Andacht 158 von 171

Der würdige Genuss: Selbstprüfung vor dem Empfang

Ch.29: Of the Lord's Supper — Abschnitt 5 • 2026-09-30 • 35 min
Die äusseren Elemente in diesem Sakrament, in gehöriger Weise zu dem von Christus verordneten Gebrauch ausgesondert, haben eine solche Beziehung zu dem Gekreuzigten, dass sie zuweilen, wahrhaftig, aber doch nur sakramentlich, mit dem Namen der Dinge genannt werden, die sie darstellen, nämlich Leib und Blut Christi; obwohl sie dem Wesen und der Natur nach wahrhaftig und wirklich nur Brot und Wein bleiben, wie sie zuvor waren.
— Westminster Bekenntnis, Kapitel 29, Abschnitt 5

Einleitung

Es ist ein Augenblick, der sich an jedem Tisch des Herrn wiederholt und der doch niemals aufhört, das Herz zu rühren. Der Diener hebt das Brot empor, und über das stille Brot in seiner Hand spricht er die Worte, die der Herr selbst in jener Nacht gesprochen hat: »Das ist mein Leib.« Und in dem Augenblick, da diese Worte erklingen, spürst du unter deinen eigenen Sinnen, was doch offenkundig ist: In der Hand liegt Brot, nichts anderes, Brot, das schmeckt wie Brot, bricht wie Brot und morgen wieder Brot sein wird. Wie, so fragt das nachdenkliche Herz, kann dieses Brot der Leib Christi heissen? Ist es sein Leib, oder ist es nur ein Sinnbild? Und wenn es sein Leib ist, wie kann es zugleich Brot bleiben? Hier, Geliebte, stehen wir an der tiefsten und umstrittensten Frage dieses Kapitels, und der Abschnitt, der nun vor uns liegt, ist der Versuch der Westminster-Väter, auf diese Frage eine Antwort zu geben, die weder die Wahrheit verrät noch die Vernunft vergewaltigt. Es geht um die Sprache des Sakraments, um die Frage, wie das Brot der Leib Christi genannt werden kann, ohne dass es aufhört, Brot zu sein, und wie Christus im Mahl wahrhaft gegeben werden kann, ohne dass er in das Brot hineingezwungen wird. Kein Abschnitt dieses Kapitels ist in der Geschichte der Kirche mit mehr Feuer umkämpft worden als dieser, denn an ihm hängt der ganze Unterschied zwischen Rom, den Lutheranern und den reformierten Kirchen, und eben dieser Unterschied hat einst die Freunde auseinandergerissen, die in Marburg an einem Tisch sassen, um die Einheit des Glaubens zu suchen, und die an der Frage scheiterten, was die Worte »das ist mein Leib« bedeuten. Und meine nicht, lieber Hörer, dies sei ein Streit um Worte, ein Zank für Gelehrte, der kein lebendiges Herz berühre. Davon kann keine Rede sein. An der Antwort auf diese Frage hängt, ob du am Tisch wirklich Christus empfängst oder nur an ihn denkst, ob das Mahl dich nährt oder nur an etwas erinnert, ob du mit offenen Händen eine Gabe empfängst oder mit leeren Händen vor einem Sinnbild stehst. Ein Gläubiger, der glaubt, das Brot sei in den Leib Christi verwandelt, wird es anbeten und den Geber über der Gabe verlieren; ein Gläubiger, der glaubt, das Mahl sei nur ein leeres Zeichen, wird es geringschätzen und hungrig von dannen gehen, während Christus ihm doch wahrhaft gereicht wird. Zwischen diesen beiden Abgründen, dem Götzendienst der Verwandlung und der Leere der blossen Erinnerung, führt ein schmaler und heiliger Weg, und ihn zu gehen hat uns dieser Abschnitt gegeben. Dieser Abschnitt entfaltet diesen einen Satz und ruft uns an den Tisch, dort wirklich zu empfangen, was der Herr wahrhaft gibt. Wir sind in diesem Kapitel nun bis an seinen innersten Grund vorgedrungen. Wir standen im Obergemach und sahen, wie der Herr das Mahl einsetzte, und erkannten, dass es eine Mahlzeit ist und kein Denkmal. Wir hörten, dass es kein Opfer ist, sondern ein Gedächtnis eines vollendeten Opfers. Wir betrachteten die Ordnung, die Christus seiner Kirche für die Verwaltung gegeben hat, und wir verwarfen mit den Vätern die Missbräuche, die diese Ordnung entstellten. Nun aber müssen wir die letzte und feinste Frage beantworten, die Frage, die unter allen anderen liegt: Was geschieht eigentlich mit Brot und Wein, wenn sie am Tisch des Herrn stehen, und wie verhält sich das Zeichen zu dem, was es bezeichnet? Der Abschnitt, der vor uns liegt, ist darum nicht ein Anhang zu dem, was wir schon gehört haben, sondern sein Herzstück, denn er sagt uns, was das Mahl seinem innersten Wesen nach ist: ein Zeichen, das mit der Wahrheit, die es bezeichnet, so innig verbunden ist, dass es deren Namen tragen darf, und doch ein Zeichen bleibt, damit wir uns vor keinem Brot verneigen, sondern uns von dem nähren lassen, der durch das Brot hindurch sich selbst dem Glauben schenkt.

