Andacht 151 von 171

Der Grund der Kindertaufe: Der Bund erstreckt sich auf die Kinder

Ch.28: Of Baptism — Abschnitt 5 • 2026-09-23 • 32 min
Obwohl es eine grosse Sünde ist, diese Einsetzung zu verachten oder zu vernachlässigen, so sind doch Gnade und Heil nicht so unzertrennlich mit ihr verbunden, dass niemand ohne sie wiedergeboren oder gerettet werden könnte oder dass alle Getauften unzweifelhaft wiedergeboren wären.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 28, Abschnitt 5

Einleitung

Es stehen zwei Männer am Ende ihres Weges, und keiner von beiden weiss, was der nächste Atemzug bringen wird. Der eine hängt an einem Kreuz auf einem Hügel vor den Toren Jerusalems, ein Verbrecher, der sein Leben verwirkt hat und der nun in seinen letzten Stunden ein Wort der Gnade von dem Mann neben ihm erbittet. Er ist nie getauft worden. Kein Wasser hat je seine Stirn berührt, kein Diener hat je über ihm den dreieinigen Namen genannt, kein Zeichen des Bundes ist je auf ihn gelegt worden. Und doch hört er aus dem Mund des Herrn, der neben ihm leidet, die Verheissung, die alle Verheissungen übersteigt: »Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.« Der andere Mann steht nicht auf einem Hügel, sondern in einer Stadt, und er kniet nicht unter einem Kreuz, sondern vor einem Prediger. Er hat das Evangelium gehört, er hat es angenommen, er hat geglaubt, und er ist getauft worden, mit Wasser, in der Ordnung, die Christus eingesetzt hat. Und doch, als der Apostel Petrus ihn durchschaut, fällt über ihn kein Segenswort, sondern ein Wort, das durch Mark und Bein geht: »Dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. Denn ich sehe, dass du voll bitterer Galle bist und verstrickt in Ungerechtigkeit.« Geliebte, in diesen beiden Männern liegt die ganze Wahrheit beschlossen, die der Satz des Bekenntnisses vor uns ausbreitet, und wer sie begreift, der ist gerettet vor zwei Abgründen, die zu beiden Seiten der Lehre von der Taufe aufgerissen sind. Auf der einen Seite der Aberglaube, der aus dem Wasser einen Zauber macht und meint, wer getauft sei, der sei ohne weiteres wiedergeboren, wie das Eisen den Funken nicht spürt, der es erhitzt. Auf der anderen Seite die Verachtung, die das Zeichen gering achtet, weil es ja doch nur Wasser sei, und die darüber vergisst, dass der, der die Ordnung eingesetzt hat, es eine grosse Sünde nennt, sie zu verachten. Zwischen diesen beiden Abgründen führt der schmale Weg des Glaubens, und die Westminster-Väter haben ihn in einem einzigen, sorgfältig abgewogenen Satz abgesteckt. Er ist das letzte, fein ausgewogene Gleichgewicht dieses Kapitels, und er verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Darum lasst uns ihn nun Wort für Wort betrachten, mit dem Ernst, der ihm gebührt, und mit dem Trost, den er birgt.

