalten dürfen. Beide Wahrheiten drängt uns derselbe Beweggrund auf: Der Herr will, dass seine Kirche in seiner Weisheit ruhe und nicht den Erfindungen der Menschen nachlaufe.

Die biblischen Grundlagen

Die erste Wahrheit dieses Abschnitts, dass es zwei Sakramente gibt und nicht mehr, ruht auf der schlichten Tatsache, dass Christus genau diese beiden eingesetzt und sie seiner Kirche durch berufene Hände übergeben hat. Und die zweite Wahrheit, dass nur ein ordnungsgemäss ordinierter Diener des Wortes sie verwalten darf, ruht auf ebenso fester Schriftgrundlage. Wir wollen beide nacheinander aus dem Wort hören. Beginnen wir bei dem Augenblick, da der auferstandene Herr seine Apostel aussendet. Matthäus berichtet: »Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« Von der Einsetzung der Taufe haben wir im ersten Abschnitt dieses Kapitels gehört, und wir brauchen sie hier nicht noch einmal zu entfalten. Aber unser Blick fällt nun auf ein anderes Glied des Satzes, auf die Sendung. Ehe der Herr das Gebot zu taufen ausspricht, gründet er es auf seine eigene Gewalt: Mir ist gegeben alle Gewalt. Und dann sendet er: Gehet hin. Die Taufe ist keine Einrichtung, die sich das Volk selbst gegeben hätte; sie ist ein Befehl des erhöhten Königs, ausgeführt von denen, die er sandte. Die Sendung ist die Wurzel, aus der das Sakrament wächst; ohne gesandte Hände gibt es keine Taufe, die diesen Namen verdient. Denselben Gedanken trägt der Apostel Paulus für das Abendmahl vor, und er tut es mit zwei Verben, die das ganze Gewicht des Satzes tragen. Er schreibt an die Korinther: »Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm das Brot.« Merke die beiden Verben der Überlieferung. Paulus hat empfangen: das griechische parelabon, ein Wort, das vom Empfangen eines anvertrauten Gutes gebraucht wird, eines Pfandes, das von einem Hüter an den nächsten übergeben wird. Und was er empfangen hat, hat er weitergegeben: paredōka, das Wort, das von einem Hauptmann gebraucht wird, der einen Gefangenen übergibt, oder von einem Vater, der ein Erbe weitergibt. Das Abendmahl stammt nicht von Paulus, nicht von der Gemeinde in Korinth, nicht von irgendeinem menschlichen Konzil. Es stammt von Christus, der in der Nacht seines Verrats das Brot nahm und gab; und es erreicht uns nur durch die Kette derer, die er beauftragt hat, es zu tragen. Der Anspruch des Paulus ist umso auffallender, als er bei der ersten Einsetzung nicht zugegen gewesen war; er war, wie er die Galater erinnert, ein Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus. Und doch hat er den Gemeinden weitergegeben, was er unmittelbar vom auferstandenen Herrn empfangen hatte, so dass das Mahl, das die Korinther hielten, nicht die Erfindung eines menschlichen Stifters war, sondern die Ordnung des lebendigen Christus, überbracht durch einen, den er gesandt hatte. Derselbe Apostel hat wenige Verse zuvor in demselben Brief denselben Ton der getreuen Überlieferung angeschlagen: »Ich lobe euch, dass ihr in allen Stücken an mich gedenket und haltet die Überlieferungen, wie ich sie euch übergeben habe.