Andacht 149 von 171

Die Bedeutung der Taufe: Einheit mit Christus und Wiedergeburt

Ch.28: Of Baptism — Abschnitt 3 • 2026-09-21 • 34 min
Das Untertauchen der Person ins Wasser ist nicht notwendig; vielmehr wird die Taufe rechtmässig gespendet durch Begiessen oder Besprengen der Person mit Wasser.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 28, Abschnitt 3

Einleitung

Dreitausend Menschen wurden an einem einzigen Tag getauft. So berichtet es Lukas im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte: Als die Predigt des Petrus am Pfingsttag die Menge traf, liessen sich, die sein Wort annahmen, taufen, und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Seelen. Nun halte inne und stelle dir diese Szene vor Augen. Die Stadt war Jerusalem, zum Bersten gefüllt mit Pilgern aus allen Völkern unter dem Himmel. Die Stunde war die dritte des Tages. Und binnen eines einzigen Tages wurden dreitausend Männer und Frauen zu den Wassern der Taufe geführt. Wo in dieser gedrängten Stadt war das Wasser, um dreitausend Leiber unter seine Oberfläche zu tauchen? Welcher Teich, welcher Brunnen, welcher Fluss bot Raum für eine solche Menge? Die schlichte Rechenkunst des Pfingsttages drängt uns eine Frage auf, die mancher Christ unserer Tage noch nie gestellt hat: Muss die Taufe ein Untertauchen des ganzen Leibes unter das Wasser sein, oder darf sie ein Begiessen des Hauptes sein, ein Besprengen des Angesichts? Die Frage hat Kirchen gespalten und zuweilen Gemeinschaft zerrissen. Ganze Gemeinschaften sind um ihretwillen gesammelt und aufgelöst worden, und aufrichtige Gläubige haben einander den Tisch des Herrn verweigert, weil sie sich über die Menge des Wassers nicht einig wurden. Vor diesem bitteren Hintergrund sprechen die Westminster-Väter einen stillen Satz, den kürzesten Abschnitt dieses ganzen Kapitels über die Taufe und einen der kürzesten des ganzen Bekenntnisses: Das Untertauchen ist nicht notwendig, und die Taufe wird rechtmässig gespendet durch Begiessen oder Besprengen. Er liest sich wie ein Flüstern nach einem Sturm, und doch ist in seinen wenigen Worten eine ganze Theologie der Gnade zusammengedrängt. Halte dies nicht für Nachlässigkeit, als hätten die Väter mit den Schultern gezuckt und erklärt, die Art des Waschens sei gleichgültig. Sie ist keineswegs gleichgültig, und sie sagen es mit dem Wort »rechtmässig«. Die Taufe wird rechtmässig gespendet durch Begiessen oder Besprengen; es gibt eine rechte und eine unrechte Weise, und die rechte Weise ist keine Sache der Beliebigkeit. Was sie meinen, und was wir nun lernen müssen, ist dies: Das Wesen der Taufe liegt nicht in der Menge des Wassers und nicht in der Haltung des Leibes, sondern in der Reinigung, die das Wasser bezeichnet. Und wenn wir das erkannt haben, werden wir noch mehr entdecken: dass die Weise der Taufe selbst eine Predigt ist, die jedem Herzen die herrlichste Wahrheit verkündet, die das Evangelium kennt, nämlich dass die Gnade von oben herabkommt und nicht darauf wartet, dass wir zu ihr hinaufsteigen.

