Andacht 156 von 171

Die Elemente des Abendmahls: Brot und Wein

Ch.29: Of the Lord's Supper — Abschnitt 3 • 2026-09-28 • 33 min
Der Herr Jesus hat in dieser Einsetzung seine Diener bestellt, dem Volk die Worte der Einsetzung zu verkündigen, zu beten und die Elemente Brot und Wein zu segnen und sie dadurch von gewöhnlichem zu heiligem Gebrauch auszusondern; das Brot zu nehmen und zu brechen, den Kelch zu nehmen und beides den Kommunikanten zu reichen (wobei sie auch selbst daran teilnehmen), aber keinem, der nicht dann in der Gemeinde gegenwärtig ist.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 29, Abschnitt 3

Einleitung

Was soll geschehen, wenn sich die Gemeinde am Tisch des Herrn versammelt? Stellt man diese Frage, so weiss fast jeder Gläubige sogleich die Elemente zu nennen: das Brot und der Wein. Dringe aber ein wenig tiefer. Frage, wer an diesem Tisch dienen darf und welche Worte gesprochen werden müssen, ehe das Brot gebrochen wird, und in welcher Ordnung die einzelnen Handlungen aufeinander folgen und ob der Diener selbst empfangen soll, so werden die Antworten unsicher. Unser Herr hat jedoch an seinem Tisch nichts dem Zufall überlassen. Er hat seiner Kirche nicht einen Laib und einen Kelch übergeben mit einer unbestimmten Aufforderung, sich seiner zu erinnern, wie es jedem beliebt. Er hat ihr eine genaue Ordnung gegeben, einen angeordneten Weg, und eben diese Ordnung ist der Gegenstand des Abschnitts, der nun vor uns liegt. Wir sind in diesem Kapitel schon ein gutes Stück gegangen. Als wir zuletzt im Obergemach standen, sahen wir, wie der Herr das Mahl in der Nacht einsetzte, da er verraten ward, und wir erkannten, dass es eine Mahlzeit ist und kein Denkmal. Dann drangen wir auf den tiefsten Grund von allem und sahen, dass das Opfer Christi einmal dargebracht wurde und niemals wiederholt wird und dass die Messe, die es von neuem darbringen will, das vollendete Werk des Kreuzes kränkt. Nun wenden wir uns von dem Wesen des Mahles zu seiner Verwaltung, von der Frage, was das Abendmahl ist, zu der Frage, wie es gefeiert werden soll. Und meine nicht, dies sei ein Abstieg von der Höhe in die blosse Zeremonie, ein Abgleiten von der erhabenen Lehre in die dürren Einzelheiten der Kirchenordnung. Das hiesse, den Abschnitt von Grund auf missverstehen. Die Ordnung des Mahles ist selbst eine Lehre, und zwar eine kostbare, denn sie lehrt uns mit unmissverständlicher Klarheit, dass Christus der Herr seines eigenen Tisches ist, dass er den Weg bestimmt hat, auf dem er seinem Volk dort begegnen will, und dass dieser Weg zu ändern ihn nicht verbessert, sondern verachtet. Achte zuerst auf das Wort, mit dem der Abschnitt beginnt: Der Herr Jesus hat seine Diener bestellt. In diesem einen Satz liegt das ganze Prinzip. Das Abendmahl gehört nicht der Kirche wie ein Besitz, den sie nach Belieben handhaben darf; es gehört Christus, der es eingesetzt hat und der beides bestimmt hat, die Diener, die es austeilen, und die Weise, in der es ausgeteilt wird. Wenn ein Hausherr die Ordnung seines eigenen Hauses festlegt, so steht es keinem Diener frei, sie umzustellen. Und wenn der Herr der Kirche die Ordnung seines eigenen Festes festlegt, so steht es keinem Amtsträger der Kirche frei, auch nur die Wendung eines Satzes zu ändern. Über der ganzen Sache liegt eine heilige Gegebenheit, eine von Christus selbst gelegte Gestalt, und der Abschnitt, den wir nun entfalten wollen, ist nichts anderes als die Niederschrift dieser Gestalt. Lasst uns ihr aufmerksam folgen, denn in diesen wenigen Sätzen hat die Kirche durch vier Jahrhunderte des Streites hindurch eben das Muster bewahrt, nach dem ihr Herr an seinem eigenen Tisch gegenwärtig sein will.