Die biblischen Grundlagen

Der Grund, auf dem alles ruht, sind die Worte selbst, die der Herr in der Nacht des Verrats gesprochen hat, und wir müssen zuerst auf sie hören, ehe wir irgendeinen Menschen über sie reden lassen. Matthäus überliefert uns, was geschah: »Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.« Hier steht die entscheidende kleine Rede, an der sich die Kirchen geschieden haben: »das ist mein Leib«, »das ist mein Blut«. Achte genau darauf, was der Herr tut. Er hält Brot in der Hand, bricht es und reicht es, und während er dieses Brot reicht, nennt er es seinen Leib. Er hält den Kelch und nennt seinen Inhalt sein Blut. Die Frage, die der ganze Abschnitt beantworten will, ist genau diese: In welchem Sinn darf Brot »Leib« und Wein »Blut« genannt werden? Die Schrift selbst beantwortet diese Frage, denn sie gebraucht diese Redeweise an vielen Stellen, und wer diese Stellen kennt, dem löst sich das Rätsel der Einsetzungsworte von selbst. Der Herr sprach in der Sprache seines Volkes, und in dieser Sprache war es von jeher üblich, ein Zeichen mit dem Namen der Sache zu nennen, die es bezeichnet. Wir dürfen darum nicht mit unseren abendländischen, auf das Stoffliche gerichteten Ohren an diese Worte treten, als hätte ein Jude des ersten Jahrhunderts sie mit der Frage gehört, ob Brot nun in Leib verwandelt werde; er hörte sie als die natürliche Rede eines Lehrers, der ein Zeichen benennt nach dem, worauf es weist. Der klarste Beweis dafür steht ganz am Anfang der Schrift, in dem Bunde, den Gott mit Abraham schloss, und eben dieser Bund ist das Vorbild, aus dem das Mahl des neuen Bundes hervorging. Gott sprach zu Abraham über die Beschneidung: »Das ist aber mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. Ihr sollt aber die Vorhaut an eurem Fleisch beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch.« Sieh auf die beiden Sätze, die hier nebeneinanderstehen, denn sie sind der Schlüssel zum ganzen Abschnitt. Zuerst nennt Gott die Beschneidung geradeheraus seinen Bund: »Das ist aber mein Bund.« Dann erklärt er, was sie in Wahrheit ist: »Das soll das Zeichen sein des Bundes.« Die Beschneidung war nicht der Bund selbst; sie war dessen Zeichen, ein Schnitt ins Fleisch, der auf eine tiefere, geistliche Wirklichkeit hinwies. Und doch nannte Gott sie ohne Zögern mit dem Namen der Sache selbst, meinen Bund, so innig waren in seinem Denken das Zeichen und die bezeichnete Sache verbunden. Niemand in Israel hätte aus diesen Worten geschlossen, der Bund Gottes bestehe aus einem Stück abgeschnittener Haut; jeder verstand, dass hier ein Zeichen den Namen dessen trägt, was es verbürgt. Genau so spricht der Herr am Tisch: Das Brot ist das Zeichen seines Leibes, und weil es dessen Zeichen ist, nennt er es seinen Leib. Der Apostel Paulus gebraucht dieselbe Redeweise mit einer Kühnheit, die jeden Zweifel ausräumen muss, und zwar dort, wo er von den Vätern in der Wüste spricht. Er schreibt: »Und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus.« Hier steht der Satz, auf den die reformierte Auslegung der Einsetzungsworte seit jeher hingewiesen hat: »der Fels aber war Christus«. Der Fels in der Wüste war nicht Christus; er war ein Stein, aus dem Wasser floss, ein lebloses Ding in der Einöde. Und doch nennt Paulus ihn Christus, weil jener Fels ein Zeichen war, das auf Christus hinwies, auf den wahren Felsen, aus dem das Wasser des Lebens strömt. Das kleine Wort »war« ist hier kein Wort der Verwandlung, sondern der Bezeichnung; der Stein blieb Stein, und doch war er Christus, weil er Christus bedeutete und den Vätern Christus darreichte, so wie das Brot am Tisch Brot bleibt und doch der Leib Christi ist, weil es ihn bezeichnet und dem Glauben darreicht. Paulus selbst hat uns damit die Regel an die Hand gegeben, nach der wir die Worte des Herrn lesen müssen: Wo ein Zeichen steht, darf es den Namen der Sache tragen, die es bedeutet. Und der Herr selbst hat uns davor gewarnt, diese Worte fleischlich zu nehmen, in einem Gespräch, das Johannes aufgezeichnet hat und das wie ein Vorauskommentar zum ganzen Streit um das Mahl dasteht. Als Jesus sich das Brot des Lebens nannte und vom Essen seines Fleisches und vom Trinken seines Blutes sprach, murrten viele, und er antwortete ihnen: »Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.