Die biblischen Grundlagen

Der Beweis der Schrift für diesen Abschnitt ruht auf einer einfachen, zweischneidigen Tatsache, die wir nicht wegdiskutieren dürfen: Das Wasser der Taufe hat Menschen bespritzt, die verloren gingen, und das Wasser der Taufe hat Menschen nie berührt, die gerettet wurden. Beides steht in der Schrift, beides ist von Gott berichtet, und beides muss unser Denken über das Zeichen reinigen. Wir wollen zuerst die eine Seite betrachten, dann die andere, und dabei der Schrift das erste und das letzte Wort lassen. Beginnen wir mit dem erschreckenden Beweis, den das Neue Testament bietet, dass das Zeichen nicht die Sache verbürgt. Paulus schreibt an die Korinther, und er greift zurück in die Geschichte Israels, um seine Gemeinde zu warnen: »Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit darüber lassen, dass unsre Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durchs Meer gegangen sind; und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus.« Nun halte inne und spüre, wie Paulus das Wort alle wiederholt, als wolle er jeden Ausweg verriegeln. Alle waren unter der Wolke, alle gingen durchs Meer, alle wurden auf Mose getauft, alle assen dieselbe geistliche Speise, alle tranken aus demselben geistlichen Felsen, und dieser Fels war Christus selbst. Wenn irgendein Zeichen hätte retten können, dann dieses. Es war die Taufe eines ganzen Volkes, und der geistliche Trank, den sie alle empfingen, war der Herr selbst. Und nun kommt das Wort, das wie ein Blitz in diese Versammlung der Getauften fährt: »Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.« Die meisten. Nicht einige Verirrte am Rand, sondern die meisten. Sie waren getauft, sie hatten gegessen und getrunken, und doch hatte Gott kein Wohlgefallen an ihnen. Das Zeichen hatte sie berührt, die Sache hatte sie nie ergriffen. Wenn es je einen Beweis aus der Schrift gab, dass die Taufe keine unwiderstehliche, selbsttätige Wiedergeburt wirkt, so ist es dieser. Nun treten wir näher heran, in die Apostelgeschichte selbst, wo derselbe Schatten über einen einzelnen Getauften fällt. In der Stadt Samaria hatte Philippus das Evangelium gepredigt, und unter denen, die glaubten und getauft wurden, war ein Mann namens Simon, der zuvor Zauberei getrieben hatte. Lukas berichtet es ohne Umschweife: »Da wurde auch Simon gläubig und liess sich taufen und hielt sich zu Philippus.« Hier ist alles beisammen, was der Aberglaube fordern könnte: Glaube, Taufe, Anschluss an die Gemeinde. Und doch, als Simon später mit Geld die Gabe Gottes kaufen wollte, durchschaute Petrus ihn bis auf den Grund: »Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. Darum tu Busse für diese deine Bosheit und flehe zum Herrn, ob dir das Trachten deines Herzens vergeben werden könne. Denn ich sehe, dass du voll bitterer Galle bist und verstrickt in Ungerechtigkeit.« Simon war getauft, und Simon war nicht wiedergeboren. Das Wasser hatte seine Haut berührt, aber nicht sein Herz. Er stand als Getaufter vor dem Apostel, und der Apostel musste ihn zur Busse rufen, als wäre er nie gewaschen worden. Das ist der eine Rand der Wahrheit, und wir dürfen ihn nicht beschönigen: Die Taufe rettet niemanden durch den blossen Vollzug, und der getaufte Schein ist noch kein Glaube. Nun wenden wir das Blatt, denn dieselbe Schrift, die den getauften Simon im Zorn verloren zeigt, zeigt uns einen ungetauften Mann im Reich. Als Petrus im Haus des Kornelius zu Cäsarea das Evangelium predigte, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten, mitten in die Predigt hinein, bevor noch ein Tropfen Wasser geflossen war. Die Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, denn die Gabe des Geistes war ausgegossen auf die Heiden, und Petrus musste fragen, was kein Gesetz ihm erlaubte zu fragen: »Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir?« Merke die Reihenfolge, denn sie ist die ganze Predigt dieses Satzes. Zuerst der Geist, dann das Wasser. Zuerst die Wiedergeburt, dann das Zeichen. Der Geist war nicht an das Wasser gebunden; er kam, wann und wo es ihm gefiel, und das Wasser folgte ihm nach wie der Diener seinem Herrn. Wenn der Geist vor der Taufe kommt, so beweist er, dass er der Taufe nicht unterworfen ist, und dass die Gnade, die er bringt, nicht in dem Wasser wohnt, sondern in ihm selbst. Und was für Kornelius im Hause des Heiden galt, das galt in voller Herrlichkeit für den Verbrecher auf dem Hügel. Der Schächer am Kreuz ist der lebendige Beweis, dass Gott retten kann ohne Taufe, denn er wurde gerettet in derselben Stunde, in der er starb, und kein Wasser berührte ihn auf dem Weg ins Paradies. Luther hat es einmal schlicht ausgesprochen: Gott ist nicht an die Sakramente gebunden, wenn er will. Wir dürfen diesen Gedanken nicht zu einem Einwand gegen die Taufe verkehren, denn Gott hat die Ordnung eingesetzt und geboten, sie zu halten, und wer sie verachtet, versündigt sich schwer. Aber wir müssen ihn festhalten gegen den Aberglauben, der Gott an seine eigenen Mittel fesseln will. Der Schächer beweist, dass die Gnade auch da rettet, wo das Zeichen nicht hinkommt, weil die Gnade in dem Herrn wohnt und nicht in dem Wasser. Dann ist da ein Wort des Herrn selbst, das beide Seiten zugleich hält und das wir wie ein Siegel über diese ganze Lehre legen können. Beim Abschied sprach er: »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.« Achte auf die zweite Hälfte, denn in ihr liegt der Schlüssel. Der Herr hängt die Verdammnis nicht an das fehlende Wasser, sondern an den fehlenden Glauben. Nicht, wer nicht getauft ist, wird verdammt, sondern wer nicht glaubt. Das Wasser ist ein Gehorsamsweg, den Gott geboten hat, und der Glaube ergreift ihn willig; aber was rettet und was verdammt, das ist am Ende der Glaube und der Unglaube allein. Das Zeichen kann dem Glauben nichts hinzufügen, was ihm fehlt, und der Glaube kann das Zeichen mit der rechten Frucht erfüllen, aber die Wurzel des Lebens ist weder im Wasser noch im Ritus, sondern in dem Glauben, der Christus selbst ergreift. Ein letztes Wort der Schrift legt die Sache bis auf den Grund offen, und es steht im ersten Brief des Petrus. Der Apostel spricht von der Arche, in der acht Seelen gerettet wurden, und fügt hinzu: »Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.« Das Wort, das Luther mit Vorbild wiedergibt, ist im Griechischen antitypos, das Gegenbild, und es lehrt uns, dass die Wasser der Sintflut nur ein Schatten dessen waren, was im Wasser der Taufe bezeichnet wird. Und das Wort, das mit der Bitte an Gott übersetzt ist, heisst eperōtēma, und es meint die feierliche Frage und Antwort, den Ruf eines Herzens, das durch die Auferstehung Christi zu Gott flieht und ihn um ein reines Gewissen anruft. Petrus sagt nicht, die Taufe sei ein Zauberbad, das den Schmutz des Fleisches abwäscht. Er sagt das Gegenteil, und er sagt es mit einer Genauigkeit, die wir nicht verwischen dürfen. Die Taufe rettet, ja, aber nicht durch das Abwaschen des Schmutzes am Leib, sondern durch dieses eperōtēma, durch die Bitte des Glaubens, durch die Zuflucht eines Herzens, das die Auferstehung Christi ergreift. Das Wasser ist das äussere Zeichen, die Bitte des Glaubens ist die innere Sache, und die Sache, nicht das Zeichen, greift in den Himmel. Damit ist das Fundament gelegt, auf dem der Satz des Bekenntnisses steht, und wir können nun der Absicht nachgehen, die die Väter bei seiner Abfassung bewegte.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Westminster-Väter schrieben diesen Satz mit dem ruhigen Blick dessen, der zwei Kämpfe zugleich sieht und mit einem einzigen Wort beide entscheiden will. Sie standen zwischen zwei Irrtümern, die einander auf den ersten Blick feindlich gegenüberstehen und die doch, wie so oft, die entgegengesetzten Enden derselben einen Verirrung sind, der Verirrung nämlich, das Zeichen mit der Sache zu vermengen. Auf der einen Seite stand Rom. Die römische Lehre hatte aus der Taufe ein Mittel gemacht, das durch den Vollzug selbst wirkt, ein Sakrament, das die Gnade mit sich führt und dem Täufling die Wiedergeburt mitteilt, sofern ihm nur kein Hindernis im Wege steht. Der Gelehrte nennt das mit dem lateinischen Wort ex opere operato, durch das vollzogene Werk, und es bedeutet, dass die