Andacht 150 von 171

Die Taufempfänger: Gläubige und ihre unmündigen Kinder

Ch.28: Of Baptism — Abschnitt 4 • 2026-09-22 • 30 min
Nicht nur diejenigen, die tatsächlich Glauben an Christus und Gehorsam ihm gegenüber bekennen, sondern auch die Säuglinge eines oder beider gläubigen Eltern sollen getauft werden.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 28, Abschnitt 4

Einleitung

Die Stimme des Pfarrers ist leise geworden, und die Gemeinde ist still. In seinen Armen liegt ein Kind, das noch nicht sprechen kann, das noch keine einzige Frage des Katechismus zu beantworten wüsste, das noch nicht einmal den Kopf aus der Decke zu heben vermag, in die es gewickelt ist. Es weiss nichts von den Verheissungen, die gleich über ihm ausgesprochen werden. Es kann nicht einen einzigen Laut des Glaubens bekennen, und es spürt das Wasser noch nicht, das bald seine Stirn berühren wird. Und doch ist der Taufstein bereitet, der dreieinige Name wird genannt, und auf dieses kleine Menschenkind wird das Zeichen des Bundes gelegt. Geliebte, wenn jemals eine einzige Handlung der Kirche die Christen entzweit hat, so ist es diese. Die einen, die zuschauen, halten sie für zart, aber für einen Irrtum, für einen Überrest aus einem Zeitalter, das noch nicht gelernt hatte, dass der Glaube eine Sache der eigenen, bewussten Entscheidung sein müsse. Die anderen halten sie für beinahe zauberhaft, als könne das Wasser allein eine Seele reinwaschen ohne ein einziges Wort der Busse. Beide Urteile verfehlen die Sache, und beide waren uralte Irrtümer, lange bevor die Versammlung der Westminster-Väter an ihr Werk ging. In einem einzigen, sorgfältig gebauten Satz räumten die Väter den Zweifel und den Aberglauben beiseite, und damit griffen sie nach etwas, das im innersten Herzen der Art liegt, wie Gott mit den Menschen umgeht. Er verkehrt nicht mit uns wie mit einzelnen Menschen, die jeder für sich allein zum Himmel hinaufklettern müssten. Er verkehrt mit uns in Familien, in Häusern, in Bünden, und von allem Anfang an haben die Kinder seines Volkes innerhalb dieses Bundes gestanden und nicht ausserhalb. Dieser Satz des Bekenntnisses ist kein gefühlvoller Nachtrag, den man der Lehre von der Taufe noch angehängt hätte. Er ist die notwendige Schlussfolgerung aus allem, was wir über den Gnadenbund und über das Sakrament der Einweihung bereits gelernt haben. Darum wollen wir ihn sorgsam betrachten.

Die biblischen Grundlagen

Wir beginnen, wo Petrus begann, am Pfingsttag, mit einem Wort, das man das Scharnier der ganzen Frage genannt hat. Die Menge hatte das Evangelium gehört, es war ihr ins Herz gedrungen, und sie rief aus, was sie tun solle. Petrus antwortete mit dem ganzen Rat des Bundes: »Tut Busse und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.« So weit könnte jeder reden, der die Kindertaufe verwirft. Aber Petrus blieb dabei nicht stehen. Er drängte weiter mit Worten, die bis in die Kinderstube hinabreichen: »Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheissung und aller, die ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.« Das kleine Wort Verheissung trägt das ganze Gewicht dieses Verses. Im Griechischen ist es epangelia, und jeder Jude in jener Menge wusste sehr wohl, welche Verheissung Petrus meinte. Es war die Verheissung, die Gott dem Abraham geschworen hatte, die Verheissung, die wie ein goldener Faden durch das ganze Alte Testament läuft: »Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, dass es ein ewiger Bund sei, sodass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin.« Gott war mit Abraham nie wie mit einer einsamen Seele umgegangen. Er hatte Abraham und seinen Samen in einem einzigen Bund zusammengebunden, und das Zeichen dieses Bundes, die Beschneidung, wurde an dem Knäblein vollzogen, als es acht Tage alt war, lange bevor es irgendetwas bekennen oder auch nur begreifen konnte. Nun steht Petrus vor einer neutestamentlichen Gemeinde und verkündigt mit dem Hauch des Heiligen Geistes noch frisch auf sich, dass die Verheissung nicht verengt, sondern erweitert worden ist: euer und eurer Kinder. Das griechische Wort, das mit Kinder wiedergegeben wird, ist tekna, und es meint die Nachkommen, die Kleinen, die nach euch kommen. Petrus sagt nicht, die Verheissung sei euch und euren Kindern gegeben, sobald sie alt genug geworden sind, sich selbst zu entscheiden. Er sagt, sie sei euch und euren Kindern gegeben, jetzt, weil sie eure Kinder sind und mit euch innerhalb des Bundes stehen. Als die Erwachsenen in jener Menge zu den Wassern der Taufe kamen, blieben die Kinder nicht am fernen Ufer zurück. Sie wurden mitgebracht, denn die Verheissung gehörte ihnen ebenso wie ihren Eltern. Paulus zieht denselben Schluss von einer anderen Seite, und er tut es mit einem Wort, das tausend Streitgespräche ausgelöst hat. Er schreibt an eine Gemeinde, in der der eine Ehegatte zum Glauben gekommen war, während der andere im Unglauben verharrte: »Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den gläubigen Mann. Sonst wären eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig.« Das Wort für heilig ist hagios, und hinter dem Geheiligtsein steht das Zeitwort hagiazō, aussondern, weihen, für Gott abscheiden. Paulus lehrt hier nicht, was Rom später daraus gemacht hat, dass nämlich ein gläubiger Elternteil das Kind durch irgendeine leibliche Übertragung der Gnade gleichsam von selbst wiedergebäre. Er lehrt auch nicht, jedes Kind eines Gläubigen sei gewiss erwählt. Was er lehrt, ist weit bescheidener und weit tröstlicher: Die Kinder auch nur eines gläubigen Elternteils nehmen eine besondere, bevorrechtigte Stellung ein. Sie stehen nicht ausserhalb des Bundes, in der Finsternis mit der Welt. Sie sind heilig, ausgesondert, in den Umkreis des Bundeshandelns Gottes hineingenommen, weil einer ihrer Eltern Gott gehört. Und wenn sie heilig sind, wenn sie durch ihre Geburt in ein gläubiges Haus bereits dem Herrn geweiht sind, dann ist es nichts Befremdliches, dass das Zeichen dieser Heiligkeit auf ihre Stirn gelegt wird. Die Frage ist nicht, ob solche Kinder getauft werden sollen, sondern mit welchem Recht irgendjemand es wagen dürfte, dem Kind des Bundes das Zeichen des Bundes vorzuenthalten, das ihm schon gehört. Dann ist da die Szene, die unser Herr selbst dargestellt hat, und sie ist der rührendste Beweis von allen. »Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte.« Lukas wählt hier ein genaues Wort, brephē, und es meint den Säugling an der Brust, das allerjüngste der Jungen. Das waren keine Kinder, die alt genug gewesen wären, zu Jesus hinzugehen und Fragen über das Reich zu beantworten. Es waren Säuglinge, auf den Armen ihrer Mütter getragen. Und als die Jünger sie in ihrem geistlichen Hochmut abweisen wollten, was tat der Herr? »Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.