« Das Wort, das hier mit Überlieferungen übersetzt wird, heisst im Griechischen paradoseis, das Übergebene, im apostolischen Sinn das anvertraute Gut der eigenen Einsetzung des Herrn. Die Kirche Christi hat weder die Freiheit, ihre Sakramente zu erfinden, noch sie zu vermehren, noch von ihnen abzuziehen. Sie ist eine Empfängerin, keine Erfinderin. Sie bewahrt, was sie empfangen hat, und sie gibt an das kommende Geschlecht weiter, was ihr übergeben worden ist. Die Zahl der Sakramente ist darum keine Sache menschlichen Gefallens, als hätte die Kirche zwei gewählt und könnte ebenso gut fünf wählen. Die Zahl ist durch die Einsetzung Christi festgelegt, und der Gehorsam der Kirche liegt gerade darin, die Zählung zu halten. Aber warum zwei? Warum nicht eines, und warum nicht sieben? Die Antwort ist in das Wesen der beiden Ordnungen selbst geschrieben und in die doppelte Notwendigkeit des geistlichen Lebens, dem sie dienen. Unser Herr sprach zu Nikodemus: »Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.« Hier ist der Anfang des christlichen Lebens: eine Geburt, eine Waschung, ein ein für allemal geschehener Eintritt in das Reich. Und derselbe Herr sprach zu der Menge: »Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.« Hier ist die Fortsetzung des christlichen Lebens: eine Speisung, ein tägliches und wiederholtes Ziehen von Kraft aus dem Herrn selbst. Geburt und Brot: die eine Waschung, die uns aufnimmt, und der eine Tisch, der uns erhält. Zwei Sakramente antworten auf zwei Bedürfnisse, und diese Bedürfnisse sind so alt wie das menschliche Leben. Ein Mensch wird einmal geboren und allezeit genährt. So wird der Christ einmal gewaschen und allezeit genährt. Die Weisheit Christi hat die Sakramente so geordnet, dass sie das Gefüge des Lebens unter dem Bund spiegeln. Darum wird die Taufe nur einmal vollzogen, während das Abendmahl wieder und wieder gedeckt wird: das eine entspricht einer Geburt, die sich nicht wiederholen lässt, das andere einer Mahlzeit, die sich wiederholen muss, solange der Leib lebt. Eine Kirche, die einen Menschen zweimal taufte, sagte damit, ein Mensch könne zweimal geboren werden; eine Kirche, die niemals zum Tisch käme, sagte damit, ein Mensch könne ohne Brot leben. Beides ist unmöglich, und die beiden Sakramente bekennen diese Unmöglichkeit schon in ihrem Rhythmus. Nun die zweite Wahrheit des Abschnitts, dass nur ein ordnungsgemäss ordinierter Diener des Wortes die Sakramente verwalten darf. Sie ist nicht weniger fest in der Schrift gegründet. Der Hebräerbrief stellt einen Grundsatz auf, der jedes heilige Amt beherrscht: »Und niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen, wie auch Aaron.« Das Priestertum des alten Bundes entsprang nicht dem Ehrgeiz eines Menschen, sondern einem göttlichen Ruf; und der Dienst des neuen Bundes, obwohl er kein Opferpriestertum ist, ist nicht weniger ein Amt, zu dem ein Mensch berufen sein muss. Der Diener bestellt sich nicht selbst. Er wird berufen, geprüft und ausgesondert; und das sichtbare Zeichen dieser Aussonderung ist die Ordnung der Ordination. Paulus schreibt an Timotheus: »Lass nicht ausser acht die Gabe in dir, die dir gegeben ist durch die Weissagung mit Handauflegung der Ältesten.« Der Ausdruck ist gewichtig: die Handauflegung, im Griechischen epithesis tōn cheirōn, war die von der Kirche verordnete Handlung, durch die ein Mensch feierlich zum Dienst beauftragt wurde. Sie war keine blosse Formlichkeit und keine menschliche Erfindung, sondern die schriftgemässe Weise, das Amt von einem Geschlecht der Diener an das nächste weiterzugeben. Sie zeichnete einen Menschen aus als einen, der nicht gelaufen war, ohne gesandt zu sein. Und laufen, ohne gesandt zu sein, ist genau das, was die Schrift verbietet. Paulus treibt den Gedanken im Römerbrief bis an sein Ende: »Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden?« Das griechische Wort ist apostalōsin, von derselben Wurzel wie Apostel, der Gesandte. Es gibt im Reich Christi eine Ordnung, eine rechtmässige Sendung, und ein Mensch, der ohne diese Sendung dient, dient ohne Vollmacht. Die Sakramente, die das sichtbare Wort sind, gehören zu demselben Amt, das das hörbare Wort predigt; und dieses Amt wird nur durch einen rechtmässigen Ruf und eine rechtmässige Ordination betreten. So hängen die beiden Sätze unseres Abschnitts zusammen: Die Sakramente sind Christi, und die Hände, die sie bedienen, sind die von Christus bestellten Hände.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Westminster-Väter schrieben diesen Abschnitt mit zwei Irrtümern vor Augen, einem auf jeder Seite der Wahrheit, und doch mit einer seelsorgerlichen Zärtlichkeit, die man leicht übersieht, bis man sich erinnert, was in dem England ihrer Tage wirklich auf dem Spiel stand. Der erste Satz, nur zwei Sakramente, zielte, wie der Leser schon vermuten wird, auf die römische Kirche. Rom hatte die Sakramente auf sieben vermehrt und zu den beiden von Christus eingesetzten noch fünf weitere hinzugefügt, und die Väter wussten, dass jede Hinzufügung zu der Ordnung des Herrn zugleich ein Abzug von seiner Vollmacht ist. Wenn die Kirche fünf Sakramente hinzufügen darf, so darf sie fünfzig hinzufügen; und wenn sie Sakramente erfinden darf, so darf sie alles erfinden. Das Wort nur in diesem Satz ist darum ein Schwert, aber es ist auch ein Trost: Es erklärt, dass das Stehen des Christen vor Gott auf zwei schlichten, klaren, von Christus eingesetzten Ordnungen ruht und nicht auf einem verwirrenden Geflecht von Riten, von denen ein Mensch niemals sicher sein könnte, ob er sie recht vollzogen hat. Aber die Väter waren nicht bloss antirömisch. Sie lebten in einer Zeit, da der entgegengesetzte Irrtum mit gleicher Wut aufstieg: der Irrtum jener Schwärmer und Sektierer, die, nachdem sie mit dem Zeremonienwesen Roms gebrochen hatten, in eine nackte und gestaltlose Freiheit hineinstürzten. Manche behaupteten, die Sakramente seien blosse Zeichen und könnten nach Belieben vermehrt, vermindert oder gar abgetan werden. Andere gingen noch weiter und behaupteten, jeder Gläubige, auch ohne Ordination, dürfe taufen und am Tisch des Herrn walten, da doch jeder Christ in gewissem Sinn ein Priester sei. Gegen diese Unordnung setzten die Väter den zweiten Satz: Keines von beiden darf von irgendjemandem verwaltet werden als allein von einem ordnungsgemäss ordinierten Diener des Wortes. Die Sakramente sind keine privaten Übungen der Andacht, die ein Vater an seinem eigenen Herd oder ein eifriger Bruder, der sich berufen fühlt, verwalten dürfte; sie sind Handlungen der versammelten Kirche, und die Kirche handelt durch ihre bestellten Amtsträger. Merke nun, mit welcher Sorgfalt die Väter ihre Worte wählten: Sie sagten nicht durch einen Priester und nicht durch einen Geistlichen, sondern durch einen Diener des Wortes, der ordnungsgemäss ordiniert ist. Der Ausdruck bindet die Sakramente an das Amt der Predigt. Im reformierten Verständnis gibt es keine abgesonderte Kaste sakramentaler Priester, ausgestattet mit einer geheimnisvollen Kraft zu weihen, die die Predigt des Wortes nicht verleiht. Der Dienst am Wort und der Dienst an den Sakramenten sind ein