Die biblischen Grundlagen

Das Muster, das das Bekenntnis beschreibt, ist nicht von den Westminster-Vätern ersonnen; es ist geradewegs aus den Einsetzungsworten abgelesen, und wir können es an den Verben selbst verfolgen, die unser Herr in der Nacht des Mahles gebrauchte. Wende dich zu dem Bericht des Markus, denn er bewahrt die vierfache Bewegung des Sakraments mit besonderer Klarheit. Wir lesen: »Und als sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.« Achte auf die Ordnung: er nahm, er dankte, er brach, er gab. Vier Handlungen, jede einzelne mit Bedacht vollzogen, jede einzelne später von der Kirche als Teil ihrer eigenen Verwaltung wiederaufgenommen, und jede trägt ihr eigenes Gewicht an Bedeutung. Das Griechische dieser Stelle ist leuchtend und lohnt die genaueste Aufmerksamkeit. Über dem Brot schreibt Markus eulogēsas, von eulogeō, segnen und preisen, über dem Kelch eucharistēsas, von eucharisteō, danken, und eben in diesem zweiten Wort liegt die Wurzel jenes alten und lieblichen Namens für das Mahl, Eucharistie, das Dankgebet; denn Lukas und Paulus gebrauchen es auch über dem Brot. Christus nahm das Brot nicht einfach und begann zu essen; er sprach ein Wort der Danksagung darüber, ein Dankgebet zu seinem Vater. Und dann das Brechen. »Er brach's«, sagt der Text, und das Verb ist eklasen, von klaō, brechen. Warum sollte das Brechen so viel bedeuten, dass die frühe Kirche ihren Namen davon nahm und das Mahl schlicht »das Brotbrechen« nannte? Weil das Brechen das Evangelium vor dem Auge sichtbar macht. Christi Leib wurde am Kreuz für uns gebrochen; das Brot, das in den Händen des Dieners gebrochen wird, ist das Bild dieser Gebrochenheit vor der versammelten Gemeinde. Ein ganzer Laib spricht von einem unversehrten Christus, ein gebrochener Laib aber spricht von einem gekreuzigten Christus, von einem Leib, der dahingegeben, und einem Leben, das ausgegossen wurde. Der Diener bricht das Brot nicht beiläufig, wie einer eine Kruste beim gewöhnlichen Mahl bricht; er bricht es als ein Prediger des Kreuzes, und jedes Auge, das den Laib auseinandergehen sieht, schaut eine Predigt, die ohne ein einziges Wort gehalten wird. Die Handlung ist dem Sakrament nicht beiläufig; sie gehört zu seinem Wesen, eine sichtbare Verkündigung des Todes des Herrn. Und sieh, was Christus tut, ehe er bricht: er dankt. Hier liegt die Weihe, die Aussonderung, von der das Bekenntnis spricht, und die Schrift hat dafür ein eigenes Wort, das uns im ersten Brief an Timotheus überliefert ist: »Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.« Was hier von jeder Speise gesagt wird, gilt in vollendeter Weise von Brot und Wein am Tisch des Herrn. Kein Geschöpf wird dadurch, dass wir es empfangen, in seinem Wesen verwandelt; aber durch das Wort Gottes und das Gebet wird es geheiligt, das heisst, für einen heiligen Gebrauch ausgesondert. Das gewöhnliche Brot bleibt Brot, und doch ist es nicht mehr gewöhnlich, sobald das Wort darüber gesprochen und das Dankgebet darüber gesprochen ist; es ist nun Brot, das Gott geweiht ist. Genau dies geschieht am Tisch: Der Diener spricht das Wort und das Gebet, und eben dadurch werden Brot und Wein vom gewöhnlichen zum heiligen Gebrauch ausgesondert. Nicht verwandelt, sondern geweiht; nicht geändert im Wesen, sondern geheiligt im Gebrauch. Von der Handlung selbst wenden wir uns dem Wort zu, das sie begleiten muss, und hier ruht das Beharren des Bekenntnisses, der Diener müsse die Worte der Einsetzung dem Volk verkündigen, auf einem Grundsatz, den der Apostel Paulus mit Ernst eingeschärft hat. Er schreibt: »Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen.« Der Zusammenhang ist die Unordnung der korinthischen Versammlungen, wo Menschen in Zungen redeten, die niemand verstand, und der Gottesdienst zu einem Getöse ohne Sinn wurde. Das Heilmittel des Paulus ist die schlichte Verkündigung des Wortes in einer Sprache, die das Volk hören und verstehen kann. Und dieser Grundsatz reicht weit über die Zungengabe hinaus, mitten hinein in das Herz des Mahles. Ein Sakrament ist keine magische Handlung, die im Schweigen wirkt; es ist ein sichtbar gewordenes Wort, und das sichtbare Wort muss mit dem hörbaren Wort verbunden werden, sonst wird es nicht verstanden, und was nicht verstanden wird, kann den Glauben nicht nähren. Darum muss der Diener die Einsetzungsworte laut verlesen: Das ist mein Leib, dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Dem Volk in der Landessprache verkündet, erklären die Worte die Handlung, und die Handlung versiegelt die Worte, und beide zusammen werden zum Sakrament. Die Frucht dieses Grundsatzes sehen wir in den allerersten Tagen der Kirche. Lukas berichtet von der neugeborenen Gemeinde: »Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.« Hier ist das geordnete Leben der Kirche in einem einzigen Vers, und sieh, wie das Brotbrechen in der Gesellschaft anderer geordneter Dinge steht: Lehre, Gemeinschaft, Gebet. Das griechische Wort für das Brechen ist hier klasis, dieselbe Wurzel, die uns bei Markus begegnete, und die ganze Wendung, das Brotbrechen, wurde zum regelmässigen Namen der Kirche für das Abendmahl. Aber beobachte, was es umgibt. Das Brotbrechen geschieht nicht in einem Winkel; es gehört der versammelten Gemeinde, der Schar, die beständig beieinander blieb, und es ist unzertrennlich von der Lehre der Apostel und den Gebeten der Kirche. Ein Sakrament, das vom Wort und von der Gemeinde losgerissen wird, ist ein verstümmeltes Sakrament, und die frühe Kirche wusste von so etwas nichts. Ein weiterer Text rundet das biblische Muster ab, und er spricht unmittelbar zu dem letzten Satz des Bekenntnisses, dass die Elemente keinem gereicht werden, der nicht dann in der Gemeinde gegenwärtig ist. Wir lesen: »Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus, und da er am nächsten Tag weiterreisen wollte, zog er die Rede hin bis Mitternacht.« Hier ist das Mahl an eine bestimmte Zeit gebunden, den ersten Tag der Woche, den Tag des Herrn, und an eine bestimmte Bedingung, das Zusammenkommen der Jünger. Die Jünger kamen zusammen, um das Brot zu brechen; die Versammlung ging dem Sakrament voraus, und das Sakrament setzte die Versammlung voraus. Das Abendmahl ist ein Fest, und ein Fest setzt eine Tischgesellschaft voraus. Es ist die gemeinsame Handlung eines versammelten Volkes, kein privater Ritus, den man allein vollzöge oder denen hinterherschickte, die fernblieben. Diese Zeugnisse, Markus und Paulus und Lukas in Einklang, geben uns die ganze biblische Gestalt der Verwaltung: die Elemente genommen, gesegnet, gebrochen und gereicht; das Einsetzungswort mit Verstand verkündet; das Brotbrechen in die Mitte der versammelten, lehrenden, betenden Kirche gestellt. Was das Bekenntnis in geordneten Sätzen niederlegt, ist schlicht das Muster des Neuen Testaments, treu gelesen.