« Markus fügt hinzu, dass er über die Jünger unwillig wurde, und dass er sie herzte und die Hände auf sie legte und sie segnete. Bedenke, was das bedeutet. Das Reich Gottes gehört den Säuglingen, nach dem eigenen Wort unseres Herrn. Sie verdienen es nicht, sie verstehen es nicht, sie können nicht einmal darum bitten. Und doch sagt er, solchen gehöre das Reich, und legt seinen Segen auf sie. Wenn nun das Reich diesen Kleinen gehört, soll dann die Gemeinde Christi ihnen das Zeichen des Eingangs in dieses Reich verweigern? Wenn Christus seine Arme den Säuglingen geöffnet hat, sollen wir dann die Türe des Taufsteins vor ihnen verschliessen? Die Täufer der Reformationszeit antworteten mit einer Folgerichtigkeit, die die Jünger hätte erröten lassen: Lasst die Kinder warten, bis sie ihren eigenen Glauben bekennen können. Das Wort unseres Herrn steht noch immer im Bericht gegen sie: Wehret ihnen nicht. Ein weiterer Faden zieht sich durch die Apostelgeschichte, und er ist so still, dass wir ihn übersehen könnten, wenn wir nicht auf ihn achteten. Als Lydia, die Purpurhändlerin, in Philippi das Evangelium aufnahm, lesen wir, dass sie mit ihrem Hause getauft wurde. Als der Kerkermeister in derselben Nacht zum Glauben kam, lesen wir, dass er sie in derselben Stunde der Nacht zu sich nahm und ihnen die Striemen wusch, und dass er sich und alle die Seinen sogleich taufen liess. Das griechische Wort für Haus ist oikos, und in der alten Welt war das oikos kein leeres Wort. Es meinte die ganze Familie, die Eltern, die Kinder, die Knechte, die Säuglinge, alle, die unter einem Dach wohnten. Lukas sagt nicht, das Haus sei getauft worden mit Ausnahme der Kinder. Er sagt, das Haus, und er sagt, alle die Seinen. Die frühe Gemeinde verstand offenbar, dass, wenn das Haupt eines Hauses zu Christus kam, die Familie mit ihm in die sichtbare Kirche kam und das Zeichen des Bundes an dem ganzen oikos vollzogen wurde. Das ist kein Beweis, der auf Schweigen gebaut ist. Es ist ein Muster, das durch das ganze Gewebe des Neuen Testaments läuft: Gott handelt mit Familien, und der Glaube der Eltern trägt das Haus in den Bund hinein. Diese hausförmige Art des göttlichen Handelns ist keine Erfindung des neuen Bundes; sie ist die Maserung der biblischen Geschichte von ihren ersten Kapiteln an. Als die Flut über die Erde kam, sprach Gott nicht zu Noah, er solle allein in die Arche gehen, als wäre der Patriarch in der Einsamkeit zu retten. Er sprach: »Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus.« Die Bundesbarmherzigkeit, die auf dem Mann ruhte, reichte hin, sein ganzes Haus zu bedecken, und die Türe der Arche schloss sie alle miteinander ein. Dasselbe Muster galt, als der Befreier Israel aus Ägypten heraufführte, denn die Kleinen wurden nicht in der Finsternis zurückgelassen; sie zogen mit ihren Vätern hinaus unter dem Bundesblut des Passa. Nicht der Bund hat sich mit dem Kommen Christi geändert. Nur das Zeichen hat sich geändert, und das Zeichen hat seine Reichweite nicht auf die verengt, die für sich selbst sprechen können. Der Gott, der das Haus Noahs in die Arche schloss und der das Blut an die Türpfosten der Väter und ihrer Kinder strich, ist derselbe Gott, der nun zum gläubigen Elternteil sagt: Die Verheissung ist dir und deinen Kindern.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Westminster-Väter schrieben nicht ins Leere. Als sie diesen einen Satz niedersetzten, standen ihnen zwei lebendige Irrtümer vor Augen, der eine zur Linken, der andere zur Rechten, und der Satz ist so gebaut, dass er beiden antwortet. Auf der einen Seite standen die Täufer und ihre geistlichen Nachkommen, die darauf bestanden, die Taufe gehöre nur denen, die alt genug seien, einen persönlichen Glauben zu bekennen, und die die Taufe der Säuglinge eine Erfindung von Menschen nannten, ohne jede Grundlage im Wort Gottes. Gegen sie führten die Väter ins Feld, dass der Gnadenbund die Kinder der Gläubigen von jeher eingeschlossen habe, dass die Kinder des Bundes