und dasselbe Amt. Der Mensch, der rechtmässig berufen ist, das Evangelium zu predigen, ist damit berufen, die Siegel des Evangeliums zu verwalten; und der Mensch, der keinen Auftrag zu predigen hat, hat keinen Auftrag zu taufen oder am Tisch zu walten. Die Sakramente sind das sichtbar gewordene Wort, und sie gehören den Dienern des Wortes. Darum haben die reformierten Kirchen stets auf einem unterwiesenen, geprüften, ordinierten Dienst bestanden und die Sakramente stets als öffentliche Ordnungen der Kirche betrachtet und nicht als private Riten des Einzelnen. Der Ausdruck, sorgfältig gelesen, steuert einen mittleren Kurs zwischen zwei alten Irrtümern. Auf der einen Seite steht das Priestertum Roms, das sich einen besonderen Stand von Priestern erträumte, ausgestattet mit einer Weihekraft, an der die Laien niemals teilhaben könnten; auf der anderen Seite steht die Unordnung des Schwärmers, der meinte, es bedürfe überhaupt keiner Ordnung. Die Väter verwarfen beides. Der Diener des Wortes ist kein Priester, denn er bringt kein Opfer dar und beansprucht keine eigene Kraft; aber er ist auch kein blosser Zufall, denn er hält ein Amt, das Christus eingesetzt hat und das die Kirche auf Christi Gebot durch rechtmässige Ordination zu besetzen verpflichtet ist. Das Amt ist wirklich, aber es ist dienend; der Mensch ist ausgesondert, aber er bleibt ein Knecht. Beide Irrtümer, der eine, der den Diener zu hoch erhebt, und der andere, der ihn zu tief herabsetzt, sind gleich gefährlich, und beide werden durch den einen Ausdruck abgeschnitten: ein ordnungsgemäss ordinierter Diener des Wortes. Das Wort ordnungsgemäss ist die letzte Wacht. Es genügt nicht, dass ein Mensch fromm sei oder begabt oder eifrig; er muss ordnungsgemäss ordiniert sein, das heisst nach der schriftgemässen Ordnung ausgesondert, mit Handauflegung der Ältesten, auf eine Weise, welche die Kirche erkennen kann und der Herr verordnet hat. Die Väter hatten die Unordnungen ihrer eigenen Bürgerkriegsjahre vor Augen, da hundert selbsternannte Prediger das Land durchzogen, jeder mit einem himmlischen Ruf, den kein Mensch prüfen konnte. Sie antworteten mit einem Grundsatz, der ebenso schlicht wie streng ist: Der Ruf Gottes wird gewöhnlich durch die Kirche vermittelt, und das äussere Zeichen dieses Rufes ist die rechtmässige Ordination. Ein Mensch, der sich der Ordnung der Kirche nicht fügen will, gibt wenig Beweis dafür, dass er von dem Gott berufen ist, der der Urheber der Ordnung ist. Es gibt eine tiefere Wurzel für diesen Satz als blosse Klugheit. Der Herr Jesus hat seiner Kirche die Schlüssel des Himmelreichs anvertraut, und diese Schlüssel werden im Dienst des Wortes und in der Übung der Zucht gebraucht. Die Verwaltung der Sakramente gehört zu derselben Haushalterschaft; denn eine Seele zum Tisch zuzulassen oder ein Kind zum Taufstein zu bringen, ist ein Akt der Vollmacht der Kirche, ein Akt des Bindens und des Lösens, und er lässt sich nicht von dem Amt trennen, das die Schlüssel trägt. Die Väter waren selbst mit dem Werk beschäftigt, den Dienst der Kirche zu ordnen, während sie schrieben, und verfassten eine Ordnung des öffentlichen Gottesdienstes und eine Form der Kirchenregierung, die die Weise festlegten, wie Diener zu berufen, zu prüfen und zu ordinieren seien. Der Satz vor uns ist das lehrmässige Gegenstück zu dieser praktischen Arbeit: Ordnung in den Sakramenten, weil Ordnung im Reich ist.

