Die Schrift lesen: Wie man die Bibel andächtig liest

Das Westminster-Bekenntnis beginnt mit der Lehre von der Schrift, weil alles andere auf ihr beruht. Die Andachtsreihe, aus der dieses Wiki seine Inhalte schöpft, wurde dazu entworfen, das gesamte Bekenntnis (171 Abschnitte) zu durchwandern, und das Muster einer jeden Episode zeigt, wie man die Schrift andächtig liest. ^[raw/en/wcf-intro.md]

Das Muster des andächtigen Lesens

Jede Folge folgt einem gleichbleibenden fünffachen Muster, das als Vorbild für die persönliche Bibellese dienen kann:

1. Den Text lesen

Zuerst das Bekenntnis selbst lesen — nicht eine Zusammenfassung oder Paraphrase. Die Westminster-Divines wählten jedes Wort mit Sorgfalt, und ihre präzise Sprache ist ein Teil des Schatzes. Beim persönlichen Bibellesen bedeutet dies, den biblischen Text unmittelbar zu lesen, nicht bloß über ihn zu lesen. ^[raw/en/wcf-intro.md]

2. Alles in der Schrift gründen

Zweitens jede Lehre in bestimmten Abschnitten der Schrift gründen. Das Bekenntnis schwebt nicht in der Luft; jeder Satz ist durch Schriftbeweise mit dem Wort Gottes verbunden. Die Puritaner bestanden darauf, dass wir immer wieder zur Bibel selbst zurückkehren müssen. Wie bb-warfield|B.B. Warfield gezeigt hat, schufen die Westminster-Divines keine neue Lehre, sondern bekannten, was die Schrift bereits lehrt. ^[raw/en/wcf-intro.md]

3. Verstehen, was der Text bedeutete

Drittens den geschichtlichen Zusammenhang, die bekämpften Irrtümer und die theologischen Anliegen bedenken, die die Formulierung geprägt haben. Dies erfordert fleißiges Studium mit den gewöhnlichen Mitteln — Kommentare, treue Verkündigung und die Erleuchtung des Heiligen Geistes. ^[raw/en/wcf-intro.md]

4. Tiefer gehen mit den reformierten Auslegern

Viertens aus den großen Lehrern der Kirche schöpfen — john-calvin|Johannes Calvin, thomas-watson|Thomas Watson, aa-hodge|A.A. Hodge, robert-shaw|Robert Shaw und andere. Diese Männer »sahen Dinge in der Schrift, die unsere Generation in ihrer Eile und Zerstreuung weithin vergessen hat. Sie lebten dem Text näher. Sie beteten mehr über seine Seiten.« ^[raw/en/wcf-intro.md]

5. Die Lehre anwenden

Fünftens jede Wahrheit bis zum Gewissen hinunterführen. Die puritan-movement|puritanische Genialität liegt darin, dass Lehre niemals bloß erkannt, sondern gelebt werden muss. Jede Wahrheit muss im Licht des eigenen Herzens geprüft und dem Willen eingeprägt werden. ^[raw/en/wcf-intro.md]

6. Beten

Schließlich schließt jede Episode mit Gebet — denn Theologie, die nicht in Doxologie endet, ist keine wahre Theologie. Nimm die erlernte Lehre und kehre sie zu Gott zurück in Lobpreis und Fürbitte. ^[raw/en/wcf-intro.md]

Die Klarheit der Schrift

Das Bekenntnis lehrt, dass »nicht alle Dinge in der Schrift an sich gleich klar und auch nicht allen gleich deutlich sind; dennoch sind diejenigen Dinge, die zum Heil zu wissen, zu glauben und zu befolgen notwendig sind, so klar dargelegt… dass nicht nur die Gelehrten, sondern auch die Ungelehrten bei rechtem Gebrauch der gewöhnlichen Mittel zu einem hinreichenden Verständnis derselben gelangen können« (WCF 1.7). ^[raw/en/wcf-ch01-s07.md]

Dies bedeutet, dass die Bibel jedem Gläubigen zugänglich ist. Du brauchst keinen theologischen Abschluss. Du brauchst ein hungriges Herz, einen willigen Geist und eine Bibel in Reichweite. Wie thomas-watson|Thomas Watson sagt: »Die Schrift ist ein Garten, in dem nicht nur die hohe Zeder erhabener Geheimnisse steht, sondern auch der Ysop schlichter Wahrheit, den der schwächste Christ pflücken kann.«

Die Mittel des Verstehens

Das Bekenntnis spricht von »rechtem Gebrauch der gewöhnlichen Mittel.« Diese schließen ein: 1. Öffentliche Lesung und Verkündigung des Wortes — Woche für Woche dem treuen Dienst beiwohnen 2. Private Lektüre (tägliches, diszipliniertes, betendes Studium der Schriften) 3. Vergleich von Schrift mit Schrift — klare Stellen zur Auslegung dunkler heranziehen (WCF 1.9) 4. Gebet um die Erleuchtung des Geistes — weil unsere volle Überzeugung aus dem innerlichen Wirken des Geistes kommt (WCF 1.5) 5. Gegenseitige Unterweisung — das Wort mit anderen Gläubigen besprechen ^[raw/en/wcf-ch01-s07.md]

Der sich selbst auslegende Grundsatz

Das Bekenntnis lehrt: »Die unfehlbare Regel der Auslegung der Schrift ist die Schrift selbst; und darum, wenn eine Frage über den wahren und vollen Sinn einer Schrift entsteht… muss derselbe aus anderen Stellen, die deutlicher reden, erforscht und erkannt werden« (WCF 1.9). ^[raw/en/wcf-ch01-s09.md]

john-calvin|Johannes Calvin hat dies in all seinen Kommentaren vorgelebt, indem er beständig ablehnte, äußere Bedeutungen auf den Text zu legen, und die Schrift die Schrift auslegen ließ.

Eine Warnung der Puritaner

thomas-watson|Thomas Watson spricht eine ernste Warnung aus: »O wie viele können den ganzen Morgen ihr Gesicht im Spiegel betrachten — aber ihre Augen beginnen zu schmerzen, wenn sie auf die Bibel blicken! Heiden sterben aus Mangel an Schrift, und diese aus Verachtung derselben.« Und eine kostbare Verheißung: »Das Wort hat ihre Herzen getröstet. Wenn Christen an den Wassern Babel gesessen und geweint haben — da fiel das Wort wie Honig und erguickte sie süß.« ^[raw/en/wcf-ch01-s01.md]

Siehe auch

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