Die biblischen Grundlagen

Legen wir den Grund in das Wort Gottes, denn dort allein ist er zu legen, und achten wir sorgsam auf die Bilder, mit denen die Schrift von der Reinigung redet, denn diese Bilder sind unsere Bürgschaft und unser Geleit. Das Alte Testament lehrt nirgends, dass die geistliche Reinigung dadurch vollzogen wird, dass ein Mensch unter Wasser getaucht wird. Im Gegenteil: Sein stehendes Bild der Reinigung ist das Besprengen der Unreinen mit Wasser und Blut. Als Gott seinem Volk verhiess, es wiederherzustellen und von seinen Sünden zu waschen, sprach er nicht von einem Teich, in den es hinabsteigen müsse, sondern von Wasser, das er selbst von oben über es werfen werde. Durch den Propheten Hesekiel redet er: »Und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.« Das hebräische Wort an dieser Stelle ist zaraq, sprengen, zerstreuen, und es ist dasselbe Wort, das von dem Blut gebraucht wird, das im alten Gottesdienst gegen den Altar geworfen wurde. Gottes eigenes, erwähltes Bild für die grosse Reinigung seines Volkes ist nicht das Untertauchen, sondern das Besprengen: Wasser, das über die Seele gesprengt wird, wie der Priester das Blut über den Altar sprengte. Die Reinigung ist das Werk des Herrn, das aus seiner Hand herabsteigt, und das Bild, das er selbst malte, ist ein heiliges Wasser, das geworfen und gesprengt wird, nicht ein Sünder, der unter einer Flut versinkt. Dieses Bild läuft wie ein roter Faden durch die ganze Ordnung des alten Bundes. Als Mose den Bund am Sinai schloss, wird uns berichtet, wie er das Volk reinigte, und die Art dieser Reinigung ist mit Genauigkeit aufgezeichnet. Im Hebräerbrief lesen wir: »Denn als Mose alle Gebote gemäss dem Gesetz allem Volk gesagt hatte, nahm er das Blut von Kälbern und Böcken mit Wasser und Scharlachwolle und Ysop und besprengte das Buch und alles Volk.« Hier ist das Muster jeder Reinigung unter dem Gesetz: nicht das Untertauchen, sondern das Besprengen. Mose sprengte das Blut und das Wasser auf das Buch des Bundes und auf die Gemeinde, und durch dieses Besprengen wurden sie geheiligt. Und der Verfasser des Hebräerbriefes treibt den Gedanken auf die Spitze: »Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche von der Kuh durch Besprengung die Unreinen heiligt, sodass sie äusserlich rein sind, um wie viel mehr wird dann das Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!« Das griechische Wort hinter dem Besprengen ist rhantizō, und es kehrt in diesem Brief immer wieder als die Sprache der Reinigung. »Und die Stiftshütte und alle Geräte für den Gottesdienst besprengte er desgleichen mit Blut.« Das ganze Zeremonialgesetz war ein Dienst des Besprengens, und die Taufe ist die Erbin dieses Dienstes im neuen Bund. Wenn also die Kirche Wasser über eine Seele giesst oder sprengt, so erfindet sie keine neue Weise; sie wandelt in den genauen Fussspuren des Mose und der Propheten und tut mit Wasser, was der alte Bund mit Wasser und Blut tat. Damit ist es aber noch nicht genug, denn das Neue Testament gibt uns ein zweites Bild, das noch herrlicher ist. Die Reinigung des neuen Bundes ist das Werk des Heiligen Geistes, und der Geist wird überall als ausgegossen beschrieben. Am Pfingsttag zitiert Petrus den Propheten Joel: »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgiessen von meinem Geist auf alles Fleisch.« Das griechische Wort ist ekcheō, ausgiessen, hingeben, und es ist das Wort, mit dem Petrus aus Joel das beschreibt, was gerade geschehen war. Wenig später sagt er von dem erhöhten Christus: »Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheissenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört.« Der Geist stieg nicht auf wie ein Brunnen, in den die Jünger hinabsteigen müssten; er wurde vom Himmel her über sie ausgegossen, wie Wasser aus einem Gefäss gegossen wird, und die ganze Kirche des neuen Bundes wurde unter dieser herabsteigenden Flut geboren. Lange vor Pfingsten hatte es Jesaja mit denselben Worten vorhergesagt: »Denn ich will Wasser giessen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder giessen und meinen Segen auf deine Nachkommen.