heilig seien durch ihre Bundesbeziehung, und dass das Zeichen des Bundes, wie auch immer seine äussere Gestalt sei, von jeher an dem Samen vollzogen worden sei. Die Beschneidung galt nicht den Erwachsenen allein. Sie galt dem acht Tage alten Säugling. Die Taufe ist an die Stelle der Beschneidung getreten als das Zeichen des Gnadenbundes, und was Gott unter der alten Ordnung an den Säuglingen zu vollziehen gebot, hat er unter der neuen Ordnung den Säuglingen nicht verboten. Das Kind eines Gläubigen wird nicht dadurch Glied der Kirche, dass es getauft wird; es wird getauft, weil es durch seine Geburt in ein gläubiges Haus bereits ein Glied des Bundes und der sichtbaren Kirche ist. Auf der anderen Seite stand Rom, das aus der Taufe eine Art Zaubermittel gemacht hatte, einen Ritus, der durch seine eigene, selbsttätige Kraft wirkte und dem Säugling durch den blossen Vollzug die Wiedergeburt mitteilte. Dagegen setzten die Väter ihr bedachtes Schweigen. Merke, was dieser Satz nicht sagt. Er sagt nicht, die Taufe gebäre den Säugling von neuem. Er sagt nicht, jedes getaufte Kind sei gewiss gerettet. Er sagt nur, die Säuglinge gläubiger Eltern sollen getauft werden, und er sagt das, weil die Taufe das Zeichen und Siegel des Bundes ist, nicht der Überbringer einer selbsttätigen Gnade. Das Kind wird in die sichtbare Kirche aufgenommen, und die Verheissungen des Bundes werden ihm versiegelt, aber ob diese Verheissungen innerlich und rettend an ihm wirksam werden, das ruht in dem verborgenen Ratschluss Gottes und wird zu seiner Zeit entfaltet. Das ist eben die Wahrheit, die der nächste Abschnitt dieses Kapitels eindringlich treiben wird, und die Väter haben ihren Samen schon hier gepflanzt: Das Zeichen ist nicht die bezeichnete Sache. Achte auch auf die Genauigkeit der Wendung »eines oder beider gläubigen Eltern«. Die Väter kannten den schweren Fall eines Hauses, in dem der eine Elternteil Christus vertraut und der andere nicht. Paulus hatte diesen Fall in Korinth schon entschieden: Der gläubige Ehegatte heiligt das Haus, und die Kinder sind heilig. Darum darf dem Kind auch nur eines gläubigen Elternteils das Zeichen nicht verweigert werden. Der Bundesanspruch des einen Gläubigen reicht über das ganze Haus. Und merke auf das Wort gläubig. Die Väter sagen nicht, die Säuglinge aller Eltern überall seien zu taufen, als sollte die Kirche die ganze Welt besprengen und es einen Bund nennen. Sie sagen auch nicht, die Säuglinge wiedergeborener Eltern, denn die Wiedergeburt ist eine verborgene Sache, die kein Pfarrer in eines anderen Menschen Herz lesen kann. Sie sagen: gläubige Eltern, solche, die Glauben an Christus und Gehorsam ihm gegenüber bekennen und deren Bekenntnis die Kirche sehen und prüfen kann. Das äussere Kennzeichen ist das Bekenntnis des Glaubens, und die Kinder derer, die bekennen, werden mit ihren Eltern in die sichtbare Kirche aufgenommen. Hier ist das nüchterne Gleichgewicht des westminsterischen Geistes: keine zauberhafte Wiedergeburt, aber ein wirklicher Bund; keine Taufe der ganzen Welt, aber eine Taufe der Bundesfamilie. Es liegt auch eine stille Würde in dem Wort Säuglinge. Die Väter wählten nicht das Wort Kinder und nicht das Wort Kleine, obwohl jedes hätte dienen können. Sie wählten Säuglinge, die Allerjüngsten, um den Beweis vollständig zu schliessen. Wenn das Zeichen des Bundes dem acht Tage alten Kind gehört, dann gibt es kein Alter, in dem es ihm rechtmässig verweigert werden dürfte, und kein Alter, in dem es zu jung wäre, es zu empfangen. Der Bund wartet nicht auf das Verstehen eines Kindes. Er umfängt es vom ersten Atemzug an.

