Andacht 153 von 171

Die Wirksamkeit der Taufe: Den Erwählten wird Gnade verliehen

Ch.28: Of Baptism — Abschnitt 7 • 2026-09-25 • 29 min
Das Sakrament der Taufe ist an einer Person nur einmal zu spenden.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 28, Abschnitt 7

Einleitung

Es kommt ein Mensch zu seinem Pfarrer, und in seinen Augen brennt eine neue Liebe. Viele Jahre ist er ferne gewesen; den Namen, der einst über ihm genannt wurde, hat er verleugnet, den Tag, an dem das Wasser seine Stirn berührte, hat er vergessen, und er hat gelebt, als hätte es jene Stunde nie gegeben. Nun ist er umgekehrt, und sein Herz ist voll, und mitten in der Freude über seine Heimkehr trägt er eine Frage, die ihn seit Wochen nicht loslässt: Soll ich mich nicht noch einmal taufen lassen? Die erste Taufe war so lange her, und ich war so kalt. Nun, da ich endlich glaube, möchte ich sie noch einmal empfangen, mit einem Herzen, das es diesmal ernst meint. Geliebte, diese Frage wird nicht in einem einzigen Pfarrhaus gestellt. Sie wird in jedem Zeitalter der Kirche gestellt, sooft ein Mensch aus der Ferne heimkehrt und meint, seine Umkehr müsse auch ein Neu-Taufen sein. Und auf diese Frage antwortet der letzte Satz dieses Kapitels mit einer einzigen, ruhigen, unerbittlichen Silbe: einmal. Das Sakrament der Taufe ist an einer Person nur einmal zu spenden. Es ist der kürzeste Satz des ganzen Kapitels, kaum mehr als ein Hauch, und doch trägt er eine ganze Welt von Trost und eine ganze Welt von Warnung in sich. Denn wir leben in einem Geschlecht, das die Wiederholung liebt. Wir erneuern, was abgenutzt ist, wir wiederholen, was verblasst ist, wir taufen alles noch einmal, was uns zu alt und zu kalt geworden scheint. Und wir übertragen diese Gewohnheit des Herzens stillschweigend auf Gott, als müsste auch seine Gnade von Zeit zu Zeit erneuert werden, als könnte das Wasser, das einmal über uns floss, mit den Jahren ablaufen und verbraucht sein. Dagegen stellt dieser eine Satz eine Wahrheit, die tiefer gräbt als alle unsere Gewohnheiten: Was Gott einmal getan hat, das wiederholt er nicht, weil es keiner Wiederholung bedarf. Eine Geburt geschieht einmal. Ein Tod geschieht einmal. Und die beiden Wirklichkeiten, die das ganze Evangelium tragen, geschahen je einmal: Christus ist einmal gestorben, und Christus ist einmal auferstanden. Die Taufe, die uns in eben dieses einmalige Sterben und Auferstehen hineinstellt, kann darum nur einmal sein. Wer dies begreift, der hat den Schlüssel zu einem der tröstlichsten Sätze des Bekenntnisses gefunden.