« Hier ist der Grundsatz, der alles entscheidet. Das Fleisch, das blosse Stoffliche, vermag nichts, wenn es um das Leben der Seele geht; was die Seele nährt und lebendig macht, ist der Geist. Christus lehrt uns damit, dass sein Leib nicht auf die Weise gegessen wird, wie ein Bissen Brot mit Zähnen zermalmt wird, sondern auf geistliche Weise, durch den Glauben, den der Geist wirkt. Das Mahl hat er nicht eingesetzt, damit wir sein Fleisch körperlich in uns hineinschlingen, sondern damit sein Geist uns durch das Zeichen hindurch mit ihm selbst verbinde. Wer die Worte des Herrn fleischlich nimmt, nimmt sie gerade nicht, wie er sie meinte; wer sie geistlich nimmt, empfängt wirklich, was er verheisst. Ein letztes Zeugnis rundet das biblische Bild ab, und es ist wieder ein Wort des Herrn selbst, diesmal über den Kelch. Lukas berichtet: »Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.« Beachte die Redeweise. Der Herr hält einen irdenen Becher in der Hand und nennt ihn den neuen Bund. Niemand, der bei Sinnen ist, könnte meinen, das Tongefäss selbst sei der Bund zwischen Gott und den Menschen geworden; der Kelch ist offenkundig das Zeichen des Bundes, und sein Inhalt, der Wein, ist das Zeichen des Blutes, mit dem der Bund erkauft wurde. Und doch sagt der Herr ohne jede Erklärung: Dieser Kelch ist der neue Bund. Er setzt voraus, dass seine Jünger die Sprache des Zeichens verstehen, jene uralte Redeweise, in der das Sichtbare den Namen des Unsichtbaren trägt, weil es dieses Unsichtbare verbürgt und dem Glauben reicht. Diese fünf Zeugnisse, Abraham und Paulus und der Herr selbst in seinem eigenen Gespräch und an seinem eigenen Tisch, reden mit einer Stimme, und ihre Stimme lautet: Das Zeichen darf den Namen der Sache tragen, und darum heisst das Brot Leib und der Kelch Bund, ohne dass das Brot aufhörte, Brot, und der Kelch, Kelch zu sein.

Was die Westminster-Väter meinten

Als die Westminster-Väter diesen Abschnitt schrieben, standen sie auf dem Boden eines alten, blutigen Streites, und sie schrieben ihn mit drei sehr verschiedenen Gegnern vor Augen, gegen die sie mit einem einzigen, sorgsam abgewogenen Satz Front machten. Wer den Satz verstehen will, muss die drei Fronten sehen, denn jede Wendung des Abschnitts ist auf eine von ihnen gemünzt. Der erste Gegner war Rom, dessen Lehre von der Wesensverwandlung das Konzil von Trient zum Dogma erhärtet hatte. Trient erklärte, durch die Weihe werde die ganze Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi verwandelt und die ganze Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes, so dass nach der Weihe nichts vom Brot und nichts vom Wein mehr übrig sei, sondern nur noch die Gestalten, die äusseren Merkmale, während das Wesen ganz in Leib und Blut Christi übergegangen sei. Dagegen setzt das Bekenntnis seinen letzten, entscheidenden Satz: die Elemente bleiben dem Wesen und der Natur nach wahrhaftig und wirklich nur Brot und Wein, wie sie zuvor waren. Das ist die klare, nüchterne Verneinung der Verwandlung. Das Brot hört nicht auf, Brot zu sein; der Wein hört nicht auf, Wein zu sein. Was am Tisch geschieht, ist keine Verwandlung der Substanz, sondern eine Aussonderung zum heiligen Gebrauch, wie wir schon sahen, als wir die Ordnung des Mahles betrachteten. Der zweite Gegner war die lutherische Lehre, die, ohne eine Verwandlung zu behaupten, doch lehrte, der Leib Christi sei leiblich, örtlich, mit dem Brot verbunden, in, mit und unter dem Brot gegenwärtig, so dass er von den Zähnen der Gläubigen gegessen werde, auch von den Ungläubigen, die ohne Glauben an den Tisch treten. Gegen diese leibliche Gegenwart richtet das Bekenntnis das feine, unbestechliche Wort »nur