Kraft nicht im Glauben des Empfängers liegt und nicht im Herzen des Spenders, sondern in der Handlung selbst, wie ein Siegel, das von selbst drückt, sobald man es auf das Papier legt. Gegen diese Lehre erhebt der Satz des Bekenntnisses sein ruhiges »nicht so unzertrennlich«. Die Väter wollten mit dieser Wendung eine Tür zuschlagen, die Rom offen gelassen hatte, die Tür nämlich, durch die der Aberglaube in die Kirche tritt. Sie lehren, dass Gnade und Heil nicht an das Wasser gekettet sind, dass nicht jeder Getaufte ohne weiteres wiedergeboren ist, und dass es gerettete Menschen geben kann, die nie getauft wurden. Damit verwerfen sie nicht die Taufe, sondern den Zauber, den Menschen aus ihr gemacht hatten, und sie tun es mit der Nüchternheit von Männern, die die Schrift über die Überlieferung stellen. Auf der anderen Seite standen die Schwärmer und die Täufer und, in einer späteren Zeit, die stilleren Verächter, die aus der Wahrheit, dass das Zeichen nicht die Sache ist, den Schluss zogen, das Zeichen sei darum nichts. Sie hatten recht darin, dass das Wasser keine Wiedergeburt wirkt; sie irrten darin, dass sie darum das Wasser verwarfen. Gegen sie spricht der erste Teil des Satzes mit einer Schärfe, die wir nicht mildern dürfen: »Obwohl es eine grosse Sünde ist, diese Einsetzung zu verachten oder zu vernachlässigen.« Die Väter nennen es eine grosse Sünde. Nicht eine Kleinigkeit, nicht einen Geschmacksfehler, nicht eine Sache der kirchlichen Freiheit, sondern eine grosse Sünde, eine Sünde gegen den, der die Ordnung eingesetzt hat. Wer die Taufe verachtet, der verachtet den Befehl Christi, der sie gebot, und wer die Taufe vernachlässigt, der vernachlässigt ein Mittel, das Gott seiner Kirche zur Stärkung des Glaubens gegeben hat. Zwischen dem Zauber Roms und der Gleichgültigkeit der Schwärmer ziehen die Väter eine gerade Linie, und auf dieser Linie steht der Glaube, der das Zeichen ehrt, weil Gott es einsetzte, und der dem Zeichen nicht mehr zuschreibt, als Gott ihm gab. Achte auch auf die zwei Worte, die der Satz gebraucht: verachten und vernachlässigen. Sie meinen nicht dasselbe, und die Väter wollten beide decken. Verachten heisst, das Sakrament aus Hochmut verwerfen, es für überflüssig erklären, es gering achten, wie die Schwärmer taten, die das Wasser eine leere Zeremonie nannten. Vernachlässigen heisst etwas Weicheres und darum Gefährlicheres: das Sakrament auf die lange Bank schieben, es nicht mehr für nötig halten, es aus Nachlässigkeit und Trägheit versäumen, während man doch weiss, dass es geboten ist. Es gibt mehr getaufte Heiden durch Vernachlässigung als durch Verachtung. Der eine verwirft das Wasser mit erhobener Faust, der andere lässt es ruhig stehen, weil er sich nicht die Mühe macht. Beide nennt der Satz eine grosse Sünde, und damit schärft er uns ein, dass es vor Gott nicht gleichgültig ist, wie wir mit seinen Einsetzungen umgehen. Und nun das Herz des Satzes, die feine Mitte, um die alles kreist: Gnade und Heil sind nicht so unzertrennlich mit der Taufe verbunden, dass niemand ohne sie gerettet werden könnte, noch dass alle Getauften unzweifelhaft wiedergeboren wären. Die Väter sagen nicht, die Taufe habe nichts mit der Gnade zu tun. Sie sagen nur, die Verbindung sei nicht so unzertrennlich, wie Rom behauptete. Das kleine Wörtchen so trägt die ganze Präzision dieses Satzes. Es gibt eine Verbindung zwischen Taufe und Gnade, und sie ist wirklich und kostbar; aber sie ist nicht die Verbindung von Ursache und Wirkung, nicht die Verbindung eines Zaubers, der mit innerer Notwendigkeit wirkt. Sie ist die Verbindung von Zeichen und Sache, von Siegel und Besiegeltem, von der Tür und dem Raum, in den sie führt. Das Zeichen weist auf die Gnade, das Siegel versiegelt die Verheissung der Gnade, aber weder das Zeichen noch das Siegel ist die Gnade selbst. Darum kann ein Mensch getauft sein und doch verloren gehen, wie Simon, und ein Mensch gerettet werden, ohne getauft zu sein, wie der Schächer. Das ist kein Widerspruch gegen die Taufe, sondern ihre rechte Ehre: Sie ist das Zeichen, nicht die Sache, und wer das verwechselt, verliert beides.