Die biblischen Grundlagen

Der Beweis der Schrift für diese Wahrheit ist so fest gefügt wie die Wahrheit selbst, und er beginnt dort, wo die Einmaligkeit der Taufe ihren eigentlichen Grund hat: in der Einzigkeit dessen, der sie einsetzte. Paulus schreibt an die Epheser, und er zählt die Dinge auf, an denen die Einheit der Gemeinde hängt, als wäre er ein Mann, der die Fundamente eines Hauses nachzählt, um zu zeigen, wie wenige es sind und wie fest: »Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.« Spüre, wie hier ein Ein nach dem anderen fällt, sieben Ein in einem einzigen Atemzug, und wie die eine Taufe mitten in dieser Kette steht, zwischen dem einen Glauben und dem einen Gott. Paulus stellt die Taufe nicht neben die wechselnden Empfindungen des Herzens, die heute brennen und morgen erkaltet sind. Er stellt sie neben die Dinge, die unwandelbar sind, weil sie in Gott ruhen: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott. Es gibt nicht eine Taufe für die Jugend und eine für das Alter, nicht eine für die erste Bekehrung und eine für die spätere Reue. Es gibt eine Taufe, weil es einen Herrn und einen Gott gibt, und wer eine zweite Taufe fordert, der spricht damit leise den Verdacht aus, der eine Herr und der eine Gott könnten nicht genügen. Nun aber müssen wir tiefer graben und fragen, warum die Taufe nicht wiederholt werden kann, und die Schrift gibt darauf eine Antwort, die bis auf den Grund des Heils reicht. Sie liegt in dem, was die Taufe bezeichnet. Paulus schreibt an die Römer: »Wir wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.« Hier steht im Griechischen ein kleines, gewichtiges Wort, ephapax, ein für alle Mal, und es ist der Schlüssel zu unserem ganzen Satz. Christus ist nicht gestorben, wie ein Priester immer wieder opfert, in einem Kreislauf, der nie zur Ruhe kommt. Er ist ein einziges Mal gestorben, und dieser eine Tod genügt für alle Sünden aller Zeiten, so vollständig, dass der Tod hinfort keine Macht mehr über ihn hat. Nun erinnere dich, was die Taufe ist: die Taufe ist das Band, das uns in dieses einmalige Sterben und Auferstehen hineinpflanzt, das Siegel auf dem einen Tod Christi und der einen Auferstehung Christi. Wenn Christus einmal gestorben ist, dann kann die Taufe, die uns in diesen Tod hineinstellt, nur einmal vollzogen werden. Eine zweite Taufe würde flüstern, der erste Tod habe nicht genügt, und darum wäre sie nicht eine Ehre für Christus, sondern eine Lästerung. Die Einmaligkeit der Taufe ist nichts anderes als die Einmaligkeit des Kreuzes, abgebildet in Wasser. Und weil das Kreuz einmal ist, hat der Brief an die Hebräer mit heiligem Schrecken davor gewarnt, was eine Wiederholung dieses Werkes bedeuten würde. Er schreibt von denen, die erleuchtet waren und die himmlische Gabe geschmeckt hatten und dann abfielen, und er fügt hinzu: »Und dann doch abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Busse, da sie für sich selbst den Sohn Gottes abermals kreuzigen und zum Spott machen.« Merke genau, was hier gesagt wird. Der Schreiber sagt nicht, ein Abgefallener müsse neu getauft werden, um wieder hineinzukommen. Er sagt das Gegenteil: eine neue Taufe wäre ein neues Kreuzigen des Sohnes Gottes. Wer eine zweite Taufe verlangt, der legt Hand an Christus, um ihn noch einmal ans Kreuz zu schlagen, denn er bekennt damit, dass das erste Werk nicht vollbracht war. So heilig ist die Einmaligkeit der Taufe, dass ihre Wiederholung nicht als Frömmigkeit gilt, sondern als Frevel. Und derselbe Brief sagt an einer anderen Stelle, worin diese Einmaligkeit gründet: »Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Dieser aber hat ein Opfer für die Sünden dargebracht und sitzt nun für immer zur Rechten Gottes.