sakramentlich«. Die Elemente haben eine Beziehung zu dem Gekreuzigten, aber diese Beziehung ist eine sakramentliche, das heisst eine solche, die durch das Zeichen vermittelt und für den Glauben bestimmt ist, keine leibliche, örtliche, greifbare. Christus ist im Himmel, und sein Leib ist ein wahrer Leib an einem Ort; er wird nicht stückweise in Brot und Wein eingeschlossen, sondern geistlich, durch den Glauben, den der Geist wirkt, empfangen. Das Wort »sakramentlich« ist der Damm, den die Väter gegen jede Vorstellung aufwarfen, der Leib Christi könne mit Händen ergriffen und mit Zähnen gegessen werden. Der dritte Gegner aber stand zur anderen Seite, und wer ihn übersieht, versteht den Abschnitt nur halb. Es waren die Sozinianer und die radikalen Schwärmer, die das Abendmahl zu einem leeren Erinnerungszeichen herabwürdigten, zu einer blossen Gedächtnisfeier, bei der nichts gegeben und nichts empfangen werde, sondern nur ein edler Mensch gestorben sei, an den man sich nun freundlich erinnere. Gegen diese Leere richtet das Bekenntnis das kleine, gewichtige Wort »wahrhaftig«. Die Rede am Tisch ist keine leere Übertragung; die Elemente werden wahrhaftig mit dem Namen der Dinge genannt, die sie darstellen, weil zwischen dem Zeichen und der bezeichneten Sache eine wahre, von Christus selbst gestiftete Verbindung besteht. Das Brot ist nicht der Leib, aber es ist auch nicht nichts; es ist das von Christus verordnete Zeichen und Siegel seines Leibes, und wer es im Glauben empfängt, empfängt wahrhaftig Christus selbst und seine Wohltaten. Die Väter wollten weder, dass das Brot angebetet, noch dass es verachtet werde; sie wollten, dass es empfangen werde als das, was es ist: ein Zeichen, das Christus selbst an seine Gabe gebunden hat. In dieser dreifachen Streitfront liegt die eigentliche Leistung des Abschnitts, und sie ist verdichtet in der einen Wendung, die Elemente hätten eine solche Beziehung zu dem Gekreuzigten, dass sie dessen Namen tragen. Achte auf das Wort Beziehung, denn es ist mit grosser Sorgfalt gewählt. Die Väter sagen nicht, das Brot sei der Leib; sie sagen, es habe eine Beziehung zu Christus, eine Verbindung, die Christus selbst durch seine Einsetzung gestiftet hat. Diese Beziehung ist wirklich, denn Christus hat sie verordnet, und er ist treu, seine Verheissung zu halten; aber sie ist eine Beziehung und keine Verwandlung, eine Verbindung und keine Verschmelzung. Das Zeichen bleibt Zeichen, und doch ist es nicht von dem getrennt, was es bezeichnet, denn wo Gott ein Zeichen an seine Gnade bindet, da wirkt er durch das Zeichen hindurch das, was das Zeichen verbürgt. Das ist die Lehre, die hinter dem kleinen Wörtchen »nur« steht, dem umstrittensten Wort des ganzen Satzes: nicht weniger als wahrhaftig, aber auch nicht mehr als sakramentlich, sondern genau die Mitte, die die Schrift selbst vorgibt. Noch ein Punkt verdient Aufmerksamkeit, und es ist die Art, wie die Väter die Aussonderung mit der Bezeichnung verbinden. Sie sagen nicht, jedes beliebige Brot dürfe Leib Christi genannt werden; sie sagen, die Elemente, die in gehöriger Weise zu dem von Christus verordneten Gebrauch ausgesondert sind, hätten diese Beziehung. Das Brot auf dem Küchentisch ist gewöhnliches Brot und sonst nichts; das Brot am Tisch des Herrn, das durch das Wort Gottes und das Gebet zum heiligen Gebrauch ausgesondert ist, trägt den Namen des Leibes Christi und reicht dem Glauben, was es bezeichnet. Die Weihe verwandelt nicht, aber sie sondert aus, und die ausgesonderte Speise ist nicht mehr gewöhnlich, sondern heilig, eine Speise, durch die Christus sich selbst dem Glauben mitteilt. So verbinden die Väter den Abschnitt mit allem, was vorherging: die Ordnung der Weihe aus dem dritten Abschnitt, die Verwerfung der Anbetung aus dem vierten und nun die genaue Lehre vom Verhältnis des Zeichens zur Sache. Alles hängt zusammen, und alles ruht auf dem einen Felsen, dass Christus treu ist und durch die Zeichen, die er eingesetzt hat, wirklich wirkt, was er verheissen hat.