Theologische Tiefe

Die Väter haben diese Urteile nicht erfunden; sie haben sie aus der langen und tiefen Überlieferung der reformierten Theologie empfangen, und es lohnt sich zu hören, wie die grossen Lehrer dieser Überlieferung die beiden Sätze unseres Abschnitts entfaltet haben. Für ein deutschsprachiges Ohr liegt der erste Zeuge nahe, und er ist zugleich der treffendste. Der Heidelberger Katechismus, den Ursinus und Olevian verfassten und der die Frömmigkeit der deutschen und schweizerischen Gemeinden über Generationen geformt hat, stellt die Frage mit schlichter Schärfe: Wieviel Sakramente hat Christus im Neuen Testament eingesetzt? Und er antwortet: Zwei, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl. Dahinter steht ein fester Grundsatz, den Ursinus in seinem Kommentar breit entfaltet: Ein Sakrament ist eine Ordnung, die Christus selbst eingesetzt, mit einem sichtbaren Zeichen ausgestattet und dem Gnadenbund als Siegel beigegeben hat. Was dieses dreifache Mass nicht erfüllt, mag ein guter und nützlicher Brauch sein, aber es ist kein Sakrament. Die fünf Hinzufügungen Roms scheitern an diesem Mass: Die einen haben kein Einsetzungswort des Herrn, die anderen kein sichtbares Zeichen, und keine von ihnen ist ein Siegel des Gnadenbundes. Darum kehrt der Katechismus zur Zählung des Herrn zurück und will die Kirche bei keiner anderen Zahl ruhen lassen. Hier ist die konfessionelle Stimme, die dem deutschen und schweizerischen Ohr am vertrautesten klingt, und sie spricht genau das, was unser Bekenntnis mit einem einzigen Satz sagt: nur zwei. William Ames, dessen Medulla theologiae, das Mark der Theologie, die Frömmigkeit der reformierten Kirchen des siebzehnten Jahrhunderts geprägt hat, sah die Zahl der Sakramente als eine Sache göttlicher Einsetzung und der daraus folgenden Begrenzung der Kirche. Ames schloss, die Sakramente entsprächen der doppelten Notwendigkeit des geistlichen Lebens: dem Anfang dieses Lebens und seiner Nahrung und seinem Wachstum. Ein Sakrament, so führt er aus, ist ein Zeichen und Siegel des Gnadenbundes; und da der Bund zwei grosse Werke hat, die Menschen hereinzubringen und sie zu erhalten, hat der Herr zwei Zeichen verordnet, die diesen Werken entsprechen. Die Taufe, das Sakrament der Aufnahme, bezeichnet die Abwaschung der Sünde und den Eintritt in den Leib; das Abendmahl, das Sakrament der Nahrung, bezeichnet die beständige Speisung der Seele mit Christus. Weil der Herr diese zwei eingesetzt hat und diese zwei allein, hat die Kirche keine Macht, mehr zu verordnen; und weil der Herr diese zwei für die ganze Kirche eingesetzt hat, hat die Kirche keine Freiheit, weniger zu verordnen. Die Zahl ist weder willkürlich noch erweiterbar. Sie ist eine Tatsache des Bundes, so fest wie der Bund selbst. Calvin richtet sein Augenmerk auf die Frage der rechtmässigen Verwaltung und besteht auf zwei Punkten. Erstens, dass der Herr seiner Kirche sehr wenige Zeremonien gegeben hat und diese wenigen sehr schlicht, weil er sein Volk nicht belasten und ihr Gewissen nicht mit einer Menge von Riten binden wollte; die Kürze der zwei Sakramente ist ein Zeichen der Herablassung des Herrn, nicht seiner Armut. Ein Gott, der die Riten zu vermehren liebte, hätte sein Volk unter ihnen begraben; ein Gott, der seine Kinder liebt, gibt ihnen wenige Dinge zu gedenken, und diese wenigen schlicht, damit selbst ein Kind sie fasse und ein Sterbender sie