« Achte auf das Bild des Sitzens. Die Priester des alten Bundes standen täglich am Altar, weil ihr Werk nie fertig war; Christus hat sich gesetzt, weil das seine vollbracht ist. Ein vollbrachtes Werk wird nicht wiederholt, sondern empfangen, und so wird die eine Taufe nicht wiederholt, sondern in ihrer Fülle geglaubt. Doch einer könnte fragen, und die Frage ist redlich: Wenn die Taufe nur einmal gespendet wird, was geschieht dann mit der Sünde, die ein Getaufter täglich aufs Neue begeht? Bedarf der einmal Gewaschene nicht einer neuen Waschung? Der Herr selbst hat diese Frage beantwortet, und zwar in der Nacht, in der er verraten wurde, als er mit dem Tuch umgürtet vor seinen Jüngern kniete. Petrus wollte die Füsse und dazu auch Hände und Haupt gewaschen haben, als wäre die ganze Waschung noch einmal nötig. Aber Jesus sprach: »Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füsse gewaschen werden; denn er ist ganz rein.« Hier ist der Unterschied, den wir uns einprägen müssen, denn er trägt die ganze Seelsorge dieses Satzes. Das Bad ist einmal, die Fusswaschung ist täglich. Die eine grosse Reinigung, die Taufe, wird einmal vollzogen und nie wiederholt; die tägliche Reinigung aber, die Busse und die Vergebung, die den Staub des Weges abwäscht, wird wieder und wieder vollzogen, jeden Tag, bis wir heimkommen. Der Getaufte, der gesündigt hat, braucht kein neues Bad, sondern die tägliche Waschung der Füsse, die der Herr selbst uns anbietet. Wer diesen Unterschied verwischt und für jede Sünde eine neue Taufe fordert, der macht aus dem einmaligen Bad ein tägliches Ritual und vergisst, dass der einmal Gewaschene ganz rein ist. Und weil die Frage so naheliegt, bleibt freilich noch die eine Stelle, die als Einwand gegen unseren Satz angeführt wird, als wäre in der Schrift doch eine zweite Taufe geschehen. Lukas berichtet, dass Paulus in Ephesus zwölf Männer fand, die nur die Taufe des Johannes empfangen hatten, und er fragte sie: »Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nie gehört, dass ein Heiliger Geist ist. Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Busse und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus. Als sie das hörten, liessen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus.« Auf den ersten Blick scheint es, als taufe Paulus hier ein zweites Mal. Aber siehe genau hin, und der Einwand zerfällt. Die Taufe des Johannes war nicht die christliche Taufe, sondern eine Taufe der Busse, die vorauswies auf den, der da kommen sollte. Diese zwölf Männer hatten nie die Taufe empfangen, die Christus eingesetzt hat, und als Paulus ihnen den Namen des Herrn Jesus verkündigte, wurden sie zum ersten Mal christlich getauft. Es war keine Wiederholung, sondern ein erster Vollzug. Gerade diese Stelle bestätigt also, was sie zu widerlegen scheint: Was wiederholt wird, ist nur das, was nie wirklich geschehen war; die christliche Taufe aber, einmal auf den Namen des dreieinigen Gottes vollzogen, wird nicht wiederholt. Und damit stehen wir vor der Wurzel, aus der diese ganze Wahrheit wächst, und sie reicht hinab in den alten Bund. Gott hatte dem Abraham geboten, das Zeichen der Beschneidung an sich und seinen Nachkommen zu vollziehen, als Siegel des Bundes, und dieses Zeichen wurde an einem Menschen nur einmal vollzogen. Als Israel in der Wüste abfiel und dem goldenen Kalb diente, gebot Gott nicht, die Abgefallenen von neuem zu beschneiden; sie kehrten um durch Busse, nicht durch ein zweites Zeichen. Und als das Volk nach dem Zug durch den Jordan in das Land kam, liess Josua nur die neue Generation beschneiden, die noch nie beschnitten war; die bereits Beschnittenen wurden nicht zum zweiten Mal bezeichnet. Das Zeichen des Bundes ist ein Siegel, das einmal aufgedrückt wird und bleibt, auch wenn der Gesiegelte untreu wird, weil das Siegel nicht die Treue des Menschen verbürgt, sondern die Treue Gottes. Darin liegt die tiefste Wurzel der Einmaligkeit der Taufe, und wer sie begriffen hat, der ist gerettet vor dem Irrtum, der aus jeder Glaubensschwankung eine neue Taufe machen will.