Theologische Tiefe

Die Reformatoren haben diese Lehre nicht erfunden; sie haben sie mit grosser Mühe aus der Schrift zurückgewonnen und gegen zwei Abgründe zugleich verteidigt, und die Stimmen, die durch diesen Abschnitt klingen, reden mit dem ganzen Gewicht von Männern, die um dieser Wahrheit willen gelitten hatten. Calvin hat dem Verhältnis von Zeichen und bezeichneter Sache eine Klarheit gegeben, die seither die reformierte Lehre bestimmt. Er bestand darauf, dass Brot und Wein am Tisch bleiben, was sie sind, und dass doch zwischen dem Zeichen und der Sache eine so enge, vom Geist gewirkte Verbindung besteht, dass der Gläubige, der das Brot empfängt, wahrhaftig Christus selbst empfängt. Gegen Rom hielt er fest, dass der Leib Christi im Himmel ist und nicht in ein Stück Brot herabgezogen werden kann; gegen die blosse Erinnerung hielt er fest, dass der Geist die Seele wahrhaft mit Christus verbindet und nährt. Sein Grundgedanke ist die sakramentliche Einheit: Der Heilige Geist, der in der Verheissung wirkt, verbindet das sichtbare Zeichen so mit der unsichtbaren Gnade, dass beides dem Glauben zugleich gereicht wird, das Brot der Hand und Christus der Seele. Wer das Brot isst, isst Brot; wer im Glauben isst, wird zugleich von Christus gespeist. Es ist dieselbe Handlung und doch zweierlei: das Zeichen für den Leib, die Wahrheit für das Herz. Diese Verbindung zu leugnen, indem man das Brot anbetet, oder sie zu zerbrechen, indem man das Mahl entleert, sind für Calvin zwei Wege, die beide am Tisch Christi vorbeiführen. Bullinger hat diese Lehre in die Bekenntnisse der reformierten Kirchen gegossen und ihr damit die verbindliche Gestalt gegeben, in der sie bis heute gilt. Das Zweite Helvetische Bekenntnis lehrt mit ruhiger Eindeutigkeit, dass im Abendmahl keine Wesensverwandlung stattfindet und das Brot Brot, der Wein Wein bleibt, dass aber das Mahl darum nicht leer ist, sondern dass Christus durch seinen Geist die Gläubigen, die das Sakrament im Glauben empfangen, wahrhaft speist und tränkt. Bullinger unterschied sorgfältig zwischen dem äusseren Zeichen, das dem Auge und der Hand gehört, und der inneren Sache, die dem Geist und dem Glauben gehört, und er verband beides, ohne es zu vermischen. Das Zeichen ist nicht die Sache, und die Sache ist nicht an das Zeichen gebunden wie der Gefangene an seine Kette; aber Gott hat beide in der Einsetzung Christi zusammengefügt, so dass der gläubige Empfang des Zeichens der Weg ist, auf dem die Sache zur Seele gelangt. Für Bullinger lag in dieser Unterscheidung die ganze Freiheit und Sicherheit des Mahles: weil das Brot Brot bleibt, verneigt sich kein reformierter Christ vor ihm; weil Christus wahrhaft durch den Geist wirkt, geht kein reformierter Christ hungrig von ihm fort. Hodge hat das sprachliche Herz des Abschnitts blossgelegt und die Frage beantwortet, die den einfachen Leser am meisten bedrängt, die Frage, was eigentlich das Wörtchen »ist« in den Worten des Herrn bedeutet. Seine Antwort ist die schlichte Lehre von der sakramentlichen Redeweise, der Benennung der Sache durch ihr Zeichen. Wenn Christus sagt, das Brot sei sein Leib, so meint er, das Brot sei das Zeichen und Siegel seines Leibes, das Sakrament