« Wasser gegossen, Geist gegossen, Segen gegossen: Die drei sind ein einziges Bild, und die Taufe ist das Sakrament dieses Bildes. Das Wasser, das bei der Taufe über das Haupt gegossen wird, verkündet in sichtbarer Gestalt, was der Geist unsichtbar tut, wenn er von oben auf die Seele herabsteigt. Nun merke, was dies mit unserer Frage tut. Wenn der Geist Gottes ausgegossen wird, und wenn die Taufe das Zeichen und Siegel der Reinigung durch den Geist ist, welche äussere Handlung wäre dann passender als das Giessen des Wassers? Die Weise und die bezeichnete Sache entsprechen einander. Der Diener, der Wasser über das Haupt giesst, predigt mit der Gebärde selbst die grosse Wahrheit, dass der Heilige Geist über das Herz ausgegossen wird. Und der Diener, der Wasser sprengt, predigt mit derselben Gebärde die Wahrheit, dass das Blut Christi auf das Gewissen gesprengt wird. Die Weise der Taufe ist kein gleichgültiges Beiwerk; sie ist eine sichtbar gemachte Lehre. Es bleibt ein weiteres Zeugnis aus den Worten der Schrift, und es trifft die Wurzel der Behauptung, Taufe müsse Untertauchen bedeuten. Das griechische Wort baptizō, von dem unser Wort Taufe stammt, bedeutet nicht ausschliesslich untertauchen; es bedeutet waschen, reinigen durch die Anwendung von Wasser, und die Art dieses Waschens wird durch das Wort keineswegs festgelegt. Das Neue Testament selbst gebraucht das Zeitwort und das Hauptwort auf eine Weise, die kein Untertauchen je erfüllen könnte. Markus berichtet von den Kritikern unseres Herrn: Sie kommen vom Markt und essen nicht, ohne sich gewaschen zu haben, und es gibt viele andre Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie Trinkgefässe und Krüge und Kessel und Bänke zu waschen. Das Wort hinter diesem Waschen ist baptismos, das Hauptwort zu baptizō, und niemand bildet sich ein, die Pharisäer hätten ihre Tische in einen Teich getaucht; sie gossen Wasser darüber, und die Schrift nennt das Taufe. Lukas berichtet von dem Pharisäer, der sich wunderte, dass Jesus sich vor dem Essen nicht gewaschen hatte; auch hier steht baptizō, dasselbe Wort, das der Herr selbst gebrauchte, als er von der Taufe sprach, mit der er getauft werden sollte. Und im Hebräerbrief spricht der Apostel von den verschiedenen Waschungen des alten Bundes, baptismois, und beschreibt damit ein System der Reinigung, das das Gesetz selbst durch Besprengen vollzog. So entscheidet der eigene Wortschatz der Schrift die Sache: Taufen heisst waschen, und Waschen kann ebenso gut durch Begiessen und Besprengen geschehen wie durch Untertauchen. Das Wort hat nie den engen Sinn getragen, den manche ihm aufzwingen wollten. Zuletzt sollen die Umstände ihr Zeugnis ablegen, die uns in der Apostelgeschichte berichtet werden, denn sie zeigen die erste Gemeinde selbst, wie sie in dieser Freiheit handelte. Als die Dreitausend am Pfingsttag getauft wurden, haben wir schon gefragt, wo das Wasser lag, um so viele unterzutauchen, und die Frage ist nicht müssig, denn Jerusalem hatte keinen Fluss, und die öffentlichen Teiche hätten einer solchen Menge an einem Tag niemals dienen können. Die natürliche Lesart dieses Tages ist, dass Wasser herbeigetragen und gegossen wurde, und die Zahl der Bekehrten spricht gegen einen Ritus, der tiefes Wasser und einen Wechsel der Kleider für jede Seele verlangte. Noch auffälliger ist der Kerkermeister von Philippi, der um Mitternacht mit seinem ganzen Haus getauft wurde: »Und er liess sich und alle die Seinen sogleich taufen.« Hier war kein Fluss, kein Teich, keine Zeit zur Vorbereitung; es war mitten in der Nacht im inneren Gefängnis, und doch verschob der Apostel das Sakrament nicht aus Mangel an Wasser, das tief genug zum Untertauchen gewesen wäre. Das Wasser, das in jenem Gefängnis war, genügte, weil das Wesen der Taufe das Waschen ist, nicht die Tiefe des Wassers und nicht die Haltung des Leibes. Und als der Geist über Kornelius und sein Haus ausgegossen wurde, ehe ein Tropfen Wasser sie berührt hatte, lautete die Frage des Petrus nicht: »Wo ist ein Fluss, tief genug?«, sondern: »Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir?« Das Wasser war zur Hand, und es genügte, denn der Geist hatte die Reinigung schon vollbracht, die das Wasser besiegeln sollte.