Was die Westminster-Väter meinten

Wenn wir nun fragen, was die Westminster-Väter mit diesem einen, kurzen Satz meinten, so müssen wir uns zuerst vor Augen halten, gegen wen er geschrieben wurde, denn ein Bekenntnis redet immer in eine bestimmte Auseinandersetzung hinein. Die Väter schrieben diesen Satz gegen die Wiedertäufer, gegen jene Bewegung, die darum ihren Namen trägt, weil sie es zu ihrem Wahrzeichen machte, Menschen ein zweites Mal zu taufen. Die Wiedertäufer behaupteten, die Taufe der Kirche sei darum keine Taufe, weil sie an Säuglingen vollzogen werde, die noch keinen Glauben hätten; wer später zum Glauben käme, müsse darum wahrhaftig getauft werden, mit dem Wasser über dem eigenen Bekenntnis. Diese Lehre machte die Gültigkeit der Taufe abhängig von dem Glauben des Täuflings, und wo dieser Glaube fehlte oder später ins Wanken geriet, da musste getauft und wieder getauft werden, ohne Ende. Gegen diese Unruhe setzten die Väter ein einziges, festes Wort: einmal. Denn die Väter sahen mit einer Klarheit, die wir uns nicht verdunkeln lassen sollten, worin die Wurzel des Irrtums lag. Die Wiedertäufer gründeten die Taufe auf den Menschen, auf das, was der Täufling an Glauben mitbrachte; die Väter aber gründeten sie auf Gott, auf das, was Gott in seiner Einsetzung und in seinem Bund verheisst. Und weil der Glaube des Menschen flutet und ebbt wie die See, darum müsste eine Taufe, die auf ihm ruht, bei jeder Ebbe wiederholt werden; weil aber der Bund Gottes feststeht wie ein Fels, darum wird die Taufe, die ihn besiegelt, nur einmal vollzogen. Das ist der Nerv des ganzen Satzes. Die Taufe ruht nicht auf der Wärme des Augenblicks, in dem das Wasser floss, und nicht auf der Treue dessen, der das Wasser empfing, sondern auf der Treue dessen, der das Wasser einsetzte. Was Gott einmal gesiegelt hat, das löst er nicht wieder, auch wenn der Gesiegelte die Untreue selbst ist. Und hinter dieser einen Wahrheit stehen drei Gründe, die der Satz stillschweigend voraussetzt und die die Ausleger des Bekenntnisses mit Recht entfaltet haben. Der erste liegt in dem, was die Taufe bedeutet: Sie ist das Zeichen und Siegel der Wiedergeburt, des Anfangs des neuen Lebens in Christus. Ein Leben aber hat einen Anfang, und eine Geburt geschieht einmal. Wer eine zweite Taufe fordert, der bekennt damit, dass die erste Geburt nicht geschehen sei, als könnte ein Mensch zweimal geboren werden. Der zweite Grund liegt in dem, was die Taufe tut: Sie ist die feierliche Aufnahme des Getauften in die sichtbare Kirche. Wie es aber keinen Weg gibt, aus der Kirche auszutreten und wieder einzutreten, so gibt es auch keinen Weg, ein zweites Mal in sie aufgenommen zu werden. Wer einmal aufgenommen ist, der ist aufgenommen, und seine spätere Untreue macht die Aufnahme nicht ungeschehen, sondern ruft ihn zur Busse zurück. Der dritte Grund aber liegt in der Praxis der Apostel selbst, und er ist der stärkste von allen: Nirgends taufen die Apostel einen Menschen, der bereits auf den Namen des Herrn Jesus getauft war, ein zweites Mal. Sie tauften jeden Menschen einmal, und darin folgten sie dem, der die Taufe eingesetzt und die Wiederholung nirgends geboten hatte. So steht der Satz am Ende des Kapitels wie ein Schlussstein, der alles Vorhergehende zusammenfasst und abschliesst. Die früheren Abschnitte haben gelehrt, was die Taufe ist und wie sie gespendet wird, wer sie empfängt und was sie wirkt; dieser letzte Satz lehrt, wie oft sie gespendet wird, und seine Antwort ist so einfach wie das Wesen der Sache selbst: einmal. Es ist kein Zufall, dass gerade diese Wahrheit in einem einzigen Satz steht, ohne Umschweife und ohne Erklärung, denn sie braucht keine lange Begründung. Ein Mensch wird einmal geboren, und er wird einmal in das Bundesvolk aufgenommen, und das Siegel dieses Bundes wird ihm einmal aufgedrückt, und das genügt für das ganze Leben, ja für die Ewigkeit.