Was die Westminster-Väter meinten

Die Westminster-Väter schrieben diesen Abschnitt mit zwei sehr verschiedenen Gegnern vor Augen und mit einer einzigen positiven Absicht. Die positive Absicht war, die biblische Ordnung des Mahles wiederherzustellen, nach Jahrhunderten, in denen sie unter Irrtum begraben lag; die beiden Gegner waren die Irrtümer, die sie begraben hatten, der eine zur Rechten und der andere zur Linken: die Messe Roms und die Unordnung der Schwärmerei. Wer den Abschnitt verstehen will, muss alle drei sehen. Der erste Gegner war die Kirche Roms, deren Messe nahezu jedes Stück der apostolischen Ordnung umgekehrt hatte. In der mittelalterlichen Messe wurden die Einsetzungsworte dem Volk gar nicht verkündet; sie wurden in lateinischer Sprache von einem Priester geflüstert, der der Gemeinde den Rücken zukehrte, in einer Zunge, die das Volk nicht verstand, und mit leiser Stimme, gerade damit niemand sie höre. Das Brot wurde dem Volk nicht in beiderlei Gestalt gereicht; den Kelch versagte man ihm gänzlich. Der Priester kommunizierte allein, während die Gläubigen als Zuschauer bei einem Opfer dabeistanden, das für sie dargebracht wurde. Und das geweihte Brot wurde aufbewahrt, in Prozessionen umhergetragen und angebetet, als wäre es in etwas verwandelt worden, das es nicht war. Gegen all das erhebt das Bekenntnis einen stillen, vernichtenden Einspruch: Christus hat seine Diener bestellt, die Worte der Einsetzung dem Volk zu verkündigen, die Elemente zu segnen und beides den Kommunikanten zu reichen, aber keinem, der nicht dann in der Gemeinde gegenwärtig ist. Jeder Satz ist eine Wunde an der Messe. Das Wort wird verkündet, nicht geflüstert; es wird dem Volk verkündet, nicht von ihm weggemurmelt; beide Elemente werden gereicht, nicht eines vorenthalten; sie werden den Kommunikanten gereicht, nicht vom Priester allein empfangen; und sie werden nur den Gegenwärtigen gereicht, nicht zur Anbetung aufbewahrt oder den Abwesenden hinterhergetragen. Der ganze Abschnitt, gegen Rom gelesen, ist eine Wiederherstellung dessen, was die Messe umgestürzt hatte. Der zweite Gegner war der entgegengesetzte Irrtum, die Schwärmerei der radikalen Reformatoren und der Independenten, die meinten, der Geist erfülle den Gläubigen so sehr, dass keine äussere Ordnung mehr nötig sei. Wenn der Geist gegenwärtig ist, was macht es dann, wer am Tisch den Vorsitz führt, ob die Einsetzungsworte verlesen werden oder in welcher Reihenfolge die Handlungen fallen? Dagegen beharrt das Bekenntnis darauf, dass Christus seine Diener bestellt hat, Männer, die zu diesem Werk berufen und ausgesondert sind, und dass das Sakrament keine freie Eingebung ist, sondern eine geordnete Einsetzung. Die Väter waren keine Feinde des Geistes; sie waren die treuesten Freunde des Geistes, denn sie wussten, dass der Geist durch die bestimmten Mittel wirkt und nicht an ihnen vorbei, dass ein Gott der Ordnung auf geordnete Weise wirkt und dass die äussere Ordnung preiszugeben den Geist nicht ehrt, sondern betrübt. Zwischen der starren Zeremonie Roms und der wilden Unordnung der Schwärmerei geht das Bekenntnis den mittleren Weg der Schrift, wo die äussere Ordnung weder angebetet wird, als ob sie rettete, noch verachtet wird, als ob sie nichts wäre. In dieser doppelten Streitfront liegt die wichtigste positive Lehre des Abschnitts, und sie ist verdichtet in der Wendung, die Elemente seien von gewöhnlichem zu heiligem Gebrauch auszusondern. Hier lehren die Väter die Lehre von der Weihe, und sie muss mit Genauigkeit verstanden werden, denn an ihr hängt der Unterschied zwischen dem reformierten Mahl und der römischen Messe. Wenn der Diener über Brot und Wein betet, sie segnet und dankt, so ändert er nicht ihre Substanz; er ändert ihren Gebrauch. Sie bleiben Brot und Wein, so wahr wie zuvor, aber sie sind nicht mehr gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein; sie sind ausgesondertes, geweihtes, einem heiligen Zweck hingegebenes Brot und geweihter Wein. Das Bekenntnis wird dies in einem späteren Abschnitt ausdrücklich sagen, wenn es lehrt, dass die Elemente wahrhaftig und wirklich nur Brot und Wein bleiben, wie sie zuvor waren. Aber der Same dieser Lehre ist hier gepflanzt, in dem Wort aussondern. Weihe geschieht durch Bestimmung, nicht durch Verwandlung. Das Wort Gottes und das Gebet der Kirche machen die Elemente heilig für ihren Gebrauch, wie das Wort Gottes ein jedes Ding heiligt. Die Väter haben diese Wahrheit aus der Schrift wiedergewonnen, und damit haben sie das Mahl selbst wiedergewonnen, denn eine Kirche, die glaubt, das Brot sei in Gott verwandelt worden, wird es anbeten; eine Kirche aber, die glaubt, das Brot sei zu einem heiligen Gebrauch ausgesondert, wird es empfangen, sich davon nähren und danken. Ein weiterer Punkt verdient Aufmerksamkeit, und es ist die Klammer, an der viele Leser vorübergehen: wobei sie auch selbst daran teilnehmen. Der Diener soll dem Volk die Elemente reichen, und er soll selbst empfangen. Das ist ein bedachter Schlag gegen die römische Praxis, in der der Priester allein die geweihten Elemente verzehrte, während das Volk zusah. Aber es trägt eine tiefere Lehre in sich. Der Diener am Tisch ist kein opfernder Priester, der zwischen dem Volk und Gott steht; er ist ein Mitkommunikant, ein aus Gnade geretteter Sünder, der Leib und Blut Christi so nötig hat wie der Geringste derer, denen er dient. Er reicht, aber er empfängt auch, und sein Empfangen ist das sichtbare Bekenntnis, dass das Mahl ein Fest ist, bei dem alle Gäste sind und Christus allein der Gastgeber. Das meinten die Väter: ein geordnetes Mahl, ausgeteilt von bestellten Dienern, erklärt durch das verkündete Wort, geweiht durch Gebet und Segen, empfangen von der ganzen versammelten Gemeinde, und vor ihm steht kein Mensch als Priester, sondern Christus allein als Herr.