festhalten könne. Und zweitens, dass die Verwaltung der Sakramente dem öffentlichen Dienst der Kirche gehört und nicht privaten Personen. Calvin warnt, dass die Sakramente, wenn sie den Händen des bestellten Dienstes entrissen und von dem verwaltet werden, dem es beliebt, zum Anlass von Spaltung und Verwirrung werden und das Heilige durch die Ungeordneten entweiht wird. Er will, dass die Kirche in der Ordnung ruhe, die Christus errichtet hat, und weder Riten hinzufüge, die er nicht geboten, noch seine Riten Händen anvertraue, die er nicht gesandt hat. Das Zweite Helvetische Bekenntnis, das die Gemeinden Zürichs und Berns und der reformierten Orte der Eidgenossenschaft unter seine Ordnung rief, legt für den schweizerischen Hörer dasselbe Fundament, und es tut es mit einem eigenen Nachdruck auf der Berufung der Diener. Es lehrt, dass niemand sich das Amt des Wortes und der Sakramente selbst anmassen darf, sondern dass die Diener der Kirche rechtmässig berufen sein müssen, durch ordentliche Wahl und feierliche Ordination, damit kein Unberufener in den Weinberg eindringe. Der Grund ist nicht ein kirchliches Statut, sondern die Schrift selbst: niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen, wie auch Aaron. Was das Bekenntnis von Westminster in einem Satz zusammenzieht, das entfaltet das Helvetische Bekenntnis über ein ganzes Kapitel hin, und beide atmen denselben Geist: Der Herr, der die Ordnungen eingesetzt hat, hat auch die Amtsträger eingesetzt, die sie verwalten, und beides darf die Kirche nicht auseinanderreissen. Robert Shaw, dessen Auslegung uns durch dieses ganze Kapitel begleitet hat, zieht aus dem zweiten Satz die Folgerung, die wir am leichtesten vergessen. Er besteht darauf, dass die Verwaltung der Sakramente nicht den Gläubigen im Allgemeinen anvertraut ist, sondern den Amtsträgern der Kirche, und dass diese Anvertrauung selbst eine Sache der Einsetzung Christi ist. Der Diener verwaltet die Sakramente nicht in seinem eigenen Namen und nicht aus seiner eigenen Vollmacht; er verwaltet sie als Knecht Christi und als Haushalter über die Geheimnisse Gottes, handelnd allein unter einem Auftrag, den die Kirche ihm auf Christi Gebot durch die Ordination übermittelt hat. Die Sakramente ohne diesen Auftrag zu ergreifen, ist nicht Eifer, sondern Vermessenheit, und Vermessenheit, wie aufrichtig sie auch sei, bleibt Ungehorsam. Shaw lässt uns sehen, dass die Ordnung nicht die Feindin der Gnade ist, sondern ihre Dienerin: Der Herr, der frei ist, hat sich gewürdigt, durch geordnete Hände zu handeln, und wer die Hände verachtet, verachtet den Herrn, der sie gesandt hat. Unter all dieser Genauigkeit schlägt ein seelsorgerliches Herz. Die Väter schnitzten die Unterschiede nicht um ihrer selbst willen, sondern um des Friedens zitternder Gewissen willen. Ein Mensch, der von einem unwürdigen Diener getauft worden ist, muss wissen, dass seine Taufe dennoch wahr ist; ein Mensch, der zweifelt, ob sein Diener recht berufen war, braucht eine rechtmässige Ordnung, die er erkennen kann. Die beiden Sätze dieses Abschnitts, nur zwei Sakramente und nur durch einen rechtmässigen Diener, sind zwei Mauern, die um den Frieden des Gläubigen gebaut sind und auf der einen Seite die Angst eines vervielfachten Ritus und auf der anderen die Verwirrung eines ungeordneten Dienstes draussen halten. Hier wie überall im Bekenntnis ist die Genauigkeit die Dienerin des Trostes.