seines Leibes, wie schon der Name Sakrament andeutet, der in der alten Kirche gerade dies bedeutete: ein Zeichen einer heiligen Sache. Hodge führt den Leser an die klaren Stellen der Schrift, den Fels, der Christus war, den Bund, der die Beschneidung war, und zeigt, dass die Schrift überall so spricht. Die Rede ist weder eine Lüge noch eine blosse Metapher; sie ist die von Gott selbst gewählte Sprache des Sakraments, in der das Zeichen den Namen der Wahrheit trägt, weil es diese Wahrheit verbürgt und dem Glauben reicht. Wer dies versteht, dem fallen die beiden Klippen zugleich fort: Er wird das Brot nicht anbeten, denn es ist nur das Zeichen, und er wird es nicht verachten, denn es ist das Zeichen, das Christus selbst eingesetzt und an seine Gabe gebunden hat. Turretin trug zu derselben Wahrheit die Genauigkeit der Schule bei und bewachte die Grenzen, an denen die Lehre nach beiden Seiten auszugleiten droht. Er unterschied drei Dinge, die in der Frage der Gegenwart Christi sorgfältig getrennt werden müssen: die leibliche, örtliche Gegenwart, die dem erhöhten Herrn im Himmel zukommt; die bildliche Gegenwart, die jedem Zeichen eignet, das auf Christus hinweist; und die geistliche, wahre Gegenwart, in der Christus durch seinen Geist und seine Gnade in den Herzen der Gläubigen wohnt und sie am Tisch speist. Die erste leugnet er für das Mahl, die zweite genügt ihm nicht, die dritte ist es, auf der alles ruht. Das Brot ist ein Zeichen Christi, und doch ist mehr da als ein Zeichen, denn wo das Zeichen im Glauben empfangen wird, da wirkt der Geist zugleich die Sache selbst. Turretin nannte diese Verbindung die sakramentliche Einheit und hütete sie nach beiden Seiten: Weder darf man die Einheit so stark machen, dass das Zeichen in die Sache verwandelt wird, noch so schwach, dass beides auseinanderfällt und das Mahl zur leeren Zeremonie wird. Die Mitte, die er bewachte, ist genau die Mitte des Abschnitts: wahrhaftig, aber nur sakramentlich. Eine letzte Stimme verdient hier gehört zu werden, weil sie auf unserem Boden erklingt und weil sie zeigt, wie sorgfältig Genf selbst diese Mitte hütete. Beza, der Calvin im Amt folgte, hat sein Leben lang dieselbe Wahrheit verteidigt, die dieser Abschnitt bekennt, und zwar gegen beide Fronten zugleich. Gegen die Wesensverwandlung bestand er darauf, dass das Brot nach der Weihe Brot bleibt, weil der Leib Christi im Himmel ist und ein Leib nicht zugleich an tausend Orten auf Erden sein kann. Gegen die Schwärmer, die aus dem Mahl ein leeres Gedenken machen wollten, bestand er darauf, dass das Abendmahl eine wahrhafte Mitteilung Christi ist, in der der Geist den Gläubigen den ganzen Christus mit allen seinen Wohltaten darreicht. In Bezas Händen wird die reformierte Lehre zu dem, was sie ihrem tiefsten Wesen nach ist: weder ein Zauber, der das Brot verwandelt, noch ein Denkmal, das nur erinnert, sondern eine Gabe, die Christus selbst durch das Zeichen hindurch dem Glauben schenkt. Was diese Männer von Genf bis Zürich mit einer Stimme lehrten, ist genau das, was der Abschnitt in einem einzigen, abgewogenen Satz niederlegt: Das Brot bleibt Brot, und doch empfängt, wer es im Glauben isst, wahrhaftig den, dessen Leib es bezeichnet.