Theologische Tiefe

Der Grundsatz, der diesen ganzen Abschnitt regiert, die Notwendigkeit des Wortes bei der Verwaltung des Sakraments, hat seine klassische Fassung lange vor der Reformation erhalten, von einem Bischof Nordafrikas, dessen Wort die Kirche mehr als fünfzehn Jahrhunderte lang geleitet hat. Augustinus lehrte, dass das Sakrament dann entsteht, wenn das Wort zum Element hinzutritt: Accedit verbum ad elementum, et fit sacramentum. Das Wasser, das Brot, der Wein bleiben, was sie sind; aber wenn das Wort Gottes zu ihnen hinzutritt, wenn die Verheissung über dem Geschöpf ausgesprochen wird, dann wird das Geschöpf zum Zeichen der Gnade, zum sichtbaren Wort. Die Formel des Augustinus ist der Same von allem, was dieser Abschnitt lehrt, denn sie bindet Wort und Element unzertrennlich zusammen. Ein Sakrament ohne das Wort ist eine stumme Zeremonie, ein blosser Bissen Brot; das Wort ohne das Element ist eine kahle Verheissung, eine Lehre, die nie sichtbar wird. Aber das zum Element getretene Wort macht das Sakrament, und darum muss der Diener das Einsetzungswort verkünden: ohne es gibt es kein Mahl, nur Brot und Wein und Schweigen. Calvin hat die Formel des Augustinus aufgenommen und in das Gefüge seiner Sakramentslehre gepresst. Ein Sakrament, bestand er darauf, ist ein sichtbares Wort, eine Verheissung Gottes, die dem Auge sichtbar gemacht wird, wie die Predigt des Evangeliums sie dem Ohr hörbar macht. Wort und Sakrament stehen nicht nebeneinander wie zwei getrennte Dinge; sie sind eine einzige Verheissung, zweimal gesprochen, einmal zum Ohr und einmal zum Auge, und das Sakrament ohne das Wort ist ein Zeichen, aus dem die Bedeutung geflohen ist. Darum war Calvin so streng gegen die wortlosen Messen seiner Zeit, in denen der Priester in unbekannter Zunge flüsterte und das Volk nichts verstand. Ein Sakrament, in dem das Wort nicht verkündet wird, ist gar kein Sakrament, sondern ein Stück magischen Theaters, und Calvin wollte davon nichts wissen. Das Wort muss gepredigt oder verlesen, zumindest aber verkündet werden, in einer Sprache, die das Volk versteht, sonst sinkt das Mahl zu einem leeren Schauspiel herab. Darin war Calvin schlicht ein treuer Leser des Paulus, der lieber fünf Worte mit Verstand reden wollte als zehntausend ohne ihn, und die ganze reformierte Gottesdienstordnung mit ihrer Schriftlesung und ihrer Verkündigung der Einsetzung fliesst aus dieser einen Überzeugung. Und weil wir auf schweizerischem Boden stehen, dürfen wir hier einen Augenblick innehalten, denn die Verbindung von Wort und Zeichen ist gerade hier mit besonderer Klarheit verteidigt worden. Zwingli hat in Zürich die stille lateinische Messe beseitigt und das Abendmahl in der Sprache des Volkes gefeiert, weil er begriff, dass ein Zeichen, das niemand versteht, kein Zeichen der Gnade sein kann, sondern ein Götzenbild, dem das Volk einen dunklen Zauber zuschreibt. Er stellte die Verkündigung des Wortes mitten in die Feier und lehrte, dass das Mahl ohne das verkündete Wort ein stummer Tisch sei, an dem das Volk hungert, weil es nicht hört, was ihm gereicht wird. Bullinger hat dieses Erbe bewahrt und im Zweiten Helvetischen Bekenntnis festgeschrieben, dass das Predigen des Wortes Gottes das eigentliche Kennzeichen der Kirche ist und dass die Sakramente zum Wort hinzutreten, um die Verheissung sichtbar zu machen, nicht aber das Wort ersetzen können. Der Gottesdienst, so lehrt Bullinger, ist ein Ganzes aus Wort und Zeichen, und wer das Zeichen vom Wort reisst, macht