Theologische Tiefe

Steigen wir nun tiefer hinab, denn dieser Satz, so kurz er auch ist, ruht auf dem Grund der Kirche, und die Lehrer des Glaubens haben uns hier einen reichen Schatz hinterlassen, den wir heben dürfen. Calvin hat im sechzehnten Kapitel des vierten Buches der Institutio denselben Beweis gegen die Täufer seiner eigenen Zeit mit einer Leidenschaft geführt, die in fast fünf Jahrhunderten nicht erkaltet ist. Er schliesst von dem unveränderlichen Wesen des Bundes selbst. Wenn Gott der Gott des Samens ist, dann sind die Kinder der Gläubigen nicht Fremdlinge des Bundes, sondern Erben, und dem Erben das Zeichen des Erbes vorzuenthalten, ist ein Unrecht gegen die Ordnung Gottes selbst. Sein treffendster Punkt ist den Worten des Paulus an die Korinther entnommen. Die Kinder der Gläubigen sind heilig, schreibt Calvin, nicht um ihres eigenen Glaubens willen, den sie noch gar nicht haben, sondern um der Bundesverheissung willen, in der sie mit ihren Eltern begriffen sind. Er fügt einen Tadel hinzu, der noch immer trifft: Wenn die Kinder heilig sind, mit welchem Recht behandeln wir sie als unheilig und schliessen sie aus der Kirche aus? Wenn der Bund Gottes den Kindern gemeinsam ist, fragt er, warum soll ihnen dann das Zeichen verweigert werden? Der Säugling wird nicht getauft, damit er ein Kind Gottes werde. Er wird getauft, weil er durch die Verheissung und durch die Geburt, die ihn in ein gläubiges Haus gestellt hat, bereits zu dem Volk Gottes gerechnet ist. Turretin liefert die strenge Unterscheidung, die die ganze Lehre davor bewahrt, nach der einen oder der anderen Seite abzugleiten. Zwischen dem blossen Bekenntnis des Täufers und der selbsttätigen Gnade Roms gibt es ein Drittes, das er die Bundesheiligkeit nennt. Das Kind der Gläubigen ist heilig, nicht mit einer innewohnenden, rettenden Heiligkeit, sondern mit einer Bundesheiligkeit: Es gehört zum Bund, es ist von der Welt ausgesondert, es steht unter der besonderen Hut und Verheissung Gottes. Turretin besteht darauf, dass diese Bundesheiligkeit der wahre Grund der Kindertaufe ist, und dass, wer sie mit der Wiedergeburt vermengt, in den Irrtum Roms fällt, während, wer sie leugnet, in den Irrtum der Schwärmer fällt. Das Zeichen versiegelt, was der Bund verheisst, und die Verheissungen des Bundes gehören dem Kind von der Wiege an. Hodge sammelt in seinem Kommentar zum Bekenntnis die Fäden der Schrift zu einer einzigen Schnur. Der Bund, so führt er aus, wird nicht mit einzelnen Menschen geschlossen, sondern mit einem Mann und seinem Haus; die Kirche ist von jeher eine Gemeinschaft von Familien gewesen; das Zeichen des Bundes hat darum von jeher den Kindern des Bundes gehört; und die Taufe, die unter der neuen Ordnung das Zeichen des Bundes ist, gehört den kindlichen Gliedern der Kirche ebenso, wie die Beschneidung den kindlichen Gliedern Israels gehörte. Hodge ist sorgfältig darin, die Grenze zu ziehen. Das Kind wird getauft, nicht auf den Grund seines eigenen Glaubens, denn den hat es nicht, sondern auf den Grund seiner Bundesbeziehung zu Gott durch seinen gläubigen Elternteil. Es wird als ein Erbe der Verheissung in die sichtbare Kirche aufgenommen, und die Kirche übernimmt dann vor Gott die Pflicht, es in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen, bis es den Glauben seiner Väter zu seinem eigenen macht. Owen fügt eine weitere Anmerkung hinzu, die