Theologische Tiefe

Steigen wir nun hinab in die Werkstatt der Lehrer, denn dieser kurze Satz ist die Frucht eines langen Ringens, und die Männer, die vor uns gekämpft haben, haben uns hier Waffen hinterlassen, die noch nicht stumpf geworden sind. Calvin hat diese Unterscheidung, die das ganze Kapitel trägt, mit einer Klarheit gezeichnet, die in fast fünf Jahrhunderten nicht verblasst ist. Im fünfzehnten Kapitel des vierten Buches der Institutio, wo er von der Taufe handelt, besteht er darauf, dass das Sakrament weder eine leere Zeremonie ist noch ein selbsttätiger Zauber, und er legt den Unterschied zwischen dem Zeichen und der bezeichneten Sache offen, als wäre er ein Landvermesser, der eine Grenze absteckt. Das Wasser, so lehrt er, reinigt nicht durch seine eigene Kraft, sondern der Geist Gottes ist es, der durch das Wasser das Herz erreicht, und zwar nur da, wo es ihm gefällt. Gegen Rom wendet er ein, dass das Sakrament ohne den Geist nichts ausrichtet, wie die Glocke nicht läutet ohne die Hand, die sie zieht; gegen die Schwärmer, dass das Sakrament nicht darum nichts ist, weil es ohne den Geist nichts ausrichtet, denn Gott hat es zum Kanal seiner Gnade gemacht und will, dass wir es in Demut gebrauchen. Er fasst es in einem Satz zusammen, der die ganze Lehre trägt: Die Kraft liegt nicht im Wasser, sondern im Geist, und der Geist bindet seine Kraft nicht an das Wasser, sondern an sein eigenes freies Wohlgefallen. Der Heidelberger Katechismus, der unserem Schweizer Glauben so nahe steht, hat denselben Gedanken in die Frage gegossen, die jede Generation von Kindern auswendig lernt: »Macht denn das äussere Wasserbad die Sünden ab?« Und die Antwort, die Ursinus niederschrieb, ist so scharf wie ein Schwert: »Nein, denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reinigt uns von allen Sünden.« Hier ist die Grenze des Abschnitts in zwei Zeilen gezeichnet. Nicht das Wasser wäscht, sondern das Blut; nicht der Ritus erneuert, sondern der Geist. Und doch fügt der Katechismus sogleich hinzu, warum der Heilige Geist uns dieses äussere Wasserbad eingesetzt hat und warum Christus uns gebietet, es zu gebrauchen: damit er uns versichere, dass wir ebenso gewiss durch den Geist von der Sünde gewaschen sind, wie wir gewiss mit dem Wasser gewaschen werden. Das Zeichen verbürgt nicht die Sache durch seine eigene Kraft; es versichert uns der Sache durch die Verheissung, an die es gebunden ist. Wer das begreift, der hat den Aberglauben hinter sich und die Gleichgültigkeit vor sich und steht in der Mitte, wo der Glaube wohnt. Watson bringt die Wahrheit mit dem Gleichnis, das dem Herzen am nächsten kommt. Er erinnert daran, dass ein Siegel auf ein leeres Blatt gedrückt werden kann und doch nichts besiegelt, weil kein Wort darauf geschrieben steht. So ist die Taufe ein Siegel, aber sie versiegelt nur, was der Geist zuvor ins Herz geschrieben hat. Wo kein Glaube ist, da ist das Siegel wie ein Stempel auf Wasser, der keine Spur zurücklässt; wo der Glaube ist, da besiegelt es die Verheissung, die der Glaube ergriffen hat. Watson