aus dem Mahl ein Zauberstück. So zieht sich von Zürich bis Genf eine einzige Linie, und sie lautet überall gleich: Das Wort muss laut werden, damit das Zeichen verstanden werde, und das Zeichen muss gereicht werden, damit das Wort geschmeckt werde. Hodge endlich fügt die Unterscheidung hinzu, die den ganzen Abschnitt vor Missverständnis bewahrt, die Unterscheidung zwischen Weihe und Wesensverwandlung. Die Elemente, so erklärt er, werden vom gewöhnlichen zum heiligen Gebrauch ausgesondert, und diese Aussonderung ist wirklich; das Brot und der Wein sind nicht mehr gewöhnlich, sondern heilig, einem heiligen Zweck hingegeben. Aber ihre Heiligkeit liegt in ihrem Gebrauch und ihrer Bestimmung, nicht in einer Verwandlung ihrer Substanz. Sie sind heiliges Brot und heiliger Wein, aber sie sind noch immer Brot und Wein. Mehr zu sagen hiesse, in den Irrtum zu fallen, den das Bekenntnis später verurteilen wird; weniger zu sagen hiesse, in den entgegengesetzten Irrtum zu fallen und das Sakrament als ein blosses Gedächtniszeichen zu behandeln, an dem nichts Heiliges mehr wäre. Die reformierte Lehre hält die Mitte mit beiden Händen fest: Die Elemente sind wahrhaft ausgesondert, wahrhaft geweiht, wahrhaft heilig für ihren Gebrauch, und doch bleiben sie, was sie waren, Brot und Wein, Zeichen und Siegel einer Gnade, die nicht aus den Elementen selbst kommt, sondern aus dem Geist des lebendigen Christus. Das ist die sorgsame, ausgewogene, biblische Lehre dieses Abschnitts, und sie ist mehr wert als Gold für jede Kirche, die das Mahl recht verwalten will.

Anwendung für das reformierte Leben

Was aber bedeutet diese Wahrheit für unser Herz, und wie sollen wir aus ihr leben? Sechs Worte der Seelsorge wollen wir an uns prüfen, und jedes von ihnen ist eine Frucht dieses einen Satzes. Erstens: Lerne, mit dem angeordneten Weg zufrieden zu sein, und finde darin eine seltsame, heilige Freiheit. Es gibt eine moderne Unruhe, die sich an jeder festen Form reibt, als wäre eine überlieferte Ordnung ein Käfig und kein Geschenk. Bedenke aber, wie die Anordnung Christi dich frei macht. Wenn die Ordnung festliegt, musst du nicht bangen, ob die Kirche es recht gemacht habe, ob irgendeine menschliche Erfindung in das Fest eingedrungen sei. Du weisst, was am Tisch geschehen wird, weil Christus es angeordnet hat, und du kannst mit stillem Herzen kommen, wie ein Kind zu einer Mahlzeit kommt, deren Tisch sein Vater gedeckt hat. Verachte die Gegebenheit des Mahles nicht; sie ist das Kennzeichen eines Hauses, das einem Herrn gehört, und die Freiheit, die sie bringt, ist die Freiheit eines Gastes, der weiss, dass sein Platz am Tisch ihm gehört, nicht durch eigene Veranstaltung, sondern durch die Anordnung seines Herrn. Die Kirche, die die gesetzte Ordnung bewahrt, ist nicht die Kirche in Fesseln; sie ist die Kirche, die im Willen ihres Herrn ruht. Zweitens: Lerne, von Christus zu empfangen und nicht vom Diener. Der Mann, der am Tisch steht, um das Brot zu brechen, ist von Christus dazu bestellt, und darum sollst du das Amt ehren; aber das Brot, das er dir reicht, ist nicht sein Brot, und die Gnade, die es versiegelt, ist nicht seine Gnade. Er ist ein Diener bei einem Fest, das er nicht bereitet hat, ein Aufwärter, der Speise trägt, die er nicht gekocht hat, und wenn er das Brot vor dich stellt, so ist es Christus, der dich speist, Christus, der durch seinen Geist gegenwärtig ist, Christus, der sich deinem Glauben schenkt. Der Diener fügt dem Mahl nichts hinzu; er reicht nur, was Christus