Anwendung für das reformierte Leben

Lasst uns diese Wahrheiten nun ans Herz bringen, denn eine Lehre, die nicht in das Leben hinabsteigt, ist nur halb gelernt. Erstens: Lerne, dich mit der Schlichtheit der Einsetzungen Christi zufriedenzugeben. Es liegt etwas im gefallenen Menschen, das eine Menge von Zeremonien liebt, das die Frömmigkeit wirklicher empfindet, wenn sie mit Riten und Gebärden und Zusätzen beladen ist. Aber der Herr hat seiner Kirche zwei Sakramente gegeben und nur zwei, und er hat sie gegeben, weil zwei genug sind. Wenn du den Zug verspürst, der Ordnung des Herrn etwas hinzuzufügen, einen neuen Ritus zu erfinden, einen menschlichen Brauch zur Würde eines Sakraments zu erheben, den Gottesdienst der Kirche geschäftiger zu machen, als Christus ihn gemacht hat, so widerstehe diesem Zug und ruhe in der Schlichtheit seiner Weisheit. Er, der nur zwei eingesetzt hat, wusste, was deine Seele braucht, und er urteilte, diese zwei seien genug. Sich mit ihnen zufriedenzugeben, ist ein stiller Akt des Glaubens. Es liegt eine Freiheit und ein Friede in einer kurzen Ordnung der Seele, und wer in zwei Ordnungen ruhen kann, hat etwas von der Freiheit der Kinder Gottes gelernt. Zweitens: Ehre das Amt des Dienstes, ohne den Menschen zu vergöttern, der es hält. Der zweite Satz dieses Abschnitts lehrt dich, die Sakramente als von einem ordnungsgemäss ordinierten Diener verwaltet anzusehen; er lehrt dich nicht, deine Hoffnung auf die Würdigkeit dieses Dieners zu gründen. Der vorige Abschnitt hat dich bereits aus dieser Knechtschaft befreit: Die Wirksamkeit des Sakraments liegt im Geist und im Wort Christi, nicht in der Frömmigkeit des Menschen, der den Kelch hält. Ehre also das Amt, empfange die Ordnung mit Ehrfurcht und danke Gott für die Männer, die er berufen hat, dir zu dienen, aber lass deinen Glauben nicht auf einem Menschen ruhen. Deine Hoffnung ist in Christus, der allein der Urheber und der Inhalt jedes Sakraments ist. Drittens: Hüte dich vor der Sünde, die rechtmässige Ordnung zu verachten. Unsere Zeit meint, jeder ernste Mensch dürfe jedes heilige Ding tun und der Eifer sei ein Ersatz für den Auftrag. Aber die Schrift ist deutlich: Niemand nimmt sich selbst die Ehre, er werde denn von Gott berufen, wie Aaron. Wenn du kein ordnungsgemäss ordinierter Diener des Wortes bist, so masse dir nicht an zu taufen und masse dir nicht an, am Tisch des Herrn zu walten, wie aufrichtig deine Absicht auch sei. Die Sakramente sind keine privaten Andachten; sie sind Handlungen der Kirche, und sie ohne Auftrag zu ergreifen, heisst die Ordnung verwirren, die Christus selbst errichtet hat. Wahrer Eifer fügt sich der Ordnung des Hauses Gottes; er tritt sie nicht nieder. Das ist ein hartes Wort für ein ungeduldiges Zeitalter, aber es ist das Wort des Herrn, und die Ordnung des Herrn ist besser als unser Eifer. Viertens: Bereite dein Herz, die Sakramente würdig zu empfangen, und bleibe ihnen nicht aus falscher Demut fern. Weil diese beiden Ordnungen die eigene Einsetzung des Herrn für deine Geburt und deine Nahrung sind, sind sie Gnadenmittel für jeden Gläubigen, der im Glauben kommt. Manche bleiben dem Tisch fern, weil sie sich unwürdig fühlen; aber der würdige Empfänger des vorigen Abschnitts ist nicht der Mensch, der eine erträumte Reinheit erreicht hat, sondern der Mensch, der im Glauben kommt, seine eigene Gerechtigkeit fahren lässt und in Christus ruht. Lass den Tisch des Herrn nicht leer stehen, weil du an der Tür zögerst. Komm, als einer, der aus Wasser und Geist schon geboren ist, um mit dem Brot des Lebens genährt zu werden. Fünftens: Lass die Gestalt der zwei Sakramente