schärft uns ein, dass wir nicht auf das Wasser bauen dürfen, als wäre es ein Ruhekissen, sondern auf den, auf den das Wasser weist, denn das Zeichen hat keinen Wert in sich selbst, sondern nur in dem, worauf es zeigt, wie der Wegweiser nicht die Stadt ist, sondern nur der Finger, der auf sie deutet. à Brakel, der die ganze Heilige Schrift und die ganze Lehre von den Sakramenten mit seelsorgerlicher Sorgfalt durchschritten hat, fügt eine Mahnung hinzu, die wir in unserem Herzen bewegen sollen. Er warnt vor dem feinsten aller Betrüge, der darin besteht, dass ein getaufter Mensch, der sein ganzes Leben lang im Unglauben verharrt, sich mit dem Gedanken tröstet, er sei doch getauft und darum gewiss ein Kind Gottes. Das, sagt à Brakel, ist der Weg, auf dem das Zeichen zur Decke wird, unter der ein totes Herz schläft. Die Taufe ist kein Beweis der Wiedergeburt, sondern eine Verpflichtung zur Wiedergeburt; sie ruft den Getauften zu dem Glauben, den er nicht hat, und wo dieser Ruf ein Leben lang ungehört bleibt, da wird das Zeichen am Tag des Gerichts gegen den Getauften zeugen, wie das Zeichen der Beschneidung einst gegen das unbeschnittene Herz Israels zeugte. Und doch verschweigt er den Trost nicht: Wo der Geist sein Werk getan hat, da darf der Gläubige auf seine Taufe zurückgehen als auf ein Siegel Gottes, das ihm in jeder Anfechtung versichert, dass die Verheissung gewiss ist. Bavinck endlich sammelt die ganze Lehre in die grosse dogmatische Ordnung, in der sie ruht. Er zeigt, dass die Taufe ein Zeichen und Siegel des Gnadenbundes ist, und dass in einem Bunde das Zeichen nie mit der bezeichneten Sache zusammenfällt, denn dann wäre es kein Zeichen mehr, sondern die Sache selbst. Zwischen Zeichen und Sache bleibt ein Abstand, den nur der Glaube überbrückt und den nur der Geist schliesst. Darum kann das Sakrament retten und doch nicht retten: Es rettet den Glaubenden, dem der Geist die Sache darreicht, und es rettet nicht den Ungläubigen, dem das Zeichen zur leeren Hülse wird. Bavinck warnt, wie alle gesunden Lehrer, vor beiden Abwegen, und er führt uns zu dem einen festen Punkt, auf dem alles steht: nicht auf dem Wasser, nicht auf dem Ritus, nicht auf dem Diener, sondern auf Christus allein, den das Zeichen verkündigt und den der Geist ins Herz trägt, wo und wann es ihm gefällt. Und weil wir in der Schweiz stehen, sei ein Wort noch gesagt, das uns auf eigenem Boden begegnet. Das Zweite Helvetische Bekenntnis, das Bullinger für die Kirchen unserer Heimat niederschrieb, lehrt ausdrücklich, dass die Sakramente nicht durch den blossen Vollzug wirken und dass nicht alle, die getauft sind, die Sache der Taufe empfangen. Damit hat die alte Zürcher Kirche dieselbe Grenze gezogen, die der Westminster-Satz zieht, lange bevor die Westminster-Väter sich versammelten. Die Wahrheit, die wir hier betrachten, ist kein fremdes Gut, das wir erst einführen müssten; sie ist das Erbe, das uns die Väter unseres eigenen Glaubens hinterlassen haben, und wir verraten sie nur, wenn wir nach der einen oder der anderen Seite abgleiten.