schon bereitet hat. Empfange darum mit einem Auge, das an dem Diener vorbei auf den Herrn blickt, und falle nicht in einen der beiden Irrtümer, die den Menschen hier umstellen: weder den Diener zu verachten, weil er nur ein Mensch ist, noch ihn anzubeten, als wäre er ein Priester. Ehre das Amt, das Christus eingesetzt hat, und suche Christus, so wirst du weder durch Verachtung verhungern noch durch Aberglauben straucheln. Drittens: Lass dir durch die Notwendigkeit des Wortes niemals ein wortloses Sakrament genügen. Das Mahl ist ein Fest, das für den Glauben gedeckt ist, und der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Wenn das Einsetzungswort nicht verkündet wird, wenn das Evangelium nicht gepredigt wird, wenn der Tod Christi dir nicht in der Rede wie im Zeichen vor Augen gestellt wird, so wirst du aufgefordert, ohne Verstand zu essen und dich von etwas zu nähren, das du nicht kennst. Schätze das Wort, das den Tisch begleitet, so hoch wie den Tisch selbst. Höre auf die Verlesung der Einsetzung, wie du auf den Gastgeber eines Festes hören würdest, der, ehe das Brot herumgeht, ankündigt, was das Mahl ist und was es bedeutet; lass die gesprochene Verheissung Christi dir das Brot in deiner Hand und den Kelch an deinen Lippen verständlich machen. Und lass in deiner eigenen stillen Andacht das Sakrament nie zu einer blossen Zeremonie werden, die man vollzieht, sondern lass Wort und Zeichen zusammengehen, damit dein Empfangen verständig, gläubig und voller Dank sei, eine wahre Eucharistie. Viertens: Lass die Aussonderung der Elemente dich die wahre Bedeutung der Weihe lehren, und wende sie dann auf dein eigenes Leben an. Das Brot wird nicht verwandelt; es wird ausgesondert. Es bleibt Brot, und doch ist es heilig, weil es einem heiligen Gebrauch übergeben ist. Ist das nicht ein Bild dessen, wozu du berufen bist? Du wirst nicht in etwas anderes verwandelt als in einen Menschen; du bleibst ein Mensch, schwach und irdisch, und doch bist du ausgesondert, einem heiligen Gebrauch geweiht durch das Wort und den Ruf Gottes. Der Apostel bat die Römer, ihre Leiber als ein lebendiges Opfer darzubringen, heilig und Gott wohlgefällig, und das ist deine Weihe: keine Verwandlung des Wesens, sondern eine Änderung des Gebrauchs, ein Leben, das aus dem gewöhnlichen Handel der Welt genommen und dem Dienst des Herrn hingegeben ist. Wenn du zusiehst, wie das gewöhnliche Brot am Tisch emporgenommen und ausgesondert wird, so denke daran, dass derselbe Herr dich emporgenommen und ausgesondert hat und dass deine Heiligkeit keine neue Natur ist, die deine eigene Mühe herstellte, sondern eine alte Natur, die aus Gnade einem neuen, himmlischen Ziel geweiht ist. Lebe als einer, der ausgesondert ist, und das Mahl wird dir bei jedem Empfang predigen. Fünftens: Lass die Tischgesellschaft dich lehren, dass du nicht allein Christ sein kannst. Das Mahl wird keinem gereicht, der nicht dann in der Gemeinde gegenwärtig ist, und die Gestalt des Sakraments selbst erklärt, dass die Gnade, die es versiegelt, eine Gnade für ein Volk ist, nicht für eine einsame Seele. Du bist ein Brot mit allen, die von dem einen Brot essen; du bist ein Glied an einem Leib, und das Fest, das du teilst, ist ein Fest der Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Heiligen, sichtbar geworden in Brot und Wein. Wenn du träge geworden bist im Versammeln mit den Heiligen, so rufe dich das Mahl zurück. Wenn du einen Groll gegen einen Bruder trägst, so breche ihn der Tisch, denn du kannst nicht