der ganzen Sache Festigkeit gibt. Von eben jenem Wort im ersten Korintherbrief ausgehend, schliesst er, dass die Kinder der Gläubigen, da sie durch ihre Bundesbeziehung heilig sind, mit Recht zu den Gliedern der sichtbaren Kirche zu rechnen sind und darum mit Recht das Zeichen dieser Gliedschaft empfangen. Das Kind erhebt keinen Anspruch auf den Taufstein aus der Kraft seines eigenen Glaubens, der noch nicht geboren ist, und nicht aus der Kraft irgendeines ihm innewohnenden Wertes, denn es hat keinen. Es kommt aus der Kraft des Bundes, in dem sein gläubiger Elternteil steht. Owen hält die entscheidende Unterscheidung unverwischt, wie alle gesunden Ausleger es tun: Das Kind ist im Bund, und das genügt, seine Taufe zu rechtfertigen, während sein Heil das verborgene und souveräne Werk des Geistes bleibt, in der von Gott bestimmten Zeit. Der Elternteil darf das Kind mit reinem Gewissen zum Wasser bringen und dann das Übrige dem Gott anvertrauen, der allein das Zeichen wahr machen kann. Ein Wort noch, das uns in der Schweiz besonders nahegeht, denn eben hier ist der Streit um die Kindertaufe zuerst ausgefochten worden. Als in Zürich die Täufer auftraten und die Taufe der Säuglinge für Menschenwerk erklärten, traten ihnen Zwingli und nach ihm Bullinger entgegen, und in ihren Schriften wurde die Taufe der Kinder zu einer der frühesten und klarsten Antworten der Reformation. Zwingli bestand darauf, dass der Bund Gottes die Kinder ebenso umfasst wie die Erwachsenen, weil Gott der Gott des Samens ist, und Bullinger goss diese Überzeugung in das Zweite Helvetische Bekenntnis, das unser Schweizer Glaubensdokument geworden ist. Sie sahen, dass hinter der Frage nach der Kindertaufe eine tiefere Frage stand, ob die Gnade zuerst ein Werk des Menschen oder eine Gabe Gottes sei, und sie entschieden sie im Sinn der Gnade. Darum ist es keine ferne, fremde Streitigkeit, die uns hier beschäftigt; es ist ein Stück unserer eigenen Geschichte, und die Wahrheit, um die es geht, ist uns auf eigenem Boden teuer geworden.

Anwendung für das reformierte Leben

Was aber bedeutet dies alles für unser Herz, und wie sollen wir aus dieser Lehre leben? Sechs Punkte sind es, an denen wir uns prüfen können. Erstens: Achte auf die Zärtlichkeit Gottes gegen die Kleinen seines Volkes. Der Gott, der gebot, dass der acht Tage alte Sohn zum Bund gebracht werde, der Christus, der Säuglinge auf seine Arme nahm und sie segnete, hat sein Herz gegen die Kinder seines Volkes nicht geändert. Bist du ein gläubiger Elternteil, so sind deine Kinder nicht Fremdlinge der Gnade. Die Verheissung ist dir und deinem Samen. Bringe sie also zum Taufstein, nicht mit schwerem und bangem Herzen, sondern mit Freude und heiliger Hoffnung, denn du bittest Gott nicht, etwas zu tun, das seinem Wesen fremd wäre; du ergreifst einen Bund, den er selbst errichtet und zu halten geschworen hat. Die Frage ist nicht, ob dein Kleines die Barmherzigkeit verdient, denn niemand verdient sie, am wenigsten wir, die wir erwachsen sind und es besser wissen sollten. Die Frage ist, ob Gott verheissen hat, dir und deinen Kindern ein Gott zu sein, und er hat es verheissen. Zweitens: Wäge die Verpflichtung, die die Taufe auf dich legt. Das Zeichen ist kein Zauber, und dein Kind zum Taufstein zu bringen, heisst nicht, mit ihm fertig zu sein. Es heisst, dich vor Gott und seiner Kirche zu binden, es