Anwendung für das reformierte Leben

Was aber bedeutet diese Wahrheit für unser Herz, und wie sollen wir aus ihr leben? Es sind sechs Worte der Seelsorge, an denen wir uns prüfen wollen, und jedes von ihnen ist eine Frucht dieses einen, sorgsam gewogenen Satzes. Erstens: Lerne die Sprache des Sakraments zu lesen, und lass dich weder zu einer groben noch zu einer leeren Auffassung verführen. Die Schrift redet von Zeichen mit dem Namen der Sache, und wer das vergisst, verirrt sich an beiden Stellen. Der fleischliche Sinn, der das Brot anbetet, weil es Leib genannt wird, nimmt die Worte des Herrn zu grob; der schwärmerische Sinn, der das Mahl geringschätzt, weil es nur Brot sei, nimmt sie zu leer. Beide haben die Sprache Gottes nicht verstanden. Der Herr hat das Zeichen an die Sache gebunden, und darum sollst du weder vor dem Zeichen niederknien noch es wegwerfen, sondern es empfangen als das, was es ist: das von Christus eingesetzte Unterpfand, durch das er dir wahrhaft sich selbst schenkt. Übe dich darin, die Schrift überall so zu lesen, dass du das Zeichen von der Sache unterscheidest, ohne es von ihr zu trennen, und du wirst weder in den Aberglauben noch in die Kälte fallen. Zweitens: Empfange Christus wahrhaft, aber auf die Weise des Geistes, nicht auf die Weise des Fleisches. Der Herr selbst hat gesagt, das Fleisch sei nichts nütze, der Geist aber sei es, der lebendig mache, und diese Unterscheidung bewahrt dich vor dem tiefsten Missverständnis des Mahles. Du empfängst Christus nicht mit Zähnen und Magen, sondern mit Glauben und Herz; sein Leib wird nicht in deinen Bauch hinabgelassen, sondern von deiner Seele im Glauben ergriffen, so wie das Auge die Sonne nicht vom Himmel zieht, aber ihr Licht in sich aufnimmt. Suche Christus darum nicht in dem Bissen Brot, als wäre er darin eingeschlossen, sondern erhebe dein Herz zu ihm, der im Himmel sitzt, und glaube, dass sein Geist dir durch dieses Zeichen hindurch ihn selbst darreicht. Das ist die geistliche Speise, die wahrhaft nährt, weil sie nicht auf das Fleisch, sondern auf den Glauben zielt, der allein Christus ergreifen kann. Drittens: Halte fest, dass das Mahl dir wirklich etwas gibt, und komm nicht mit leeren Händen davon. Die Leere der blosen Erinnerung ist eine feine Versuchung, und viele, die am Tisch sitzen, gehen hungrig von dannen, weil sie nichts erwartet haben. Aber das Wort »wahrhaftig« in unserem Abschnitt steht gegen diese Leere wie ein Damm. Christus hat das Brot nicht gegeben, damit du nur an ihn denkst, wie man an einen fernen Toten denkt; er hat es gegeben, damit du ihn selbst empfängst, seine Gnade, seine Kraft, seine Gemeinschaft, sein Leben. Komm darum zum Tisch mit der Erwartung eines Hungrigen und mit dem Glauben eines Empfangenden, und glaube, dass Christus treu ist und durch das Zeichen, das er eingesetzt hat, wirklich nährt, was er verheisst. Das Mahl ist keine Theateraufführung, die du betrachtest, und kein Denkmal, das du abschreitest; es ist eine Mahlzeit, bei der Christus selbst der Gastgeber ist und die Speise er selbst. Erwarte, gesättigt zu werden, und du wirst nicht enttäuscht von dannen gehen. Viertens: Wahre die zwei Grenzen zugleich, und lass weder das Brot noch die Gnade fahren. Der Abschnitt hält die Wahrheit mit beiden Händen fest, das Brot bleibt Brot, und Christus wird wahrhaft gegeben, und diese doppelte Festigkeit soll dein eigener Glaube lernen. Es ist leichter, nach einer Seite zu fallen als in der Mitte zu stehen: leichter, das Brot anzubeten oder zu verachten, leichter, Christus in das Brot zu zwingen oder aus dem Mahl zu vertreiben, als beides festzuhalten. Aber der Glaube, der bestehen soll, muss beides halten, weil die Schrift beides lehrt. Verachte das Brot nicht, denn Christus hat es eingesetzt und will durch es wirken; bete es nicht an, denn es bleibt Brot und weist über sich hinaus auf den, der allein anzubeten ist. Diese Mitte ist nicht Unsicherheit, sondern die höchste Sicherheit, die Sicherheit eines Glaubens, der weder an einem Geschöpf hängt noch an einer leeren Form, sondern an dem lebendigen Christus, der durch sein eigenes Zeichen zu seinem Volk kommt. Fünftens: Schöpfe aus der Treue der Sprache Gottes einen festen Trost für deine schwache Seele. Bedenke, was es heisst, dass Gott das Zeichen mit dem Namen der Sache nennt. Er tut es, weil er das