Was die Westminster-Väter meinten

Als die Westminster-Väter diesen kurzen Abschnitt schrieben, erfanden sie keine neue Meinung, sondern bekannten, was die Kirche empfangen hatte; und doch schrieben sie mit der scharfen Schneide des Streites gegen ihr eigenes Zeitalter; wir werden sie erst verstehen, wenn wir den Irrtum sehen, den sie wegschneiden wollten. Der Irrtum war das Beharren darauf, dass das Untertauchen, das Versenken des ganzen Leibes unter das Wasser, die einzige gültige Weise der Taufe sei, sodass eine Seele, die durch Begiessen oder Besprengen gewaschen war, überhaupt keine Taufe empfangen haben sollte. Dies war die Behauptung der täuferischen Parteien des siebzehnten Jahrhunderts, und sie hatte sich weit verbreitet, sodass mancher schlichte Gläubige in seinem Gewissen beunruhigt war und zweifelte, ob seine eigene Kindertaufe oder die Taufe seiner Kirche eine wahre Waschung sei oder nur eine Zeremonie des Wassers ohne jede Kraft. Gegen diese Behauptung setzen die Väter ihr stilles Bekenntnis: Das Untertauchen ist nicht notwendig, und die Taufe wird rechtmässig gespendet durch Begiessen oder Besprengen. Merke auf die beiden Hälften des Satzes, denn jede hat ihr eigenes Werk. Die erste Hälfte ist verneinend und befreiend: Das Untertauchen ist nicht notwendig. Niemand ist verpflichtet, unter das Wasser zu tauchen, als hinge die Gültigkeit seiner Taufe daran, und keine Kirche sündigt, die das Untertauchen nicht übt. Die zweite Hälfte ist bejahend und gebietend: Die Taufe wird rechtmässig gespendet durch Begiessen oder Besprengen. Diese Weisen sind kein zweiter Rang, keine geduldete Abweichung vom Ideal; sie sind recht, ganz dem Worte Gottes und dem Beispiel der Kirche von ihren frühesten Tagen an entsprechend. Und hier standen die Väter auf festem geschichtlichem Boden, denn die alte Kirche hatte diese Freiheit immer gekannt. Die älteste uns überlieferte christliche Unterweisung, die Didache, geschrieben noch in lebendiger Erinnerung an die Apostel, ordnet an, dass die Taufe in lebendigem Wasser vollzogen werde, wo das möglich ist, fügt aber schlicht hinzu: Hast du kein lebendiges Wasser, so taufe in anderem Wasser, und kannst du nicht in kaltem, so in warmem; hast du aber keines von beiden, so giesse dreimal Wasser auf das Haupt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Kirche des zweiten Jahrhunderts also anerkannte das Begiessen bereits als eine wahre Taufe, und sie tat es nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus der Überzeugung, dass das Wasser, das im dreieinigen Namen angewendet wird, das Sakrament ist, wie auch immer die Art seiner Anwendung sei. Die Väter waren keine Neuerer; sie sprachen eine Freiheit neu aus, die älter war als die Streitigkeiten, die jüngst entstanden waren. Doch wollten sie nicht sagen, die Weise sei eine gänzlich gleichgültige Sache, als ob jede Art des Waschens gelte und die Kirche mit einem feuchten Tuch oder einem Tautropfen taufen dürfe. Die Wendung »rechtmässig gespendet« wehrt dieser Lockerheit. Es gibt eine Form der Ordnung, und sie ist das Waschen mit Wasser, eine wirkliche und genügende Anwendung des Elements auf die Person. Was die Väter verwarfen, war nicht der Gedanke, dass die Taufe eine rechte Weise habe, sondern der Gedanke, dass nur eine einzige Weise, die des Untertauchens, recht sein könne. Begiessen und Besprengen sind Waschen; sie sind die Anwendung des Wassers in einem Mass, das genügt, um die Reinigung der Seele zu bezeichnen, und im Mund der Schrift sind sie die stehenden Bilder dieser Reinigung. Die Väter weigerten sich schlicht, die Menge des Wassers für das Wesen des Sakraments zu halten. Halte noch einen weiteren Unterschied fest, denn er trägt das ganze Gewicht des Abschnitts. Die Väter waren, wie sie es immer sind, sorgfältig darin, das Zeichen und die bezeichnete Sache nicht zu vermengen. Die Gnade der Taufe liegt nicht im Wasser, und darum kann sie nicht am Wasser gemessen werden. Ob ein Mensch untergetaucht, begossen oder besprengt wird, das Wasser tut in dem einen Fall nicht mehr als in dem anderen; es ist ein Zeichen, und ein Zeichen hat seine Kraft nicht aus seiner Menge, sondern aus dem, was es bezeichnet, und aus dem Geist, der mit ihm wirkt. Das Untertauchen für wesentlich zu erklären, bedeutet am Ende, ein Vertrauen in die Gründlichkeit des Waschens zu setzen, das allein dem Blut Christi gebührt. Die Väter wollten nicht zulassen, dass die Ordnung zu einem Werk des Menschen selbst werde, in dem die Vollständigkeit der Reinigung von der Vollständigkeit der Benetzung abhinge. Die Weise ist gerade deshalb frei, weil die Gnade nicht in der Weise liegt, und dies zu bekennen, heisst die Freiheit des Evangeliums zu bekennen.