in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen, wie Paulus den Vätern gebietet. Das Wasser auf seiner Stirn ist dein eigenes feierliches Gelübde: dass du ihm das Wort lehren, dass du täglich über ihm beten, dass du es an der Hand zum Kreuz führen wirst, bis zu dem Tag, an dem es das Kreuz für sich selbst ergreift. Ein getauftes Kind, das der Welt überlassen wird, ist ein gebrochener Bund, und das Gericht darüber trifft zuerst die Eltern. Hüte dich vor der feinsten aller Vermessenheiten, die dir zuflüstert, das Kind sei, weil es getauft ist, in Sicherheit und bedürfe keiner weiteren Sorge. Das Zeichen rettet nicht. Es verpflichtet. Es ruft dein Kind zu eben dem Glauben, den du bekennst, und es ruft dich, das Werkzeug dieses Rufes zu sein. Jeder Sonntag, jedes Familiengebet, jede Antwort, die du auf die Frage eines Kindes gibst, sei die Frucht des Gelübdes, das du am Taufstein abgelegt hast. Drittens: Es liegt Trost im Bund für den trauernden und bangenden Elternteil. Es gibt Väter und Mütter, die nachts wach liegen um der Seelen ihrer Kinder willen und sich fragen, ob ihre Kleinen in der Arche sind. Zu solchen redet der Bund Frieden. Es hat Gott gefallen, deine Kinder in den Kreis seiner Verheissung zu stellen, sie heilig zu nennen, sie unter die sichtbaren Glieder seiner Gnade zu zählen. Das ist kein Grund zur Vermessenheit, aber es ist ein Grund zur Hoffnung, und das ist keine geringe Sache. Du darfst den Bund vor dem Thron der Gnade als ein Wort an Gott selbst geltend machen: Herr, du hast gesagt, die Verheissung sei mir und meinen Kindern; tue, wie du gesagt hast. Für den Elternteil, der ein Kleines ins Grab gelegt hat, ist diese Wahrheit ein Kissen im Tal des Schattens. Wir massen uns nicht an, den verborgenen Ratschluss Gottes zu lesen, aber wir dürfen unsere Kinder des Bundes dem Gott anvertrauen, der den Bund hält, und ruhen in der Barmherzigkeit dessen, der die Lämmer in seine Arme sammelte und sie segnete. Viertens: Wir dürfen die Sünde nicht übergehen, die darin liegt, die Ordnung zu verachten. Der nächste Abschnitt dieses Kapitels wird erklären, dass es eine grosse Sünde ist, die Taufe zu verachten oder zu vernachlässigen. Wenn die Kinder der Gläubigen getauft werden sollen, dann sündigt der Elternteil, der sein Kind willentlich vom Taufstein fernhält oder der das Zeichen wie eine gleichgültige Zeremonie behandelt, die man immer weiter aufschieben kann, gegen die Ordnung Gottes und gegen den Gnadenbund. Er beraubt sein Kind des Zeichens der Verheissung, er beraubt die Kirche eines Gliedes, und er behandelt als gering, was Gott geheiligt hat. Das ist keine Sache des Geschmacks und keine Sache der kirchlichen Sitte. Es ist ein Akt des Gehorsams oder des Ungehorsams gegen den geoffenbarten Willen Gottes. Durchforsche darin dein eigenes Herz. Wenn Gott dir Kinder gegeben hat und du seinen Namen bekennst, hast du sie zum Bund gebracht? Und wenn du es nicht getan hast, was sagt dein Zögern über deine Liebe zu ihren Seelen? Fünftens: Lass die Taufe der Säuglinge ein Zeugnis wider die Vereinsamung sein, die unser Zeitalter beherrscht. Die Apostelgeschichte berichtet, dass, als der Kerkermeister glaubte, sein ganzes Haus getauft wurde, er und alle die Seinen. Gott will, dass unsere Häuser kleine Kirchen seien, unsere Familien Pflanzschulen der Gnade, unsere Tische Orte, an denen der Glaube der Eltern zu den Kindern