Theologische Tiefe

Steigen wir nun hinab in die Geschichte der Kirche, denn dieser eine Satz ist die Frucht eines langen Ringens, und die Väter, die vor uns um diese Wahrheit gestritten haben, haben uns einen reichen Schatz hinterlassen, aus dem wir schöpfen dürfen. Es treten diesmal Stimmen zu uns, die in diesem Kapitel noch nicht zu Wort gekommen sind, und die älteste von ihnen ist zugleich die gewichtigste. Augustin, der Bischof von Hippo in Nordafrika, hat die Einmaligkeit der Taufe gegen einen Irrtum verteidigt, der dem unserer Zeit auf eine erschreckende Weise gleicht. In seinen Tagen zerriss die Kirche der Streit mit den Donatisten, einer Bewegung, die lehrte, die Taufe sei nur gültig, wenn ein heiliger Diener sie spende, und die darum alle, die von einem in der Verfolgung abgefallenen Bischof getauft worden waren, von neuem taufte. Gegen diese Lehre erhob Augustin ein Wort, das zum Eckstein der ganzen Kirche geworden ist: Die Taufe gehört nicht dem Diener und nicht dem Täufling, sondern Christus, und weil sie Christi ist, ist sie einmal und gilt, auch wenn der Diener schwach war und der Täufling später fiel. Ein Mensch, der aus der Trennung in die Kirche zurückkehrte, wurde nicht neu getauft, sondern durch Busse wieder aufgenommen, denn seine eine Taufe stand fest, weil Christus feststeht. Die alte Kirche hat diese Wahrheit in das Glaubensbekenntnis aufgenommen, wo es heisst: eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und damit hat sie bezeugt, dass die Einmaligkeit der Taufe kein Nebensatz ist, sondern ein Stück des Glaubens selbst. Und weil wir auf schweizerischem Boden stehen, dürfen wir nicht verschweigen, dass gerade hier, in unseren eigenen Gassen, der Kampf um diese Wahrheit am schärfsten geführt wurde. Die Bewegung der Wiedertäufer ist nicht irgendwo entstanden; sie brach in Zürich aus, an einem Januartag des Jahres fünfundzwanzig, als eine kleine Schar, darunter Konrad Grebel und Felix Manz, einander von neuem taufte und damit den Bruch vollzog, der unsere Kirchen bis heute beschäftigt. Zwingli antwortete darauf in seiner Schrift von der Taufe, von der Widertaufe und von der Kindertaufe, und er legte darin den Finger auf dieselbe Wunde, die schon Augustin gesehen hatte: Die Taufe ist nicht ein Bekenntnis, das der Mensch ablegt und das er darum wiederholen müsste, sooft sein Glaube wächst; sie ist ein Pfand und Siegel, das Gott dem Menschen gibt, und was Gott gibt, das gibt er nicht zurück. Die Wiedertäufer fassten ihre Lehre bald darauf in einem eigenen Bekenntnis zusammen, dem Schleitheimer Bekenntnis, und machten die Wiedertaufe zu ihrem Herzstück; die Reformatoren aber hielten dagegen fest, was wir heute betrachten: einmal, und nicht wieder. Calvin hat dieselbe Wahrheit mit der ganzen Schärfe verteidigt, die ihm eigen war, in der Institutio und ebenso in einer eigenen Streitschrift gegen die Täufer, in der er die Wiedertaufe eine Schmähung Gottes nannte. Sein Gedanke ist so einfach wie unwiderlegbar: Wer ein zweites Mal tauft, der erklärt damit die erste Taufe für nichtig und den Bund Gottes für widerruflich. Die Taufe aber ruht auf der Einsetzung Gottes, nicht auf der Würdigkeit des Menschen, und darum bleibt sie gültig, auch wenn der Mensch fällt, und sie wird darum nicht wiederholt, wenn der Mensch aufsteht. Für Calvin war die Wiedertaufe kein Zeichen grösseren Ernstes, sondern ein Zeichen geringeren Glaubens, weil sie dem Bund Gottes misstraute und dem Menschen zuschrieb, was allein Gottes ist. Doch wer den Satz des Bekenntnisses auf seine nüchternste Gestalt zurückführen will, der muss Hodge hören, dessen Auslegung dieses Abschnitts an Klarheit nichts zu wünschen übrig lässt. Hodge zählt drei Gründe auf, warum die Taufe an einer Person nie mehr als einmal vollzogen werden darf, und wir haben sie bereits berührt, aber es lohnt, sie in seiner Ordnung festzuhalten. Erstens, so Hodge, aus der sinnbildlichen Bedeutung der Handlung: Die Taufe bezeichnet die geistliche Wiedergeburt, den Anbruch des göttlichen Lebens, und ein Anbruch kann nur einen Anfang haben. Zweitens, aus ihrem Wesen als Ritus der Aufnahme in die Kirche: Wie es keine Vorkehrung dafür gibt, aus der Kirche auszutreten, sobald man einmal drin ist, so gibt es keine Vorkehrung dafür, mehr als einmal hineinzukommen. Und drittens, aus dem Beispiel der Apostel: Sie tauften jeden Menschen nur einmal. Mit diesen drei Gründen steht der Satz auf einem Fundament, das kein Sturm erschüttert. Shaw endlich fasst denselben Gedanken in die schlichteste Form, die wir finden können, und gerade darin liegt seine Kraft. Die Taufe, sagt er, ist an einer Person nicht öfter als einmal zu vollziehen, und dies erhellt aus dem Wesen der Einsetzung selbst; sie ist eine feierliche Aufnahme der Person in die sichtbare Kirche, und eine einmal vollzogene Aufnahme wird durch spätere Untreue nicht rückgängig gemacht. Wer abfällt, den ruft die Kirche zur Busse, aber sie tauft ihn nicht von neuem, weil seine Aufnahme steht und nur seine Umkehr aussteht. So stimmen alle Stimmen zusammen, von Augustin bis Shaw, und sie sagen mit einer Stimme, was das Bekenntnis in einen einzigen Satz gefasst hat: einmal.