Theologische Tiefe

Steigen wir nun mit den Lehrern unserer eigenen Überlieferung zu den Fundamenten dieser Lehre hinab und sehen wir, wie die reformierte Kirche die Weise der Taufe von jeher verstanden hat. Warfield hat der Frage ihre sorgfältigste gelehrte Behandlung gewidmet, und seine geduldige Arbeit in der Archäologie der frühen Kirche lohnt unsere Aufmerksamkeit. Er machte sich daran zu prüfen, was die erste Gemeinde tatsächlich tat, ging den Zeugnissen der Katakomben und der frühen Väter nach und kam zu dem Schluss, dass die Vorstellung vom Untertauchen als der allgemeinen und ausschliesslichen Übung der alten Kirche eine neuzeitliche Annahme ist, die in die Vergangenheit zurückgelesen wird. Die frühesten erhaltenen bildlichen Darstellungen der Taufe, so beobachtet er, zeigen den Täufling im Wasser stehend, während ihm von oben Wasser übergegossen wird, und die frühesten literarischen Zeugnisse reden vom Waschen und Begiessen ebenso bereitwillig wie vom Untertauchen. Warfields Beweis will nicht sagen, dass das Untertauchen nie vorkam, sondern dass die Kirche von Anfang an mehr als eine Weise kannte und dass das Beharren auf dem Untertauchen allein eine spätere und engere Sache ist. Er merkt zudem an, dass das Wort Taufe, wie wir gesehen haben, Waschen bedeutet und nicht Untertauchen, sodass die sprachliche Grundlage der Gegenseite bei genauer Prüfung zerbröckelt. Für Warfield war die Sache durch das doppelte Zeugnis von Wort und Tat entschieden: Die Sprache der Schrift ist das Waschen, und die Übung der Kirche war die Freiheit. Calvin gelangt in der Institutio auf einem einfacheren Weg zu demselben Ende, und seine Worte verdienen es, gewogen zu werden, denn sie atmen die Mässigung, die die reformierte Kirche stets ausgezeichnet hat. Er räumt sogleich ein, dass das Wort taufen eigentlich untertauchen bedeutet und dass die erste Gemeinde das Untertauchen wahrscheinlich übte, denn die alten Schriftsteller sprechen davon. Aber er will die Kirche nicht daran binden. Ob der Täufling ganz untergetaucht werde, und ob dreimal oder einmal, oder ob Wasser nur über ihn gegossen oder gesprengt werde, sei ohne Belang; die Gemeinden sollen die Freiheit haben, sich je nach Verschiedenheit der Gegenden für das eine oder andere zu entscheiden. Worauf es ankommt, ist nicht die Tiefe des Wassers, sondern die bezeichnete Sache, die Reinigung der Seele durch das Blut Christi und die Erneuerung durch den Geist. Calvins Urteil ist genau das unseres Abschnitts: Die Weise gehört nicht zum Wesen des Sakraments, und wer sie dazu macht, der hat sich vom Sinn der Taufe zu ihrer blossen Äusserlichkeit gewandt. Turretin treibt denselben Gedanken mit der ihm eigenen Strenge voran, und sein Beweis verdient es, verfolgt zu werden, denn er legt den Irrtum an seiner Wurzel bloss. Das Wesen der Taufe, so führt er aus, liegt in der Abwaschung, in dem Waschen, das die Vergebung der Sünden bezeichnet, und diese Abwaschung wird durch Untertauchen, Begiessen und Besprengen gleichermassen bezeichnet. Die Schrift gebietet nirgends eine bestimmte Weise, und wo das Wort Gottes nicht gesprochen hat, da ist die Kirche frei. Was die Schrift gebietet, ist das Waschen mit Wasser im dreieinigen Namen, und das vollzieht die Kirche, ob sie nun untertaucht oder begiesst. Turretin erinnert uns daran, dass der Heilige Geist in der Schrift ausgegossen und das Blut Christi gesprengt genannt wird, sodass die beiden Weisen, die die Kirche gemeinhin übt, keine willkürlichen Wahlen sind, sondern eben die Bilder, die uns das Wort Gottes vor Augen gestellt hat. Das Untertauchen allein zu fordern, heisst die