überfliesst. Die Kindertaufe ist ein bleibender Einspruch gegen die Ichbezogenheit unserer Zeit, die jeden Menschen allein vor Gott stellen will. Sie verkündigt, dass Gott noch immer mit Häusern handelt, dass der Glaube eines Vaters und einer Mutter eine ganze Generation in den Bund tragen kann und dass ein gläubiges Haus evangelisiert wie sonst nichts auf Erden. Verachte die Kinderstube nicht, als wäre das grosse Werk des Reiches nur auf der Kanzel zu tun. Der Bundesgott, der die Säuglinge auf den Armen ihrer Mütter segnete, wirkt noch immer in den Wiegen seines Volkes und sammelt seine Gemeinde von Geschlecht zu Geschlecht, ein Haus nach dem anderen. Sechstens und zuletzt: Vergiss nicht, dass das getaufte Kind selbst zum Glauben gerufen ist, und bete darum, dass das Zeichen in ihm zur Sache werde. Die Taufe ist kein Ersatz für den Glauben; sie ist seine Einladung und seine Verpflichtung. Es gibt nichts Traurigeres als ein Kind, das in einem gläubigen Haus getauft und erzogen wurde und dann den Bund seiner Taufe verlässt, und nichts Herrlicheres als eines, das zu dem Gott kommt, in dessen Namen es einst gewaschen wurde. Darum lass dein Herz täglich zu Gott aufsteigen, dass der Geist an deinen Kindern tue, was das Wasser nur bezeichnet hat: dass er sie von neuem gebäre, ihren Glauben entzünde, ihre Herzen der Sünde sterben und dem neuen Leben dienen lasse. Das Zeichen auf der Stirn eines Kindes ist ein Gebet, das die Kirche noch nicht zu Ende gesprochen hat, und es wird erst dann zur Ruhe kommen, wenn der, der die Lämmer in seine Arme nahm, sie in Ewigkeit nicht mehr loslässt.

Gebet

O Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der du deinem Knecht und seinem Samen ein Gott gewesen bist, wir preisen dich für den Bund, den du mit uns und mit unseren Kindern geschlossen hast. Wir danken dir, dass die Verheissung nicht uns allein gilt, sondern unseren Nachkommen, und dass es dir gefallen hat, die Kleinen deines Volkes zu den Gliedern deiner sichtbaren Kirche zu zählen. Du, der du die Säuglinge auf deine Arme nahmst und die Hände auf sie legtest und sie segnetest, wir bringen dir unsere Kinder nun, denn sie sind dein. Wir haben sie mit dem Zeichen des Bundes gezeichnet, aber das Wasser kann die Seele nicht waschen; das vermag nur dein Geist. Gib, o Herr, dass die Kinder dieser Gemeinde nicht in dem Zeichen ruhen, sondern zu der bezeichneten Sache kommen, zu dem Blut Jesu Christi, das von aller Sünde reinigt. Gib den Eltern dieser Kleinen Gnade, das Gelübde zu halten, das sie am Taufstein abgelegt haben, zu lehren, zu beten, zu warnen und zu werben, bis ihre Kinder dich selbst erkennen. Wo der Glaube schwach ist, stärke ihn; wo ein Haus gespalten ist, sei du der Bundesgott des gläubigen Teils und heilige das Haus; wo ein Elternteil um ein Kind trauert, sei du der Hirte, der die Lämmer mit seinem Arm sammelt und sie in seinem Schoss trägt. Wir bekennen dir, dass wir deine Ordnung allzu oft leicht behandelt und allzu oft der äusseren Form vertraut haben, während das Herz ungerufen blieb. Vergib uns und mache uns treu in unserem Geschlecht. Und beschleunige, o Herr, den Tag, an dem alle unsere Kinder von dir gelehrt sein werden, und gross wird ihr Friede sein. Durch Jesus Christus, der von einer Frau geboren ward und die kleinen Kinder auf seine Arme nahm. Amen.
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