Anwendung für das reformierte Leben

Was aber bedeutet diese Wahrheit für unser Herz, und wie sollen wir aus ihr leben? Es sind sechs Worte der Seelsorge, an denen wir uns prüfen wollen, und jedes von ihnen ist eine Frucht dieses einen, kurzen Satzes. Erstens: Kehre heim durch Busse, nicht durch eine zweite Taufe. Wenn du lange ferne warst und nun umkehrst, so wisse, dass deine Taufe dir nicht abhanden gekommen ist. Der Bund, den Gott mit dir machte, als das Wasser deine Stirn berührte, wurde durch deine Untreue nicht zerbrochen, denn Gott blieb treu, auch wo du untreu warst. Du brauchst darum keinen neuen Anfang am Taufstein, sondern die Rückkehr des verlorenen Sohnes, der nicht nach einer zweiten Geburt fragte, sondern heimging zu dem Vater, der ihn nie aufgegeben hatte. Komm heim, und du wirst nicht neu getauft, sondern neu gekleidet, neu umarmt, neu an den Tisch gesetzt, und deine eine Taufe wird das Band sein, an dem du erkennst, dass du nie aufgehört hast, sein Kind zu sein. Zweitens: Ruhe deine Taufe auf Gottes Treue, nicht auf der Wärme deines Glaubens. Der Irrtum der Wiedertäufer war, dass sie die Taufe an den Glauben des Menschen banden und darum von neuem taufen mussten, sooft dieser Glaube wankte. Aber wenn deine Taufe auf der Glut deines Herzens ruhte, so könntest du sie keinen einzigen Tag festhalten, denn dein Glaube flammt auf und erstirbt wie ein Feuer im Wind. Sie ruht aber auf dem Gebot und der Verheissung Gottes, und darum steht sie, auch wenn du liegst. Frage dich darum nicht zuerst, wie warm du warst, als du getauft wurdest, sondern wie treu der ist, der dich taufte. Auf seine Treue gebaut, wird deine Taufe dir nicht zur Anklage deiner Schwäche, sondern zum Anker deiner Hoffnung. Drittens: Unterscheide das einmalige Bad von der täglichen Fusswaschung. Der Herr selbst hat dir den Unterschied gegeben, als er vor seinen Jüngern kniete und sprach, dass der Gewaschene nur noch der Fusswaschung bedarf. Deine Taufe wird nicht wiederholt, aber deine Busse wird täglich erneuert, und beides darfst du nicht vermischen. Wenn du gesündigt hast, so brauchst du kein neues Bad, sondern die tägliche Reinigung des Bekenntnisses, die Waschung der Füsse, die der Herr dem einmal Gewaschenen anbietet. Hier liegt auch der tiefere Grund dafür, dass die Taufe einmal und das Abendmahl viele Male gefeiert wird: Die Geburt geschieht einmal, die Nahrung aber wird täglich gereicht. Verlange darum nicht nach einer zweiten Taufe, wenn du nur nach der täglichen Vergebung verlangst, die dir in Christus offen steht. Viertens: Lass die Einmaligkeit deiner Taufe dich heute binden. Es ist ein Missverständnis, das Einmalige für das Vergangene zu halten, als wäre die Taufe ein Ereignis, das hinter dir liegt und dich nichts mehr angeht. Gerade weil deine Taufe einmal und endgültig ist, ist sie ein bleibender Anspruch an dich, ein Siegel, das du nicht abwaschen und nicht überleben kannst. Du bist gezeichnet, du bist besiegelt, du gehörst nicht dir selbst. Jeder Tag, an dem du lebst, ist ein Tag unter diesem Zeichen, und die Einmaligkeit der Taufe macht sie nicht zu einem verblassten Datum, sondern zu einer gegenwärtigen Wirklichkeit. Lass sie dich binden, jeden Morgen neu, an den, dessen Name über dir genannt wurde. Fünftens: Empfange den Reumütigen, der heimkehrt, mit Freude und nicht mit einer neuen Taufe. Dieses Wort richtet sich an die Gemeinde, und es ist vielleicht das am schwersten zu lernende. Wenn ein Bruder oder eine Schwester nach langem Irren zurückkommt, so empfange ihn, wie der Vater den verlorenen Sohn empfing: mit offenen Armen, nicht mit einem frischen Wasser über dem Haupt. Ihn neu zu taufen, hiesse seine erste Taufe für nichtig erklären und damit das Pfand Gottes für wertlos; es wäre nicht ein Zeichen der Gnade, sondern ein Zeichen des Misstrauens in die Gnade. Führe ihn statt dessen an den Tisch des Herrn, und lass die eine Taufe das Band sein, an dem seine Heimkehr sich freut, denn was Gott einmal getan hat, das wiederholen wir nicht, wir feiern es. Sechstens und zuletzt: Halte dich an den, der einmal gestorben ist. Der tiefste Grund der einen Taufe ist der eine Tod Christi, und wer diesen Grund verliert, dem wird die Taufe bald zu viel oder zu wenig. Suche darum nicht nach einem neuen Opfer und nicht nach einer neuen Waschung, sondern blicke auf das vollbrachte Werk dessen, der einmal litt und sich zur Rechten Gottes setzte. Deine Taufe, deine Vergebung, deine Reinigung hängen alle an diesem einen Tod, und weil er ein einziges Mal geschah, darum genügt er, und darum genügt die Taufe, die ihn besiegelt. Ruhe hier, und lass die Einmaligkeit deiner Taufe dich immer wieder zu der Einmaligkeit des Kreuzes tragen, wo alles vollbracht ist und nichts mehr zu tun bleibt, als zu glauben und zu empfangen.