Zeichen an die Sache bindet, weil das Brot am Tisch dir so gewiss Christus verbürgt, wie dein Auge das Brot sieht und deine Hand es hält. Wenn Gott dir im Wort verheisst, dass Christus für dich gestorben ist, und dir im Sakrament dasselbe sichtbar und greifbar versiegelt, so ist die Gewissheit doppelt: Du hörst es und siehst es, du liest es und schmeckst es. Dein Glaube ist schwach, und du fragst, ob die Vergebung wirklich dir gilt; der Herr antwortet dir mit Brot und Wein, die so gewiss dein sind, wie du sie mit Händen fasst. Wie gewiss ist das Brot in deiner Hand, so gewiss ist Christus deiner Seele; wie unzweifelhaft der Wein deine Lippen netzt, so unzweifelhaft ist das Blut des Bundes für dich vergossen. Die sakramentliche Rede Gottes ist kein Spiel mit Worten, sondern das Siegel seiner Treue, und ein Herz, das daran hängt, hat einen Grund, der nicht wankt. Sechstens und zuletzt: Lass das Brot, das Brot bleibt, dich die Demut der Gnade lehren, die durch geringe Mittel Grosses wirkt. Gott hätte sich einer erhabeneren Gabe bedienen können, um Christus darzureichen, aber er erwählte Brot und Wein, die geringsten und gewöhnlichsten Dinge des Lebens, das tägliche Brot des Armen und den Wein des gewöhnlichen Festes, und band an diese schlichten Gaben die höchste Gabe, die es gibt. Darin liegt eine Lehre für dein Herz. Gott wirkt nicht durch die Grösse der Mittel, sondern durch die Kraft seiner Verheissung, und er hat es gefallen, durch das Geringe das Grosse zu schenken, durch das Schwache das Starke zu vollbringen, durch das tägliche Brot das ewige Leben zu reichen. Verachte darum nie das Geringe in Gottes Ordnung, die schlichte Predigt, das gewöhnliche Brot, die einfache Feier, denn gerade durch diese unscheinbaren Mittel gefällt es Gott, seine Herrlichkeit zu offenbaren und seine Kinder zu speisen. Und lerne an dem Brot, das Brot bleibt, deine eigene Stellung vor Gott: Wie das Brot nicht aus eigenem Wesen heilig ist, sondern durch die Aussonderung Gottes, so bist du nicht aus eigener Kraft heilig, sondern durch die Gnade, die dich zum heiligen Gebrauch ausgesondert hat. Bleib gering vor Gott, und empfange das Grosse, das er durch das Geringe schenkt, bis das Zeichen der Sache weicht und du den, dessen Leib das Brot bezeichnet, von Angesicht zu Angesicht siehst.

Gebet

Herr Jesus Christus, der du in der Nacht, da du verraten wardst, das Brot genommen und gesagt hast, es sei dein Leib, und den Kelch, es sei dein Blut des neuen Bundes, wir preisen dich für die Weisheit und Treue, mit der du dein Zeichen an deine Gabe gebunden hast. Wir bekennen dir, wie schwer es uns fällt, deine sakramentliche Sprache zu verstehen, wie wir bald zu grob an dein Brot herantreten und es für dich selbst halten, bald zu leer, und meinen, du gäbest uns nichts als ein Sinnbild. Vergib uns beide Verirrungen und lehre uns die Mitte, die du selbst gesetzt hast. Gib uns den Glauben, der das Zeichen von der Sache unterscheidet, ohne es von ihr zu trennen, der das Brot nicht anbetet und es nicht verachtet, sondern es empfängt als das Unterpfand, das du eingesetzt hast. Bewahre uns vor der fleischlichen Auffassung, die dich in ein Stück Brot zwingen will, und vor der leeren Auffassung, die hungrig von deinem Tisch geht, als gäbest du nichts. Erhebe unsere Herzen zu dir, der du im Himmel sitzest, und lass uns durch deinen Geist dich selbst empfangen, deinen Leib, der für uns gegeben, und dein Blut, das für uns vergossen ist, auf dass wir wahrhaft gespeist und genährt werden für den Weg. Lass uns in der Treue deiner Rede ruhen, dass, so gewiss das Brot in unserer Hand ist, du selbst unserer Seele gewiss bist, und so unzweifelhaft der Wein unsere Lippen netzt, dein Blut für uns vergossen ist. Und weil du durch das Geringe das Grosse schenkst, halte uns demütig und gering, damit wir aus dem gewöhnlichen Brot das ewige Leben empfangen und aus dem Kelch den Bund schmecken, der mit deinem Blut geschlossen ist. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist, so rufst du uns zu, und wir antworten mit dem Hunger derer, die dich suchen: Speise uns, o Herr, mit dir selbst, und führe uns durch das Zeichen hindurch zu der Sache, bis wir dich sehen von Angesicht zu Angesicht. Wir bitten es um deines Namens willen, Jesus Christus, unser Herr. Amen.
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