am Tisch des Herrn essen und das Volk des Herrn verachten. Komm als einer aus einer Gesellschaft zum Tisch, froh über die Brüder und Schwestern neben dir, und lerne dort die süsse Lehre, dass Christus dich nicht gerettet hat, damit du ein einsamer Pilger seist, sondern damit du ein Glied seines Leibes seist, das mit seiner Familie feiert, bis er kommt. Der Tisch ist für die Gemeinde gedeckt, und nur als Teil der Gemeinde wirst du je seine Freude wahrhaft schmecken. Sechstens und zuletzt: Halte die Ordnung des Tisches in der Furcht dessen, der sie gegeben hat, und hüte sie, wo immer du darfst. Du hast kein Recht, an dem Tisch deines Herrn etwas zu ändern, und du sollst es auch nicht stillschweigend dulden, wo es geändert wird. Wo das Einsetzungswort verschwiegen, der Kelch vorenthalten, das Mahl in ein Opfer oder in ein blosses geselliges Mahl verwandelt wird, da rede, wo du reden kannst, und leide, wo du nicht reden kannst, aber gib die Ordnung deines Herrn nicht preis. Ein treuer Knecht hält die Ordnung des Hauses auch dann, wenn er allein steht, denn er weiss, dass er nicht dem Haus dient, sondern dem Herrn des Hauses, der wiederkommen wird. Und wenn du in der Ordnung bleibst, die Christus gegeben hat, so wirst du die Verheissung schmecken, die über dieser Ordnung liegt: dass der Herr an seinem eigenen Tisch gegenwärtig sein will, dort, wo sein Wort verkündet, sein Brot gebrochen und sein Kelch den Seinen gereicht wird, bis er kommt.

Gebet

Herr Jesus Christus, der du die Ordnung deines eigenen Tisches bestimmt und deine Diener berufen hast, ihm zu dienen, wir preisen dich, dass du in deinem Gottesdienst nichts unserer Erfindung überlassen, sondern uns ein Muster gegeben hast, nach dem wir kommen dürfen. Wir preisen dich für das Einsetzungswort, das deinem Volk in einer Sprache verkündet wird, die es versteht, und für Brot und Wein, ausgesondert vom gewöhnlichen zum heiligen Gebrauch, Zeichen und Siegel deines gebrochenen Leibes und deines vergossenen Blutes. Gib, dass wir die Ordnung, die du angeordnet hast, niemals verachten und sie niemals in einen Aberglauben verwandeln, sondern alles empfangen, wie du geboten hast, mit Verstand, mit Glauben und mit Danksagung. Wir danken dir, dass du in diesem Mahl selbst der Gastgeber bist und dass der Diener, der uns bedient, nur ein Knecht ist, der trägt, was du bereitet hast. Bewahre uns davor, auf einen Menschen zu vertrauen, und bewahre uns davor, das Amt zu verachten, das du eingesetzt hast, damit unsere Augen auf dich allein gerichtet seien, der allein unsere Seelen speisen kann. Gib uns eine Liebe zu deinem Wort, dass wir uns niemals mit einer stummen Zeremonie begnügen, sondern stets nach der Verheissung hungern, die über dem Zeichen gesprochen wird. Weihe uns, so bitten wir dich, wie die Elemente geweiht werden, damit unser ganzes Leben deinem Dienst ausgesondert sei, nicht mehr gewöhnlich, sondern dir heilig. Und weil dein Tisch für eine Tischgesellschaft gedeckt ist, binde uns in Liebe an all dein Volk, dass wir das Versammeln nicht verlassen und nicht mit einem Herzen zu deinem Fest kommen, das von einem deiner Kinder getrennt ist. Ziehe uns zusammen als ein Brot, ein Leib, eine Familie, die in deiner Gegenwart feiert, und erhalte uns schauend und verlangend auf den Tag, an dem der Schatten des Mahles der Sache weicht und wir dein Angesicht sehen und satt werden. Wir bitten es um deines Namens willen, Jesus Christus, unser Herr. Amen.
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