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast einen Herrn und einen Glauben und eine Taufe gegeben, und wir preisen dich dafür, dass dein Werk ein einziges Mal vollbracht ist und keiner Wiederholung bedarf. Du bist einmal gestorben, und der Tod hat keine Macht mehr über dich, und weil wir durch die Taufe in diesen deinen einmaligen Tod hineingepflanzt sind, darum genügt uns eine Taufe für dieses ganze Leben und für die Ewigkeit. Wir bekennen dir, dass wir oft wie die Wiedertäufer dachten und meinten, unsere Taufe sei so schwach wie unser Glaube, und dass wir in unserer Untreue nach einem neuen Anfang verlangten, als wäre das alte Wasser verbraucht. Vergib uns dieses Misstrauen in deine Treue, o Herr, und lehre uns, unsere Taufe auf dich zu bauen und nicht auf die Wärme unseres eigenen Herzens. Wo wir gefallen sind, reinige uns täglich, wie du den Gewaschenen die Füsse wäschst, und führe uns nicht an den Taufstein zurück, sondern an dein Kreuz, wo alles vollbracht ist. Wo ein Getaufter ferne von dir geht, hole ihn heim durch Busse und nicht durch eine zweite Taufe, und lass die Gemeinde ihn mit offenen Armen empfangen, wie der Vater den verlorenen Sohn empfing. Und wenn du wiederkommst, o Herr, so richte uns nicht nach der Zahl unserer Taufen, sondern nach deiner einen Gnade, die in uns wirkte, und versammle uns mit allen, die du mit deinem einen Blut erkauft und mit deiner einen Taufe besiegelt hast, zu dem einen Fest, das kein Ende hat. Amen.
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