Kirche dort binden, wo Christus sie frei gelassen hat, und einen Umstand der Ordnung mit ihrem Wesen verwechseln. Hodge sammelt diese Fäden in seinem Kommentar zum Bekenntnis und knüpft sie an den Grundsatz, der allen reformierten Gottesdienst leitet. Die Frage ist nicht, welche Weise uns gefällt und welche die älteste war, sondern was Gott verordnet hat, und Gott hat die Taufe zu einem Waschen mit Wasser im Namen des Dreieinigen verordnet. Er hat weder die Menge des Wassers noch die Haltung des Leibes verordnet. Darum darf die Kirche die Taufe durch Untertauchen spenden, wo das ratsam ist, und durch Begiessen oder Besprengen, wo es das nicht ist, und in beiden Fällen spendet sie das Sakrament wahrhaftig. Hodge fügt eine praktische Bemerkung hinzu, die die Väter selbst gewiss im Sinn hatten: Die Taufe soll an Kindern ebenso wie an Erwachsenen gespendet werden, und die Zartheit des Säuglingsalters samt dem Klima vieler Länder macht das Begiessen und Besprengen nicht bloss erlaubt, sondern geziemend. Die Weise, die an einem neugeborenen Kind ohne Gefahr vollzogen werden kann, ist kein zufälliger Vorteil; sie ist eine Barmherzigkeit des Gottes, der seine Bundeszeichen nicht von der Kraft des Fleisches abhängig gemacht hat. Und nun ein Wort, das uns in der Schweiz besonders nahegeht, denn eben hier ist der Streit um die Taufe zuerst ausgefochten worden. Als in Zürich die Täufer auftraten und die Erwachsenentaufe für die einzig gültige erklärten, trat ihnen Zwingli entgegen, und seine Schrift über Taufe, Wiedertaufe und Kindertaufe wurde zu einer der frühesten und klarsten Antworten der Reformation. Zwingli bestand darauf, dass die Schrift selbst die Gnade als etwas von oben Kommendes zeichnet, als Geist, der ausgegossen, als Wasser, das gesprengt wird, und dass die Taufe als Bundeszeichen deshalb gerade dem Schwächsten zugänglich sein muss, dem Kind, das nicht in ein Wasser hinabsteigen kann. Er sah, dass hinter der Frage nach der Taufe selbst eine andere, tiefere Frage stand, nämlich ob sie zuerst ein Werk des Menschen oder eine Gabe Gottes sei, und er entschied sie im Sinn der Gnade. Darum ist es keine ferne, fremde Streitigkeit, die uns hier beschäftigt; es ist ein Stück unserer eigenen Geschichte, und die Wahrheit, um die es geht, ist uns auf eigenem Boden teuer geworden. Doch unter allen diesen Beweisen liegt ein tieferer Gedanke, und er ist dieser. Die Weise der Taufe ist, recht verstanden, ein Bekenntnis zum Herzen des Evangeliums. Das Untertauchen zeichnet einen Menschen, der ins Wasser hinabsteigt und wieder aufsteigt, und das ist ein wahres und kostbares Bild des Sterbens mit Christus und des Auferstehens zu einem neuen Leben; wir verachten es nicht. Aber das Begiessen und Besprengen zeichnet etwas, das das Evangelium uns nicht vergessen lassen will: dass die Reinigung der Seele nicht unser eigenes Werk ist, sondern das Werk Gottes, der von oben auf uns herabkommt. Wir tauchen uns nicht selbst in die Gnade; die Gnade wird über uns ausgegossen. Wir waschen uns nicht selbst; der Geist wird in unsere Herzen gesprengt. Das Wasser, das bei der Taufe auf das Haupt fällt, ist die sichtbare Verheissung, dass der Geist auf die Seele fällt, und die Sanftheit des Besprengens predigt die Zärtlichkeit eines Gottes, der sich herabneigt, um seine Barmherzigkeit über den Geringsten und Schwächsten zu giessen, selbst über ein Kind, das nichts tun kann, um sie zu empfangen. Darum konnten die Väter ihren stillen Satz mit solcher Zuversicht schreiben: Im Begiessen und Besprengen sahen sie nicht eine verminderte Taufe, sondern das Evangelium selbst, sichtbar geworden.