deinen täglichen Wandel prägen. Du bist einmal getauft worden und wirst allezeit genährt. Lass diese ein für allemal geschehene Waschung eine stehende Mahnung sein: Du bist der Sünde gestorben und mit Christus auferstanden, und du sollst niemals zu dem Grab zurückkehren, aus dem du auferweckt bist. Und lass den wiederkehrenden Tisch einen täglichen Rhythmus werden: Sooft du dieses Brot isst und aus diesem Kelch trinkst, verkündigst du den Tod des Herrn, bis er kommt. Die Taufe lehrt dich, dass dein Eintritt in die Familie feststeht, einmal und für immer; das Abendmahl lehrt dich, dass deine Nahrung in ihr beständig ist und dass du genährt werden und nähren musst, bis der Meister wiederkommt. Geburt und Brot: trage beide mit dir, und du wirst wandeln als einer, der zum Haushalt Gottes gehört. Sechstens und zuletzt: Trau dem Herrn, der die Ordnungen und die Amtsträger eingesetzt hat, und übergib ihm beides im Gebet. Der Abschnitt vor uns ist am Ende ein Ruf zum Vertrauen. Der Herr hat gewusst, wie wenige Zeichen dein schwacher Glaube braucht, und er hat dir nicht mehr gegeben, als du fassen kannst; er hat gewusst, dass du Gewissheit brauchst, und er hat sie dir nicht dem unberufenen Eifer des Augenblicks anvertraut, sondern einem geordneten Amt, das er erkennbar gemacht hat. Bete für die Diener des Wortes, die das Gewicht von Herrlichkeit und Schwachheit zugleich tragen, dass sie treu taufen und treu das Brot brechen; und danke Gott für die Ordnung, die dein Herz still und gewiss macht. Der Tag kommt, da das Zeichen der Sache weicht und der Tisch der Kirche gegen das Hochzeitsmahl des Lammes eingetauscht wird; bis dahin ruhe in den zwei Zeichen, die Christus dir gegeben hat, und in den gesandten Händen, durch die er sie dir reicht.

Gebet

Herr, unser Gott, dessen Weisheit alle Dinge zum Guten deiner Kirche geordnet hat, wir preisen dich für die Schlichtheit und die Genügsamkeit deiner zwei Sakramente. Wir danken dir, dass du uns nicht den Erfindungen der Menschen überlassen und nicht mit einer Menge von Riten beladen hast, sondern uns eine Waschung für den Eintritt in deinen Haushalt und einen Tisch für die beständige Nahrung in ihm eingesetzt hast. Gib uns Gnade, mit dem zufrieden zu sein, was du gegeben hast, und nach keinem anderen Zeichen zu suchen als nach dem Zeichen deines Bundes und nach keiner anderen Speise als nach dem Leib und Blut deines lieben Sohnes. Wir danken dir, Herr, für den Dienst deines Wortes und für die Männer, die du berufen und ordnungsgemäss ordiniert hast, uns darin zu dienen. Erhalte sie treu, so bitten wir dich, und erhalte uns demütig, dass wir weder das Amt verachten, das du eingesetzt hast, noch uns auf den Menschen stützen, der es hält. Lehre uns, die Ordnung zu ehren, ohne sie zu vergöttern, und deine Sakramente mit Ehrfurcht und Glauben zu empfangen. O du gesegneter Geist, der du alles lebendig machst, wir bitten dich, dass das äussere Zeichen uns niemals eine leere Hülle sei. Wirke du in unseren Herzen durch das Wasser der Taufe, dass wir der Sünde sterben und der Gerechtigkeit leben; und nähre uns an dem Tisch des Herrn, dass Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohne und wir in allen Stücken zu ihm hin wachsen. Du bist das Brot des Lebens, o Christus; wer zu dir kommt, den wird nicht hungern, und wer an dich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Komm, Herr Jesus, und sättige unsere Seelen mit dir selbst, bis zu dem Tag, da wir dich von Angesicht sehen und die Zeichen dem Schauen weichen. In deinem Namen und zu deiner Ehre beten wir. Amen.
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