Anwendung für das reformierte Leben

Was aber bedeutet dies alles für unser Herz, und wie sollen wir aus dieser Lehre leben? Sechs Punkte sind es, an denen wir uns prüfen können. Erstens: Hüte dich vor dem Aberglauben, der dem Wasser mehr zuschreibt, als Gott ihm gab. Es ist die älteste und zäheste Versuchung des Menschen, aus dem Zeichen eine Wunderkraft zu machen, die von selbst wirkt. Der getaufte Heide, der sich auf seine Taufe verlässt, während sein Herz Gott nie geliebt hat, ist ein gewöhnlicherer Anblick, als wir wahrhaben wollen. Ein ganzes Volk wurde in der Wolke und im Meer getauft, und an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen. Frage dich darum, nicht ob du getauft bist, sondern ob du wiedergeboren bist. Das Wasser ist auf deiner Stirn gewesen, aber hat das Blut dein Gewissen berührt? Der Name des dreieinigen Gottes ist über dir genannt worden, aber hast du dich ihm je hingegeben? Wenn das Zeichen allein dich trüge, so könnte ein Stück Papier mit einem Siegel dich ebenso gut vor Gott rechtfertigen. Nicht die Taufe rettet, sondern der, auf den sie weist, und dein Heil hängt nicht daran, was einst an dir geschah, sondern daran, was jetzt in dir lebt. Zweitens: Hüte dich ebenso vor der Verachtung, die das Zeichen gering achtet. Es gibt eine feine Sünde, die sich in das Gewand der Frömmigkeit kleidet und flüstert, das Äussere sei doch nichts, die Ordnung sei doch nur Form, das Wasser sei doch nur Wasser. Diese Stimme hat recht darin, dass das Wasser allein nichts ist; sie irrt darin, dass sie daraus schliesst, das Wasser sei nichts wert. Gott hat die Taufe eingesetzt, Christus hat sie geboten, der Geist hat sie geheiligt, und der, der sie verachtet, verachtet nicht Wasser, sondern den, der sie gebot. Wenn du ungetauft bist, obwohl du glaubst, so eile, das Zeichen zu empfangen, nicht als ein Werk, das dich rechtfertigt, sondern als einen Gehorsam, der deinen Glauben bekennt. Und wenn du die Taufe bislang wie eine gleichgültige Sache behandelt hast, so kehre um von dieser Vernachlässigung, denn der Satz nennt sie, was sie ist: eine grosse Sünde. Das rechte Kind Gottes hält die Ordnung des Hauses in Ehren, auch wenn es weiss, dass nicht die Ordnung, sondern der Vater es rettet. Drittens: Lass deine Taufe dich in der Anfechtung stärken, ohne dich in Sicherheit zu wiegen. Hier ist die feine Kunst des Glaubens, und sie ist schwerer, als sie klingt. Der Aberglaube ruht auf dem Wasser, die Verzweiflung wirft das Wasser fort, aber der Glaube gebraucht das Wasser als das, was es ist: ein Siegel Gottes an einer Verheissung, die nicht wanken kann. Wenn dein Herz dich anklagt und der Teufel dir zuflüstert, deine Sünden seien zu gross und deine Gnade sei nur ein Wahn, dann gehe zurück zu deiner Taufe und sage: Hier hat Gott mir geschworen, dass das Blut Christi mich reinigt, und der Schwur steht, weil er nicht auf mir ruht, sondern auf ihm. Doch wage es nicht, diese Zuflucht zu einer Decke zu machen, unter der ein ungläubiges Herz schläft. Das Siegel tröstet den Glaubenden, aber es rechtfertigt nicht den Ungläubigen. Gebrauche deine Taufe, wie ein Kind das Wort seines Vaters gebraucht, das ihm verheisst, es werde erben, nicht als einen Anspruch, den man einklagen kann, sondern als eine Verheissung, an die man sich klammert. Viertens: Blicke auf deine ungetauften Nächsten mit barmherziger Hoffnung, aber auch mit heiligem Ernst. Der Schächer am Kreuz lehrt uns, dass Gott rettet, wen er will, und dass kein fehlendes Wasser seinen Arm verkürzt. Darum dürfen wir über einen sterbenden Angehörigen, der nie getauft wurde, nicht verzweifeln, als hinge sein Heil an einem Ritus, den er nicht mehr empfangen kann. Gott ist nicht an die Sakramente gebunden, und seine Barmherzigkeit reicht weiter, als unsere Ordnungen. Aber