Anwendung für das reformierte Leben

Was aber bedeutet dies alles für unser Herz, und wie sollen wir aus dieser Lehre leben? Sechs Punkte sind es, an denen wir uns prüfen können. Erstens: Ruhe in der Zärtlichkeit eines Gottes, der seine Gnade über dich ausgiesst. Betrachte die Weise selbst als eine Predigt an deine Seele. Du bist nicht in das Wasser hinabgestiegen, um getauft zu werden; das Wasser wurde vielmehr zu dir gebracht und über dich gesprengt, wie die Gnade zu dir gebracht und nicht von dir errungen wird. Der Regen wartet nicht, bis die Erde zu ihm hinaufsteigt; er fällt vom Himmel auf das dürre Land, und das Land hat nichts zu tun, als ihn zu empfangen. So ist es mit dem Evangelium. Der Heilige Geist wird ausgegossen, das Blut Christi wird gesprengt, und der ganze Anteil des Sünders ist, zu empfangen, was Gott herabsteigt zu geben. Bist du versucht zu meinen, du müsstest dich erst rein machen, ehe du zu Christus kommen darfst, so lass dich von dem gesprengten Wasser zurechtweisen. Du bist nicht der, der wäscht; du bist der, der gewaschen wird, und das Waschen kommt von oben herab. Zweitens: Mache das Zeichen nicht zu deiner Zuversicht, denn das Wasser, ob viel oder wenig, kann nur den Leib reinigen. Die Väter waren sorgfältig darin zu sagen, dass das Untertauchen nicht notwendig ist, und ihr tieferer Grund war, dass keine Menge Wasser eine Seele reinigen kann. Ein Mensch mag unter einen Ozean getaucht werden und so schuldig wieder aufsteigen, wie er hinabstieg, während ein Tropfen, auf die Stirn eines Kindes gesprengt, einen Bund ewiger Barmherzigkeit besiegeln kann. Die Menge des Wassers war nie der Punkt, und der blosse Umstand deiner Taufe ist es ebenso wenig. Was du haben musst, ist die Sache, die das Wasser bezeichnet: das Blut Christi, auf dein Gewissen gesprengt, und der Geist, in dein Herz ausgegossen. Frage dich also nicht, wie du getauft wurdest, sondern ob du gereinigt bist. Hast du die innere Waschung erkannt, die die äussere nur abbildete? Ruhe nicht im Zeichen; ruhe in dem Heiland, auf den das Zeichen weist. Drittens: Sei milde gegen die, welche in diesem Punkt anders denken als du, und mache nicht zu einer Probe der Gemeinschaft, was Christus nicht zur Probe gemacht hat. Es gibt aufrichtige und fromme Gläubige, die das Untertauchen für die rechte Weise der Taufe halten, und wir haben gesehen, dass die reformierte Kirche das Wort selbst stets als Waschen verstanden, dass die erste Gemeinde das Untertauchen übte und dass unsere eigenen Väter kein Gewissen an eine einzige Weise binden wollten. Wo die Schrift nicht gebunden hat, lass uns nicht binden, und wo Milde geübt werden kann, da lass sie reichlich fliessen. Du magst deine eigene Übung mit Überzeugung halten und doch die, welche anders denken, als Brüder umfangen, denn der Grund unserer Einheit ist nicht die Tiefe des Taufbeckens, sondern das Blut des Bundes. Es ist ein Zeichen der Weisheit, zu wissen, was wesentlich ist und was nicht, und die Weise der Taufe, so teuer die Ordnung auch ist, gehört zum Letzteren. Und wir Schweizer haben hier eine eigene, schmerzliche Lektion zu lernen, denn der Streit um die Taufe hat einst in unserem Land zu Gewalt und Blut geführt, und das Gedächtnis daran soll uns demütig und barmherzig machen, nicht hochfahrend und hart. Viertens: Lass das gesprengte Wasser dich beten lehren um die Ausgiessung des Geistes über die Kirche. Wenn die Taufe das Sakrament des ausgegossenen Geistes ist, dann sind wir jedes Mal, wenn wir das Wasser anwenden sehen, aufgerufen, unsere Herzen zu erheben und Gott zu bitten, er möge seinen Geist wieder ausgiessen wie am Pfingsttag. Die Kirche schreitet nicht fort durch die Kraft ihrer Programme und die Klugheit ihrer Methoden, sondern durch die Ausgiessung des Geistes aus der Höhe. Wenn du einer Taufe beiwohnst, so lass sie dir zu einer Stunde der Fürbitte werden, dass derselbe Geist, der über die Dreitausend ausgegossen wurde, über deine Familie, deine Gemeinde und die Völker, die noch in Finsternis sitzen, ausgegossen werde. Bitte, dass die Flut, die Jesaja vorhersagte, Wasser auf das Durstige und Ströme auf das Dürre, über dieses ausgedörrte Geschlecht komme. Fünftens: Freue dich, dass das Bundeszeichen so sanft gemacht ist, dass auch der Schwächste es empfangen kann. Weil die Taufe rechtmässig durch Begiessen und Besprengen gespendet wird, ist keine Seele durch die Gebrechlichkeit des Alters, die Härte des Klimas oder die Schwachheit des Leibes ausgeschlossen. Das Kind, das nicht sprechen kann, der greise Heilige auf dem Krankenbett, der Gefangene in der Kammer um Mitternacht: alle können mit dem Wasser des Bundes gewaschen werden, weil der Bund nicht von ihrer Kraft abhängt. Und in dieser Sanftheit sehen wir das eigentliche Wesen Gottes, der das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht. Der Gott, der von einem erschrockenen Kerkermeister mitten in der Nacht keinen Fluss verlangte, hat seine Gnade für alle erreichbar gemacht, und dafür sollen wir seinen Namen segnen an jedem Tag. Sechstens und zuletzt: Denke daran, dass auch du einst besprengt und begossen wurdest, und lass die Erinnerung daran dich täglich zur Busse und zum Dank rufen. Die Taufe ist nicht ein vergangenes Ereignis, das hinter dir liegt wie ein vergilbtes Blatt; sie ist die bleibende Zusage, zu der du immer wieder zurückkehren darfst. Wenn du gefallen bist, so verachte nicht das Zeichen, das Gott auf dich gesetzt hat; kehre vielmehr zu ihm zurück, wie der Verschmutzte zum Wasser zurückkehrt, und wasche dich aufs neue in dem, was es bezeichnet. Und wenn du rein gewandelt bist, so danke dem, der dich gewaschen hat, denn auch das Reinwandeln ist nicht dein Verdienst, sondern seine Gabe. So wird die Taufe dir, wie die Väter sie verstanden, nicht zu einem Ruhekissen, auf dem du einschläfst, sondern zu einer Quelle, aus der du täglich schöpfst, bis du das eine erreichst, das alle Zeichen überflüssig macht: den Gott zu schauen, der dich besprengt hat mit reinem Wasser und der dich einst rein machen wird für immer.

Gebet

Herr, unser Gott, der du durch deinen Propheten verheissen hast, reines Wasser über uns zu sprengen und uns von all unserer Unreinheit und von allen unseren Götzen zu reinigen, wir preisen dich, dass du uns nicht uns selbst zum Waschen überlassen hast, sondern deinen Geist aus der Höhe ausgegossen und unser Gewissen mit dem Blut deines lieben Sohnes besprengt hast. Wir danken dir für die heilige Ordnung der Taufe und dass du ihre Gnade nicht von der Tiefe des Wassers und nicht von der Kraft unseres Fleisches abhängig gemacht hast, sondern uns in der Sanftheit des gegossenen und gesprengten Wassers begegnet bist, damit auch der Geringste und Schwächste deiner Geschöpfe das Zeichen deines Bundes empfangen darf. Wir bekennen dir, dass wir allzu oft auf der äusseren Waschung geruht und die innere Reinigung vergessen haben, und wir bitten dich, uns jene Reinigung wahrhaftig zu geben, das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung des Heiligen Geistes, die du reichlich über uns ausgiessest durch Jesus Christus, unseren Heiland. O Vater, der du uns erwählt hast, besprenge uns mit dem Blut deines Sohnes, dass wir mit wahrhaftigem Herzen hinzutreten in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und los von dem bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. O Geist, der du am Pfingsttag ausgegossen wurdest, giesse dich aufs neue über uns aus und mache unsere Seelen dem dürren Land gleich, das den Regen trinkt, damit wir Frucht bringen zum ewigen Leben. Gib uns, so bitten wir dich, eine zarte Milde gegen alle, die unseren Herrn Jesus Christus liebhaben, dass wir die geringeren Dinge nicht zu einer Mauer zwischen Brüdern machen, sondern die Einheit des Geistes bewahren im Band des Friedens. Und beschleunige, Herr, den Tag, da die Erkenntnis deiner Herrlichkeit die Erde bedecken wird, wie Wasser das Meer bedeckt, da viele unter den Völkern besprengt werden und die Erlösten des Herrn wiederkommen mit Jauchzen und ewiger Freude auf ihrem Haupt. Das bitten wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, des einen Gottes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
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