derselbe Ernst gebietet uns, den Lebenden die Taufe nicht vorzuenthalten, denn was Gott geboten hat, das sollen wir nicht gering achten, und wer den Glauben bekennt und das Zeichen verschmäht, der sündigt gegen den Herrn, der es einsetzte. So stehen Hoffnung und Ernst beieinander, und beide gehören zu einem Herzen, das Gott kennt: barmherzig gegen den, der nicht mehr kann, und treu gegen den, der noch soll. Fünftens: Prüfe an dieser Lehre, ob du das Zeichen je mit der Sache verwechselt hast, und kehre um, wo du es tatest. Es gibt zwei Wege, diesen Fehler zu begehen, und jeder von uns neigt mehr zu dem einen. Der eine Weg ist der Weg des Vertrauens auf die Form, der andere der Weg des Vertrauens auf sich selbst. Der eine ruht auf dem Wasser, der andere ruht auf seinem eigenen Glauben, als wäre auch der Glaube ein Werk, das Gott belohnen müsste. Beide verfehlen Christus. Die Taufe weist von sich weg auf ihn, und der Glaube ergreift nicht sich selbst, sondern ihn. Darum prüfe, worauf du zuletzt baust. Baust du auf deine Taufe, auf deine Erziehung, auf deine Bekehrungserfahrung, auf deine Tränen, auf deine Werke? Oder baust du auf Christus allein, der in der Taufe versiegelt und im Glauben ergriffen wird? Alles, was nicht Christus ist, ist Sand, und das Wasser der Taufe selbst wird zum Sand, wenn du darauf dein Haus gründest. Sechstens und zuletzt: Lass diese Lehre dich demütig und dankbar machen, und singe dem Gott der Gnade. Denke an die beiden Männer, mit denen wir begannen: den Verbrecher, der ohne Wasser ins Paradies kam, und den Getauften, der mit Wasser in der Bitterkeit blieb. Der eine verdiente nichts und empfing alles; der andere empfing das Zeichen und verlor die Sache. Beide stehen als Warnung und als Trost vor dir, und beide führen dich an denselben Ort: zu Füssen Christi. Da lernst du, dass dein Heil nirgends ruht als in seiner Gnade, dass das Zeichen dir dient, aber nicht dich trägt, und dass der Geist weht, wo er will, und doch will, dass du die Ordnung hältst, die er gab. So gehe hin, nicht stolz auf deine Taufe und nicht gleichgültig gegen sie, sondern demütig, dankbar, wachsam, und wirf dich auf den, dessen Blut wäscht, dessen Geist erneuert und dessen Verheissung nie wankt. Das ist die Frucht dieses Satzes, und sie ist süss.

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast das Wasser eingesetzt und bist selbst ins Wasser getaucht worden, und doch hast du nie gelehrt, dass das Wasser die Seele wäscht. Du hast den Schächer ohne Taufe ins Paradies geführt und den getauften Simon zur Busse gerufen, und damit hast du uns gezeigt, dass Gnade und Heil in dir wohnen und nirgends sonst. Wir bekennen dir, dass wir oft auf das Zeichen gebaut haben statt auf dich, dass wir uns der Form gerühmt haben, während das Herz unbeschnitten blieb, und dass wir zuweilen deine Einsetzungen gering geachtet haben, als wären sie Menschenwerk. Vergib uns beide Sünden, o Herr, und lehre uns das schmale Mass des Glaubens, das das Zeichen ehrt, weil du es gabst, und dem Zeichen nicht mehr zuschreibt, als du ihm verliehst. Gib uns, dass wir nie auf dem Wasser ruhen, sondern immer zu dir fliehen, dessen Blut allein von aller Sünde reinigt. Wo ein getauftes Herz schläft, wecke es auf; wo ein Ungetaufter dich sucht, verzieh ihm nicht deine Barmherzigkeit; wo ein Gläubiger in Anfechtung liegt, führe ihn zu seinem Siegel zurück und versichere ihn der Verheissung, die nicht wanken kann. Und wenn du wiederkommst, o Herr, so sammle uns nicht nach dem Wasser auf unserer Stirn, sondern nach deiner Gnade in unserem Herzen, und lass uns mit dem Schächer vor dir stehen, nicht weil wir getauft sind, sondern weil du uns erkauft hast, und mit ihm hören: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Amen.
← Start · Übersicht ·